Der Thron der Nibelungen - Die Serienbesprechung (SPOILER!)

      Erstmal vielen Dank an @Hardenberg für seine ausführliche Aufarbeitung dieser Hörspielreihe! Sowas ist immer hilfreich wenn man einen Eindruck von einem Hörspiel gewinnen möchte bzw den Inhalt "geteilt" verdauen kann.

      Ich bin bislang noch nicht dazu gekommen hier mal reinzuhören. Prinzipiell bin ich zwar neugierig, aber wie ich bereits schrieb bin ich so gar nicht mit der Materie vertraut & die Info das es sich gar nicht um eine komplette Geschichte handelt, sondern nur einen Auftakt darstellt, denke ich das ich erstmal passen werde bis sie "vollendet" ist (obwohl ich bislang keine Ahnung habe auf wie viele Staffeln das denn angelegt wird?)
      @Stollentroll Ich dachte Du hast dann doch weiter gehört. Will Dich hier jetzt nicht zu etwas zwingen was Du nicht möchtest. Auch wenn ich mit Folge 1 durchaus Schwierigkeiten hatte, so gefiel sie mir letztlich doch richtig gut. Ich bezweifle dass Dir die anderen Folgen gefallen werden wenn Dir Episode 1 gar nicht zusagt.
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#
      Also ich hatte ja auch meine Schwierigkeiten mit der ersten Folge. Ich habe sie ganze zwei Mal in der ersten Hälfte abgebrochen, weil ich nicht reinkam. Es hat mich nicht angefixt, und ich fand es sogar ein bisschen langweilig, muss ich gestehen, weil ich einfach noch nicht drin war. Beim dritten Mal habe ich mich dann quasi "gezwungen", über den Punkt, an dem ich gescheitert war, hinauszuhören, weil es eben ein paar sehr wohlwollende Stimmen zum Hörspiel gab, und zum Ende hin gefiel es mir dann wirklich immer besser, so dass dann auch das Gesamtfazit viel besser ausfiel, als ich es zu Anfang je für möglich gehalten hätte.

      Ich würde den Folgen 1 und 2 durchaus nochmal eine Chance geben. Mit Folge 2 hat sich bei mir schon ein gewisser Sog ergeben.

      Und ich wäre echt gespannt auf Deine Einschätzung. @Stollentroll

      @Cormac
      Danke für die Wertschätzung. :)
      Kenntnis der Nibelungen-Sage braucht man für das Verständnis überhaupt nicht. Bei manchen mag das sogar eher hinderlich sein, wie man @Butor sieht, der sich seine vertrauten Bilder nicht "kaputt" machen lassen will und darum (leider) davon absieht, hier mal reinzuhören. (Obwohl mich auch seine Meinung zum Thron der Nibelungen echt interessiert hätte.)

      Ja, es ist eine erste Staffel und noch keine komplette Geschichte. Aber wenn alle warten, bis sie komplett ist, wird sie es unter Umständen nie werden, weil sie dann womöglich mangels Interesse eingestellt wird. ;)

      Außerdem finde ich das Risiko, das man bei diesem Stoff eingeht, noch am wenigsten schlimm. Wir würden zwar nie in Hörspielform erfahren, wie es weitergeht, aber die überlieferte Sage, an der sich die Serie trotz eigener Schwerpunkte und neuer Akzentuierungen nach wie vor orientiert, ist ja frei zugänglich. Im Gegensatz zu vielen anderen Serien wie Gabriel Burns oder Poe kann man sich hier den groben weiteren Verlauf auch so erschließen. Und Balthasar von Weymarn stände sicher auch zur Verfügung, um die Neugier der enttäuschten, aber neugierigen Hörer zu befriedigen, denke ich. Also im Fall der Fälle.

      Ich für mich kann jedenfalls sagen, dass ich nach dem Abschluss von Staffel 1 zwar neugierig bin und gern weiterhören würde, aber nicht das Gefühl habe, etwas gehört zu gaben, das nichts Halbes und nichts Ganzes ist. Ich bin wirklich rundum zufrieden.

      Ich finde sogar, dass es für Leute, die mit der Geschichte schon grob vertraut sind, sogar von besonderem Reiz ist, weil man Staffel 1 zu weiten Teilen als eine Vorgeschichte zu den bekannten Verläufen sehen könnte. Mit ein paar, wie ich finde, äußerst überraschenden Wendungen.

      +++

      Wie ist das eigentlich? Da auf dem Cover so überdeutlich darauf verwiesen wird, dass dies Staffel 1 ist: Ist Staffel 2 schon fix?
      Weiß das jemand?
      Vielleicht mag @Martin Seebeck uns einen Hinweis geben?

      +++

      Danke Dir. @Xorron :)

      Hardenberg schrieb:

      Ich könnte mir auch vorstellen, dass dieses Hörspiel etwas für <a href="https://www.hoerspieltalk.de/index.php/User/2346-Chris/">@Chris</a> oder <a href="https://www.hoerspieltalk.de/index.php/User/2936-BjoernErik/">@BjoernErik</a> sein könnte.


      Steht definitiv auf der Liste bzw. ist schon auf dem Handy fürs Offlinehören heruntergeladen. Hab das irgendwann zufällig in @pops Neuheiten-Playlist entdeckt, da ich hier nicht wirklich mitgelesen habe, hatte ich vorher nichts davon mitbekommen. Klingt aber echt nach einem tollen Projekt, das mir gefallen könnte.
      Danke für die Erinnerung ans Hören und schon mal für die Arbeit mit den Besprechungen, werde ich dann lesen, wenn ich es gehört habe.

      Hardenberg schrieb:

      Was mir beim Ausritt Grimhilds mit Hagen deutliches Unbehagen bereitet hat, war die Soundkulisse: das Pferdegetrappel klang sehr monoton, wenig natürlich, und die Zikaden im Hintergrund kamen einem elektrischen Flirren gleich.


      An dieser Stelle ist mir das ebenfalls besonders aufgefallen, später wenn der Schmied mit dem Königssohn losreitet war das genauso - mich hatte das Pferdegetrappel an "die Ritter der Kokosnuss" erinnert :P
      All zu schlimm war das jetzt nicht, trübt aber ein wenig den sehr guten Gesamteindruck und kam auch irgendwie überraschend... da sollte mal jemand nach den Pferden sehen.

      Zu Folge 2 habe ich ansonsten nichts zu ergänzen - @Hardenberg hat das schon wirklich toll zusammengefasst. Die Handlung entwickelt sich, mit Sigurd wird noch ein weiterer (recht unsympathischer) Charakter vorgestellt, der keinen Rat annimmt und alles besser zu wissen scheint. Insgesamt war Folge 2 recht kurz.
      Mein Name ist Dorian Hunter, und ich bin der Sohn des Teufels. Ich war der Sohn des Teufels, denn ich habe ihn getötet! :evil:
      Die vierte Folge hat es wirklich in sich gehabt. Als Hörer vieler Hörspiele rund um Siegfried ist natürlich der Wegfall des Kampfes von Siegfried mit dem Drachen Fafnir eine Überraschung gewesen. Aber damit setzte auch bei mir das Kopfkino ein. War alles nur erfunden? Hat es nie einen Drachen, einen Kampf und einen Nibelungenschatz gegeben? Ich fragte mich auch was ist mit den Zwergen, mit Alberich, was mit dem Tarnmantel. All diese eher phantastischen Elemente werden bis dato ausgeklammert. Alles bekommt einen realistischen Touch, keine Spur vom im Drachenblut Badenden und somit (fast) unbesiegten Sigfried. Hat es das alles nie gegeben? Oder wird dies alles ganz bewusst vorerst ausgeklammert und in Staffel 2 oder 3 bombastisch nachgeliefert? Was meint ihr? Oder werden diese Sagebinhalte ebenfalls so verändert, dass sie letztlich durchaus realistisch daher kommen werden? Das wird auf jeden Fall sehr spannend bleiben! Und die Episode hatte was von einer O23 Folge über ein bis dato nie gelöstes Rätsel wo man am Ende sich auf dem Kopf greift und zu sich sagt:“ Ah, so ist das in Wirklichkeit gewesen!“

      Betreffend Sprecher möchte ich mich aus dem anderen thread kurz selbst zitieren, denn dieser Umstand hat mir vor meinem geistigen Auge durchaus Schwierigkeiten bereitet:
      „Schlucken musste ich immer nur wenn Uve Teschner als alter Mann bezeichnet wird. Er ist älter. Aber seine Stimme klingt weit weg von Alt. Damals wurden allerdings die Menschen auch nicht so alt, und so wäre ich damals wohl schon tot oder ebenfalls ein alter Mann.“
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#
      Die durchschnittliche Lebenserwartung eines Mannes in den Provinzen des Römischen Reiches zur Zeit der Völkerwanderung lag etwa bei 40. Das ist zwar nur eine Schätzung, und im Römischen Reich selbst war sie höher, aber Krankheiten (Zahnweh war oft tödlich) und Kriege haben damals schwer dezimiert. Dies nur zur Erklärung, weswegen sich der Altersunterschied zwischen Gibica und seinen Kindern nicht so deutlich hören lässt, und weswegen eine Stimme wie die von Uve als „alt“ gilt.
      Dachte ich mir schon. Wirkt aber für mich trotzdem gewöhnungsbedürftig. War aber letztlich wirklich nur eine Kleinigkeit, die das Gesamtbild in kleinster Weise getrübt hat. Ich höre Uve auch sehr gerne :thumbup:
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#
      Also erst mal möchte ich mich bei allen Beteiligten von ganzem Herzen für diesen tollen Austausch hier bedanken. Ich hatte, wenn ich ehrlich bin, in den letzten Jahren ein wenig die Zuversicht verloren, dass so etwas überhaupt noch möglich ist, mir schien, dass in Foren nur mehr über nostalgische Kindheitserinnerungen geschrieben oder wenig vertiefende Aufzähl-Threads bedient werden. Und jetzt sehe ich hier auf einmal einen richtig lebendigen und erkennbar interessegeleiteten Austausch. Das gefällt mir richtig gut. (Weshalb ich mich gerade auch deutlich mehr einbringe, als ich es eigentlich zunächst angedacht hatte.) :)

      @BjoernErik
      Prima, ich bin echt gespannt, was Du dazu sagen wirst.

      @Orko aus dem Zauberland
      Das mit den unauthentischen Geräuschen in der genannten Szene hat mich ein bisschen erstaunt, weil ich von Interplanar eigentlich ein tadelloses Sounddesign gewohnt bin. Man müsste mal recherchieren, ob Balthasar von Weymarn auch bei dieser Produktion dafür verantwortlich zeichnete oder ob das von jemand anderem durchgeführt wurde. Das kann ich mir aber eigentlich kaum vorstellen, wenn er auch die Regie übernommen hat. Also wird die letzte Verantwortung dafür bei ihm liegen.
      Aber so oder so: Für mich war das jetzt kein Gamechanger, was meine grundsätzliche Beurteilung angeht. Eher eine kleine Randnotiz, die mir einfach aufgefallen ist.

      Die Darstellung des Sigurds fand ich übrigens richtig originell, und ich meine auch, dass diese Charakterzeichnung auch nichts völlig Neues ist. Ohne jetzt auf eine spezielle Bearbeitung verweisen zu können, meine ich mich zu erinnern, dass auch in anderen Bearbeitungen der Figur des Sigfried, wenigstens zunächst, etwas Auftrumpfendes und weniger Heldenhaftes anhaftete. Ich müsste das nochmal recherchieren. Aber im Zusammenspiel mit dem hier erst mal gar nicht so finster erscheinenden Hagen ist das natürlich schon eine recht spannende Dynamik, die sich da überraschenderweise ergibt.

      @Markus G.
      Ich finde das einen klugen Einwand bzw. eine gute Ergänzung. Sind die ersten Folgen noch so etwas wie die Vorgeschichte zur klassischen Sage, finden wir in der zweiten Hälfte dann ja auch Motive, die altbekannt sein dürften. Und einiges taucht bislang eben nicht auf. Ich hatte mich jetzt einzig auf den Drachen bezogen, der ja nur in der flankierten Erzählung Sigurds auftritt, aber Du hast natürlich recht: Das nicht unwesentliche Bad im Drachenblut, Alberich und die Tarnkappe, das alles taucht hier nicht auf. Und es stellt sich die Frage, ob das der neue Ansatz ist, der gesucht wird, oder ob wir vielleicht, nachdem in der ersten Staffel Hagen die zentrale Figur war, in der zweiten Staffel die Geschehnisse aus Sigurd/Siegfrieds Perspektive erzählt bekommen und diese (vermeintlichen) Leerstellen dann gefüllt werden. Eine spannende Frage.

      Was das Alter angeht, ist der Verweis auf die deutlich geringere Lebenserwartung sicherlich richtig. Ich fand das in Bezug auf den Schmied darum auch nur für einen kurzen Moment irritierend. Man muss halt den zeitlichen Kontext im Blick haben.Aber wir stoßen hier in der Fragestellung natürlich gleichzeitig auch auf ein Grundproblem bei der Bearbeitung und Umsetzung von fiktionalen Stoffen: Nicht alles, was realistisch ist, klingt auch so. ;) Wir kennen das ja alle: Das Leben schreibt manchmal bizarre, von irren Zufällen geprägte Geschichten, die einem Autor, wenn er sich dies frei ausdenken würde, nie ein Verlag abnehmen würde, weil der Lektor berechtigterweise sagen würde: Das glaubt doch kein Mensch!
      Und ähnlich verhält es sich wohl hier. Der Klang der Stimme muss nicht unbedingt "realistische" Bilder wachrufen. Das weiß jeder, der in den letzten Jahren mal Hörspiele mit Reinhilt Schneider oder Lutz Mackensy gehört hat. Patrick Winczewski, der den Gibicar spricht, ist ganz eindeutig ein richtig guter Sprecher. Aber seine Stimme klingt nicht so, als läge zwischen ihm und Konrad Bösherz eine ganze Generation. Winczewski ist Jahrgang 1960, wie ich sehe, Bösherz 1983 - rein sachlich passt das also. Hätte man statt Winczewski etwa Gordon Piedesack genommen, lägen zwischen jenem und Bösherz nur elf Jahre: rein an den Zahlen gemessen also eine Fehlbesetzung, denn dann wäre, wenn man das Alter stumpf übertrüge (was natürlich blödsinnig ist), Gibicar 11 gewesen bei der Geburt seines ältesten Sohns. Aber uns als Hörer wäre nicht im Traum eingefallen, auf die Idee zu kommen, dass die beiden ähnlich alte oder junge Stimmen haben, weil die von Piedesack eben schon sehr reif für sein Alter klingt.
      Ich finde das ein spannendes Themenfeld.
      Mich stört dieser Umstand nun nicht wirklich. Auch hier ist es eher eine Randnotiz.
      Und eine gute Dokumentation meiner These, die ich am Anfang des Absatzes aufgestellt habe.

      @HerrMarx
      Danke für den Hinweis. :) Ja, das hatte ich auch so verstanden, aber die Frage ist halt, ob die zweite Staffel von THE AOS auch schon bestätigt ist. Da steht eine Antowort, glaube ich, noch aus. Ich denke, die Serie würde noch mehr bereitwillige Hörer finden, wenn dem so wäre. Die Leute sind halberzählte Serien einfach leid und sind nicht mehr bereit, diesbezüglich ein Risiko einzugehen. Da müssen schon Player wie AUDIBLE oder EUROPA kommen, denen man einen längeren Atem zutraut, um zuzugreifen, und selbst da geht ja nicht alles in die zweite Runde, wie man weiß. Ein Restrisiko ist also immer da.
      Der Name THE AOS lädt nicht zu einem Vertrauensvorschuss ein, weil man dieses Label noch gar nicht (oder sagen wir: kaum) kennt. Allerdings habe ich jetzt gelesen, dass sie Partner von UNIVERSAL sind. Also ist das nun auch nicht die ganz kleine Hörspielschmiede, der man gar nichts zutrauen darf, denke ich.
      Mich selbst schreckt das nicht. Wie gesagt, man kann sich den weiteren Verlauf der Handlung hier ja im Fall der Fälle selbst erschließen, denn Vorlage ist und bleibt ja dennoch die klassische Sage. Und außerdem finde ich den Sechsteiler ganz einfach richtig unterhaltsam und freue mich, dass ich mich mal wieder ein bisschen intensiver, als ich es gewöhnlich tue, mit einem Hörspielstoff beschäftigen durfte. :)
      Aber natürlich hoffe ich auf mehr als eine oder zwei Staffel(n).

      So, es geht auf die Zielgerade bei meiner Besprechung. Zwei Folgen verbleiben noch.

      Episode 05: Das Gold



      (Bildquelle: amazon)


      Inhalt
      Gundahar und Hagen sind überzeugt davon, dass Sigurd die Unwahrheit spricht, wenn er behauptet, den Drachen Fafnir besiegt und seinen Schatz an sich genommen zu haben. Sie glauben vielmehr, dass es sich bei dem Schatz in Wahrheit um die Fracht des verschwundenen Geldtransports der Römer handelt, den Gundahars Vater, König Gibicar, überfallen hatte, um mit der Beute die Sicherheit des Reiches sicherstellen zu können. Also beschließen sie, einen Weg zu finden, wie sie Sigurd, der sich nun Siegfried nennt, die Reichtümer wieder entreißen könnten. Dabei erwägt Gundahar, Sigurd mit Grimhild zu verheiraten, um ihn dauerhaft an sich zu binden, doch Hagen gelingt es, ihn vorerst von diesem Gedanken abzubringen. Stattdessen macht er dem König eine Verbindung mit den Gauten schmackhaft, die über große militärische Stärke verfügen. Gundahar soll Gudrun heiraten, die Tochter des Herzogs Cuthlac, allerdings stellt sich dabei ein Problem: Die Tochter des Herzogs ist eigen und nicht gewillt, sich einem beliebigen Mann hinzugeben, und ihr Vater ist nicht bereit, sie in eine Verbindung zu zwingen. Also entsendet Gundahar Hagen zu den Gauten, um die Verbindung zu arrangieren. Gelingt es dem Schildmann, verspricht ihm der König zum Lohn die Hand seiner Schwester. Doch er nötigt Hagen das Versprechen ab, ihr gegenüber nichts darüber verlauten zu lassen, bis er wieder aus dem Norden zurückgekehrt sei.

      Grimhild zeigt sich wenig verständnisvoll, als Hagen ihr eröffnet, für einige Monate in geheimer Mission unterwegs zu sein. Sie ist ungeduldig, will ihre Freiheit, und man spürt, dass sie gelangweilt ist von ihrem Leben am Hof. Da kommt ihr ihre Zofe gerade recht, die ihr von dem jungen Drachentöter vorschwärmt und erkennbar ihre Neugier weckt. Als Grimhild also wenig später bei einem Ausritt verunglückt und der junge Xantener zufällig ihren Weg kreuzt und ihr hilft, bietet sich Gelegenheit, sich selbst ein Bild von dem draufgängerischen Mündelvasall zu machen.

      Unterdessen trifft Hagen in Gauten ein und versucht, die Tochter des Herzogs von den Qualitäten des Burgunderkönigs zu überzeugen, doch sie wiegelt ab. Nur wer es schafft, sie in einem Duell zu besiegen, wird sie dazu bringen, ihm zu folgen. Hagen gelingt es zwar, in einem Kampf ein Unentschieden zu erreichen, aber das reicht nicht aus, sie dazu zu bewegen, ihre Heimat zu verlassen. Unverrichteter Dinge reist Hagen also wieder ab.

      Am Königshof wird Gundahar zugetragen, dass es um den König von Xanten nicht gut steht. Grund dafür soll der Tod seines Zweitgeborenen, Sigurds Bruder, sein. Bei einem baldigen Ableben des Königs stiege also die Stellung des jungen Mannes im Hause der Xanten. Überdies tritt der selbstbewusste Sigurd entschlossen auf den Burgunderkönig zu, um ihm ein Angebot zu machen, dass dieser nur schwerlich ablehnen kann. Er bietet Gundahar die Hälfte des Drachenhorts – im Gegenzug zur Hand seiner Schwester Grimhild. Der König sträubt sich erst, hat er die Hand seiner Schwester ja bereits Hagen versprochen, dann aber wird die Lockung durch die Reichtümer des Xanteners zu groß, und er gibt seinen Widerstand auf. Seine einzige Bedingung: Grimhild muss der Verbindung zustimmen.


      Meinung
      Der Himmel über Burgund zieht sich immer weiter zu. Die Gefährdungen von außen sind nicht gebannt, der Traum vom großen Geld ist ausgeträumt – und nun fährt Gundahar und Hagen auch noch der übermütige Königssohn aus Xanten in die Parade.
      Das Tempo bleibt hoch bei diesem episch angelegten Hör-Spektakel. Auch weiterhin gibt es keinerlei Längen. Das ist beachtlich, bedenkt man, dass Balthasar von Weymarn die Spannung fast ausschließlich über die Dialoge transportiert. Szenen, in denen Aktionen im Vordergrund stehen, die nicht hauptsächlich dialogisch transportiert werden, sind die absolute Ausnahme. Es gibt Hörspielmacher, bei denen eine solche Verfahrensweise auf die Dauer ermüdet. Hier ist das bisher glücklicherweise nicht der Fall. Und das liegt daran, dass von Weymarn es schafft, seinen Dialogen eine eigene Dramaturgie zu verleihen. Hier werden nicht bloß sinnlos Informationen im Pingpong-Spiel der Figuren offenbart, sondern hier treffen unentwegt verschiedene Perspektiven und gegensätzliche Motivationen aufeinander, man spürt es, man weiß es, und das macht die Dialoge oft so spannend. Oder es werden ruhigere Töne angeschlagen, und es ergeben sich leise Momente, in denen die Figuren ein wenig von ihrem Innenleben offenbaren.

      Doch obwohl die Konzentration auf spannende Figuren gut funktioniert, fällt auf, dass offensichtlich die Neigung vorherrscht, um solche Szenen, die sich dialogisch nicht gut transportieren lassen, bewusst einen Bogen zu machen. Bei der Konfrontation Sigurds mit dem Drachen wurde das noch nachvollziehbar begründet: Der Verzicht auf die Darstellung ließ Raum für die Möglichkeit, dass der vermeintliche Drachentöter sich seine Heldentat nur ausgedacht und in Wahrheit die Beute des verstorbenen Burgunderkönigs an sich gebracht hat. In der nun vorliegenden Folge jedoch wird ein weiteres Mal eine nicht unwesentliche Begegnung ausgespart, die nur schwer dialogisch zu transportieren gewesen wäre: der Kampf Hagens gegen die Tochter des Herzogs der Gauten. Wir sind dabei, wenn sie sich über die Absichten Hagens besprechen, aber dann erfolgt ein Schnitt, und es geht an einem anderen Ort mit der Erzählung weiter, und erst später erfahren wir, dass sie gekämpft haben und Hagen über ein Unentschieden nicht hinausgekommen ist, was Gudrun in die Lage versetzt, es abzulehnen, den Schildmann des Burgunderkönigs zu begleiten. Nun kann man argumentieren, dass die Szene nicht wichtig genug ist, um sie in ganzer Breite zu inszenieren – dass sie vielleicht sogar den schnellen Erzählfluss hindert und am Ende sogar ein Stück weit den Kampf vorwegnimmt, der erst später von Bedeutung sein soll. Aber ich fand es dennoch schade, dass man die Gelegenheit nicht genutzt hat, hier mal ein wenig aus dem rein Dialogischen herauszutreten und zu zeigen, was man auch in Bezug auf die Regie zu leisten imstande ist – indem man nämlich die Gelegenheit nutzt, mit hauptsächlich akustischen Mitteln, ohne erklärende Verwendung des Dialogischen, eine starke Szene zu kreieren.

      Das Gewicht bei Der Thron der Nibelungen liegt bislang hauptsächlich bei einem starken Skript voller intensiver Dialoge, man merkt die Arbeit, die sich der Autor gemacht hat, spürt den Rechercheaufwand, die Lust an der Ausgestaltung der Charaktere und die Gewissenhaftigkeit, mit der die Dialoge auf den Punkt gebracht worden sind. Hier wäre mal die Gelegenheit gewesen, auch mittels der Regie einen Glanzpunkt innerhalb dieses sehr schönen Hörspiels zu setzen. Ich bedaure, dass man diese Gelegenheit nicht genutzt hat, auch wenn es der Qualität dieser Folge im Ganzen keineswegs schadet. Die wendungsreiche Handlung und die pointierten Dialoge trösten über dieses geringe Manko hinweg.

      In einer anderen Szene dagegen wird im Ansatz versucht, ein wenig Aktion zu bieten, nämlich wenn Grimhild auf einem Ausritt verunglückt. Doch als wäre Balthasar von Weymarn selbst nicht überzeugt von seinen inszenatorischen Fähigkeiten, lässt er die Schwester des Königs im Augenblick des Unglück ausrufen: Ein Stein!, ehe er uns zuhören lässt, wie sie stürzt. Dieser kurze Moment erinnerte mich an das trauernde Selbstgespräch, das Grimhild direkt nach dem Tod ihres Vaters führte, es wirkt seltsam altbacken in diesem ansonsten recht modern und flott erzählten Hörspiel. Es scheint, als hätten Autor und Regisseur in diesem Moment eine kleine Not mit der Frage gehabt, wie sie die nötige Emotion, das unvermeidliche Ereignis akustisch umsetzen sollen – und dann den skript- und regietechnisch einfachsten Weg gewählt. Das wiegt angesichts des Gesamteindrucks natürlich nicht schwer, aber es fällt auf, gerade weil der Rest bislang so zeitgemäß und clever umgesetzt war. Da hätte ich mir ein wenig mehr Raffinesse gewünscht.

      Überhaupt der Unfall – für mich war diese Szene bislang die enttäuschendste der gesamten Serie, nicht mal wegen des erregten Ausrufs, den wohl kein Mensch in einer solchen Situation jemals ausstoßen würde, sondern weil es hier einen Rückgriff auf Traditionen gibt, die sich nicht gut einfügen in das Muster, das bisher hinter dem Erzählten zum Ausdruck kam. Grimhild wurde eingeführt wie die Frauenfigur in einer neuzeitlichen Serie – stark und selbstbewusst, beschränkt durch eine patriarchale Welt, aber mit dem Willen, sich dagegen aufzulehnen. Wenn sie aber jetzt – natürlich rein zufällig! – Sigurd begegnet, präsentiert sie uns Balthasar von Weymarn als die altbekannte (vermeintliche) Jungfrau in Not, die vom strahlenden Helden errettet werden muss und sich ihm in Dankbarkeit zuwendet. Hier nimmt die Handlung eine Wendung, die ich zutiefst enttäuschend, weil altmodisch und plakativ finde. Es mag sein, dass uns von Weymarn zeigen möchte, dass die tiefen Gefühle zwischen Hagen und Grimhild eher einseitig waren, dass es eher Langeweile und die Beschränktheit des höfischen Lebens waren, die sie empfänglich für Hagens Werben machte, und die vermeintliche Liebe sich nun, da ein anderer interessanter, junger Mann auf der Bildfläche erschienen ist, der Abwechslung oder gar Ausbruch verheißen könnte, schnell abkühlt und möglicherweise verlagert. Aber warum muss das auf einem so einfallslosen Weg erzählt werden? Warum muss sich die Frau in den Schmutz werfen und sich retten lassen? Hätte man sie und Sigurd nicht auch anders aufeinandertreffen lassen können – ohne Gesichtsverlust für diese bislang als charakterstark und stolz eingeführte Frau?

      Aber konzentrieren wir uns nach diesen kritischen Einordnungen wieder auf die positiven Aspekte. In dieser Folge wird noch mehr als in den übrigen deutlich, wie unsicher doch der jeweilige Status quo ist, seit König Gibicar verstorben ist. Überall wird versucht, die Möglichkeiten auszuloten, die eigene Position zu verbessern, jeder sucht den eigenen Vorteil und ist bereit, ein bereits gegebenes Wort dafür zu brechen. Und so müssen wir verfolgen, wie Gundahar seinen treusten Unterstützer Hagen bereits hintergeht, während dieser noch versucht, die Gauten-Tochter Gudrun zu einer Vermählung zu drängen. Geblendet von Sigurds Reichtum und seiner eigenen Not, ist er bereit, Sigurd die Hand seiner Schwester zu versprechen – sofern, ein müder, letzter Einwand, der es schaffe, sie zu einem Einverständnis zu bewegen.
      Im Hintergrund versucht die Stiefmutter des Königs, dessen Halbbrüder in Position zu bringen, um ihre Chancen auf den Thron zu erhalten. Durchtrieben, wie sie ist, lässt sie die Brüder aber nichts wissen von den Gesprächen, die sie mit dem jeweils anderen führt.
      Sigurd wiederum, der gerade noch versucht hat, eine Einigung mit Gundahar zu erzielen, sucht nun die Nähe Gernots, um sich mit ihm zu verbünden mit der Aussicht, ihn auf den Burgunderthron zu bringen.
      Hier scheint nun wirklich jeder ein falsches Spiel zu treiben, und der Gedanke liegt nahe, auch die Motivation derjenigen zu hinterfragen, von denen wir dieses Gebaren bislang noch nicht mitbekommen haben. Lauern im Dunkel des Unerzählten etwa noch mehr Heimlichkeiten, als wir es ahnen?
      Dieses ganze Intrigenspiel, die Unsicherheiten der jeweils aktuellen Allianzen zwischen den Figuren machen mir, das gebe ich gern zu, großen Spaß. Loyalität scheint innerhalb der Königsfamilie keinen großen Wert zu haben. Nicht mal bei Grimhild können wir uns sicher sein, ob ihre bisher behaupteten Gefühle für Hagen noch von Dauer sein werden. Der Wind dreht sich schnell in Burgund, und Schildmann Hagen, der nach Gibicar nun Gundahar auch weiterhin treu ergeben ist, erscheint fast ein bisschen wie ein armer Tor, wenn er arglos auf seine Mission geht, während in der Heimat in vielfältiger Weise über sein weiteres Schicksal entschieden wird, ohne dass er es überhaupt ahnt.

      Und dann muss natürlich zum Abschluss meiner Besprechung Gudrun Erwähnung finden, die Tochter des Herzogs der Gauten, für die kein Mann gut genug ist – es sei denn, er schafft es, sie zu besiegen. Natürlich kennen wir diese Figur aus der altbekannten Sagenwelt rund um die Nibelungen, meist jedoch unter einem anderen Namen: Brünhild. Mit ihr betritt nun also ein Charakter die Bühne, der die Verhältnisse in der uns bisher geschilderten Welt zukünftig noch einmal ordentlich durcheinanderwirbeln dürfte. Sie wird gesprochen von Ulrike Kapfer, die sie stolz und entschieden darstellt und damit nicht selten auch an Grimhild erinnert. Die beiden Frauen scheinen von ähnlicher Charakterstärke zu sein, und es wird spannend sein, ihrem Aufeinandertreffen in Zukunft zu lauschen. Ich hoffe, dass die Figur der Gudrun bis dahin noch ein wenig besser akzentuiert wird, damit sie von Grimhild besser zu unterscheiden ist.

      Alles in allem haben wir es also wieder einmal mit einer sehr flotten, aber darum noch lange nicht banalen, sondern spannend und pointiert erzählten Hörspielfolge zu tun, die fast durchweg gelungen ist. Punktabzug gibt es von mir nur für Form und Inhalt des Aufeinandertreffens von Sigurd und Grimhild, das leider sehr konventionell, um nicht zu sagen: einfallslos, geraten ist. Davon abgesehen, ist Folge 5 auf weiterhin höchstem Niveau. Jetzt freue ich mich auch das große Finale!

      Ein kleines bisschen Schatten, aber sehr, sehr viel Licht!

      Vier von fünf Sternen


      (Gewöhnlich verteile ich zur Illustrierung meines Fazits gern Sterne, aber hier kann ich unter den Emoticons leider keine finden...)


      Ja, Episode 5 geht den bisher gewählten Weg weiter. Man verzichtet wieder auf ein „übernatürliches Spektakel“. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, hatte ja in der mir bekannten Nibelungensaga Siegfried mit der Tarnkappe König Gunter unterstützt Brünhild zu besiegen. Dieser Kampf fehlt. Man weiß eigentlich gar nicht ob überhaupt gekämpft wurde. Zudem war es diesmal Hagen, der „Gudrun/Brünhild“ den Hof für den König, diesmal aber für den Sohn des verstorbenen Königs, machen muss.
      Ich musste ob des Intrigantenstadls auch oftmals den Kopf schütteln und schmunzeln. Da hintergeht jeder jeden. Und auch bei Kriemhild bin ich mir nicht sicher ob sie ihren Hagen nicht mit Siegfried betrügen würde. Das „Unsichere“ macht die Geschichte aber sehr spannend und unterhaltsam.
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

      Hardenberg schrieb:

      Also ich hatte ja auch meine Schwierigkeiten mit der ersten Folge. Ich habe sie ganze zwei Mal in der ersten Hälfte abgebrochen, weil ich nicht reinkam. Es hat mich nicht angefixt, und ich fand es sogar ein bisschen langweilig, muss ich gestehen, weil ich einfach noch nicht drin war.
      Gut zu wissen, dass ich mit meinen Problemen bei Folge 1 nicht alleine dastehe. Aber Langweile, blutleere Charaktere, umständliche Erzählweise - das sind doch schon einige Mängel. Wahrscheinlich hat mich auch nur verwirrt, dass du in deinem Fazit dann doch 4 von 5 Sternen vergeben hast. Passte für mich nicht zu der differenzierten und punktgenauen Rezension.

      Aber auf jeden Fall habt ihr mich jetzt so weit, dass ich noch mal einen neuen Anlauf starten werde. Ob es noch dieses Wochenende was wird, weiß ich noch nicht. Ich werde dann schreiben, ob es mich noch gepackt hat oder nicht.
      Das lästige an der Realität ist ihre Alternativlosigkeit. (Sarah Bosetti)
      Wie geschrieben, es würde mich sehr wundern wenn es Dir gefällt. Ich persönlich glaube, dass wird nix. Ich drücke Dir fest die Daumen, dass wir uns beide irren. Für mich aktuell sicher ein Anwärter auf einen Top 10 Platz 2022 und somit auch für das Hörspieltalk-Hörspiel des Jahres. Wobei ich da aktuell ein anderes Hörspiel präferiere.
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#
      Oha, da habe ich ja etwas angerichtet. ;)
      Ich hoffe nun nicht, dass ich dafür verantwortlich bin, dass @Stollentroll einen Teil seiner Lebenszeit verschwendet sieht, weil er der Serie noch eine zweite Chance gibt... vielleicht ist sie ja wirklich nicht nach Deinem Geschmack.

      Ich kann nur sagen, dass ich auch mehrere Anläufe brauchte, aber nicht weil ich das Erzählte schlecht fand. Sondern weil ich keinen Zugang dazu hatte. Nur darum empfand ich es anfangs als zäh und langweilig. Wenn ich da jetzt, mit dem Wissen von sechs Folgen noch einmal reinhöre, sieht das natürlich anders aus, denn jetzt habe ich den nötigen Zugang ja und finde es darum auch nicht mehr langweilig.
      Das erklärt, warum sich mein fehlender Zugang nicht drastischer in der Gesamtbewertung niederschlug: Er ist kein dauerhafter Mangel, sondern bloß einer beim ersten Hören. Ist ein bisschen so wie bei einer Mystery-Serie, bei der man anfangs nichts rafft, die erste Folge später jedoch, mit einem besseren Überblick ausgestattet, ganz anders (besser) hören kann.

      Darum schrieb ich ja, der Serie hätte ein "emotionaler" Einstieg gutgetan, eine Szene, die den Hörer packt, bevor es mit der Exposition losgeht.

      Aber als blutleer habe ich die Charaktere nun eigentlich nicht empfunden, auch nicht in der ersten Folge. Okay, Gernot und Giselher bleiben sehr blass, aber sie spielen auch einfach noch keine Rolle, aber der Schmied, Hagen, Gibicar und Grimhild sind doch eigentlich schon recht plastisch dargestellt, und um die geht es ja vornehmlich. Da sehe ich für mich jetzt kein Manko.

      Ich bin auf jeden Fall gespannt, was Du sagst.
      Falls es Dir nun partout nicht zusagte, täte mir das natürlich sehr leid.

      Markus G. schrieb:

      Will Dich hier jetzt nicht zu etwas zwingen was Du nicht möchtest.

      Hardenberg schrieb:

      Ich hoffe nun nicht, dass ich dafür verantwortlich bin, dass @Stollentroll einen Teil seiner Lebenszeit verschwendet sieht


      Keine Sorge. Wenn ich nicht grundsätzlich interessiert wäre, würde ich keinen zweiten Anlauf machen. Und ich bin ja schon groß und werde es überstehen, wenn es mir wirklich weiter nicht gefallen sollte. :D
      Das lästige an der Realität ist ihre Alternativlosigkeit. (Sarah Bosetti)
      Ich bin nun auch mit der dritten Folge durch.

      Siegurd (Siegfried) konnte ich mal direkt nicht leiden (was für das Hörspiel und den Sprecher spricht, der die Rolle des arroganten Schnösels richtig überzeugend spielt).
      Aus dem Gundahar werde ich noch nicht so ganz schlau - zum einen wirkt auch er recht überheblich und eingebildet, er will Hagen immer wieder aufzeigen, dass er (erst Königssohn und Thronfolger) nun der König ist, aber Hagens Rat wird trotzdem gebraucht und akzeptiert.

      In dieser Folge fand ich die Geräuschkulisse auch wieder wesentlich besser und passender, vielleicht weil auch diesmal niemand all zu lange zu Pferd unterwegs war :)
      Es bleibt spannend, was macht Siegurd / Siegfried, wird sich Hjafir tatsächlich an seinen Schwur halten, was geschah mit den Römern / Burgundern (Waldbrand?) - ich freu mich auf die restlichen Folgen. :thumbsup:
      Mein Name ist Dorian Hunter, und ich bin der Sohn des Teufels. Ich war der Sohn des Teufels, denn ich habe ihn getötet! :evil:
      So, dann folgt heute meine Besprechung zur letzten Folge dieser ersten Staffel. Ich werde dann auch noch versuchen, ein Gesamtfazit folgen zu lassen. :)

      Episode 06: Die Rückkehr



      (Quelle: amazon)


      Inhalt
      Der Wind dreht sich, und die Lage spitzt sich zu. Hagen konnte Gurdrun nicht davon überzeugen, Gundahar zu ehelichen. Sie zeigt zwar Interesse an Hagen, dem sie auch gefolgt wäre, hätte er darauf bestanden, aber nicht zu Gundahar, was sehr deutlich macht, wie viel Respekt ihr der Berater des Königs abgenötigt hat, von dem sie berichtet, er habe sie im direkten Duell zwar nicht geschlagen, ihr aber immerhin ein Unentschieden abgetrotzt.

      Sigurd und Grimhild näher sich an. Sie verbringen Zeit miteinander, und der auftrumpfende Xantener erscheint in Gesellschaft der Schwester des Königs auf einmal besonnen und sanftmütig. Er verehrt Grimhild einen Armreif, der seiner früh verstorbenen Mutter gehört hat, und sie nimmt das Geschenk an.

      Unterdessen stellt sich heraus, dass Karl, der Spion im nahegelegenen Römerlager tot ist. Er wurde erhängt und ihm die Zunge herausgeschnitten, was nahelegt, dass er des Verrats beschuldigt wurde. Für Gundahar steigt damit natürlich der Druck: Ahnen die Römer, dass die Burgunder nicht immer loyal gehandelt haben?

      Gernot versucht, sich heimlich mit Giselher gegen den König, ihren Halbbruder, zu verbünden, doch dieser schlägt die Offerte aus. Giselher, der sich um die Finanzen des Reichs kümmert, möchte sich auf keine Seite schlagen und gelobt Gernot Neutralität. Allerdings war Gundahar während des Gesprächs der beiden Brüder anwesend. Aus dem Verborgenen hat er alles mitbekommen. Gundahar weiß nun um Gernots ungebrochene Ambitionen. Dennoch lässt er es zu, dass Gernot mit zweihundert Soldaten in den Norden zieht, um an neuartigen Waffen ausgebildet zu werden, die von Sigurd mit Geld aus dem Hort finanziert wurden. Der junge Xantener begleitet ihn. Gundahar sendet seinen Getreuen Roland aus, um die beiden im Auge zu behalten.

      Als Hagen zurückkehrt, zeigt sich schnell, dass sich etwas zwischen ihm und Grimhild verändert hat. Drei Monate ist er fort gewesen, die junge Frau zeigt sich wenig euphorisch bei ihrem kurzen, nächtlichen Wiedersehen.
      Auch das Gespräch mit Gundahar verheißt für den tapferen Schildmann nichts Gutes. Der König berichtet ihm, dass er notgedrungen ein Bündnis mit Siegfried eingegangen ist, um seine Truppen mit denen Xantens vereinen und überdies das geforderte Gold an die Hunnen bezahlen zu können. Eine Verbindung Sigurds mit Grimhild scheint sich nun kaum noch umgehen zu lassen.

      Aus Xanten kommt kurz darauf Kunde, dass der älteste Bruder Sigurds verstorben ist. Wie es heißt, ist er bei der Wildschweinjagd umgekommen. Damit rückt Sigurd unweigerlich zum Thronfolger seines siechen Vaters auf. Hagen ist fest davon überzeugt, dass Sigurd für den Tod seines Bruders verantwortlich ist, was kurz darauf auch von Roland bestätigt wird, der sterbend am Königshof eintrifft und mit letzter Kraft berichtet, dass er Sigurd dabei beobachtet hat, wie er seinen Bruder tötete, ehe er von ihm entdeckt und selbst schwer verletzt wurde.

      Die Neuigkeiten zeigen Gundahar deutlich, dass der junge Xantener zu allem bereit ist, um seine eigene Position zu verbessern, und auch vor der Einflusssphäre Gundahars nicht Halt machen wird. Für den König der Burgunder steht darum fest: Sigurd muss sterben.


      Meinung
      Mit dieser sechsten Folge endet nun also leider die erste Staffel. Das ist schade, denn als Hörer gewinnt man den Eindruck, dass die Handlung nun erst richtig in Fahrt gekommen ist. Die Folgen bis hierhin waren so etwas wie die Ouvertüre – nun kann das große Drama beginnen. Alle Fährten sind gelegt, die Charaktere sind gut ausgeleuchtet und perfekt positioniert, zu allen Seiten sehen wir brennende Lunten. Alle Voraussetzungen sind geschaffen, um viele tolle Entwicklungen und Konfrontationen herbeizuführen.
      Aber wir müssen uns gedulden. Und was besonders tragisch ist: Wir wissen nicht einmal, ob es mit der Geschichte weitergeht, denn eine zweite Staffel ist zwar, was das Skript angeht, in Arbeit, aber noch nicht bestätigt. Sollten sich die Hörerzahlen also als zu gering herausstellen, könnte es das mit dieser ersten Staffel bereits gewesen sein. Die Bereitschaft, einer Serie mal etwas Raum und auch Zeit zu geben, sich zu entfalten und vielleicht erst mit Verzögerung echten Nachhall zu entwickeln, gibt es heutzutage nicht mehr. Etwas muss sofort punkten, sonst ist es schnell abgesetzt. Das benachteiligt natürlich Geschichten, die komplexer sind und einen weiteren Bogen spannen. In diesem Fall wäre es besonders traurig, weil die eher abschreckenden Cover und der doch recht spröde geratene Einstieg der Serie in Folge 1 viele potentiell interessierte Hörerinnen und Hörer davon abbringen könnte, dieser famosen Serie eine Chance gegeben. Am Ende heißt es dann womöglich wieder, dass Geschichten wie diese grundsätzlich keine Chance haben. Dabei muss das nicht der logische Schluss sein. Es kann dafür auch andere Gründe geben.

      Aber wir wollen nicht vorgreifen und wenden uns wieder dem Finale der ersten Staffel zu. Sehr schön gefallen hat mir die Szene zwischen Sigurd und Grimhild. Hatten wir den jungen Xantener bisher eher als großmäulig und durchtrieben kennengelernt, erscheint er in dieser Szene sehr feinfühlig und beherrscht. Die beiden sprechen über ihre Vergangenheit, und es ist spürbar, dass sie sich annähern. Eine sehr schön gestaltete Szene mit einem wunderbar entschleunigten Dialog, der uns jedoch nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass dieser Atmosphäre der Aufrichtigkeit und der zart erblühenden Gefühle die Bitterkeit der Lüge und des Verrats unterlegt ist.
      Da ist zunächst Sigurd, für den Grimhild bisher nicht viel mehr als eine Trophäe zu sein schien, die seine hochtrabenden Ambitionen krönen sollte. Bisher hat er sich nicht viel Mühe gegeben, bei ihr zu punkten, stattdessen hat er über Gundahar eine Verbindung einzufädeln versucht, und der König war es, der in seiner Not nicht wagte, ihm dieses Ansinnen auszuschlagen und zur Voraussetzung gemacht hat, dass Grimhild einer solchen Verbindung zustimmt. Wir dürfen uns also fragen, wie ehrlich Sigurd ist, wenn er der jungen Frau gegenüber sein Herz zu offenbaren scheint und ihr sogar ein intimes Geschenk macht. Wir wissen, dass sein Machthunger ungestillt ist, wir wissen, dass er sich mit Gernot gegen den König verbündet hat, und nun erfahren wir, dass er nicht einmal vor Mord an seinen Brüdern zurückschreckt, um seine Stellung innerhalb des Königshauses der Xanten zu verbessern. Für wie realistisch dürfen wir darum das Bild des sympathischen und sensiblen Königssohns halten, wenn wir seinen Worten lauschen, die er Grimhild sagt?
      Und die Schwester des Königs selbst… Es ist gerade einmal drei Monate her, da ihre ganze Liebe und Aufmerksamkeit Hagen zu gehören schien. Drei Monate, die genügten, beinahe alle Leidenschaft in ihr erkalten zu lassen. Der Verdacht liegt nahe, dass ihre Gefühle weniger Hagen galten, als dem, was er ihr war: eine Möglichkeit zu Flucht aus der Enge des höfischen Lebens. Dieses Ziel scheint sie durch den Schildmann des Königs nun in weitere Ferne gerückt zu sehen, weil Gundahar keine Neigung zeigt, auf den Rat seines größten Getreuen zu verzichten. Stattdessen hat nun mit Sigurd ein neuer Spieler die Bildfläche betreten, der womöglich besser geeignet zu sein scheint, sie aus ihrer Lage zu befreien. Sonderlich leidenschaftlich klingt sie dabei nicht, wenn sie mit Gundahar recht kühl die Optionen erwägt und der König ihr zusichert, sie könne auch weiterhin mit Hagen zusammenkommen, auch als Gemahlin des Thronfolgers von Xanten. Wurde uns Grimhild in der ersten Folge noch als unkonventionelle, beinahe etwas rebellische Frau vorgestellt, die sich den höfischen Gepflogenheiten zu widersetzen versucht, erscheint sie in diesem Staffelfinale seltsam abgeklärt, beinahe durchtrieben, und es stellt sich die Frage, ob wir uns in ihr getäuscht haben, als wir an die Reinheit ihrer Gefühle für Hagen glaubten. Es dürfte spannend sein, ihren weiteren Weg in den folgenden Staffeln zu begleiten.

      Ebenfalls sehr schön gelungen ist es, wie Sigurd in dieser Episode von einer schillernd-unsympathischen Randfigur ins Zentrum der Geschichte zu rücken beginnt, selbst wenn die Anzahl seiner Auftritte dies zunächst gar nicht vermuten lässt. Aber sein Einfluss wirkt, in beinahe jeder Szene geht es um ihn – selbst wenn er gar nicht zugegen ist. Das illustriert sehr gut, wie allmählich seine Macht wächst, wie er mehr und mehr Einfluss gewinnt, ohne dass das zu deutlich und zu platt vorangetrieben würde. Im Gegenteil, dem oberflächlichen Hörer mag es sogar so erscheinen, als wäre das Temperament des Königssohns aus Xanten in dieser sechsten Folge zunächst gezügelt, wenn er sich so warmherzig seiner Auserwählten gegenüber zeigt. Doch schon zum Ende hin muss dieser Eindruck sich als falsch herausstellen: Sigurd/Siegfried ist nicht gereift, hat nicht seine auftrumpfende Art zugunsten eines goldenen Wesens abgestreift: Er ist nichts weniger als ein heimtückischer Brudermörder, der für sein persönliches Fortkommen bereit ist, alles zu tun. Balthasar von Weymarn schildert dieses Wechselbad der Gefühle (des Hörers für diese bekannt geglaubte Figur) mit geschickter Subtilität. Es macht Spaß, sich immer wieder überraschen zu lassen, welche Wendungen die Charakterzeichnungen sonst noch zu bieten haben.

      Zum Sounddesign habe ich mich in den letzten Besprechungen schon geäußert. Auch in dieser Folge ist dies zu jeder Zeit angemessen. Da aber die Handlung hauptsächlich dialogisch vorangetrieben wird, sind die Herausforderungen nicht besonders hoch – und insofern der Ehrgeiz des Kritikers, dies genauer unter die Lupe zu nehmen, eher gering. Die eingesetzten Musikstücke flankieren wunderbar die erzählte Handlung und tragen die aufgeworfenen Emotionen.

      Das Sprecherensemble arbeitet nach wie vor auf höchstem Niveau. Mein zuvor bereits in einer Besprechung genannter Kritikpunkt bezüglich der Schwierigkeit, hin und wieder die männlichen Sprecher zu unterscheiden, bleibt auch hier bestehen, für mich vor allem in der Szene, in der Gernot den Giselher dazu bringen will, sich mit ihm gegen Gundahar zu verbünden. Der Sinnzusammenhang lässt erschließen, dass es nach Gernots Abgang Gundahar ist, der aus seinem Versteck hervortritt. Allein von den Stimmen her war ich mir anfangs allerdings nicht sicher. Das empfinde ich nach wie vor als kleinen Malus, auch wenn die Sprecher selbst natürlich hervorragend sind. Man erspart sich viel Mühe – und unter Umstände auch unnötige Kritik –, wenn man von Anfang an bei der Besetzung darauf achtet, dass solche Schwierigkeit sich nicht ergeben. Gerade wenn man ein Figurentableau hat, bei dem viele Sprecherinnen oder Sprecher der gleichen Generation und dem gleichen Geschlecht angehören.

      Aber das sind alles Kleinigkeiten im Vergleich zum Gesamteindruck, den dieses Hörspiel hinterlässt. Hatte ich beim fünften Teil noch meine Vorbehalte, bin ich beim Finale der Staffel wieder rundum zufrieden. Ich hoffe sehr, dass man bereit ist, der Serie noch die Chance auf eine zweite Staffel zu geben, auch wenn ich gestehe, dass ich persönlich nicht sehr zuversichtlich bin. Verdient hätte es die Geschichte. Und wir als Hörer hätten es auch.

      Ein starkes Finale, das Lust auf eine zweite Staffel macht!

      Fünf von fünf Sternen



      Der Ring der Nibelungen - Staffel 01

      > Das Gesamtfazit <





      Der Thron der Nibelungen als Staffelhörspiel ist ein tolles Audio-Drama für Erwachsene, dem der Versuch gelingt, die klassische Geschichte in Form eines modern inszenierten Epos zu erzählen und gleichzeitig die altbekannten Figuren neu und intensiver denn je auszuleuchten.

      Große Pluspunkte dieser Produktion sind der moderne Ansatz, eine alte Sage aufzubereiten, das Bemühen, die Verfasstheiten und Motivationen der handelnden Figuren nachvollziehbar auszuleuchten und vor allem die knackig-pointierten und spannenden Dialoge. Hier gibt es keinerlei Längen, keinerlei Redundanzen. Der Thron der Nibelungen präsentiert sich als wohlkomponiertes und atmosphärisch dichtes Hör-Spektakel, bei dem die Sprecherinnen und Sprecher der Haupt- und wichtigsten Nebenrollen durchweg tadellose Leistungen abliefern. Skriptautor und Regisseur Balthasar von Weymarn gelingt das Kunststück, uns mit dem Verweis auf die alte Sage zu locken und uns dennoch eine Geschichte zu vorzulegen, die uns überrascht und in vielerlei Hinsicht unbekannt und neu erscheint.
      Staffel 1, für sich allein genommen, ist mitreißend und spannend, aber natürlich noch nicht viel mehr als die Eröffnung eines Spektakels, das Raum bietet für zwei, drei oder vielleicht noch mehr Staffeln. Für sich allein genommen kann es darum vielleicht noch nicht als Meisterstück gelten, aber es würde mich nicht verwundern, wenn es am Ende des ins Auge gefassten Produktionsprozesses, wenn die Geschichte seinen verdienten Abschluss gefunden hat, als Auftakt zu einem solchen gelten wird. Das Zeug dazu hat die Geschichte sicherlich.

      Aber kein Licht ohne ein bisschen Schatten, so auch hier.
      Da wären als erstes die Cover, die für mein Empfinden, so leid es mir tut, das Gegenteil von Eyecatchern sind. Sie mögen sich an die richten, die für einen Stoff wie diesen grundsätzlich empfänglich sind, nur ist fraglich, ob diese Leute für Hörspiele empfänglich sind bzw. überhaupt von der Existenz dieses Werks je erfahren. Für alle anderen eifrigen Hörspielhörer, selbst für die, die komplexen, intelligenten Geschichten nicht abgeneigt sind, weil sie nicht nur Entspannung in nostalgischer Berieselung suchen, könnte die Covergestaltung die Befürchtung wachrufen, dass hier eine staubtrockene, künstlerisch überambitionierte Klassiker-Vertonung ansteht, die ihren Fokus weniger auf die Stärken des Stoffes und den Unterhaltungswert für die Hörerinnen und Hörer legt, sondern sich weniger um Eingängigkeit schert und mehr um Werktreue. Ob man sich mit diesem Cover einen Gefallen getan hat, wage ich zu bezweifeln. Sinnvoller hätte ich es gefunden, die Assoziationen, die mit dem Titel ja bereits zu Game of Thrones geweckt werden, mit dem Cover zu intensivieren, denn auch wenn ein direkter Vergleich zu dieser epischen TV-Serie abwegig ist – eine solche Assoziation träfe den Kern dessen, was diese Hörspielserie sein will, sicherlich besser als das völlig dröge wirkende Cover.

      Ein weiteres Problem, das ich in der Besprechung zur betreffenden Folge ja breiter ausgeführt habe, ist der schwergängige Einstieg in die Serienhandlung. Balthasar von Weymarn schafft es leider nicht, uns als Hörer direkt emotional zu packen und in die Handlung zu saugen, sondern er wählt einen etwas verkopften Einstieg, der es dem Hörer abverlangt, sich mühsam in die Geschichte einzufinden und erst in der zweiten Hälfte, eigentlich sogar erst zum Ende und mit der zweiten Folge einen gewissen Sog zu entfalten, der uns an die Geschichte bindet. Das ist leider viel verschenktes Potential, und es würde mich nicht wundern, wenn man damit viele weniger geduldige oder beharrliche Hörerinnen und Hörer vergrätzt hat, bevor diese zu erkennen vermögen, was für eine Hörspielperle auf sie wartet.

      Für mich sind das die beiden Hauptprobleme bei dieser Serie. Probleme, die leider die Wucht haben könnten, dieses wunderbare Projekt zum Scheitern zu bringen. Ich wünsche es mir anders. Aber ich gebe zu, ich bin nicht wirklich optimistisch. Ich fände es beruhigend, wenn THE AOS frühzeitig bekannt gäben, dass es mit Staffel 2 weitergeht, sonst sehe ich noch größere Schwierigkeiten, überhaupt genügend Menschen zu finden, die sich auf diese erste Staffel einlassen.

      Alle anderen (kleineren) Kritikpunkte verblassen im Vergleich dazu. Ich würde mir für zukünftige Staffel aber vielleicht den spürbaren Ehrgeiz des Regisseurs wünschen, hin und wieder auch mal Szenen in die Handlung einzuflechten, die nicht rein dialogisch, sondern vor allem auch durch andere akustische Mittel getragen werden. Davon gab es hier noch nicht so viel. Das störte nicht, weil die präsentierten Dialoge geschliffen und spannend waren. Aber für weitere Staffeln wäre das sicherlich eine weitere Bereicherung.

      Ich habe mich jedenfalls sehr gut unterhalten gefühlt und wünsche dieser Produktion sehr viel Glück. Wer hier ein angestaubtes Historiendrama erwartet, wird sicherlich enttäuscht werden. Niemand sollte sich von den drögen Covern schrecken lassen. Der Thron der Nibelungen ist, trotz des Alters der Vorlage, modern und mitreißend inszeniert.

      Alles in allem also eine gelungene Ouvertüre zu einem Epos, dem hoffentlich noch viele weitere Staffeln vergönnt sein werden.

      Absolute Hör-Empfehlung!

      Insgesamt viereinhalb von fünf Sternen