Klassiker immer besser, als Neue/Neuere Folgen? Oder trügt der Eindruck?

      Klassiker immer besser, als Neue/Neuere Folgen? Oder trügt der Eindruck?

      Da immer wieder zu lesen ist, das die großen ersten Folgen, die Klassiker, über fast allem stehen, muss ich einfach Mal fragen! Stimmt das denn überhaupt?
      Das Thema gibt es immer wieder, ob bei den ???, TKKG, Fünf Freunde, John Sinclair, Point Whitmark und vielen anderen Serien. In der Regel bei denen, die schon lange laufen.
      Aber ist das auch so?
      Oder liegt es daran, das die Klassiker, früher in der Jugend oder Kindheit, so oft im Player waren?
      Geht es neuen Hörern auch so?

      Ein sehr großes Thema.
      Werde meine Meinung natürlich auch noch schreiben.
      Hm, ist immer die Frage, was man zu den Klassiker zählt. Wenn man diesen Begriff bereits als eine gewisse Auszeichnung betrachtet, dann komme da eh nur die wirklich guten Hörspiele in Betracht. Und die müssen sich dann eben mit richtig guten Hörspielen aus der Gegenwart messen.

      Generell gibt es natürlich auch Hörspiele von heute, die mit alten mithalten können. Insofern würde ich das nicht pauschalisieren.
      Was allerdings EUROPA-Klassiker angeht, würde ich das anders sehen. Da gab es früher mit Sicherheit deutlich mehr Highlights als Leute. Sicher ist so etwas auch nostalgisch eingefärbt. Aber auch wenn ich mal ein paar Schritte zurücktrete und auf so manchen DDF-Klassiker blicke, erkenne ich, was sie so gut macht: Sie waren einfach atmosphärisch stark. Die Geschichten waren wirklich klug und außergewöhnlich, auch wenn die Übertragungen ins Hörspiel so manchen Murks mit sich brachten, aber das wurde locker mit der tollen Atmosphäre wettgemacht. Die war dann irgendwann futsch. Ich weiß auch nicht, wieso. Es ist beinahe so, als wäre Frau Körting in den 70'ern eine gute Fee erschienen, die sie mit Wunderkräften ausgestattet hätte, die aber nur für eine begrenze Zeit wirkten. Nach Ablauf einer Frist wurde sie dann dan eine Hörspielmacherin, deren Werke das gewisse Etwas viel zu oft vermissen ließen.
      Aber es kam wohl einfach damals vieles zusammen, was richtig passte: die Sprecher, die Vorlagen, die pointierten Francis-Skripte, die Bohn-Musik usw.

      Das gibt es so ja heute alles nicht mehr. Nehmen wir DDF: Die Vorlagen sind größtenteils schwach, wie ich lese, Francis gibt es nicht mehr, die Hauptsprecher gehen auf die 60 zu, die Hochkaräter von damals sind nicht mehr aktiv, und es wurden auch keine ebenbürtigen Sprecher mehr gesucht, und die Musik ist auch nicht auf demselben Niveau, wie ich finde. Dafür gibt es jetzt André Minninger. Und bei allem Respekt: Er ist nun mal kein Francis.
      Ich würde sagen da spielt bei vielen langjährigen Serien auch viel Nostalgie mit. Und auch, dass man früher als Kind die Hörspiele ganz anders bewertet hat als jetzt als Erwachsener. Früher war auch die Konkurenz nicht so groß wie heute. Es gab vielleicht auch eine ganze Menge an Hörspielen, aber man konnte ja nicht alle kaufen und hören. Mein Taschengeld hat dafür jedenfalls nicht gereicht. Heute reicht ein Streaming-Abo und man kann hunderte Hörspiele hören und vergleichen.

      Wenn ich jetzt mal die Frünf Freunde als Beispiel nehme, die habe ich als Kind nämlich nicht gehört, sondern erst als Erwachsene, kann ich nicht sagen, dass die früheren Klassikerfolgen viel besser sind als die späteren. Sie sind anders als die neueren, aber nicht unbedingt besser. Point Whitmark finde ich auch durchgehend gut. Es gibt gute und sehr gute Folgen, vielleicht auch mal Durchschnitt. Aber dass die Anfangsfolgen wesentlich besser sind, als die letzten, kann ich überhaupt nicht bestätigen. Auch bei TKKG finde ich einige neuere Folgen richtig stark im Vergleich zu den Anfängen der Serie. Und TKKG war in meiner Kindheit eigentlich die meist gehörteste Serie bei mir im Kinderzimmer zusammen mit Bibi Blocksberg.

      Ich persönlich würde also nicht sagen, dass Klassiker immer besser sind als neuere Folgen.
      ___________________________________________________________________________________________________

      Ich schwanke seit langem zwischen möglichst gut informiert sein und am liebsten gar nichts mehr wissen wollen.
      Die Frage lautet jetzt - Ist es Nostalgie? - und Was ist Nostalgie?

      Ich bin zu folgendem Schluss gekommen, betreffend Hörspiele, die wir in der Kindheit gehört haben:

      Wir waren damals noch „verformbar“, teilweise „begeisterungsfähiger“, teilweise auch leichter zu unterhalten und nicht so anspruchsvoll, einfach weil wir viel wenige Vergleichsmöglichkeiten hatten als heute. Zudem haben wir Hörspiele nicht einmal sondern zehn Mal oder mehr gehört. Alles das hat damals dazu geführt „ein schönes Gefühl“ zu haben, als wir diese Hörspiele gehört haben. Zudem stehen sie in Verbindung mit anderen schönen Erinnerungen wie Eltern, Großeltern, Spielsachen, Kinderzimmer und vieles mehr. Alles das kommt wieder hoch wenn wir manche Hörspiele von damals hören. Das „Paket“ stimmt. Wie sollen da spätere Folgen mithalten können. Diese können teilweise ausschließlich nur mit dem Inhalt punkten? Ist das Nostalgie? Auf jeden Fall entfachen solche Klassiker stärkere Emotionen als neue Hörspiele. ABER irgendwann werden neue Hörspiele auch zu älteren Hörspielen, werden neue Hörspiele auch zu Klassiker und das Rad beginnt sich neu zu drehen. Darum haben es neue Hörspiele vorerst sehr schwer gegen ältere Hörspiele. Aber die Zeit gleicht irgendwann einmal diesen Nachteil aus. Trotzdem ist bei all diesen unterbewussten Vorgängen eines auch sehr wichtig - nämlich ob ein Hörspiel grundsätzlich gut oder nicht gut ist! Das sollte man niemals vergessen ;)
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#
      Irgendwie kommt man fast durchgehend zum Schluss, dass die ersten Folgen einer Serie einen meistens stärkeren Eindruck hinterlassen als die späteren Folgen. Gerade bei den sogenannten Endlosserien und Reihen. Gerade jetzt wieder bei Midnight Tales ist mir auch wieder der Gedanke gekommen. Das mag daran liegen dass man sich an fast alles gewöhnt, das ursprünglich Neue und Besondere irgendwann zur Routine wird. Da hat man es als Macher schwer.
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#
      Bei den Drei Fragezeichen merke ich sehr stark, dass mir die Folgen aus den ersten Jahren immer noch am besten gefallen. Da spielt sicherlich auch Nostalgie eine Rolle, aber zB dieses schöne Gruseln, dass ich beim Gespensterschloss oder dem Geheimnis der Särge empfinde, vermisse ich in vielen neuen Folgen.
      "Mein Name ist Luther. Ich würde mich gerne mit Ihnen unterhalten."
      Also ich bringe alles mit der Kindheit in Zusammenhang.
      Die alten Folgen einer lang laufenden Serie, werden meist als Klassiker bezeichnet.
      So u.a. bei den ??? oder Sinclair.
      Aber auch bei Point Whitmark oder Gabriel Burns war es so und ist es auch immer noch.
      Auch bei mir ist das öfters so.
      Dann wird vieles von heute damit verglichen.
      Das sich die Machart ändert ist ja klar.
      Aber waren die Folgen zu Beginn wirklich besser.
      Oder liegt es oft nur daran, das wir diese viel häufiger gehört haben?
      Also bei mir ist es so, das ich als Kind und Jugendlicher natürlich nur wenige Hörspiele hatte.
      Gerade die ersten Folgen habe ich daher häufig gehört.
      Dagegen habe ich die letzten 100 Folgen, wohl bis auf wenige Ausnahmen nur einmal gehört.
      Sie sind lange nicht so präsent im Gedächtnis.
      Auch ich finde die Klassiker großartig.
      Nicht nur wegen der Storys, sondern vor allem auch wegen der Musik.
      Aber auch in der ganzen Zeit danach, gab es immer wieder gute bis sehr gute Folgen.

      Und was meint ihr dazu?
      Ich als tatsächlich reiner Klassiker Hörer finde die damaligen Hörspiele durchweg spannender , atmosphärischer als heute.Natürlich liegt auch ein Schwerpunkt bei den Sprechern.Paetsch,Diess,Kramer,etc...
      Diese Qualität gibt es heute nicht mehr,das wage ich tatsächlich zu behaupten.Dazu natürlich die Musik und ja auch die Nostalgie.
      Aber eben nicht nur.Es war für mich qualitativ einfach besser.
      Diese
      @Hardenberg,ich weiß gar nicht ob man Frau Körting da ne Schuld geben kann.Die Musik ist teilweise weg,die großen Sprecher und Francis ebenfalls.
      Außerdem muss heute auch alles politisch korrekt sein, viele Dinge von damals würde man sich heute nicht mehr trauen.
      Alleine die großartigen Sprecher haben die Hörspiele fast alleine getragen.Solche gibt es heutzutage nicht einmal im Ansatz.
      Auch wenn ich sehr gerne und viel Klassiker höre, muss ich hier einfach mal widersprechen, dass heute keine guten Hörspiele mehr möglich sind. Es gibt für mich auch im Jetzt sehr viele richtig tolle Hörspiele und auch großartige Sprecher(innen) sind nach wie vor dabei. Was die politische Korrektheit angeht, ja die empfinde ich ebenfalls sehr oft übertrieben, aber einem guten Hörspiel steht diese keineswegs im Wege. Da stehen für mich in der Neuzeit viel mehr andere Probleme sehr oft einem guten Hörspiel im Wege. Zu langes Erzählen oder unendliche Dialoge, die die Handlung nicht vorantreiben, stören da in meinen Ohren viel mehr. Aber in alter Zeit war auch längst nicht alles Gold. Da waren auch viele Gurken dabei. Jede Zeit hat ihre guten und schlechten Hörspiele hervorgebracht. Ich jedenfalls liebe die aktuelle Hörspielära genauso, wie auch die gute alte Kassetten- oder CD-Zeit.
      Die Latte liegt beim Gespann Körting/Francis hoch, auch bei Vethake, Max Braun oder Ulli Herzog. Allerdings auch bei Sven Stricker, STIL, Oliver Döring oder auch weil ich sie gerade höre bei einer Viviane Koppelmann. Das sind alles großartige Hörspielproduktionen. Und Ja, sehr viele sind zeitlos gut. Da ist es egal ob man sie heute zum ersten oder zum 100.Mal hört. Zudem mag man bestimmte „Handschriften“ eben oder eben nicht.

      Dass das Phänomen „Körting“ heute nicht mehr so „sticht“ wie früher hat sicherlich viele Gründe. @Jokel hat es schön geschrieben. Sie hatte damals den besten Autor fürs Label. Ebenso den besten Musiker. Und natürlich großartige Sprecher, die damals im besten Alter waren. Und ihr stand damals eine moderne Technik zur Verfügung. Heute hat sie vieles davon nicht mehr. Die Technik ist antiquiert, die Autoren weit weg einer Klasse von HG Francis, die Sprecher sind allesamt zu alt, auch die Kindersprecher, der Musik fehlt das Esprit und auch sie selbst ist nicht mehr jünger geworden. Seien wir ehrlich, wir alle schaffen heute manches nicht mehr so wie wir jung waren. Und natürlich ist heute eine andere Zeit, der Hörer will anderes hören und auch die Themen sind heute andere. Da kommt alles
      zusammen. Und somit sind die Körtingschen Hörspiele nicht mehr das was sie früher waren. Trotzdem sie durchaus noch Charme haben.
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

      Jokel schrieb:


      @Hardenberg,ich weiß gar nicht ob man Frau Körting da ne Schuld geben kann.Die Musik ist teilweise weg,die großen Sprecher und Francis ebenfalls.
      Außerdem muss heute auch alles politisch korrekt sein, viele Dinge von damals würde man sich heute nicht mehr trauen.
      Alleine die großartigen Sprecher haben die Hörspiele fast alleine getragen.Solche gibt es heutzutage nicht einmal im Ansatz.


      Och, ich weiß ja nicht. Diese pc-Schiene wird ja jetzt so oft gefahren, aber ich sehe das nicht so. Manches würde man heute zu recht nicht mehr so machen, denke ich. Macho-Maulhelden wie "T" aus TKKG sind heute einfach nicht mehr gefragt, und Mädchen wollen auch nicht das schwache Etwas sein, das beschützt werden muss. Das hat nicht nur etwas mit pc zu tun. Die Menschen ticken heute einfach anders. Ich habe in der letzten Zeit hin und wieder mal einen Bond-Film mit Roger Moore gesehen, und was da so geboten wurde im Hinblick auf Frauen, da kann man heute eigentlich nur mit dem Kopf schütteln. So etwas würde man so heute nicht mehr machen. Aber nicht weil jemand sagt, man dürfe es nicht. Sondern weil es einfach peinlich ist!

      Ich finde ja auch, man darf Widerspruch nicht immer gleichsetzen mit Verbot. Wenn man etwas rausbringt, muss man damit leben, dass auch Kritik kommt. Wenn ich selbst als Unternehmer dann denke, ich ziehe das Produkt zurück, weil ich mich der Kritik nicht aussetzen will, ist das erst einmal eine persönliche Entscheidung. Selbst wenn wir das übertrieben finden mögen. Aber mit Verboten hat das nichts zu tun. Und es gibt ja noch genug, was nicht pc ist. Nur eben auf andere Weise nicht pc. Warum sollte so etwas nicht auch einem Wandel unterzogen sein? In den 60'ern haben sich viele über Freizügigkeit in Filmen mokiert, noch zu der Zeit war es in amerikanischen Filmen verpönt, eine Toilette zu zeigen. Die individuellen Grenzen des Erträglichen verschieben sich einfach. Mal in die eine, dann wieder in die andere Richtung. Das ist noch nicht der Untergang des Abendlandes. ;)

      Und es ist ja nun auch nicht so, als wären durchweg alle EUROPA-Produktionen durch und durch problematisch. Das ist ja nicht so, auch wenn EUROPA jetzt vorsorglich auf jede Menge Hörspiele im Stream seinen Disclaimer pappt, um sich nicht wirklich inhaltlich auseinandersetzen zu müssen.

      DDF etwa finde ich nur an einer Stelle etwas seltsam - und das ist bei den verächtlichen Kommentaren der Jungs im Hinblick auf vegetarische Ernährung: und ausgerechnet das steht so nicht im Buch, sondern stammt von Francis. ;)
      Ansonsten sind die drei Jungs aus Rocky Beach stets vorbildlich, was den Umgang mit anderen Menschen angeht.

      Aber was sich EUROPA nun Dolles getraut haben sollen, weiß ich auch nicht. Ich fand TKKG schon als Kind blöd: ich mochte die Charakterzeichnungen nicht, ich fand die meisten Fälle plump usw. Natürlich gab es auch ein paar Highlights. Aber ich stand Anfang der 80'er sicherlich nicht im Ruch, besonders um pc bemüht zu sein.
      Im Unterschied zu damals kann ich heute allerdings besser einordnen, was ich so doof fand, im Gegensatz zu den drei ???:
      Mutig fand ich EUROPA bei TKKG jedenfalls nicht.
      Ich hab jetzt überlegen müssen was pc ist. Aus meiner Sicht wäre es kurzsichtig „pc“ als wichtigen Grund anzuführen warum Klassiker von damals besser sind als Hörspiele von heute. Für mich wohlgemerkt spielt das überhaupt keine Rolle. Und beim Gros der Hörspielfans spielen die vielen anderen Gründe warum Klassiker öfters auch nach Jahrzehnten noch so beliebt sind, einige habe ich ja aufgezählt, sicherlich wichtiger und bedeutender. Da ist „pc“ wohl nur ein Faktor von vielen Faktoren. Wer politisch unkorrekte Hörspiele hören möchte, der wird auch heute noch fündig.
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#