Die hohe Kunst aus einer Diskussion auszusteigen

      Die hohe Kunst aus einer Diskussion auszusteigen

      Die alten Hörspieltalker/innen und Foristen kennen es sicher? Man befindet sich in einer Diskussion. Die Diskussion wird immer hitziger, man dreht sich im Kreis, man findet keinen Konsens und so weiter. Wie schafft ihr es aus solch einer Diskussion auszubrechen? Man bekommt eine Antwort, die man so eigentlich nicht stehen lassen will, aber weiß gleichzeitig, dass jede Antwort von einem selbst postwendend wie in einem Tischtennismatch (ich lasse absichtlich den Begriff Ping-Pong aus ;) ) retourniert wird. Was tun? Und vor allem „wie“ tun?
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#
      Eine sehr gute Frage! ^^
      Der Punkt „eine Antwort, die man so eigentlich nicht stehen lassen will“ ist genau das Riesenproblem einer Diskussion, die sich bereits im Kreis dreht. Die Vernunft in mir sagt dann meist „es hat sowieso keinen Zweck, denn es ist alles gesagt worden“. Das Teufelchen auf meiner Schulter flüstert mir aber ein „das kannst du nun wirklich nicht unbeantwortet stehen lassen“ ins Ohr. Eigentlich müsste man die Diskussion nun einfach verlassen und zwar so lange wie die Stimmung friedlich ist. Der Absprung kommt aber leider manchmal zu spät und dann sollte man versuchen das Thema in eine andere Richtung zu leiten. Da hilft es sehr, wenn jemand anderes in die Diskussion springt und wieder allgemein zur Vernunft aufruft. Allerdings muss dieser Jemand dann auch die richtigen Worte gebrauchen, um die Beteiligten wieder aus dem Kreisverkehr rausholen und der Diskussion eine neu Richtung geben zu können.
      Das könnte gut passen :

      Der Esel sagte zum Tiger:
      "Das Gras ist blau."
      Der Tiger antwortete:
      "Nein, das Gras ist grün!"
      Ein Streit brach aus und sie gingen zum König der Tiere, dem Löwen, um ihre Differenzen beizulegen.
      Als der Esel den Platz erreichte, an dem der Löwe auf seinem Thron saß, begann er zu schreien:
      "Eure Majestät, ist es wahr, dass das Gras blau ist?"
      Der Löwe antwortete:
      "Ja, natürlich ist das Gras blau."
      Der Esel war begeistert und fuhr fort:
      "Der Tiger widerspricht mir, und nervt mich, bitte bestrafe ihn."
      Der König (Löwe) verkündete:
      "Der Tiger wird mit einem Monat Schweigen bestraft."
      Der Esel sprang glücklich und ging zufrieden weiter und wiederholte:
      "Das Gras ist blau ... das Gras ist blau ..."
      Der Tiger nahm seine Strafe an und fragte den Löwen:
      "Eure Majestät, wofür habt ihr mich bestraft? Immerhin ist das Gras grün?"
      Löwe:
      "Das Gras ist tatsächlich grün."
      Der überraschte Tiger fragte:
      "Warum bestraft ihr mich dann?"

      Löwe:
      "Das hat nichts mit der Frage zu tun, ob Gras blau oder grün ist. Die Strafe dafür, ein tapferes und intelligentes Tier wie du zu sein, darf keine Zeit damit verschwenden, mit einem Esel zu streiten und dann meine Zeit mit dieser dummen Frage zu verschwenden.

      Die schrecklichste Zeitverschwendung ist es, mit einem Dummkopf und einem Langweiler zu streiten, dem weder Wahrheit noch Realität wichtig sind, sondern nur der Sieg seiner Überzeugungen und Illusionen.
      Verschwende keine Zeit mit nutzlosen Argumenten.


      Es gibt Leute, die die Wahrheit nicht akzeptieren können, da sie nicht in ihr Weltbild passt, sie verteidigen lieber die Lüge und verspottet denjenigen der die Lüge aufzeigt.

      Sie wollen sich nur behaupten. Gleichzeitig sind sie von Hass geblendet und die Diskussion wird von Beleidigungen begleitet.
      Wenn Unwissenheit schreit, ist der Geist still."


      Leider kann ich mich da bei manchen Themen nicht ausnehmen.
      @Zak schrieb…
      Es gibt Leute, die die Wahrheit nicht akzeptieren können, da sie nicht in ihr Weltbild passt, sie verteidigen lieber die Lüge und verspottet denjenigen der die Lüge aufzeigt.

      Es ist aber nicht immer so schwarzweiß wie es scheint und manchmal gibt es auch mehrere Wahrheiten. Genau dies macht in meinen Augen eine Diskussion oft schwierig, denn jeder hat dann sein festes Weltbild im Kopf und ist von seiner (vermeintlich einzig möglichen) Wahrheit so überzeugt, dass da kein Platz für eine weitere ist.

      hoerspiel schrieb:

      denn jeder hat dann sein festes Weltbild im Kopf

      Ja wessen denn sonst?
      Jeder kann nur sein ganz persönliches Weltbild im Kopf haben.
      Selbst Ehepaare etc. welche grob die gleichen Ziele haben (sollten) werden wahrscheinlich nie zu 100% übereinstimmen.

      Ich denke das wesentliche Problem ist es, das in den meisten Fällen, jeder seine eigenen Interessen in den Vordergrund stellt.
      Aber genau dies zeichnet in meinen Augen tolerante Menschen aus, von dem eigenen starren Weltbild auch mal ein wenig abrücken, bzw. auch weitere Weltbilder im eigenen Kopf aufnehmen zu können. In einer Gemeinschaft doch sehr wichtig, wie ich finde.
      Ich gebe aber gerne zu, dass mir dieses auch nicht immer gelingt. ^^

      hoerspiel schrieb:

      Aber genau dies zeichnet in meinen Augen tolerante Menschen aus, von dem eigenen starren Weltbild auch mal ein wenig abrücken,


      Ich denke (m)ein eigenes Weltbild ist grundsätzlich immer in Bewegung.
      Nur sollte es da ja jedem selbst überlassen sein, welche Einflüsse man da mit aufnimmt oder welche nicht.
      Auch z.B. Ehepaare sollten ja (hoffentlich) grob die gleichen Ziele haben, aber auch das wird vermutlich nie zu 100% klappen.

      Aber zur eigentlichen Frage:
      Warum muss man aus einer Diskussion aussteigen? Man kann diese z.B. auch verlagern.
      Das passiert gerade z.B. bei @Markus G. und mir recht häufig.
      Man könnte eigentlich bei uns beiden sagen wir sind ein Paradebeispiel für gegenseitige Toleranz. Und das war ganz sicher nicht immer so.

      Das Problem ist, wenn mal dann ins persönliche geht, sei es zur direkte Ansprache oder Zitate.
      Dann ist man entweder genötigt, direkt zu antworten, wenn es ein Contra ist, das liegt in der Natur des Menschen. Oft antwortet man aber auch einem Pro-Kommentar, weil man dem Unterstützer danken möchte oder gar um ihn nicht zu verlieren.
      Dann könnte es auch mit daran liegen, das man mehr über den/die Diskussionspartner erfahren möchte um sich ein Bild zu schaffen etc.

      Es gibt eigentlich nur einen Grund auszusteigen, und zwar wenn man die Schnauze voll hat, weil es eh nichts bringt. Prinzip Hoffnung ;)
      Ist bei Face-to-Face Diskussionen allerdings wesentlich einfacher als im Netz. Denn wenn man aufsteht und geht hat das einen Effekt der den/die Gegenüber erkennen lässt was Phase ist.
      Während im virtuellen es ja mehrere Gründe haben könnte, da ist von keinen Bock mehr, keine Zeit, keine Internetverbindung, Verlegung in eine private Diskussion etc noch vieles Andere möglich.
      Ich steige oft aus, wenn ich merke, dass sich mein Gegenüber nicht informiert hat oder sich mit dem Thema überhaupt nicht auskennt, dann ergibt so eine Diskussion keinen Sinn. Auch steige ich bei Pauschalisierungen aus - ich bekomme ja oft zu hören "ihr Medien". Ja, es gibt da genug zu kritisieren und ich bin vorne mit dabei. Dann doch aber bitte über Zeitung xy, Sender xy oder Bericht xy und nicht pauschal über alle. Solche Diskussionen kann ich mir auch in allen anderen Lebensbereichen sparen. Natürlich kommt man auch oft zu dem Punkt, dass man einfach keinen Konsens findet, wenn beide Seiten gut informiert sind. Ich kann dann meist ganz gut damit leben, eine Antwort so stehen zu lassen, obwohl mir noch tausende Dinge dazu einfallen. Aber irgendwie muss die Spirale ja mal beendet werden.
      Übrigens finde ich es viel leichter, aus Face to Face Diskussionen auszusteigen. Die erledigen sich meistens von selbst, wenn einfach keine Argumente mehr kommen. Im Netz sind Diskussionen nicht so spontan, jeder hat noch Zeit, Argumente zu sammeln. Beim spontanen Face to Face gibt es danach oft den Moment: ach hätte ich noch gesagt...
      Ich muss zugeben, dass ich diese Fähigkeit aus einer Diskussion auszusteigen nicht wirklich habe. Meistens verstricke ich mich dann noch tiefer darin und verpasse den Moment auszusteigen. Es ist allerdings auch so, dass es im Normalfall immer etwas dauert bis ich überhaupt in eine Diskussion einsteige. Wenn dies passiert, dann bleibe ich meistens bis zum Schluss. Ausnahme mein Diskussionspartner beschimpft mich. Dann ist für mich der Ofen aus. Dann bin ich weg. Mein Fehler ist ganz allgemein, dass ich bei jeder Diskussion einen Konsens suche. Oft ist dieser aber gar nicht gewünscht, sondern man möchte halt sein Weltbild, um bei diesem Ausdruck zu bleiben, präsentieren und verteidigt dieses mit allen Mitteln bzw. bewegt sich dieser in seiner eigenen Blase. Ich habe es zwar im Studium gelernt, dass man hier mit Argumenten nicht beikommen kann, weil diese ja nicht zwingend auf die Blase zutrifft und die Argumente damit nichts bewirken können, aber man will halt selber auch manches nicht stehen lassen. Schwierig. Die Mechanismen sind aber immer gleich. Zuerst sachlich, dann macht sich eine Seite drüber lustig, dies stachelt die andere Seite weiter auf, dann wird es persönlich, beleidigender bis man an dem Moment angekommen ist, wo Argumente nicht mehr von Nöten sind sondern nur wer eleoquenter und besser schimpfen und beleidigen kann. Ich steige halt meistens erst in der letzten Phase aus, wo es aber schon eskaliert. Mein persönliches Problem ist leider auch dass ich mich immer in einer Moderatorenrolle fühle. Dies mag daran liegen, dass ich in verschiedenen Foren schon so lange einer bin und ich auch in meinem täglichen Beruf in der Rolle des Verantwortlichen bin, der für Ordnung sorgen muss. Dabei wäre es manchmal, nicht immer (!!!) durchaus ratsamer man lässt sich die Jungs die Schädel einschlagen und danach ist alles wieder gut. Aber ich tue mir da schwer beim Zusehen. Und es gibt schon einige, die über die Fähigkeit verfügen in manchen Diskussionen Meinungen einfach stehen zu lassen, sie nicht zu kommentieren und nicht danach trachtet das berühmte letzte Wort haben zu müssen, sondern statt dessen einfach die Diskussion zu verlassen. Meinen ehrlichen #respekt# an alle die dies können!
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

      Markus G. schrieb:

      Mein Fehler ist ganz allgemein, dass ich bei jeder Diskussion einen Konsens suche.

      Genau liegt aber meist der Haken, denn dafür bräuchte man einen kleinsten gemeinsamen Nenner, der für beide Seiten akzeptabel ist.
      Da hat sich aber jeder wahrscheinlich eine Grenze gesetzt wie weit er runter geht.
      Bei mir ist das z.B. das Straf- und/oder Zivilrecht bzw. das Grundgesetz.
      Darum kann und werde ich mache Äußerungen wohl auch niemals tolerieren.

      Quasi der es kategorische Imperativ:
      „Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde oder bereits ist."

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Zak“ ()

      Leider gehen öfters Menschen gar nicht in eine Diskussion mit dem Ziel einen Konsens zu finden oder auch vom anderen zu lernen sondern einzig und alleine seine Meinung mitzuteilen und diese dann auf Teufel komm raus zu verteidigen. Mit dieser Einstellung wird man keinen Konsens oder auch einen kleinsten gemeinsamen Nenner finden können. Gerade in Hörspieldiskussionen wäre dies ja so einfach, weil uns alle unsere Liebe zum Hörspiel verbindet. Ich für mich konnte durch diesen Blick über den eigenen Tellermeinungsrand schon sehr profitieren. Sonst würde ich wohl heute noch an meiner MC festhalten. Andere Blickwinkel und Meinungen können den eigenen festgefahrenen Horizont wunderbar erweitern und man kann von anderen Menschen lernen. Von der eigenen Meinung kann man selbst nichts mehr dazu lernen. Im Grunde wäre es also gar nicht so schlimm wenn der Diskussionspartner nicht auf meine Argumente eingeht, sein Problem, wenn er nicht was dazu lernen und erfahren möchte, solange ich mir selbst dessen Wissen zu Nutze machen kann. Trotzdem kommt dann oft der eigene Stolz und Starsinn zu tragen und man konzentriert sich selbst wieder mehr darauf sein eigenes Wissen zu verteidigen als auf das des anderen einzugehen. Ich versuche mir dieses immer wieder klar zu machen. Aber leider klappt das nicht oder nicht immer.
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

      Markus G. schrieb:

      Gerade in Hörspieldiskussionen wäre dies ja so einfach, weil uns alle unsere Liebe zum Hörspiel verbindet.


      Aber entzweit gerade das nicht evtl. auch?
      Denn einige betrachten "Liebe" ganzheitlich, andere bidirektional, wieder andere einseitig.

      Markus G. schrieb:

      Trotzdem kommt dann oft der eigene Stolz und Starsinn zu tragen und man konzentriert sich selbst wieder mehr darauf sein eigenes Wissen zu verteidigen als auf das des anderen einzugehen.


      Da alleine da musst du aber schon zwischen Wissen und Meinung differenzieren.
      Um jetzt von der Materie Hörspiel weg zu schauen.
      Prämisse, man weiß das Angestellte von Lieferdiensten mit total unfairen Arbeitsbedingungen zu kämpfen haben.
      Jetzt gibt es verschiedene Wege darauf zu reagieren. Hier mal einige:
      - Ich bestelle gar nicht mehr. - Ändert nicht an den Arbeitsbedingungen. Das man ggf. Jobs abbaut.
      - Ich bestelle nur da wo die Arbeitsbedingungen Fair sind - Könnte was bringen, wenn der Arbeitgeber bei mehr Nachfrage mehr Leute einstellt.
      - Ich bestelle nur da wo die Arbeitsbedingungen Fair sind und gebe gutes Trinkgeld - bringt zumindest dem Auslieferer was.
      - Es ist mir egal, ich bestelle da wo es am günstigsten ist - Ändert nicht an den Arbeitsbedingungen, eher im Gegenteil, der Auslieferer wird ggf. noch mehr belastet.
      - etc.
      Eines ist aber immer gleich, ich habe Hunger und möchte nicht selber kochen ;)

      Und da muss jeder seine Lösung für sich finden und was ganz wichtig ist, er darf berechtigte Kritik an anderen Lösungen üben.
      Ich lasse da immer mein <3 entscheiden. Alles andere ist viel zu kompliziert für mich.
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#