Ist euch die Entwicklung eines Charakters wichtig?

      Ist euch die Entwicklung eines Charakters wichtig?

      Legt ihr Wert darauf, dass sich ein Haupt- oder Nebencharakter im Hörspiel (oder Film/Serie) weiterentwickelt, oder soll dieser eher abwechslungslos/gleichbleibend sein?
      So mancher könnte noch ein dunkles Geheimnis in sich bergen, die Seiten von gut zu böse wechseln, oder undurchsichtig sowie unberechenbar bleiben.

      Oder ist es euch viel wichtiger, dass der Fokus auf der aktuellen Story liegt, welche gar nichts mit den Hauptfiguren an sich zu tun hat?

      Soll die Hauptfigur innerhalb einer Serie wachsen, sich weiterentwickeln oder immer das tun, was diese(r) immer tut bzw. auch im gleichen Alter bleiben (selbst nach 200 Folgen)?
      The Jokes on you!

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      Die Frage ist ganz schön schwierig.

      Natürlich gibt es Serien, die von der Figurenkonstellation, gewissen sich immer wiederholenden Handlungselementen und auch von der Ausgangsidee, z. B. Kinderdetektive zeigen es der Erwachsenenwelt, leben. Wenn also die ???, Bibi Blocksberg oder Faith sich plötzlich verändern, aus dem Erlebten 'lernen' und ihre Einstellungen ändern wird es problematisch. Man denke nur mal an so merkwürdige Diskussionen wie 'James Bond schält einen Apfel für ein Kind - Ist das noch James Bond?'

      Und mit 007 wären wir auch schon beim zweiten Aspekt: Wenn Serien lange genug da sind, werden sich die Figuren automatisch dem Zeitgeist anpassen. Ob nun ??? gegen Umweltsünder kämpfen, Bibi nicht mehr die kleine weiße Göttin in Afrika sein darf oder Perry Rhodan nicht mehr alles wegbombt, was ihm im Weg ist: Das sind notwendige Anpassungen, um eine Serie zeitgemäß zu halten, aber an dem eigentlichen Strickmuster bzw. den Grundzügen des Charakters wird nicht gerüttelt.

      Der Haken für Hörspielserien: Geschichten, in denen die Charaktere eine wirkliche Entwicklung durchlaufen, haben dann auch einen Endpunkt, über den hinaus es nichts mehr zu erzählen gibt. Endlosserien, die ja vermutlich jeder Verlag gerne im Programm hätte, sind so nicht zu machen. Auch dafür ist 007 in der Filmwelt ein schönes Beispiel: Mit den Craig-Bonds wurde erstmals eine Entwicklung der Figur James Bond beschrieben, die notwendig zu Ende geführt werden musste. Das kann man auch sehr deutlich an den letzten beiden Filmen erkennen: Schon 'Spectre' hätte ein gutes Ende dargestellt (Bond schwört der Rache und dem Töten ab und lebt mit Madeleine glücklich bis ans Ende seiner Tage), aber mit der Rückkehr in 'No Time To Die' musste erneut ein Endpunkt gesetzt werden. Bei den vorherigen Bonds, die praktisch alle für sich stehen, hätte man das problemlos ignorieren können und Bond hätte am Ende des Films mit irgeindeiner Blondine an irgendeinem Gewässer dieser Welt gelegen.

      Ich persönlich mag lieber Serien, in denen es Entwicklungen gibt und in denen die Figuren lernen und sich verändern. Aber Serien gibt es da im Hörspielbereich gar nicht so viele (oder fallen sie mir nur gerade nicht ein?). Die Reise und Entwicklung, die z.B. Sheriff Cody in 'Monster 1983' macht oder auch Lea in 'Dragonbound' finde ich viel interessanter als die zweihunderachtundreißigste Version von 'Dämonenjäger Müller tötet einen Dämon.' Dass es dann eben irgendwann mit der Serie vorbei ist, gehört halt dazu. Und um auf den guten Bond zurückzukommen: Der bildet hier die Ausnahme. Denn er ist einfach zu ikonisch, um wirklich und endgültig zu verschwinden.

      Genau betrachtet sind es also zwei Ebenen: Charaktere, die sich entwickeln und Handlungsmuster, die verändert werden. Beides gehört im Fall der Fälle zusammen, sonst funktioniert es nicht.
      Ein Unkraut ist einfach eine Pflanze, die dort wächst, wo man sie nicht haben möchte. [Miss Marple]
      Wie so oft würde ich sagen, ich mag Beides! Ich mag Serien wie die ???, die praktisch immer gleich alt und immer die selben Charaktereigenschaften haben. Das sind Konstante im Leben eines Hörspielfans, die ich brauche. Aber ich mag es auch wenn sich ein Held entwickelt, wenn einschneidende Erlebnisse den Charakter formen. Ich denke da an Mark Brandis. Ich brauche Abwechslung! Mal möchte ich meine Dosis Konstanz, mal Entwicklung.
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#
      Wo würdet ihr denn klassische Beispiele ausmachen , wo sich Charaktere wirklich weiter entwickeln? Und wo Beispiele ausmachen, wo alles immer gleich bleibt?
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#
      Ich kann beides mögen, oder auch nicht :P "Es kommt drauf an"... wie es umgesetzt wird.

      Dorian Hunter zum Beispiel ist für mich ein gutes Beispiel für die positive Entwicklung. Er ist ja anfänglich schon rauh und hart, aber trotzdem kümmert (oder zumindest will er sich kümmern) und sorgt er sich um seine Frau - Im Laufe der Folgen scheint sie ihm aber dann doch egal, er bandelt anderswo an, er wird brutaler und "gesetzloser". Die Entwicklung bleibt aber immer recht schlüssig und nachvollziehbar.

      Bei den drei ??? gebe ich @Markus G. recht - da dreht sich alles um den Fall des Tages und die drei lösen das in gewohnter Manier - das hat immer gut funktioniert und ist auch in Ordnung so.

      Wir schauen bei prime gerade Ripper Street und da habe ich mich die letzten Wochen über eine schlecht umgesetzte Charakterentwicklung geärgert. Sympathische Charaktere werden plötzlich "böse", ohne das man nachvollziehen kann warum - es wird einfach nicht schlüssig dargelegt, warum die Charaktere auf einmal so handeln wie sie es tun - das ist dann ärgerlich und unglaubwürdig und versaut einem den Spass an einer ansonsten guten Geschichte oder Serie.

      Charakter-Entwicklung sollte so vonstatten gehen, dass man nachvollziehen warum ein Charakter tut was er nun tut.... wird die Frau des Protagonisten ermordet, dann kann man nachvollziehen warum er den Mörder jagen und evtl. töten will... ist der Protagonist dagegen 10 Folgen lang ein braver Hausmann und rundherum witzig und sympathisch, steht dann aber plötzlich morgens auf und tötet die Kassiererin im Supermarkt weil das Wechselgeld nicht passt, dann ist das doof...
      Mein Name ist Dorian Hunter, und ich bin der Sohn des Teufels. Ich war der Sohn des Teufels, denn ich habe ihn getötet! :evil: