Drama ohne Ende - Das Problem mit komplexen Hörspielwelten

      Drama ohne Ende - Das Problem mit komplexen Hörspielwelten

      Mit Der Thron der Nibelungen ist nun aktuell mal wieder eine Hörspielserie auf den Markt gekommen, die versucht, eine komplexere Hörspielwelt zu erschaffen, um über mehrere Staffeln hinweg eine längere Geschichte zu erzählen. Die Resonanz war zunächst eher zurückhaltend, wie es schien, stieg dann aber über die Wochen hinweg, zumindest hier im Talk. Schaut man nun bei Spotify, ist dort die erste Staffel dieser Serie noch mit unter tausend Hörern verzeichnet. Nun weiß ich nicht, mit wie vielen Klicks man in den ersten Wochen und Monaten einer Veröffentlichung legitimerweise rechnen darf, wenn man Hörspielmacher ist und nicht gerade die drei Fragezeichen oder John Sinclair auf den Markt bringt, aber auf den ersten Blick erscheint mir das nun nicht sehr viel. Irgendwie habe ich ein bisschen die Befürchtung, dass es bei dieser ersten Staffel bleiben könnte. Obwohl ich es mir natürlich ganz anders wünschen würde.

      Wobei wir wieder bei dem alten Thema der unvollendeten Serie wären.
      Ich frage mich, woran es liegt, dass komplexere Serienwelten es mittlerweile sehr schwer zu haben scheinen. Jedenfalls gibt es viele Beispiele dafür, dass eine solche Serie nicht ihr eigentlich vorgesehenes Ende findet, da müssen wir uns nicht einmal lange mit GB oder EAP aufhalten: Die Schwarze Sonne ist erst mit erheblicher Verzögerung fortgesetzt worden, lange Zeit sah es nicht danach aus, als würde das geschehen, bei Hyde away war die Einstellung ebenfalls vorgesehen und wird jetzt wohl in erster Linie nur deshalb fortgesetzt, weil EUROPA seine neue Erwachsenenmarke etablieren und mit Inhalten füllen will, Interplanars Und auf Erden Stille musste mit der zweiten Staffel beendet werden, und auch Die weiße Lilie wird doch vorzeitig zu einem Ende geführt, obwohl eigentlich ein deutlich längerer Handlungsbogen vorgesehen war. Und auch beim großen AUDIBLE ist eine Serie wie Imperator vor dem Ende der Geschichte abgesetzt worden.

      Da ich ein großer Freund solcher komplexeren Geschichten bin, natürlich sofern sie gut gemacht sind, frage ich mich nun, woran das liegt. Haben solche Serien heute (Stand 2022) überhaupt noch eine Chance?

      Herrscht heute eher mangelndes Interesse der meisten Hörerinnen und Hörer an längeren und folgenübergreifenden Plots vor, etwa weil ihnen die Mühen des Alltags nicht viel Raum geben, sich darauf einzulassen?

      Oder hat es am Ende gar nichts mit Form und Inhalt zu tun, sondern mit den Fehlern der Vergangenheit, die von Machern gemacht wurden? Ist es vielleicht die Erfahrung, am Ende eiskalt stehengelassen zu werden mit zig offenen Fäden in den Händen, das jahrelange Warten, eventuell sogar Hoffen und Bangen, das am Ende nicht belohnt wird? Wollen vielleicht die meisten Hörerinnen und Hörer heute schlicht abwarten, bis sich abzeichnet, ob eine Serie auch tatsächlich fortgesetzt und bis zu einem Ende geführt wird, ehe sie sich selbst darauf einzulassen bereit sind?

      Was denkt Ihr?
      Und wie empfindet Ihr es persönlich?

      Wäre eine solche (verständliche) Haltung ehemals enttäuschter Hörer nicht im Grunde so etwas wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, weil das Abwarten dazu führen kann, dass eine Serie schon in der ersten Staffel zu wenig Hörer hat - und darum eingestellt wird?

      Oder beweisen Serien wie der Caiman Club und andere, dass es am Ende einfach doch auf die Inhalte ankommt - und wenn die eben voll überzeugen, auch die Skeptischen zu locken sind?

      Welche Gründe kann es sonst noch geben, sich komplexeren Hörspielserien zu verweigern?

      Und wie steht Ihr zu dem Risiko, dass eine Serie nicht vollendet werden könnte? Hält Euch das davon ab, frühzeitig in eine Serie hineinzuhören? Oder nehmt Ihr dieses Risiko in Kauf? Oder stört es Euch am Ende gar nicht, weil es genug anderes gibt, womit man sich von seiner Enttäuschung ablenken kann?

      Ich bin sehr gespannt auf Eure Ansichten. :)
      Ich persönlich empfinde die aktuelle Entwicklung eher als traurig. Auch ich höre mittlerweile lieber lange, komplexe Geschichten als das x-te Cosy Crime oder Trash Horror Hörspiel

      Audible setzt Heller, Dezernat Q und Imperator ab, die weisse Lilie wird gekürzt, seit mittlerweile Jahren gibt es keine News mehr zu Sonderberg und Co (das passt nicht so ganz in diese Liste, ist aber auch ein eher komplexes und "anderes" Hörspiel). Gleichzeitig haben wir aber mittlerweile 5 van Dusen Serien, 12 Holmes, den 5. Miss Marple / Margaret Rutherford Klon und etliche Teenie Detektive und deren Junior Ableger. Gerade um diese Sachen mache ich mittlerweile eher einen Bogen, da mir irgendwann aufgefallen ist, dass das alles nichts neues ist, sondern ich jede Geschichte schon mal so, oder so ähnlich gehört habe...

      Eine Erklärung hierfür habe ich aber leider nicht, ich wüsste auch gerne, warum es sich mehr lohnt, sowas auf den Markt zu werfen als eben o.g. grössere / komplexer Serien.
      Mein Name ist Dorian Hunter, und ich bin der Sohn des Teufels. Ich war der Sohn des Teufels, denn ich habe ihn getötet! :evil:
      Ich bin sowieso kein Freund von langen Serien, da ich keine Lust habe immer wieder lange Wartezeiten in Kauf zu nehmen. Bei John Sinclair ist es anders da kann man auch mal ein paar Folgen auslassen und ist dann doch wieder aktuell. Bei Gratis Serien wie Caiman Club oder Larry Brent, Dorian Hunter usw. mache ich natürlich gerne mal eine Ausnahme :saint:
      @Harry

      Da würde ich aber jetzt schon gern mal aus purem Interesse nachhaken. :)
      Woran genau liegt es denn, dass Du an langen Serien kein Interesse hast, wenn Du für Gratisserien dann doch mal gern eine Ausnahme machst?
      Dann kann es ja an der komplexen Geschichte selbst eigentlich nicht liegen. Und auf die nächste Staffel Caiman Club muss man ja auch warten. Der Punkt fällt also auch weg.

      Oder ist es weil gleich mehrere Sachen zusammenkommen: lange Geschichte, für die man sich Zeit nehmen muss, und längere Wartezeiten und kostet Geld?

      Gäbe oder gibt es denn kommerzielle Serien mit folgenübergreifender Handlung, die für Dich interessant sein könnten? Und welche Voraussetzungen müssten da erfüllt sein, damit Du sie verfolgst?
      Finde ich spannend.
      Ich für mich mag beides. Die komplexen Welten wie die simpel gestrickten Welten. Beide müssen es aber schaffen mich zu fesseln und etwas Interessantes zu liefern. Und, da bin ich ganz bei Orko, oftmals verliere ich an so manchen seichten Serien recht rasch das Interesse.

      ABER auch komplexe Serien brauchen etwas das mich anspricht, das mich fordert aber nicht überfordert. Nimmt man zum Beispiel Die letzten Helden [HOLYSOFT] so liefert diese Serie sicherlich vieles was eine komplexe Serie ausmacht. Aber mich spricht es nicht an. Im Gegenteil, denn das Genre, die gefühlt tausenden fremden Namen und Episoden schrecken mich ab mich näher damit zu befassen. Es braucht also, egal ob komplex oder seicht, einen Schlüsselreiz um mich „gefangen zu nehmen“. Die letzten Helden haben dies bis dato nicht geschafft. Andere Serien wie Gabriel Burns schon. Und da ist es mir letztlich egal ob abgeschlossen oder nicht. Es macht mir Spaß und ich habe ein regelrechtes Verlangen zu hören.

      Ich selbst bin auch nicht abgeschreckt von nicht abgeschlossenen komplexen Geschichten. Andere aber sicherlich schon. Das mag durchaus ein Grund sein warum manches nicht so gut läuft. Aber wenn etwas erscheint, das mich wirklich (!) reizt, dann höre ich es sofort. Egal ob EUROPA Gruselserie oder besagte Nibelungen-Serie von AOS. Egal ob ich alles am Stück serviert bekomme oder ob Häppchen. Die Gefahr, dass eine Serie unvollendet bleibt, ist immer gegeben wenn man nach einer Staffel ein offenes Ende bietet oder die Folgen häppchenweise über Monate serviert bekommt. Schreckt mich nicht ab. Keineswegs. Wenn es mir sehr gut gefällt. Bei einer Serie wie SEVEN habe ich nach den schwachen ersten Folgen bewusst gewartet um dann am Stück zu hören. Hintereinander kann sich dann doch oftmals ein anderes Bild ergeben. Nachdem die Serie nicht beendet wurde, hab ich die letzten Folgen auch nicht gehört.

      Letztlich freue ich mich über komplexe Hörspielserien sehr. Aber auch hier vertrage ich sie nur in Maßen. Gerade weil die Welten komplex sind, braucht es Zeit, Lust und Interesse. Komplexe Hörspiele sind weder was zum nebenbei hören als auch zum „weghören“. Daher verträgt die Hörspielwelt wohl auch nur eine eingeschränkte Dosis. Ich muss auch sagen, ich bin mit der Dosis an komplexen Hörspielwelten durchaus zufrieden.
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#
      Vom modernen komplexen seriellen Erzählen halte ich mich fern, da es im Prinzip eine rein kommerzielle Erfindung ist. Man möchte etwas, das erfolgreich ist, solang wie möglich am laufen halten. Nach den ersten Fernsehserien nach diesem Prinzip, die zunächst wie eine Offenbarung wirkten, weil man sie eben wahrscheinlich aufgrund noch vorhandener akribischer Vorausplanung und Konstruktion zu würdigen und runden Abschlüssen bringen konnte, ist man schnell mutiger geworden und hat begonnen so zu produzieren, dass der Konsument nur solange wie möglich bei der Stange gehalten wird, ohne sich vorher genaue inhaltliche Gedanken zu machen, wo man eigentlich hinwill bzw. man weiß schon wo man hinwill: das ganze soll einfach nur solange laufen, wie möglich, am besten unendlich, um möglichst viel Gewinn zu generieren. Zu diesem einzigen Zweck werden alle Tricks und Kniffe der Kunst angewendet, die die "Schreibschule" so bietet. Mit diesen wird aus der ständigen Vorläufigkeit von interessanten Ideen und spannenden Handlungssträngen dem Konsumenten etwas suggeriert, was einfach nicht da ist: echte Handlung und Inhalt. Springen dennoch zuviele Konsumenten ab, läuft das Ganze dann ja einfach auch ohne Ende aus, die nächste Staffel wird einfach nicht mehr produziert. Oder es ist mit einer weiteren Staffel noch gerade genug Gewinn zu erwarten, wenn man sie als "Finale Staffel" bewirbt. In diesem Fall wird die Story dann auf die Schnelle hanebüchen und lieblos zuende geführt und lässt den Konsumenten mit einem wahrscheinlich noch schaleren Gefühl zurück, als wenn die offenen Enden, die eigentlich niemand mehr zusammenführen kann, weil das ja auch nie geplant war, einfach so stehenbleiben.

      Da vom modernen komplexen seriellen Erzählen unbestritten auch eine starke Anziehungskraft und Sogwirkung ausgeht, finde ich im Hörspiel Hybride aus klassischer Erzählweise und dem Endloskonzept allerdings besonders reizvoll, so wie zum Beispiel Markus Winter seine Lovecraft-Serie CHRONIKEN DES GRAUENS konzipiert hat: auf der einen Seite endlos fortführbar (zumindest solange noch nicht alle Lovecraft-Geschichten vertont worden sind), auf der anderen Seite jede Staffel soweit abgeschlossen, dass der Produzent die Serie mit vielleicht kleinen Abstrichen auch jederzeit beenden könnte. Das ist auch für den Konsumenten fair, weil er auch jederzeit aussteigen kann, ohne zu sehr in der Luft zu hängen.


      Plattenspieler ausmotten: Es gibt wieder neue Hörspiele auf Vinyl! Juhu, die Hörspielwelt wird wieder eine Scheibe! 8o

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      Rudolf Platte schrieb:

      Man möchte etwas, das erfolgreich ist, solang wie möglich am laufen halten. [...] dass der Konsument nur solange wie möglich bei der Stange bleibt, ohne sich vorher inhaltliche Gedanken zu machen, wo man eigentlich hinwill bzw. man weiß schon wo man hinwill: das ganze soll einfach nur solange laufen, wie möglich, am besten unendlich, um möglichst viel Gewinn zu generieren. Zu diesem einzigen Zweck werden alle Tricks und Kniffe der Kunst angewendet, die die "Schreibschule" so bietet. Mit diesen wird aus der ständigen Vorläufigkeit von interessanten Ideen und spannenden Handlungssträngen dem Konsumenten etwas suggeriert, was einfach nicht da ist: echte Handlung und Inhalt. Springen dennoch zuviele Konsumenten ab, läuft das Ganze dann einfach ohne Ende aus, die nächste Staffel wird einfach nicht mehr produziert. Oder es ist mit einer weiteren Staffel noch gerade genug Gewinn zu erwarten, wenn man sie als "Finale Staffel" bewirbt. In diesem Fall wird die Story dann auf die Schnelle hanebüchen und lieblos zuende geführt und lässt den Konsumenten mit einem wahrscheinlich noch schaleren Gefühl zurück, als wenn die offenen Enden, die eigentlich niemand mehr zusammenführen kann, weil das ja auch nie geplant war, einfach so stehenbleiben.

      Diese Sicht mag es geben, aber so allgemein formuliert will ich sie nicht stehen lassen. Nicht nur mit Blick auf meine eigenen Überlegungen zu "meinen" Stoffen (das Ende stand immer schon zu Beginn fest), sondern auch im Namen von Kollegen, die das horizontale Erzählen nicht aus rein zynischen Überlegungen zur Einnahmensmaximierung betreiben. Dieser Vorwurf wäre, wenn man ihn denn machen will, eher den Serien mit zirkulärer Dramaturgie zu machen, bei denen alle Hauptfiguren (a) überleben, (b) zu Beginn der nächsten Geschichte aus der vorgegangenen nichts mitgenommen oder sich entwickelt haben und (c) logischerweise keine folgenübergreifenden Bögen verfolgt werden (können).
      @Martin Seebeck Schlechte Erfahrungen, die zu meiner oben geschilderten Meinung geführt haben, habe ich denn auch tatsächlich vor allem mit TV-Serien gemacht. Seitdem ist diese Art des Erzählens ein bißchen ein rotes Tuch für mich... ich kann mir vorstellen, dass Hörspielautoren vom Prinzip her gar nicht so perfide agieren würden oder müssen, da es in dem Bereich auch nicht um so viel Geld geht und weniger Abhängigkeiten gibt? Dass es diese Art zu erzählen auch in großartig gibt, habe ich ja im TV-Bereich auch schon erlebt - im Hörspielbereich mag es ja vielleicht noch häufiger so sein. Vielleicht ermutigt mich Dein Beitrag ja, doch mal in so ein komplexes Hörspiel-Universum jenseits von CdG einzusteigen. Vielen Dank für Deine Antwort.
      Plattenspieler ausmotten: Es gibt wieder neue Hörspiele auf Vinyl! Juhu, die Hörspielwelt wird wieder eine Scheibe! 8o

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      Ich bin grundsätzlich weiter an komplexen Serienwelten interessiert. Sie schrecken mich überhaupt nicht, ganz im Gegenteil. Ich habe mich also nicht von der Vorstellung verabschiedet, noch eine neue Serie zu finden, die mich fesselt, in komplexe Welten entführt und unerwartete Storywendungen mit Glaubwürdigkeit und interessanten Charaktern verbindet. Nur: Wo ist denn diese Serie? Von den Sachen, die neu auf den Markt kommen, spricht mich manchmal das Thema nicht an, manchmal stört mich die Umsetzung, dann wieder ist die Konkurrenz einfach besser. Meines Erachtens gibt es zur Zeit im Bereich TV-Serien, Bücher und Comics sehr viele ausgezeichnete, auch hochkomplexe, auf einen langen Zeitraum geplante Serien - da kann das Angebot an Hörspielen einfach nicht mithalten. Und warum sollte ich dann meine Zeit mit einem Hörspiel verbringen, wenn ich anderweitig besser unterhalten werde? Und bitte nicht falsch verstehen: Natürlich gibt es auch weiterhin immer wieder großartige Hörspiele, manchmal auch Mehrteiler oder Serien. Zu manchen davon schreibe ich ja hin und wieder auch mal ein paar Worte. Aber im von @Hardenberg genannten Genre der 'komplexen Serienwelten' sehe ich da nicht viel. Die letzte Produktion dieser Art, bei der ich das Gefühl hatte, ich müsste sie unbedingt hören, war 'Monster 1983'. Und selbst da war die dritte Staffel nicht nur Licht, sondern auch Schatten.

      Die Frage der 'Unvollendeten' spielt für mich durchaus eine Rolle. Ich habe (Crowdfundings hin oder her) z. B. bei 'Anomalia' ganz schön gezittert, ob es wohl auch abgeschlossen wird. Genau wie @Markus G. steige ich natürlich bei Serien, die mich sehr interessieren, auch dann ein, wenn die Fortführung nicht gesichert ist. Aber ansonsten finde ich schon, dass die staffelweise Event-Veröffentlichung wie z. B. bei audible deutlich sinnvoller ist. Und selbst die garantiert ja nicht, dass die Serie insgesamt einen Abschluss erhalten wird. Für mich also durchaus ein Kriterium: Wenn eine neue Serie mit angekündigt vielen Folgen startet, warte ich gerne ab, bis eine Staffel (ein Handlungsbogen) komplett ist, bevor ich höre. Da ich aktuell auch wieder verstärkt kaufe statt streame, hat das für mich auch noch einen finanziellen Grund. Ich habe keine Lust, zwei- oder dreistellige Eurobeträge für die nächste nicht abgeschlossene Geschichte zu investieren.

      Für mich ist es also beides: Eine Frage der bisherigen Erfahrungen und der Veröffentlichungspolitik als auch das Gefühl, dass kaum eine Hörspielserie den anderen Formen, in denen Serien erzählt werden, das Wasser reichen kann.
      Das lästige an der Realität ist ihre Alternativlosigkeit. (Sarah Bosetti)
      Nehmen wir zur Illustration mal ein Killerbeispiel einer komplexen Serie und einer Szene daraus, die die Stärken von visuellem Erzählen ausspielt und zeigt, was das Hörspiel NICHT kann:



      Jon Snow begegnet in der 9. Ep. der 4. Staffel Ygritte wieder. Diese Begegnung endet tödlich.
      Würde man diese Szene als Hörspiel umsetzen wollen, wie würde man sie so hinbekommen, dass sie den gleichen emotionalen Punch vermittelt?

      Challenge an die berufenen Schreiber — leicht ist es sicher nicht. Und danach mehr zu diesem Thema.
      Das eben sollte die Herausforderung sein, wenn man ein Hörspiel produziert. ;)

      Im Ernst: Sicher, nicht alles, was im Film hervorragend funktioniert, lässt sich, ebenso hervorragend, nur eben mit anderen Mitteln, aufs Hörspiel übertragen. Darüber muss man doch eigentlich nicht reden. Unterschiedliche Medien zeigen unterschiedliche Erfordernisse. Das ist es ja, was ich immer an Titanias Gruselkabinett kritisiere, bei dem viele Hörer sinngemäß schreiben: Ja, ist schon irgendwie dröge, aber das ist eben der Vorlage geschuldet.
      Das ist ein Argument, das ich nicht gelten lassen kann. Denn wenn man es nicht schafft, eine Geschichte in ein anderes Medium zu transferieren, dann sollte man es lassen. Oder ein Hörbuch aufnehmen.

      Schon der Transport vom Buch zum Film misslingt ja regelmäßig, nicht nur weil dann in Vorlagen noch spezielle Zugeständnisse ans Massenpublikum eingefügt werden.
      Aber gerade Game of Thrones ist doch ein sehr gutes Beispiel dafür, dass eine solche Übertragung vom einen ins andere Medium durchaus gelingen kann. Und die Bücher sind ja nicht 1:1-Vorlage für die Drehbücher. Da ist vieles ausgelassen, umgestaltet, gerafft und ergänzt worden, um die Geschichte zu transportieren.
      In Büchern wird oft ganz stark mit den Innenansichten der Figuren gearbeitet. Das gibt es logischerweise in Filmen und Serien gar nicht. All das muss wegfallen bzw. anders erzählt werden.

      Solche Innenansichten wiederum lassen sich, wenigstens theoretisch, ganz gut in Form eines personalen Erzählers in Hörspielen umsetzen, dafür gelangt man bei stark visuell ausgerichteten Szenen schnell an die Grenzen dessen, was akustisch umsetzbar ist. Dann muss man eben schauen, wie man eine Szene, ein Ereignis, ein Gefühl usw. anders herleitet, nicht bloß in diesem einen speziellen Moment, sondern schon weit vorher, mit Blick auf das Gesamtgefüge.

      Filme und Serien bleiben oft durch einzelne Bilder in Erinnerung. Da ist der eine Moment, der berührend oder erschreckend war und darum haften bleibt. Bei Hörspielen ist es dagegen mehr die Gesamtatmosphäre und die Intensität ganzer Szenen, die sich einprägen. Weniger der eine flüchtige Augenblick.

      Dass es nicht leicht ist, diese Eindringlichkeit zu erreichen, glaube ich sofort. Und dass man daran scheitern kann, auch.
      Aber mir fehlt oft einfach auch das erkennbare Bemühen bei vielen Hörspielmachern, Geschichten anders als bloß über reine Dialoge zu erzählen.
      Ich schaue auch keine oder fast keine Serien im Fernsehen (Netflix, Disney) weil mit der Zeit wiederholt sich alles und nach mehreren Folgen weiss man zum voraus was passiert.
      Caiman Club ist nicht nur gratis sondern die Ausnahme wie auch Perry Rhodan Sternenozean, Foster, Ghostbox. Z.b. bei John Sinclair höre ich mir von 10 Folgen vielleicht eine an.
      Larry Brent nur auf You Tube (Legaler Kanal) wenn ich sonst nichts mehr habe das gilt auch für Hunter und die Veröffentlichungen von anderen Hörspielen.
      Im TV wahren es z.b. Eine schrecklich nette Familie, Modern Family, Walking Dead und dann hat es sich schon bald.
      Natürlich stören mich lange Wartezeiten. Die Kosten sind Gott sei Dank nicht wirklich wichtig vor allem nicht wenn die Hörspiele mir gefallen. :thumbsup: