Hörspiel - Kino im Kopf???

      Markus G. schrieb:

      Als ich bei der ersten Hörspielmesse vor Ort war und mir den runden Tisch mit einigen prominenten Synchronstars wie Fransziska Pigulla oder Lutz Riedl angesehen habe, da erinnere ich mich an ein Statement von Riedl, der meinte er hätte weder als Schauspieler noch als Synchronsprecher eine solch große Fülle an verschiedensten Rollen bekommen können, wie als Hörspielsprecher. Das scheint ihm auch einer der Vorteile des Hörspieles zu sein. Mal einen Werwolf, mal Graf Dracula und mal eine komplett andere Rolle sprechen zu dürfen.

      Sowas Ähnliches sagte mir Michael Lott auf der Messe letztes Jahr — da er nicht den "poster boy"-Look habe, werde ihm im TV wohl auch in Zukunft nie eine Rolle wie Mark Brandis angeboten. Hier, also im Hörspiel, könne er aber all das ausschliesslich mit Stimme erreichen und erleben.

      Ein unbestreitbarer Vorteil: nicht immer sitzt die perfekte Stimme im dazu passenden Körper ... und Lott hat eine geniale Heldenstimme.
      Helft Dunkelziffer e.V. gegen Kindesmissbrauch!

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      Vor Machern wie Oliver Döring wäre ich nie auf die Idee gekommen, Hörspiele als Kino im Kopf zu bezeichnen, das ist für mich eher eine Untergattung des Hörspiels, die er erfunden hat und dann zahlreich kopiert wurde.

      Wenn ich Hörspiele höre, die sich nicht an Dörings Erfolgsrezept orientieren, spielt sich bei mir im Kopf eigentlich etwas anderes ab als "Kino", dass ich aber tatsächlich nicht leicht bezeichnen kann. "Alternatives Leben im Kopf" trifft es vielleicht ^^ ...

      Das trifft natürlich sicherlich auch auf Döring und Co. zu, doch wenn ein Hörspiel von seiner Machart stark einem Kinoerlebnis nachempfunden ist, dann drängt sich das Kinofeeling eben stark auf - möglicherweise auch Mal zu Lasten des klassischen Hörspielgefühls.

      So eine Orientierung am Blockbuster-Kino ist aber halt auch extrem reizvoll, deshalb mag ich heute inzwischen oft Hörspiele am liebsten, die das ja relativ neuartige "Kino im Kopf" Döringscher Art bewusst mit klassischen Stärken des Hörspiels verbinden (z.B. Darstellung innerer Stimmen), neueres Paradebeispiel sind z.B. die "Chroniken des Grauens ", älteres Lieblingsbeispiel Wallander von STIL. Wenn man nur die beiden mit filmischen Umsetzungen vergleicht, stellt man fest, dass die Hörspiele sich zwar teilweise am filmischen Erzählen orientieren, jedoch auch die klassischen Stärken des Hörspiels voll ausspielen und damit dem richtigen, echten Kino doch sehr überlegen sind.

      Diese Überlegenheit liegt natürlich sicherlich auch an dem prinzipiell geeigneten Stoff, aber schon deshalb würde ich die Bezeichnung "Kino im Kopf" für Hörspiele generell schon fast für abwertend halten.
      Plattenspieler ausmotten: Es gibt wieder neue Hörspiele auf Vinyl! Juhu, die Hörspielwelt wird wieder eine Scheibe! 8o

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      Schöne Idee diesen thread wieder mit Leben zu füllen. Ganz wichtig ist dabei auf jeden Fall mein erstes Posting rund um Sven Stricker zu lesen um zu erfahren warum ich diese Frage gestellt habe.

      „Kino im Kopf“ nach Döring ist regelrecht wortwörtlich zu nehmen, weil Oliver Döring Stilelemente des Kinos genommen und diese im Hörspiel so weit wie möglich 1:1 umgesetzt hat.

      “Kino im Kopf“ an sich bedeutet aber für mich in Wahrheit mehr dass man Geschichten hört, die die Kreativität und Phantasie des Hörers fördert und „motiviert“ und so den sagenumwobenen Film im Kopf ermöglicht. Dazu braucht es im Grunde nicht zwingend die Stilelemente aus dem Kino.

      Und Sven Stricker wollte damals auf jeden Fall dafür plädieren dass man sich auf die ureigenen Stärken des Hörspiels beruft und keine krampfhaften Vergleiche mit visuellen Konsumgütern heran zieht.
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#