Leo und die Abenteuermaschine - Ein Hörspiel-Desaster mit Happy End

      Wow also ich bin der Meinung aus der Geschichte sollte Arte eine Doku machen. Ich habe richtig mitgefiebert vielen Dank, dass du deine Geschichte teilst. Ich glaube ich werde mir gleich Mal ein paar CDs bestellen, meine 8 Wochen alte Tochter wird wohl noch zu jung dafür sein, aber mein Gott bis sie Gabriel Burns hören kann vergeht noch viel mehr Zeit ;)
      Wieder einmal vielen Dank an alle, die diese Geschicht verfolgen. Es geht also weiter...

      Hallo Jungs und Mädels,

      nun habe ich alle unwichtigen Dinge (Bestellungen, Rechnungen, Nahrungsaufnahme) des Tages abgearbeitet und nun kann ich mich wieder den wichtigen Dingen widmen.

      Wir steuern mit Volldampf auf den Höhepunkt dieser schweißtreibenden Story zu. Aber jeder weiß, der in Literatur (Kapitel griechischen Tragödie) aufgepasst hat, vor der Retardation (fallende Handlung) und folgender Lösung des Konfliktes, kommt der dritte Akt. Das ist der Akt, der noch einmal alles auf den Kopf stellen wird. Wir steuern auf den Höhepunkt zu. Aus oben wird unten. Kommen wir heute also zur Körung, zur coronation von „Leo und die Abenteuermaschine“. Fangen wir an und schmeißen erst einmal alles über Bord, was wir über Leo wissen. Wir müssen das Thema ja endlich einmal ansprechen. Leo ist was? Ein liebliches Kinderhörspiel mit einem niedlichen Löwen und tollen historischen Wissen? Bis zur Folge 11, ja!

      Aber dann..

      Jetzt kommt also der Brief von Universal endlich ins Spiel. Jetzt, wo wir diesen Antagonisten schon vergessen hatten, betritt er wieder die Bühne und dem Publikum stockt der Atem. Exciting!
      Und er ist nicht allein. In seinem Schlepptau spaziert die Medienhorde „Anti-Wissen“ und schwingt die Keulen. Leute, es wird hart heute. Wer ein schwaches Herz hat, sollte hier lieber zum nächst gelegenen Benjamin Blümchen Thema übergehen.

      Noch da? Sagt nicht, ich hätte euch nicht gewarnt.
      Auch muss ich es ja einmal schreiben, immerhin gehört es zur Leo-History.

      Es begab sich, dass ich meinen Briefkasten öffnete und mir ein Brief entgegenflog, der Leo von Grund auf verändern sollte. Mit zittrigen Händen, einem trockenen Mund und einer hellwachen Gehirnzelle öffnete ich die Postsendung.

      Sehr geehrter Herr Arnold,

      Bla bla bla … vielen Dank, dass Sie sich durch den Postboteneingang geschlichen bla bla bla … müssen wir Ihnen leider bla bla bla … Wissenshörspiele sind eine Nische … bla bla bla … nur noch 10% der Kinder hören Wissenshörspiele … bla bla bla … daher müssen wir Ihnen mitteilen … bla bla bla und tschüß.

      Was? Nur noch 10 Prozent hören Wissenshörspiele?

      Was habe ich in den letzten fünf Jahren nicht alles von Medienunternehmen zum Thema Wissenshörspiele, Kinder und Allgemeinbildung im Allgemeinen, pädagogische Inhalte im Besonderen zu hören bekommen? Eine Auswahl gefällig? Dann öffnen wir einmal den Giftschrank.

      „Die kennt doch niemand mehr!“ CEO einen dt. Hörspiel Labels
      „Die Kinder können sich nicht mehr so lang darauf konzentrieren!“ dt. Medienvertreter
      „Das ist zu kompliziert für unsere Zielgruppe. Geht es auch einfacher?“ dt. TV Kinder-TV-Sender

      Ich habe damals ja noch für die Medienbrache meine Haut und Gehirnzellen geopfert. Ihr glaubt doch nicht, dass ich nicht alles versucht hätte, in die Presse zu kommen. Das beste Beispiel ist der RBB. Rundfunk Berlin/Brandenburg. Die zeigen 5-mal in der Woche den Brandenburger des Tages in einem fünf Minuten Bericht. So kann man jeden Tag Leuten zusehen, die etwas für Ihre Zimmerpflanzen singen, die Tiergrabstellen mit Fingerfarbe an Hauswände zeichnen oder die alten Menschen über Autobahnkreuze bringen. Ich habe mich mehrfach mit Leo bei denen beworben. Ich habe wirklich all meine Kontakte spielen lassen. Selbst der Präsident rief … ach, sagen wir es einfach heraus, nie kam etwas zu Stande. Ich landete ein paar Mal in meinen regionalen Zeitungen. Die Artikel waren echt toll, aber für mehr hat es nie gereicht. Den Playgirl gibt es ja nicht mehr.

      Nun war die letzte Staffel (Folge 8 – 11) nun also fertig und ich suchte nach neuen Themen. Neben den Absagen aus der Medienbranche, war ich auch wieder in Schulklassen mit meinem Vortrag unterwegs. Mit Schulklassen verhält es sich ja so, dass ich zum Beispiel keine Vorträge mehr in der 1. Klasse halte. Warum? Ganz einfach. Für die Kinder hat sich gerade so viel geändert. Aus „Gib Gas und habe Spass“ wurde „Sitz bitte still und sprich die Flüche bitte leise, um deinen Banknachbarn nicht zu stören.“ Wenn ich da um die Ecke komme und im Vortrag erfährt ein sensibles Kind, dass es gar keinen sprechenden Elefanten gibt, dass den ein Mensch spricht – ich sag euch, dieses Drama mache ich kein zweites Mal mit.

      Also fange ich ab der 2. Klasse mit meinem Vortrag an. Und das ist wirklich ein tolles Gefühl. Es gibt immer so tolle, wache und begeisterungsfähige Kinder. Da geht einem das Herz auf und man strahlt aus dem Hintern. Wirklich, was für Mädchen und Jungs mir da schon untergekommen sind – welche tolle aufgeweckte Kinder. Eine Freude. Leider musste ich feststellen, verdoppelt sich pro Klassenstufe die Anzahl der absoluten Vollpfosten pro Klasseneinheit. Sitzt in der 2 a nur eine Amöbe, sind es in der 3 a schon zwei und in der 4 a vier. Eigentlich nicht schlimm, wenn die Amöben nicht gelernt hätten, sich mit Gesten und Mimik bemerkbar zu machen und damit alle anderen Kindern stören würden.

      Von nichts eine Ahnung aber davon eine ganze Menge. „Ich werde Youtuber!“ „Viel Erfolg!“
      „Ich kann Fortnite mit verschlossenen Augen und verbundenen Händen spielen!“ „Respekt!“

      Der Höhepunkt war ein kleiner, rotzfrecher Junge. Das ist jetzt ein originaler Dialog mit dem 7 Jährigen:
      „Sie müssen jetzt ganz stolz auf mich sein!“
      „Ja, warum denn?“
      „Ich spiele keine PC Spiele!“
      „Gut. Das freut mich!“
      „Ich spiele sie am Tablet!“
      „Ähhhhh...“

      Irgendwann lag ich wieder einmal bis 3 Uhr nachts wach und da kam es mir. In groben Anleihen an Michael Endes, setzte ich mich an meinen Rechner und ergoss meine neusten Ideen in eine jungfräuliche Word Datei.

      „Die Welt hat ihr Wissen verloren. Sie sitzt wieder im Dunkeln und wäscht ihre Wäsche im Dorfteich“.

      Leo wurde ab der Folge 12 komplett aus der Bahn geworfen. Bei einem Zeitsprung geht etwas schief und Leo landet in einer, ihm unbekannten, Gegenwart, in der alles Wissen verschwunden ist.

      Leo muss nun wirklich die Menschheitsgeschichte retten. Er braucht Hilfe. In Michael Endes Roman „Die unendliche Geschichte“ zerstört das „Nichts“ Fantasien, weil die Kinder nicht mehr lesen und ihre Fantasie verlieren. Bei Leo bringt ein Geschichtsdieb alles durcheinander. Die Menschheit vergisst. Und nur der kleine Löwe mit seiner Abenteuermaschine kann den Bösewicht aufhalten.

      Ich schlug zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen war ich immer etwas enttäuscht, dass Leo, egal wo er ist und wen er trifft, nichts richtig Großes ausrichten kann. Er ist meist dabei und erlebt das Abenteuer, was eh schon passiert ist. Jetzt wird in den Spannungsmodus geschalten. Es wird ernst.

      Leo trifft auf Leonardo Da Vinci, natürlich, wie kann es anders sein, der wahre Erfinder der Abenteuermaschine und auf seinen Diener Salai. Jetzt habe ich eine Mission, quatsch, ich meine Leo hat eine Mission.

      Nein, Moment. Ja, so falsch war der Satz gar nicht. Mir wurde bewusst, dass hier, etwas richtig schiefläuft. Wenn die Medien sagen: „zu kompliziert für die Kinder, das machen wir nicht“ , dann muss man es eben selbst machen.

      Ich hätte ja nie gedacht, dass mich eine feuchter Furzidee einmal hierher bringt. Dass ich Kindern wirklich etwas Wichtiges für ihr Leben mitgeben möchte. Fantasie, Wissen und die Kunst Dinge zu hinterfragen, sich ihre eigenen Gedanken zu machen.

      Leo ist kein Hörspiel, was Kinder allein anhören sollten. Ich sehe es als Familienhörspiel. Da Leo viele Fragen beantwortet, aber auch die Neugierde beflügelt und die Kinder als „Fragemaschine“ zurücklässt. Und ab da sind die Eltern dran. Die Kinder werden richtig angestachelt, sich Fragen über vergangene Zeiten zu stellen. Ich erkannte an dieser Stelle Leos riesiges Plus.

      Auch, wenn der neue Zyklus ziemlich überraschend daherkommt, war es für mich nur logisch. Und dieser neue Ansatz begeistere Eltern, Kinder und auch Sprecher. Ich schrieb fünf neue Folgen. Das ist jetzt die normale Staffelfolgenanzahl. Und dann erfüllte ich mir einen Kindheitswunsch. Als Da Vinci und dessen Pagen Salai wollte ich unbedingt die Stimmen von Lutz Mackensy (Dr. Brown) und Sven Hasper (Mary McFly). Das wäre das ultimative Nerdding und die Erfüllung eines Traumes.

      Aber so einfach ist das nicht. Das sind zwei Namen, die haben Tradition und Gewicht. Besonders Lutz Mackensy kann man nicht einfach anrufen und er kommt ins Tonstudio. Bei Lutz geht es noch über den Postweg. Ich habe ihm einen lieben Brief geschrieben. Er antwortete, dass er bitte erst alle Dialogbücher lesen möchte, da er sich nicht einfach so für ein Projekt einspannen lässt. Somit habe ich ihm die Bücher über Da Vinci, Isaac Newton, Charlie Chaplin und Mary Pickford und die Gebrüder Grimm geschickt. Hunderte Seiten Dialogbuch. Es dauerte etwas, dann kam ein Anruf.
      Bei solch einem tollen Projekt wäre er sehr gern dabei. Sven Hasper sagte auch zu. Und nun hatte ich zwei der größten Stimmen fest in dem Projekt. Denn etwas war klar, diese beiden Figuren werden ein fester Bestandteil im Leo Hörspiel Universum.

      So ging es wieder ins Tonstudio und herauskam, nach meiner Meinung, die beste Leo Staffel bis dahin.

      Und dann kam Corona und mit dieser Pandemie mein Abschied aus allem, was ich 22 Jahre meinen Job und meine Leidenschaft genannt habe. Ich weiß noch den Tag, die Stunde und die Minute, als mein Kopf auf den Schnittplatz knallte und ich vor mich hin flüsterte: es wird Zeit – nimm deinen Hut.

      Mehr dazu, im letzten Eintrag.

      Neu

      Wow! Das war wieder ein toller Eintrag. Was für eine spannende Lektüre #huepf# Und was für ein Cliffhanger. Wobei ich zugeben muss, dass ich die Rolle von UNIVERSAL noch nicht ganz verstanden habe. Oder kommt da noch was? #nachdenk#
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

      Neu

      So, die Musik dröhnt aus den MS20 Lautsprechern und die Tastatur läuft warm. Ich finde, es wird Zeit für das Finale.

      Bevor wir aber zum Ende kommen, gibt es in bester Hollywoodmanie,r so eine tolle Erfindung, um etwaige Logiklöcher auszubessern. In speziellen Kreisen auch „Flashbacks“, „Rückblenden“ oder „Logiklöcher-Stopf-Element“ genannt.

      Also, hier kommt er, der Leo-Flashback. Stellt es euch vor. Die Farben verblassen (Sättigung -40%), der Kontrast wird um 15 % erhöht und wir setzen eine tolle Vignette rein. Weißblitze, Zeitlupe und Jump Cuts kommt auch immer cool.

      Könnt ihr es euch vorstellen? Nein?! Nicht schlimm. Ich auch nicht mehr.

      Wir springen also etwas in der Zeit zurück. Wir sind im Januar 2019. In China fallen die ersten Menschen auf der Straße um und das geht Viral. Ich befinde mich, mit einer kleinen Löwen Figur im Kofferraum, auf einer 5 Stunden Fahrt zur Nürnberger Spielzeugmesse. Der Plan: ich tauche im Fahrwasser eines befreundeten Spielzeughändlers auf dem Stand der Tonie-Box Leute auf. In der einen Hand eine funktionstüchtige Leo Tonie Figur, in der anderen Hand 11 Leo CDs und Handdesinfektionscreme. Und man glaubt es nicht, zuerst redet mein Spielzeugladen Freund mit den Tonie Vertretern und als schon alles Wichtige gesagt wurde, lege ich meinen kleinen (total niedlichen) Löwen auf den Tisch und sage die historischen Worte:

      „Haben Sie vielleicht Interesse an einer total niedlichen, total schönen Hörspielreihe um einen kleinen Löwen und seiner…“

      Das Gespräch ging genau 10 Minuten und Null Sekunden.

      Kennt ihr diesen 10 Minuten Höflichkeit-Talk? Sprich, wenn man das Gespräch nach 9 Minuten abbricht, dann ist das nicht so fein. Aber ab 10 Minuten und 00 Sekunden ist alles erlaubt. Ich gab mein Löwen und die CDs an die Tonie Leute. „Vielen Dank, wir rufen sie an!“

      Ich verließ die Hallen, duschte in einem Wohnpark gegenüber des Messegeländes (denkt jetzt bessern an die Vignette), stieg dann sauber und gestriegelt wieder in mein Auto und macht mich auf die 5 Stündige Heimreise. Natürlich war ich, wegen dem Ergebnis, am Boden zerstört.

      Die Farbe nimmt noch einmal 10% ab und die Musik wird trauriger. STELLT ES EUCH VOR!

      Als erstes, wenn ich down bin, rufe ich immer meinen kleinen Löwen an. Also den Sprecher Marco Rosenberg. Ich erzähle ihm von diesem Tag und er versucht mich mit Schnurren aufzuheitern. Plötzlich sagt er den folgenschweren Satz: „Vielleicht solltest du etwas mit deinen Covern machen?“ „Bist du bescheuert?“ Ich hatte vor Schreck fast einen Auffahrunfall. „Ich habe 11 CDs mit 11 Covern. Alle bezahlt. Weißt du, was das kosten würde, wenn ich die neu machen würde? Geht es noch!“

      Weitere 5% Farbverlust.

      „Na ja, vielleicht nicht die alten Cover, aber ab der Folge 12. Ich kenne da eine super Grafikerin. Die ist genial. Da würde dann Leo von außen so gut aussehen, wie es von innen klingt!“ Ich weiß nicht mehr, ob das der originale Satz war. So klingt er aber im Flashbacks gut. Wir sprachen die gesamten 5 Stunden. Von Nürnberg bis nach Berlin. Als ich ausstieg, war ich festentschlossen, wenn schon, alle Cover neu zu gestalten. Beginnend ab der Folge 1. Was für ein Wahnsinn. Ich habe tausende CDs mit alten Covern hier zu Hause liegen. „Weißt du, was das bedeutet?“ – Teufelchen auf der Schulter. „Ja, ich muss bei jede einzelne CD die Cover austauchen, per Hand!“ „Ach, was soll ich da sagen? Du machst eh, was du möchtest! Spann aber deine Kinder, Frau, Eltern und Nachbarn ein.“

      Wenn ich das so schreibe, kann ich das selbst nicht glauben. Ich fing an mit Tina jedes Cover neu zu gestalten. Endlich Cover, so wie ich sie wollte. Ich liefere die Skizzen und Ideen und Tina setzt es perfekt, genial, meisterlich, einmalig in neuen Cover um. Ich lasse also alle Einleger neu drucken und dann fange ich wirklich an, jede CD mit einem neuen Inlay neu zu verpacken. Die Kinder machten mit, die Frau musste etwas gezwungen werden. Meine Eltern packen in ihrer Wohnung auch mit an. Und so dauert es zirka 6 Monate und dann erstrahlt Leo in vollkommen neuen Covern.

      Wenn wir aber schon dabei sind, was ist mit den ersten drei Folgen? Was soll mit denen jetzt sein? Na ja, da hat Leo noch eine andere Stimme und das Sounddesign ist auch noch etwas, wie soll man es sagen, damit ich nicht selbst beleidigt bin? Verbesserungswürdig! Ja, okay, darauf können wir uns einigen. Da ich die ersten drei Folgen selbst gemischt hatte, besaß ich ja noch alle Tonspuren.

      „Du willst Leo neu sprechen, neu abmischen und neu pressen?“ „Ja, spricht etwas dagegen?“ „Na ja, in deinem Universum wahrscheinlich nicht, auf der Erde nennt man das aber, ähhh – verrückt!“

      Die alten Dialogbücher wurden erneut ausgedruckt. Das Tonstudio reaktiviert und Marco mit Hilfe von Brotkrumen in die Tonkabine gelockt. Ich habe tatsächlich die alte Leo Sprecherin, in den ersten drei Leo CDs, ausgetauscht. Ganz nebenbei das Sounddesign verbessert, mehr Musik, mehr SFX. Ich habe die Reihenfolge der Abenteuer geändert und dann noch die nervige Sache mit dem Vorspann ausgebügelt. Und dann habe ich die Folge 1 bis 3 neu ins Presswerk gegeben. Na ja, normal kann jeder.

      Flashback Ende.

      Moment, die Frage über den Antagonisten Universal kam noch einmal auf. Mist! Da ist der Arnold über das Ziel hinausgeschossen. Bitte entschuldigt. Ich leiste Abbitte. Universal ist selbstverständlich nicht der Bösewicht. Es gibt in dieser Geschichte keinen Bösewicht, ich wollte nur etwas die Spannung steigern. Ich entschuldige mich hier öffentlich bei allen Universal Mitarbeitern, die sich durch meinen Text negativ gereizt fühlten. Der Brief festigte in mir nur den Gedanken, dass ich Leo, gegen alle Widrigkeiten, weiter entwickeln muss. Es gibt Firmen, und das wollte ich damit ausdrücken, die es aufgegeben haben, in diesen Nischenmarkt zu investieren. Da es nur noch 10% sind. 10 PROZENT! Und was ist nun mit diesen 10%? Dieser Satz stand wirklich in dem Brief und das hat mich in meinem Entschluss bestärkt, weiterzumachen. Somit ist Universal hiermit rehabilitiert. Alles fein – nicht nachtragend?

      Nachdem das alles geklärt wäre, können wir Linear weiter mache.

      Wir befinden uns in der Zeit, als die Folgen 12 bis 15 schon vertont und zum großen Teil auch schon fertig gemischt, aber noch nicht alle veröffentlicht, waren. Ortswechsel. Berlin. Tag. In der Nähe des Potsdamer Platzes. Wir befinden uns im, Moment, war das schon der zweite Lock down? Ich habe da etwas die Übersicht verloren. Das ist aber auch egal. Mein Beruf gehört zu den Systemwichtigen Berufen. Panem et circenses – Brot und Spiele. Ich saß also vor meinen drei Monitoren, einer Maus und einer bunten Tastatur. 22 Jahre mache ich den Job jetzt schon. Geopfert habe ich, neben mehr Gehirnzellen als bei einem goldenen Schuss, meine Augen (-6,5 Dioptrien), mein Gehör (ich kann mehrere Tonquellen nicht mehr voneinander unterscheiden), meinen Rücken und meine Finger.

      Kurzer Erklärbär. Wenn ihr eine 45 Minuten Sendung anschaut, ist die mit Werbung nach 60 Minuten vorbei. Ich sitze für einen 45 Minüter fünf Tage a 8 bis 10 Stunden an der Sendung. Immer und immer wieder sehe ich die gleichen Szenen. Bei einem 60 Minuten Film, zirka 2 Wochen. Bei einem 120 Minuten Film schon mal locker täglich 2 Monate. Ich kenne jedes Bild des 1.000 stündigen Rohmaterials, kenne jeden Versprecher, jeden verkackten Schwenk, jede Unschärfe, jede Textpassage meines Redakteures in und auswendig. Damit ist der Verlust der Gehirnzellen zu erklären. Ich schnitt auch manchmal zu Hause und meine Frau fragte mich einmal. „Wie hältst du das nur aus?“ „Drogen Baby, Drogen!“

      Man klickt am Tag zehntausende Male auf der Maus herum und tausende Mal auf die Tastatur. Das waren dann die Finger. Man sitzt 8 – 10 Stunden täglich auf solch einen blöden Bürostuhl – das war dann der Rücken und starrt auf drei Monitore – und nun die Augen. Man hört auf jedes Geräusch und jeden dummen Satz des Protagonisten – und weg waren Gehirn und Ohr. Na ja, was soll man sagen, ich bin schon über 40 und man wird nicht jünger.

      Es war wohl der Gesamtsituation geschuldet. Ich saß hier und schnitt Kaugummi fürs Hirn. Einige Tage vor dem Job am Potsdamer Platz, war mein großer Sohn, bei einem anderen Projekt, mit auf Arbeit. Die Schulen waren geschlossen worden. Er saß neben mir und machte fein seine Schulaufgaben und schaute mir beim Arbeiten zu. Plötzlich hebt er den Kopf, legt den Füller zur Seite und schaut mich an: „Papa!“ „Ja mein Sohn!“ „Darf ich dich kurz stören?“ „Ja, was hast du?“ „Warum machst du aus der lieben Frau eine Böse und warum machst du aus der bösen Frau eine Gute?“

      Ich sag euch – der Schlag saß. Ich muss das auch kurz erklären. Als ich als Frischling vor 22 Jahren damit angefangen habe, war es noch nicht so. Und ich wollte immer nur schneiden. Später braucht man dann das Geld für den Kühlschrank und die anderen Grundbedürfnisse der Familie. Es ist einfach so passiert.

      Ich ging mit meinem Sohn nach Hause und sagte ihm, dass er leider nie wieder mit seinem Papa auf Arbeit dürfte. Jetzt, Wochen später, saß ich am Potsdamer Platz und schnitt das nächste Projekt. Eine erfolgreiche TV Show. Ich schnitt wie immer allein. Ich weiß ja, was man sehen und hören wollte. Ich schob die Maus zur Seite und schaute mehrere Minuten schweigend aus dem Fenster.

      Leo ist jetzt 5 Jahre alt. Die Verkaufszahlen steigen, wenn man den Gürtel enger schnallen würde, könnte man davon leben. Also, bald. Auch ist Leo ein Fulltime Job. Selbst in der Mittagspause auf Arbeit verschickte ich Leo Bestellungen. Social Media, Amazon, Webshop, das Finanzamt, neue Bücher, Tonstudio, Dispo, Marketing, Grafiken, Gema, Verpackungen, Vorträge an Schulen…

      Und dann hat Leo einen Punkt auf der Haben Seite, der den absoluten Ausschlag für die kommende Kurzschlussreaktion gab. In Leo redet mir niemand rein. Er ist meine. Beim TV kommen aller furz Minuten jemand herein, der da denkt, mich mit seinen Ideen und Ansichten beglücken zu können. Egal wie toll man es macht, wenn bei jemanden da oben ein Furz quer hängt, muss es geändert werden. Ich hatte Momente, da stand ich schreiend (kein Witz) auf dem Gang und wollte die Hütte niederbrennen. Nach der achten Senderabnahme/Änderung kommt eine Mail. „Du Leute (ja, so schreiben die), wir haben uns noch einmal alle zusammengesetzt und eine Stunde darüber diskutiert. Nach reiflicher CO2 Ausscheidung sind wir zu dem Entschluss gelangt, dass die Animation wirklich wirklich toll ist. Bussi dafür. Aber wir fänden, dass wir aus dem Wort „Hundemode“ – „Hunde-Fashion“ machen sollten. Danke! Bussi!“

      Ahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh … hallte es durch die Gänge.

      Zurück an den Potsdamer Platz. Ich kann irgendwie nicht mehr. 22 Jahre sind eine lange Zeit. Hunderte TV Formate, tausende Stunden TV-Sternstunden. So viel CO2. Und dabei habe ich etwas, für was ich brenne. Was mir wichtig ist. Ich habe meine Steuerberaterin abgerufen. Diese riet ab. Ich rief meine Frau an. „Wir stehen hinter dir.“ Tja, was soll man sagen? So ein Abgang ist gar nicht so schwer. Ich absolvierte noch meine zugesagten Aufträge und dann zog ich den Stecker. Am letzten Tag ging ich durch die Redaktionen und verabschiedete mich.

      „Du kommst doch wieder, oder?“ „Wenn es schiefgeht, ja!“

      Dann war ich raus und kümmerte mich um die Folge 16, schrieb die Folgen 17 – 21 und konzentrierte mich auf meine Familie, mein Bauchgefühl und meinen geliebten kleinen Löwen.

      Das ging dann eine kurze Zeit so. Man glaubt nicht, wie sich das Leben plötzlich verändern kann.

      Und eines Tages öffne ich mein Emailpostfach und da erscheint eine Mail von Kiddinx.

      Tja, Zufälle gibt es.

      Ab jetzt wird ein neues, unbekanntes Leo-Kapitel aufgeschlagen. Ich weiß nicht, wie sich das ab hier entwickelt. Ich weiß nur, dass es spannend und ganz toll wird. Es ist wohl das Beste, was Leo jemals passieren konnte. Vielleicht habe ich jetzt genug gutes Karma angesammelt. Aber, wer jetzt denkt: Uhhiiii, Kiddinx, jetzt wird er Millionär. So ist es nicht. Ich habe keinen Plattenvertrag, sondern einen Labelvertrieb. Leo bleibt vollkommen in meiner Hand. Jetzt muss der kleine Löwe beweisen, dass er im großen Teich schwimmen kann. Fünf neue Folgen sind fertig. Die beste Staffel, die es jemals gab (meine Meinung). Aber sehen wir es realistisch. Leo steht immer noch am Anfang, kennt ihn doch noch nicht so viele.

      Und, verstehen ihn nicht so viele. Denn ich glaube, um die Veränderungen in dem Hörspiel zu verstehen, müsste man diese Geschichte hier kennen. Manche schrecken die ersten drei Folgen ab und die hören die späteren Folgen gar nicht. Andere stören sich an den Löwen. Was ich gar nicht verstehen kann, da es gerade das ist, was die Kinder verstehen. Alles in den Hörspielen ist so oder so ähnlich passiert, nur der Löwe ist Fantasie. Das können Kinder ganz gut separieren. Für manche sind die Themen zu komisch. Ein Hörspiel über einen Stummfilmstar? Andere denken die Themen sind zu anspruchsvoll. Was sucht „Der Zauberlehrling“ in seiner 3:50 Minuten Länge in einem Kinderhörspiel? Warum soll man die Kinder nach dem Hörspiel in die Arme nehmen? Was hat sich der Erfinder dabei nur gedacht?

      Viel, das kann ich euch versichern. Okay, ich glaube, dass war es bis hier her.

      Vielleicht sollte ich im Abspann noch erwähnen, dass man Leo auf allen gängigen Streaming Portalen hören kann. Wie oft, ist jedem selbst überlassen. Man kann es weitersagen, wenn es einem gefällt.

      Was man aber nicht machen sollte ist, mich für verrückt zu erklären. Das täte mir weh. Eher, wie meine Frau so schön sagte: „Du bist nicht verrückt – du bist speziell.“ Das trifft es ganz gut und damit kann ich leben.

      Jetzt stehen meine Kinder vor der Tür und scharren mit den Hufen.

      Ich hoffe, es hat euch gefallen. Für Fragen stehe ich jederzeit zur Verfügung. Ansonsten bleibt mir nur noch ein Wort zu schreiben:

      FIN

      Neu

      Was für eine unterhaltsame und grandiose Geschichte #danke# Und das Beste daran, es steht zwar jetzt FIN am Ende, aber die Geschichte hat noch viel Potential. Ich denke da wird noch eine zweite Staffel folgen ;D

      Bewundernswert wie viel Kreativität, Hingabe und Herzblut Du in Deinen persönlichen Hörspieltraum gesteckt hast. Ich drücke Dir ganz fest die Daumen.

      Mich als Sammler stellt sich nun die Frage, was ist mit den ehemaligen Covern passiert? Was ist mit der ursprünglichen Fassung passiert?

      Und als Hörspielfan interessiert mich wie es jetzt weitergeht? Arbeitest Du schon an den nächsten Geschichten? Oder wird jetzt mal abgewartet wie gut sich die Serie fortan unter der KIDDINX-Flagge verkauft? Und ist es denkbar, dass Du neben Leo eine weitere Serie produzieren wirst? Oder für andere Labels Aufträge übernehmen könntest?
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

      Neu

      Wow - vielen Dank für das Teilen deiner Geschichte.
      Aus unserem kurzen Mail Austausch hatte ich ja schon herausgelesen, dass es schwer war Leo da hinzubringen wo er jetzt steht - aber das hier ist Stoff für eine weitere grosse Geschichte.

      DANKE, dass du so sehr für den kleinen Löwen gekämpft hast. Wie schon erwähnt, mein Grosser mag Leo unglaublich gern und ich bin sicher, der Kleine folgt ihm bald :) Und nach dem Hören der Shaolin Folge sind keine bleibenden Schäden entstanden. :thumbsup:

      Jetzt hoffe ich nur, dass es irgendwann doch noch mit der Leo Tonie Figur klappt!
      Mein Name ist Dorian Hunter, und ich bin der Sohn des Teufels. Ich war der Sohn des Teufels, denn ich habe ihn getötet! :evil:

      Neu

      @Markus G.

      Du bist super... immer am Ball und überall unterwegs. Es freut mich sehr, dass dir die Erzählung gefallen hat. Nun noch zu deinen Fragen:

      Die alten Cover und die alten Mischungen sind aus dem Verkehr gezogen. Wer damals diese Versionen gekauft hat, wird sie noch haben. Ansonsten befindet sich bei mir alles im Giftschrank. Vielleicht mache ich diesen irgednwann noch einmal auf. Wobei ich es etwas unfair für die alte Sprecherin und die alte Grafikerin finde. Sie haben auch ihr Bestes gegeben und vielleicht wäre der Blick zurück etwas "komisch"?

      Zur Zeit habe ich nur ganz viele Ideen und ich möchte dieses Jahr auch eine weitere Staffel schreiben. Eigentlich habe ich die Grundstory für 10 Folgen im Kopf. Also genug Stoff. Aber du hast Recht, jetzt muss Leo erst einmal beweisen, ob er es schafft. Die Hürden sind hoch. Aber es muss weiter gehen, da der Cliffhanger in Folge 21 schon gemein wäre, wenn es da nicht mind. noch eine Abschlussfolge gäbe.

      Auch muss ich mir anschauen, wie dieses Jahr sich überhaupt so für uns alle entwickelt.

      Ich hätte auch zwei Ideen, für andere Serien. Eine für die Jugend, im gleichen Stile wie Leo, nur eben noch anspruchvoller. Und dann noch eine erwachsenen Abenteuerreihe mit viel Spannung und Abenteuer. Aber das ist noch alles Zukunftsmusik. Auch schreibe ich an einem Hörbuch für Erwachsene. Es ist also viel geplant... jetzt muss nur Geld herein kommen, um das alles zu verwirklichen. Also gern viel Leo auf den Portalen hören :)

      Ganz liebe Grüße. Ihr werdet so oder so demnächst mehr von Leo hören. Ich muss doch die Folge 17 vorstellen und dann noch einen riesigen Haufen Leo-Stuff verlosen. Inkl. ein gigantischen Poster mit allen Unterschriften. Freut euch darauf.

      LG

      @Orko aus dem Zauberland

      Auch an dich einen herzlichen Dank für dein Interesse. Zum Thema Tonie Figur. Ich habe mich dazu verdonnert, gar keine Erwartungen mehr zu haben. Somit vermeidet man all zu viele Enttäuschungen. Ich werde einmal Kiddinx anfragen, ob es da irgendwelche Möglichkeiten gibt.

      LG

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