Sherlock Holmes & Co. [ROMANTRUHE]

      Akita Takeo schrieb:

      Aber diesen ganzen Zusammenhängenden Kosmos brauche ich nicht.

      Danach fragen die Macher ja leider nicht.

      Ein ähnliches Problem habe ich mit den "größten Fällen von Scotland Yard" - zu Beginn der Serie, als die Skripte noch von Andreas Masuth kamen, hatte jede Folge eine abgeschlossene Handlung mit unterschiedlichen Ermittlern/Teams.

      Mittlerweile gibt es nur noch "Stafford"-Folgen.

      Auch da fragt ja nie einer, ob die Leute das wirklich wollen, es wird einfach so gemacht.

      Akita Takeo schrieb:

      Nun ist auch Holmes in der Reihe im Maritim Kosmos angelangt.
      Viele Serien hängen zusammen.
      Dazu der "Zirkel der 7".
      Nun wird es Absurd.
      Das hat leider nicht mehr viel am Schluss mit Holmes zutun.
      Und Moriarty ist ein Schatten seiner selbst.


      Ich sehe das aus zwei Perspektiven:

      Einerseits stimme ich im Grunde zu, dass das Zusammenwürfeln diverser Charaktere zu einem gemeinsamen Kosmos einige Nachteile mit sich bringt. Insbesondere die Identitäten und Persönlichkeiten werden aufgeweicht und verlieren viel Charme. Das Problem besteht eigentlich immer, wenn große / bedeutende / starke Helden zusammengebracht werden. Man kennt und liebt die einzelnen Persönlichkeiten dafür, dass sie in ihrem Universum herausstechen. Sherlock Holmes löst die Fälle, die sonst halt keiner lösen kann, weil er eben etwas ganz Besonderes ist. Das fällt völlig weg, wenn im selben Universum plötzlich 10, 20 oder mehr "ganz besondere" Persönlichkeiten existieren, die zudem alle auf derselben Seite stehen (alles "Helden") und die diese wahnsinnig schwierigen Fälle im Grunde alle selbst auf ihre Art lösen könnten. Damit ist der einzelne Held nichts Besonderes mehr und der jeweilige Fall auch nicht.

      Wenn man dann einen Helden besonders herausstellen will, um ihn dann "noch besonderer" zu machen, entwertet das automatisch die anderen noch mehr. Sie alle als genau gleichwertig darzustellen ist eher unglaubwürdig. Da muss man als Hörer / Zuschauer schon mal das Hirn abschalten, um sich unterhalten lassen zu können... Wenn z.B. im Marvel-Universum eine Gottheit wie Thor Seite an Seite mit einem normalen Menschen im Hightech-Anzug (Iron Man) kämpft, dann verliert das Übernatürliche / Göttliche schnell seine Relevanz. Und wenn dann Dutzende Superhelden gleichzeitig in einer großen Schlacht kämpfen, ertappt sich der Zuschauer schnell bei Fragen wie "Wer ist das?", "Was kann der?" oder "Gibt es irgendeinen sinnvollen Grund dafür, dass der hier auftaucht?".

      Es bleibt jedenfalls mein größter Kritikpunkt, dass ausgerechnet diverse bereits bekannte und etablierte Charaktere zusammengewürfelt werden, was nie so gedacht war. Hinwegsehen kann ich noch über gewisse Logikprobleme (war Dupin nicht viel älter als Holmes? Ich erinnere mich dunkel an eine Rückblende in einem dieser Hörspiele, in der Holmes als Kind auf den erwachsenen Dupin trifft. Jetzt leben und werken plötzlich alle dieser bedeutenden Charaktere zeitgleich). Aber es stört einfach, dass die ganzen Helden, die als Einzelgänger (mit Partner) angelegt wurden, plötzlich so gleichgeschaltet präsentiert werden. Alle arbeiten mehr oder weniger direkt für Mycroft Holmes, alle bekämpfen dieselbe Organisation, alle wirken plötzlich austauschbar. Und das Ganze lässt sich ebenso, wenn nicht noch stärker, für die Bösewichte behaupten. Dracula als Teil einer Verbrecher-Organisation ist schon – gewöhnungsbedürftig...

      Aber jetzt mal das "andererseits": Ich finde es durchaus spannend und als Hörer motivierend, in so einen großen, zusammenhängenden Kosmos einzutauchen. In einer Hörspielserie etwas zu hören, das man (besser) versteht, wenn man etwas zugehöriges in einer anderen zuvor bereits gehört hat, macht mir Spaß. Figuren zu etablieren und dann als Gäste in parallelen Serien auftreten zu lassen, gefällt mir sehr gut (muss natürlich sinnvoll eingebaut sein). Es ist eine Kunst für Autoren, einerseits die einzelne Serie logisch, verständlich zu halten und dabei Gastauftritte einzubauen, die nicht für manche verwirrend oder sinnlos und damit langweilig werden – andererseits den Alles-Hörern durch diese Querverbindungen zusätzliche Infos und Hintergründe zu liefern, die man beim Hören nur einer Serie nie verstehen würde.

      Ist man davon einmal richtig gepackt, macht es erst richtig Spaß, in einen Kosmos einzutauchen, sich Infos zu holen (ein Fan-Wiki mit allen Charakteren, Querverbindungen etc.? Das wäre doch mal cool!) und vielleicht in alte Hörspiele nochmal reinzuhören, weil man sie mit den neuen Infos besser versteht und neue Details entdeckt.

      Das ganze Projekt ist also durchaus cool, krankt aus meiner Sicht nur daran, dass man sich nicht getraut hat, das Ganze auf Basis neuer Charaktere aufzubauen, die von Haus aus super in das Universum passen und auch niemanden enttäuschen können durch die vielen Kompromisse, die Autoren eingehen müssen. Natürlich ist es nachvollziehbar, dass prominente Namen wie Holmes & Co. dafür sorgen, dass überhaupt viele Menschen das Ganze für sich entdecken. Aber Enttäuschungen sind da vorprogrammiert. Für mich persönlich gilt: Ich höre die ganzen Hörspielserien gerne zum Einschlafen (wie alle Hörspiele ;) ), aber sehe sie halt nicht als perfekte Unterhaltung auf hohem Niveau, sondern als nette Berieselung ohne zu begeistern.
      Heute die aktuelle Folge 65 gehört, die Van Dusen-Folge "Heim der Phantome"

      Bei dieser Reihe gefallen mir mitunter die Folgen weniger, als es mir lieb wäre, weil sie manchmal so vorbei rauschen, diese hier hat mir aber gut gefallen. Am Anfang gibt es gleich einen ziemlich guten Plot-Twist (ok, hätte man drauf kommen können, bin ich aber nicht) und die Auflösung ist dann verhältnismäßig düster. Abzüge in der B-Note gibt es aber für die etwas arg flinke Auflösung des Falles. Häufig stöhne ich, warum so viele dieser Hörspiele CD-Standardlänge haben müssen (so 70-80 Minuten), dieses hier mit einer knappen Stunde hätten ein paar Minuten mehr aber gut zu Gesicht gestanden. Aber das sind Details. Insgesamt, Daumen hoch. Gutes Van Dusen-Hörspiel in der Reihe.

      Flori1981 schrieb:


      Martin Keßler bemüht sich noch aber Norbert Langer ist als Hatch für mich eine totale Fehlbesetzung.
      Er klingt einfach zu alt für die Rolle.

      Das stimmt leider, was aus gewissen Gründen (hört selbst!) gerade bei dieser Folge nicht so ideal ist.
      Oje, ich liebe Norbert Langers Stimme. Ich hoffe es geht ihm gesundheitlich gut.
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#
      Ich war am Freitag schon mit Der Wiedergänger unterwegs. Durchaus unterhaltsame Folge. Für meinen Geschmack etwas zu lange geraten. War trotzdem nett.
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

      Markus G. schrieb:

      Ich war am Freitag schon mit Der Wiedergänger unterwegs. Durchaus unterhaltsame Folge. Für meinen Geschmack etwas zu lange geraten. War trotzdem nett.


      Ja, die kann man durchwinken. Der Autor hat eine Idee und arbeitet diese auch ganz gut aus. Würde nur "etwas zu lang" in "deutlich zu lang" ändern, denn es zieht sich doch wie Kaugummi. Und Charles Rettinghaus in seiner Holmes-Charge hält man ja auch nicht ewig aus :D
      Ich hab ja damals 2002 in der Wiener U3 zwischen Volkstheater und Neubaugasse mit dem Motorala A920 von Drei und Leni Riefenstahl das erste Selfie der Geschichte geknipst” - Aus meiner Biografie, erschienen im Jahr 2039, geschrieben im Jahr zuvor am Pool einer Finca auf den Balearen
      Am 22.7 kommt auf den Hoerspielmarkt (68) Der kalte Hauch der Rache :

      Inhalt:

      Geoffrey Stafford erlebt den schlimmsten Alptraum. Seine Frau Gwen wird tot aus der Themse gefischt und ein Abschiedsbrief gefunden! Geoffrey kann nicht glauben, dass Gwen sich selbst das Leben genommen hat, aber wer ist dann dafür verantwortlich? Inspector Cross und Mycroft Holmes versuchen beide, den verzweifelten Witwer von einem unüberlegten Rachefeldzug abzuhalten. Eine Spur führt ins Russenviertel Londons. Dort muss sich Geoffrey einem Gegner stellen, dem er haushoch unterlegen ist ...
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      Folge 65 - Heim der Phantome

      Endlich wieder gute Unterhaltung in dieser Serie.
      Was dahinter steckt wird schnell klar.
      Nur Hatch reagiert zu spät.
      Doch Van Dusen wird es schon machen.

      Gute Story!

      Nur am Ende wird klar, das auch hier das Maritim Universum Einzug hält.

      Für diese Folge aber noch 8 Punkte.
      Am 9.12. erscheint Folge 69 Der Schatz der toten Seelen.

      Darum gehts:

      Das plötzliche Verschwinden eines Gefängniswärters ist erst der Beginn eines geheimnisvollen Falles, der Professor Van Dusen und Hutchinson Hatch auf eine harte Probe stellt. Die Spur führt nach "Hart Island", wo die Armen und Vergessenen der Stadt New York in anonymen Gräbern verscharrt werden. Als sich Hatch und Officer Cardone nachts auf die Toteninsel begeben, ahnt Professor Van Dusen fast zu spät, welcher Gefahr sie sich dabei aussetzen. Kann die "Denkmaschine" noch rechtzeitig rettend eingreifen?
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