GRËUL (WDR) von Edgar Linscheid & Stuart Kummer

      hoerspiel schrieb:

      Die Aussagen mit der Ähnlichkeit von Monster 1983 lassen in mir die Freude noch mehr ansteigen.
      Es ist mehr das selbe 'Gefühl' wie bei Monster 1983, weniger der tatsächliche Inhalt. Und wie oben geschrieben gilt das auch nur für die erste Folge, die 2 und 3 haben kaum noch Anklänge an die ILM-Produktion.
      Das lästige an der Realität ist ihre Alternativlosigkeit. (Sarah Bosetti)
      Also, an Monster1983 musste ich keine Sekunde denken, eher ab Der Name der Rose, wegen des Settings.

      Aber egal.
      Was Teil 1 und 2 angeht: Wow!

      Was für ein spannender und atmosphärisch packender Einstieg!

      Besser geht's nicht.

      Wenn der Rest auf dem Niveau bleibt, dürfte das wohl tatsächlich für mich das Hörspiel des Jahres sein.

      Wieder einmal (nach Caiman Club) zeigt damit das Radio dem kommerziellen Hörspielsektor, wie Hörspiel in den 2020'ern geht und was es kann.

      Und ich wiederhole mich gern: wow!

      :)
      Ich bin auch schon gespannt auf Greul. Ich werde in ein paar Tagen starten.

      Hardenberg schrieb:

      Wieder einmal (nach Caiman Club) zeigt damit das Radio dem kommerziellen Hörspielsektor, wie Hörspiel in den 2020'ern geht und was es kann.


      Ob es wirklich daran liegt, oder an den Machern? Vielleicht ist das die letzte Produktion von Stuart und Kummer fürs Radio, weil sie, wie spekuliert wird, zu audible wechseln könnten. Es gibt ja durch "Virtual Island" den ersten Kontakt zu audible...
      Ich fand Folge 1 wirklich gut. Schöne Mysterygeschichte, schöne Atmosphäre, guter Einstieg in die Mini-Serie. Ich bin aber noch nicht so geflashed wie von anderen Serien. Da habe ich zum Start schon viel Besseres gehört. Aber die Chancen sind auf jeden Fall noch sehr intakt, dass es auch für mich was Großartiges wird.
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#
      Nach 4 Folgen wage ich mal eine 'Halbzeit-Bilanz'

      'GREUL' ist ein Hörspiel des WDR - und das sagt eigentlich schon alles über die handwerkliche Umsetzung aus. Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich zuletzt eine Produktion dieses Senders schlecht gemacht fand. Inhaltlich sieht das bei dem einen oder anderen Hörspiel anders aus, aber an Buch, Sprecher*innen, Sounds, Musik und Dialogen gab es eigentlich nie etwas zu beanstanden. So auch hier. Es ist einfach ein großes Vergnügen, in die mittelalterliche Welt des Dorfes Quill im Zirnertal einzutauchen.

      Zuallererst ist 'GREUL' natürlich ein Horrorkrimi. Geht wirklich das GREUL um, das bisher ins Reich der Schauermärchen gehörte? Oder ist doch ein Mensch der Mörder von Ortrud, der Tochter des Schmieds? Oder ist doch ein Waldtier wie der riesige Bär, der in Folge 4 auftaucht, der Übeltäter? Wir werden als Hörer*innen direkt und ohne Vorwarnung ins Geschehen geworfen, denn Folge 1 beginnt mit der Ermordung Ortruds. Ein Schockmoment, der lange nachhallt.

      Während also ein klassicher Gruselstoff abgespult zu werden scheint, bezieht das Hörspiel einen Großteil seines Reizes aus vier Faktoren, die ungewöhnlich originell und gut umgesetzt wurden:
      • Wir sind zwar Zeugen, wie sich die Figuren verhalten, aber verstehen ihre Motive nicht sofort. Das überaus merkwürdige Gebahren des Abtes in Folge 1 wird zum Beispiel erst in Folge 2 verständlicher, die Zusammenhänge begreifen wir endgültig erst in Folge 3. Das könnte frustrierend für den/die Hörer*in sein, aber aufgrund der exzellenten Figurenzeichnung, lebendigen Dialoge und regelrecht aufwühlenden Szenen bleibt man dennoch dabei. Natürlich hofft man, dass sich auch andere Fragen noch klären, wie z. B. die, ob die Stimmen, die eine der Personen hört, echt sind, also Dämonen am Werk sind, ober ob sie Ausfluss einer psychischen Erkrankung sind. Ein Großteil der Spannung in den ersten vier Folgen resultiert genau aus dieser Unsicherheit, die einen beim Hören nie loslässt. Nichts darf hier als gesicherte Erkenntnis gelten.
      • Die Figuren werden permanent mit Fragen konfrontiert, für die es keine klare, moralisch einwandfreie Lösung gibt. Man nehme als Beispiel die Szene, in der die Dorfgemeinschaft darüber debattiert, ob man sich dem aufziehenden Sturm zum Trotz auf die Suche nach der vermissten Ortrud machen soll. Diese Szene wirkt (trotz der ungewohnten, altmodischen Sprache) sehr lebensnah und realistisch. Und man ertappt sich unwillkürlich bei der Frage, wie man sich selbst verhalten würde? Diese moralische Uneindeutigkeit zieht sich durch das gesamte Hörspiel. Selbst das Verhalten des Abts, das wir aus der aufgeklärten Sichtweise des 21. Jahrhunderts vermutlich verabscheuungswürdig finden, hat im Kontext seines Glaubens und seines Wissens durchaus seine Berechtigung. Ein Hörspiel um ein (vermeintliches?) Monster also, in dem es kein klares Gut und Böse gibt.
      • Bei genauerer Betrachtung sind die Abläufe nicht beliebig zusammengesetzt, sondern sie entspringen einem Grundkonflikt. Da ist die Abtei oben auf dem Berg - und da ist als Gegenpol das Dorf von 'Heiden' im Tal. Die einen versuchen, die 'Ungläubigen' zu bekehren, die wiederum wünschen den Mönchen die Pest an den Hals und wären sie am liebsten los. Die Handlungsweisen der Protagonisten wären ohne diesen Hintergrund nicht nachvollziehbar und gleichzeitig hebt er 'GREUL' deutlich über die meisten anderen Horror-Hörspiele hinaus.
      • Am Rande sei noch der hin und wieder eingestreute Humor erwähnt. Dieser ist zwar selten, aber wenn trifft er auch voll ins Schwarze. Dabei ist es fast egal, ob er sich auf, über oder unter Niveau befindet, denn allein dadurch, dass er so unerwartet kommt, zeigt er Wirkung. Die Szene, in der Ortrud Svinta sagt, was die Mönche wohin stecken z. B. ist sicherlich nicht sonderlich kultiviert, aber allemal für einen Lacher gut.
      Ein Hörspiel also, das mehr ist als reiner Horror oder Krimi, sondern literarische Tiefe aufweist. In den ersten vier Folgen kann das in jeder denkbaren Hinsicht überzeugen und man kann nur hoffen, dass es ähnlich gelungen weitergeht und aufgelöst wird. Anklänge an andere Hörspiele mag man sehen oder auch nicht (Der Name der Rose? Monster 1983?). Auf jeden Fall ist das hier völlig eigenständig und kupfert ganz sicher nirgendwo ab.

      Ich bin restlos begeistert.
      Das lästige an der Realität ist ihre Alternativlosigkeit. (Sarah Bosetti)
      Also ich musste bei der Suche der beiden Männern nach Ortrud an den Beginn von Macabros - Folge 2 Attacke der Untoten denken. An Monster 1983 gar nicht. Auf Grund von Kloster, Mönche und Abt natürlich auch an Im Namen der Rose. Ich hab aber bei jedem Hörspiel Assoziationen zu anderen Produktionen, weil es fast immer kleine oder größere Parallelen gibt.
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#
      Ich habe das Hörspiel jetzt zu Ende gehört und es ist in meiner Liste des Hörspiel des Jahres. Womit ich mich schwertue ist das Genre, den ein Fantasy Hörspiel, wie es beworben wird, ist es in meinen Augen nicht. Ich hoffe jetzt das es eine zweite Staffel gibt, will aber nicht zu viel verraten.
      Prima, das erste Gesamtfazit. Danke dafür, @HerrMarx :)

      Ich war und bin ja total angefixt - und dennoch musste ich jetzt, nachdem @kamica mich auf die BBC-Hörspiele nach Agatha Christie hingewiesen hat, The Mirror Crack'd from Side to Side dazwischenschieben. Ab morgen höre aber auch ich weiter. :)

      Gibt es denn noch weitere spoilerfreie Hör-Eindrücke von Hörerinnen und Hörern, die GRËUL bereits komplett durchgehört haben?
      Bin mittlerweile auch mit Grëul gestartet und habe mir die ersten beiden Folgen angehört. Also an Monster 1983 musste zu keinem Zeitpunkt denken. Allerhöchstens könnte ich die gemächliche Erzählweise und weil alles in einem Ort spielt im entferntesten damit in Verbindung bringen. Die Klosteratmosphäre erinnert tatsächlich ein wenig an Der Name der Rose. Dass war es aber auch schon mit den Parallelen.
      Mein Eindruck bisher: Es ist ein handwerklich sehr gut gemachtes Hörspiel, allerdings hat es mich bisher noch nicht komplett in den Bann gezogen. Bis jetzt dreht sich das Hörspiel noch ein wenig auf der Stelle, sehr viel Gerede über die heiligen Schriften, Diskussionen um das Böse und der Akt einer Vertuschung. Ich bleibe dran, das Tempo dürfte für mein Geschmack ruhig etwas anziehen.
      Ich habe auch 2 Folgen gehört. Würde es auch als gutes und interessantes Hörspiel ansehen. Ich denke mal es ist klar ersichtlich wohin die Reise geht. Bin gespannt ob es tatsächlich so ist, wie ich es mir erwarte. Wäre natürlich ein interessanter Weg, für mich selbst aber eher weniger reizvoll. Aber vielleicht liege ich auch komplett falsch und man hat mich an der Nase herum geführt. Dann wiederum steht die Tür offen zu einem noch besseren Hörspiel für mich :)
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#
      Urlaub sei Dank, bin ich jetzt auch durch. Ein ganz tolles und starkes Hörspiel, das vor allem im Hinblick auf Verlauf und Genrezuordnung immer wieder überrascht. Die Sprecher sind stark, die Atmo fesselnd, und gerade zum Ende hin würde man gern weiterhören. Ohne damit zu spoilern: Das Ganze schreit nach einer Fortsetzung. Die ich auch bestimmt hören werde.

      Aber.
      Aber obwohl ich mich gut unterhalten fühlte und das Ganze als bisheriges Highlight dieses Hörspieljahres betrachten würde, muss ich gestehen, wenn ich es zB mit dem Caiman Club vergleiche, dann würde ich da schon noch Luft nach oben sehen. Die einzelnen Versatzstücke der Handlung waren zwar gut umgesetzt, aber vieles war jetzt für mich nicht mehr so neu oder überraschend und schon aus anderen Geschichten so oder so ähnlich bekannt, so dass hier vieles im Grunde Variation ist, während beim CC vieles wirklich neu für mich war. Auch gibt es bei GRËUL im Vergleich zu CC auch einige Passagen, in denen die Handlung auf der Stelle tritt. Obwohl auch diese Passagen insgesamt nicht stören. Aber das ist mir schon aufgefallen.

      Insofern: Highlight 2022 - ja!, toll gemacht - ja!, mit Potential für eine Fortsetzung - ja!

      Aber auch noch mit Luft nach oben.
      Für Staffel 2. :)

      Oder anders ausgedrückt: Tolles Teil, das ein bisschen Raum für Jammern auf höchstem Niveau lässt. ;)