Wie ist Eure Meinung zum Hörspielmarkt? Boomt er noch, stagniert er schon oder sind wir bereits im Tief?

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      @hoerspiel
      ​An die Mär vom „Überfluss“ glaube ich nicht. Es mag zwar wenige Hardcore Hörer geben, die wirklich alles mitnehmen, aber viele picken sich hier wohl eher ihre Lieblinge raus. Es gibt zwar vieles zu hören, aber ein „Überfluss“ empfinde ich persönlich im Stream nicht. Vor allem habe ich weiterhin Hörspiele, die ich möglichst „jetzt“ hören möchte, weil ich sehr neugierig auf sie bin oder sie zu meinen Lieblingen zählen. Die Stufe, wo es mir absolut egal ist, wann etwas erscheint, habe ich noch nicht erreicht. Vielleicht erreiche ich sie auch nie, denn auch im Stream denke ich gar nicht daran einfach alles zu hören und wenn man aussortiert, ist es plötzlich gar nicht mehr so viel, wie anfangs gesehen. Zumindest geht es mir so.


      Ich finde nicht, dass es eine Mär ist, dass sehr viele Hörspiele erscheinen. Wenn man sich einmal zurück lehnt, überlegt wie viele Hörspiele man im Regal hat, wie viele Hörspiele auf der Festplatte, wie viele Hörspiele im Stream verfügbar sind, vielleicht sogar wie viele Hörspiele in der AUDIBLE Bibliothek so schlummern und auf den diversen Apps vom Radio, über FYEO bis hin zu HOLY generell vorhanden wären und man dann noch die wöchentlichen Neuerscheinungen bedenkt, dann kommt man auf eine Zahl, die so groß ist, dass man mehrere Menschenleben bräuchte um sie zu hören. @Lenny würde vom Überfluss oder Überflussgesellschaft sprechen. Alleine was wir selbst an Hörspielen besitzen oder auf SPOTIFY hören dürfen, aber vielleicht erst einmal gehört haben, weil wir uns nicht die Zeit nehmen es wieder zu hören, Wahnsinn, da kommt es mir dann darauf an ob ich eine bestimmte Serie, in diesem Fall von IMAGA im Jänner oder im Herbst hören will? Da würde ich spontan raten bis dahin die alten Hörspiele von IMAGA noch einmal zu hören oder andere sehr gute Serien, die man viel zu selten gehört hat, noch einmal zu hören. Man wird viel Spaß und Freude damit haben. Freude, auf die man so verzichtet. Ich selbst freue mich über solche Zeiten, in denen es für mich nur wenig Interessantes gibt. Denn dann kommt eine mir liebgewonnene Serie aus der Vergangenheit dran zum Hören. Und wenn es nun wirklich so ist, dass man respektive ich besagtes Hörspiel wirklich jetzt und zum VÖ-Termin haben oder hören muss, dann gibt es ja immer noch die Möglichkeit im IMAGA-Shop zu kaufen und gleichzeitig dem Shop etwas sehr gutes zu tun. Ich sehe da wirklich für mich nur eine Win-Win-Situation ^^
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

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      Markus G. schrieb:

      Ich finde nicht, dass es eine Mär ist, dass sehr viele Hörspiele erscheinen.

      Ist für mich eine Sache der Betrachtung! Die Hörspielflut gab es doch zu Hochzeiten der CD auch. Ich kann mich an Aussagen in Foren erinnern, wo Hörer hunderte von ungehörten Hörspielen im Regal liegen hatten. Auch waren damals die CD Regale in den Geschäften oft so gefüllt, dass ich erst überlegen mußte, um mein Portmonee nicht zu überstrapazieren.
      Nur weil sich aktuell alles vom CD Regal zur Playlist verlagert, haben wir nicht unbedingt mehr Überfluss als früher. Und, selbst wenn es für viele nun wesentlich mehr zu hören gibt, als man jemals im Regal hatte, liegt es an den eigenen Hörgewohnheiten, ob man ein Überfluss empfindet. Selbst bei vielen Neuerscheinungen gibt es Freitage, wo ich doch lieber zum eigenen Archiv greife, weil nichts dabei ist, was mich jetzt wirklich spontan reizt. Aber, vielleicht geht es da nur mir so?

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      @hoerspiel Da geht es sicher nicht nur Dir so. So wie Du schreibst alles eine Sache der Betrachtung. Aber insgesamt verfügen wir über immens viele Hörspiele. Mehr als wir jemals hören können. Aber wir nützen halt nur einen Teil davon. Höre einmal Deine komplette Sammlung bevor Du ein neues Hörspiel hörst. Dann wirst Du bemerken, dass Du Tage, Wochen, Monate lang oder noch länger mit Hören beschäftigt sein wirst. Was aktuell veröffentlicht wird, ist sehr sehr viel. Ebenfalls immens viel. Aber natürlich wird jemand der vom Hörspielprojekt angefangen, über Radiohörspielen, bis hin zu den diversen Apps und am Ende über das Streaming hört deutlich weniger zu klagen haben, als jemand, der im Extremfall nur über Stream von IMAGA hört. Wenn wir uns erinnern wie oft wir als Kinder uns eine Folge der Gruselserie rauf und runter angehört haben und heute muss es jeden Tag was Neues sein. Ich kann nur nochmal sagen, wenn ich mal Zeit habe und nichts aktuelles was mich interessiert da ist, dann höre ich was Altes, dann gucke ich zu den Radiohörspielen, dann schau ich mich beim Hörspielprojekt um, dann höre ich beim Hörspieltalk-Radio was gerade läuft oder hole ich mir meine monatliche Dosis Hörbuch, die auch mal sein muss. Ich kann also wirklich nur raten nicht dem einen gerade nich vorhandenen IMAGA Hörspiel nachzuweinen, sondern mal wieder eine coole alte Hörspielserie raus zu holen oder ein wenig über den eigenen Tellerrand zu blicken und bei anderen interessanten Hörformaten, wie Radio, Podcasts (das alleine ist ja schon ein boomender Markt), nicht kommerziellen Hörspielen, Hörbüchern usw. rein zu hören und sich durch Genre, Medien etc. nicht selbst zu sehr einzuschränken. Und siehe da aus der Mär wird vielleicht auch mal Wahrheit :)
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

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      @hoerspiel Ich habe unsere Diskussion hierhin verlagert. Hier passt es deutlich besser.

      Wie seht ihr es heute? Stecken wir in einem Tief? Sind wir mitten drin im Boom? Oder sind wir in einer Übergangsphase? Und wohin führt uns diese Übergangsphase?
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

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      Da ich schon länger eher den Download bevorzuge, kommt der Verlust des Datenträgers für mich persönlich nicht ganz so plötzlich. Für Sammler dagegen muß dies aktuell eine sehr schwere Zeit sein, erscheinen doch zukünftig immer mehr Hörspiele digital only. Dafür gibt es nun wesentlich mehr Klassiker direkt zugriffsbereit als Download / im Stream, wo man früher länger für die Datenträger suchen oder tiefer in die Brieftasche greifen mußte. Ein Sammler mit großem Archiv juckt dies wiederum vielleicht nicht wirklich. Ist also immer eine Frage des Betrachters, ob wir in einem Tief oder Boom stecken. Was aber für alle zutrifft ist, dass wir in einer Übergangsphase stecken. Es geht zwar vom physischen zum digitalen Medium, aber ich würde mal behaupten, dass noch nicht feststeht, ob das Hörspiel wirklich im Musikstreaming sein endgültiges zu Hause gefunden hat. Vielleicht finden wir unsere Hörspiele zukünftig auch in verschiedenen Apps wieder?

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      Also für mich als Hörer und Hörspielsammler herrscht praktisch freudiger Ausnahmezustand. Auf allen Medien gibt es was zu hören. Neben diverser Sondereditionen auf MC wie Jan Tenner, TSB und noch einige andere, wird Dank @Wolfy-Office sogar die DVD und BLURAY wieder bedient. Vinyl hat sich ja mittlerweile wieder im kleinen Rahmen etabliert und es gibt ausreichend CDs zu kaufen. Daneben sprießen die Apps mit teilweise eigenen Hörspielen aus dem Hörspielboden, AUDIBLE versorgt mich mit ausreichend Hörspielen und Hörbüchern, die es sonst nirgendwo gibt und im Stream kann ich einen Großteil meiner Sammlung hören und bekomme viele wunderschöne alte Klassiker zu Gehör, die ich sonst niemals kennen gelernt hätte. Mein Hörspielherz freut sich und für mich boomt der Markt wie wohl noch niemals davor.

      Aber natürlich ist mein Empfinden durch mein „breites Hörverhalten als Konsument“ geprägt. Hörer eines bestimmten Mediums oder eines bestimmten Streaming-Anbieters haben hier vielleicht ein anderes Erleben. Manche Hörspiele werden für ihr Medium nicht mehr produziert, werden erst später veröffentlicht, manche Hörspiele verschwinden plötzlich von ihrem Streaminganbieter, SPOTIFY sorgt mit der neuen 3 Minuten Regel für Unruhe und Unsicherheit. Da kann es also durchaus auch sein, dass manche hier keinen Boom sehen, sondern eher eine „Stagnation“ bis hin dass es langsam Berg ab geht.

      Und für die Labels ist diese Zeit sicherlich am schwierigsten. Viele Labels werden wenn sie auf ihre Einnahmen schauen feststellen, dass kein Boom da ist, müssen reagieren, den Gürtel enger schnallen oder sogar zusperren. Corona hat hier sein Übriges dazu beigetragen.

      Es ist also alles eine Frage der Sichtweise und ich kann verstehen wenn nicht jeder wie ich vom größten Boom aller Zeiten spricht.
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

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