Hörspieltalk-Wahl: Der größte Hörspielproduzent aller Zeiten im Hörspieltalk heißt OLIVER DÖRING!

      Ich sehe keinen Grund für Döring, über die Wahl zu lachen, weil sie vermeintlich zu verrückt ist. Klar, seine Sujets sind und waren vor allem früher mitunter nicht sehr tiefsinnig, aber bei der Frage nach Regiekunst geht es ja in erster Linie ums Wie - und da hat Döring dem Medium vielfach gute und wegweisende Impulse gegeben. Darum für mich eine gute Wahl.

      Dörings Plots sollten nicht darüber hinwegtäuschen, zu was er künstlerisch imstande ist. Einem Hitchcock hat man zeitlebens die Anerkennung versagt. Schön, dass wir den Fehler bei Döring nicht machen. ;)

      Und er ist ja nocht relativ jung. Ich hoffe, er will noch weiter wachsen. Ich bin auf jeden Fall gespannt.

      Mich wundert nur, dass Audible nie auf ihn aufmerkssm geworden ist... das wäre doch mal eine Kombi!

      Hardenberg schrieb:

      Ich sehe keinen Grund für Döring, über die Wahl zu lachen, weil sie vermeintlich zu verrückt ist. Klar, seine Sujets sind und waren vor allem früher mitunter nicht sehr tiefsinnig, aber bei der Frage nach Regiekunst geht es ja in erster Linie ums…


      Au ja,

      Döring und Ivar Leon Menger machen Ghostbox 1994 :P :thumbsup:

      Nein, aber im Ernst - wäre toll, da was Exklusives zu hören zu bekommen.
      Mein Name ist Dorian Hunter, und ich bin der Sohn des Teufels. Ich war der Sohn des Teufels, denn ich habe ihn getötet! :evil:

      Hardenberg schrieb:

      Einem Hitchcock hat man zeitlebens die Anerkennung versagt.

      Wie bitte? Weder die akademische, noch die künstlerische und schon gar nicht die des Pubikums. Selten traf es "lebende Legende" wohl besser.
      Ich hab ja damals 2002 in der Wiener U3 zwischen Volkstheater und Neubaugasse mit dem Motorala A920 von Drei und Leni Riefenstahl das erste Selfie der Geschichte geknipst” - Aus meiner Biografie, erschienen im Jahr 2039, geschrieben im Jahr zuvor am Pool einer Finca auf den Balearen
      Ich denke, da bist Du falsch informiert.
      Hitchcock wurde als Künstler den größten Teil seines Lebens die Anerkennung versagt. Man sah ihn zwar als Kassengarant, aber eben einen, der nette, kleine Thriller dreht. Nicht umsonst hat er etwa nie einen Oscar erhalten.
      Es stimmt, gegen Ende seiner Karriere haben ein paar junge "Nouvelle Vague"- Regisseure aus Frankreich um Truffaut und Chabrol sein künstlerisches Wirken in ein neues Licht gerückt, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass Hitchcock da seine beste Zeit bereits hinter sich hatte. Und bis ihr Blick auf Hitchcock sich allgemein durchsetzte, brauchte es noch ein bisschen Zeit. Heute betrachtet man sein Werk anders.

      In seinen besten Zeiten aber, auch unter dem Eindruck seiner TV-Präsenz, galt er eher als eine Art Regie-Entertainer denn als ernstzunehmender Künstler, den in Wahrheit der deutsche Expressionismus und Regisseure wie Murnau, Wiene und Lang tief geprägt haben.

      Bei Döring ist es, im kleineren Maßstab natürlich, für mich ähnlich. Seine Krachbumm-Geschichten lenken von seinem großen Regie-Talent ab. Aber selten hat ein Hörspielmacher in Deutschland eine so nachhaltige Wirkung gehabt wie er. Da muss er sich für mein Empfinden hinter niemandem verstecken, auch nicht hinter Otto Düben, den ich wirklich großartig finde, und ich würde mir wünschen, dass er wirklich mal die Gelegenhrit bekommt, ALLE Register zu ziehen, sowohl was die Inszenierung als auch was den Inhalt angeht. "Die Zeitmaschine" war ja schon ein recht guter Ausblick auf das, was möglich wäre, finde ich.

      Hardenberg schrieb:

      Nicht umsonst hat er etwa nie einen Oscar erhalten.

      Das ist ganz bestimmt kein Argument, nicht einmal Orson Wells hat einen Regieoscar meines Wissens. Von den ganzen überragenden Europäern, die von den Amis ignoriert wurden, ganz zu schweigen. Dass ihn erst das 50 Stunden Interview mit Truffaut oder die späteren Bücher "in ein neues Licht gerückt" hätten, das muss ich in seinem Namen auch zurückweisen, er war von der schon als Visionär gefeiert vor Vertigo, Psycho, Vögel, Unsichtbare Dritte.

      Aber eh alles geschenkt, da Hitchcocks Zugehörigkeit zu den größen Filmemachern aller Zeiten unstrittig ist. Was Herrn Döring angeht, da sehe ich auch Talent, aber schon noch einen sehr weiten Weg. "Die Zeitmaschine" war sicherlich gut, keine Frage, aber letztlich halt nur eine Wells-Adaption, mal sehen, ob er sich mit "Der Vampir" mal von seinen üblichen Mustern lösen kann und den langersehnten Schritt nach vorne macht. Ich würde es ihm und mir als Hörer wünschen.
      Ich hab ja damals 2002 in der Wiener U3 zwischen Volkstheater und Neubaugasse mit dem Motorala A920 von Drei und Leni Riefenstahl das erste Selfie der Geschichte geknipst” - Aus meiner Biografie, erschienen im Jahr 2039, geschrieben im Jahr zuvor am Pool einer Finca auf den Balearen
      Ich freue mich wirklich sehr dass Oliver von unserer Wahl überhaupt Notiz nimmt. Auch Ivar hat Oli auf unserem Instagramkanal gratuliert. Man nimmt das kleine gallische Dorf namens Hörspieltalk also immer noch wahr und bezeichnet uns als Fanbasis. Da lacht mein Talkerherz. Und natürlich polarisiert eine Wahl zum Teil auch immer und ist auch meistens nur eine Momentaufnahme. Wer lachen möchte, soll lachen. Lachen ist bekanntlich gesund!

      Hier haben wir übrigens einen eigenen thread über Alfred Hitchcock :thumbsup:
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#
      @Chris

      Klar sagt der Oscar nichts aus. Aber irgendwie eben doch. Subjektiv. Von der Warte der Filmemacher aus. Und ich hätte schreiben müssen: "nicht mal". Er hat nicht mal den Oscar bekommen - und das bei seinem Werk. Das ist ja schon noch ein wenig größer als das von Welles.

      Zur Frage seiner Anerkennung als Künstler schreibe ich nun nichts mehr. Dazu ist alles geschrieben. Du kannst das gern noch einmal recherchieren, dann wirst Du sehen, wie die Fakten liegen. Truffaut und Co hat ja gerade die fehlende Anerkennung für Hitchcock angetrieben bei ihrer Werkschau und dem Interview, aber lassen wir das. Ich muss Dich nicht überzeugen.

      Und was Döring angeht: Natürlich kann man das nicht gleichsetzen. Hat aber auch niemand getan. Es ging bloß um die Frage der Würdigung seines Talents und da sehe ich Parallelen. Hörspiele sind ein ganz anderes Pflaster, klar. Aber ob er nur Geschichten adaptiert oder sie selbst erfindet, ist nicht maßgeblich bei der Frage des Regie-Talents. In Hollywood schreibt auch nicht der Regisseur die Bücher, jedenfalls in der Mehrheit. Es geht allein um die Frage, wie Stoffe akustisch umgesetzt werden. Und da ist Döring in meinen Augen meisterlich! Und nicht bloß "talentiert". Aber auch da muss man sich nicht einig sein.

      Und mal abgesehen davon: Bei der Zeitmaschine hat er einen ordentlichen Eigen-Beitrag zum Skript geleistet. Gerade das fand ich ja so super. Wie er die Geschichte modernisiert hat. Wie es auch anders geht, haben wir ja bei Titania Medien hören müssen. Allein in diesem Vergleich zeigt sich das volle Ausmaß seines Talents, finde ich.

      Und ich glaube nicht, dass die Einordnung Dörings nur Zufall ist. Ich glaube vielmehr, dass jeder, der sich mit der Hörspielhistorie der letzten Jahrzehnte auch nur im Ansatz beschäftigt hat, zu dem Schluss kommen wird, dass Döring ein besonderer Platz gebührt.
      Ich weiß noch genau, wie begeistert ich damals beim Erscheinen der "Edition 2000" der John-Sinclair-Hörspiele war.

      Als Kind und Jugendlicher war ich sowieso ein begeisterter John-Sinclair-Leser - die ersten 500 Heftromane und Taschenbücher stauben immer noch in Kartons auf dem Dachboden vor sich hin :D -, und natürlich hatte ich dann auch in den 80ern mal ein paar der Hörspiele vom Tonstudio Braun angetestet. Die konnten mich aber nie auch nur ansatzweise begeistern, da hatte stattdessen das Team um Heikedine Körting mit "Macabros" und "Larry Brent" gezeigt, wie man Heftromane als gute Hörspiele umsetzt.

      Das ist neben der Regiearbeit eins der großen Talente von Olli - dass er ein Gefühl dafür hat, wie man Geschichten richtig für das Medium Hörspiel umsetzt. Wie bei Macabros und Brent wurden die Hefte nicht 1:1 übertragen, sondern es konnten auch schon mal große Teile wegfallen oder Szenen und Dialoge komplett umgeschrieben werden im Interesse des Endprodukts. Ich glaube, der Prozess ist in etwas so, dass Olli eine Geschichte liest, diese per "Kopfkino" filmisch umsetzt und das Ergebnis als Hörspielskript niederschreibt. Dabei kommt es nicht drauf an, möglichst nah am Original zu bleiben, sondern dass beim Lesen des Romans und beim Hören des Hörspiels die gleichen Eindrücke entstehen. Jason Dark selbst hat es irgendwann mal in einem Special so formuliert, dass Olli einfach genau weiß, wie Sinclair als Hörspiel klingen muss.

      Dieses Talent sowie die Fähigkeit, als Regisseur aus den Schauspielern bei den Aufnahmen die besten Leistungen rauszukitzeln, ist natürlich auch in allen Produktionen außerhalb Sinclair zu hören und sichern ihm den verdienten ersten Platz bei dieser Wahl.