Gruselkabinett 11 - Der Untergang des Hauses Usher

      Gruselkabinett 11 - Der Untergang des Hauses Usher



      Titel: Der Untergang des Hauses Usher
      Genre: Horror
      Label: Titania Medien
      Laufzeit: . 1 CD
      Erscheinungsjahr: 2006

      Preis: Euro 7,99 /CD
      ISBN: 3937273174

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      Inhalt:
      In der Umgebung von Baltimore 1845

      Philipp Belfield reist, durch einen Brief seines Jugendfreundes Roderick alarmiert, auf den abgelegenen, inmitten von Sumpfland errichteten Stammsitz der Familie Usher.

      Ein drohendes Unheil scheint über dem alten Gemäuer zu schweben, denn Roderick Usher, der letzte Spross der alten Familie, ist von einer seltsamen Krankheit gezeichnet ...

      Mit Oliver Feld (u.a. dt. Stimme von Ben Affleck), Tobias Kluckert (Colin Farrell), Claudia Urbschat-Mingues (Angelina Jolie) und Kaspar Eichel (Fred Astaire).

      Kritik:
      Klare Ansage:

      1.) Ich mag die von Edgar Allen Poe geschriebenen Geschichten nicht.
      2.) Der Untergang des Hauses Usher hat mich in Form des Europa Hörspiels bereits vor mehr als 20 Jahren derart emotional beansprucht, dass ich es bis dato nie wieder gehört habe.

      Gut, was heißt das nun für das von Titania Medien veröffentlichte Hörspiel. Nun, zunächst: ich habe es gehört. Bis zum -im wahrsten Sinne des Wortes- "bitteren" Ende. Genau: Ich habe meine Meinung bezüglich des Unterhaltungswertes von Poe Hörspielen im Allgemeinen, der Geschichte um das Familiendrama der Ushers im besonderen nicht revidiert und fühle mich in der Tat auch von dieser Umsetzung nicht im geringsten amüsiert. Und das ist diesmal meine wirkliche Meinung. Kein Kokettieren mit irgendwelchen nicht ernstgemeinten Abneigungsbekundungen!

      Klar aber auch: Ich werde meine persönlich begründete Abneigung weiter als bis hier her sicher nicht zum Thema dieser Rezension machen. Das würde dem Werk und dem dahinter stehenden Anspruch der Hörspielmacher eindeutig nicht gerecht.

      Also, was gibt es zu schreiben:

      Das Hörspiel beginnt schon zu Beginn recht düster, melancholisch und depressiv. Mit Erscheinen des jungen Belfield im alten Gemäuer der Usher wird das Haus und die den Landsitz umgebende Natur beschrieben. Derart eindringlich verbildlicht, dass man ob der unglaublichen Dichtheit der hierüber transportieren Atmosphäre in höchstem Maße Gefühle der Beklemmung und des Unwohlseins assoziiert! Ein düsterer See, ein noch düsteres Landhaus, in dem alle Fenster verhängt sind und dessen Herr sich in dunklen Vorahnungen von Tod, Verderben und Untergang ergeht, dessen merkwürdig geschärfte Sinne darüber hinaus eine psychedelisch verzerrte Wahrnehmung bedingen, die dem Zuhörer schonungslos offenbart wird.

      Wer darauf steht: Bitte! Ich fühlte mich aber dabei bereits schon so unwohl, dass ich eigentlich keine Lust mehr hatte, weiterzuhören. Ziel wohl erreicht -oder ? Na ja, ich habe mich natürlich nicht unterkriegen lassen; pflichtbewusst wie ich bin.

      Nun, das Ganze steigert sich dann noch: Mit Fortschreiten der Story und konkreter Inszenierung des eigentlichen "Themas" der Geschichte baut sich eine Atmosphäre auf, die den Zuhörer förmlich erdrückt. Geräusche, Dialoge und insbesondere die Beschreibungen des jeweiligen Geschehens vermitteln das Gefühl einem Alptraum zu lauschen der sich depressiv und bedrohlich zugleich im Kopf des Zuhörers zu manifestieren scheint. Definitiv nichts für emotional labile Zeitgenossen!

      In blankem Wahn gipfelt zu weniger guter letzt der Geschichte der inszestuöse Hintergrund dieser Famileinsaga der besonderen Art. Schlussendlich darf froh sein, wer dem Horror entronnen ist.

      ...

      Die „handwerkliche“ Umsetzung des Hörspiels ist titanialike perfekt. Wie immer passende Sprecher intonieren ihre Rollen mehr als überzeugend! Eine wie immer bei diesem Label wohl überlegt und intentional zielführend ausgesuchte Musik- und Geräuschkulisse vermittelt das zum dargebotenen Inhalt passende Flair. Meine Gratulation hierfür, denn der beabsichtigte Effekt hat klar eingesetzt!


      Die inhaltliche Adaption des Hörspiels an die literarische Vorlage kann ich nicht beurteilen, da ich Originalgeschichte nicht kenne. Rekurrierend auf das Charakteristische der sogenannten gothic novel im allgemeinen, der Werke Poes im Besonderen, nämlich speziell das Dämonische, Irrationale und Groteske im Rahmen einer Atmosphäre des Todes und des Vergehens lebendig werden zu lassen, muss man dem Hörspiel genrebezogen auf jeden Fall eine zu 100% gelungene Umsetzung attestieren! Chapeau in Anerkennung der hier geleisteten Arbeit, auch wenn mich das Endergebnis nicht zu unterhalten vermag!

      Fazit:
      Unter der fetten Überschrift Schauergeschichten subsumierte das Label Europa auf dem Cover seines Hörspiels seinerzeit die hörspieltechnische Umsetzung zweier Edgar Allan Poe Geschichten, von denen eine eben auch die Geschichte des Sir Roderick Usher war. Schauer ist das richtige Wort, was ich beim Hören dieser Geschichte empfunden habe. Wer darauf steht wird hier sicher voll auf seine Kosten kommen!

      © Oliver Schulte
      Online: 26.04.2006

      Quelle
      Gruß
      Der
      Olli

      ____
      Totgesagte leben länger!

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „ollihimself“ ()

      Jaaaa, ein irres Stück Gänsehaut-Unterhaltung. Für mich der bislang beste Eintrag ins Grusekabinett, und das will bei der Konkurrenz ja wirklich was heißen. Die Atmosphäre ist beängstigend, die Sprecher phantastisch - eine stimmungsmäßig perfekte Umsetzung dieser ungewöhnlichen Geschichte aus der Feder Poes. Das sollte sich wirklich keiner entgehen lassen!
      „Tut das Unnütze, singt die Lieder, die man aus eurem Mund nicht erwartet!
      Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt!“
      (Günter Eich - Träume)