Kann man das Rad der Hörspielzeit zurück drehen?

      Kann man das Rad der Hörspielzeit zurück drehen?

      Wir Hörspielfans haben ja sehr viele schöne nostalgische Erinnerungen. Zudem gibt es Serien, die noch in unserer Jugend gestartet wurden oder Serien von damals, die wieder neu gestartet oder sogar fortgesetzt wurden. Kann man das Rad der Zeit wirklich zurück drehen? Für Hörspielfans, für Hörer, für Verlage, für Labels? Wann klappt das? Wann klappt das nicht?
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#
      Bei manchen Dingen klappt das - bei anderen gar nicht... als Kind hab ich eine Zeit lang Benjamin Blümchen und Bibi Blocksberg sehr gerne gehört - aber da halte ich heute kein ganzes Hörspiel mehr durch.... bei den MotU auch nur bedingt - wohingegen die alten DDF immer gehen - da klappt das also ganz gut und ich verbinde damit auch schöne Zeiten von früher...

      Die andere Frage ist da aber auch - will man denn die Zeit zurückdrehen? Ich hatte noch nie so viel Auswahl und so viel richtig gute Unterhaltung durch Hörspiele wie aktuell - unglaublich hohes Produktionsniveau, grosse Auswahl in vielen verschiedenen Genres... und wenn ich das möchte, habe ich meine Hörspiele auch immer über all verfügbar. Warum sollte ich da als Hörer die Zeit zurückdrehen wollen?

      Verlage und Labels hingegen vermissen bestimmt die gute alte CD / MC Zeit und die Umsatzzahlen von damals... :whistling:
      Mein Name ist Dorian Hunter, und ich bin der Sohn des Teufels. Ich war der Sohn des Teufels, denn ich habe ihn getötet! :evil:
      Ich glaube nicht dran. Ich habe vor ein paar Monaten die Europa-Winnetou-Hörspiele mit einem 8jährigen gehört — ohne dass der sie vorher kannte oder May gelesen hatte. Mich hatten die Hörspiele als Kind geflasht, hab sie immer wieder gehört. Die gelangweilte Reaktion des Jungen ließ mich dann auch mal ohne nostalgisches Ohr hören, und dann merkte ich, wie sehr ich mich an den heutigen Anspruch in Sachen Anschlüsse, Musikvielfalt, Sounddesign und Komplexität gewöhnt hatte. Heute würde ich sie nicht mehr so beeindruckend finden.
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      Interplanar schrieb:

      Ich glaube nicht dran. Ich habe vor ein paar Monaten die Europa-Winnetou-Hörspiele mit einem 8jährigen gehört — ohne dass der sie vorher kannte oder May gelesen hatte. Mich hatten die Hörspiele als Kind geflasht, hab sie immer wieder gehört. Die gelangweilte Reaktion des Jungen ließ mich dann auch mal ohne nostalgisches Ohr hören, und dann merkte ich, wie sehr ich mich an den heutigen Anspruch in Sachen Anschlüsse, Musikvielfalt, Sounddesign und Komplexität gewöhnt hatte. Heute würde ich sie nicht mehr so beeindruckend finden.


      Ähnliches ist mir mit meinen Söhnen mit der Gummibärenbande, Chip & Chap und auch Darkwing Duck passiert... ich verstehs nicht... sie mögen lieber doofe computeranimierte Marienkäfer Mädels und ebensolche Hundewelpen... aber keine Gummibären ;( ;( ;( ;( ;( ;( ;( ;(
      Mein Name ist Dorian Hunter, und ich bin der Sohn des Teufels. Ich war der Sohn des Teufels, denn ich habe ihn getötet! :evil:
      Das ist halt so... Jede Generation hat ihre eigenen Idole und Kulte über die sie sich identifiziert. Gleichzeitig kann man mit den Vorlieben der anderen Generationen nichts anfangen.
      Ich glaube das hat die Natur so ganz bewusst eingerichtet.

      "Das Rad zurückdrehen" kann man in meinen Augen niemals, denn was früher gut funktionierte, scheitert meistens in der Gegenwart da sich alle Rahmenbedingungen und Wissensstände geändert haben.

      Aus heutiger Sicht wirken viele ältere Hörspiele dilletantisch gemacht, Versprecher, schlechtes Sounddesign, usw...

      Meine Tochter konnte ich bisher mit noch keinem Hörspiel aus meiner Jugend begeistern, und wenn ich ehrlich bin sind die heutigen Hörspiele viel professioneller gemacht... Trotzdem mag ich viele ältere Hörspiele, aber wohl eher aus Nostalgie weil sie mich an die unbeschwerte Zeit meiner Kindheit erinnern.

      Würde ich sie heute völlig unvoreingenommen hören, würde ich sie wohl entsetzt ausmachen und entsetzt sein wie dilletantisch die produziert wurden.
      Was ich bei meinem Sohn beobachten konnte, dem ich auch viele meiner alten Hörspiele zum Hören gegeben habe, liegt es weniger an der „einfachen“ Unsetzunge von damals, als mehr am Thema selbst. Western sind heute auch einfach nicht mehr so gefragt. Die Gruselserie, Perry Rhodan, Jan Tenner oder Edgar Wallace von damals hat er aber ebenso verschlungen.

      Zur Ausgangsfrage selbst… das Rad lässt sich für mich grundsätzlich nicht zurückdrehen. Beim Hörspiel habe ich dies leider bewusst dieses Jahr bei der TSB 108 gemerkt. Gerade beim Fortsetzen alter Serien funktioniert es noch am wenigstens, die kommen für mich einfach niemals mit den alten Folgen mit.
      Dann schon lieber ganz neue Serien, die Elemente von damals einbauen.
      Danke für die bisherigen Diskussionsbeiträge!

      Um es kurz zu machen, gibt es für mich durchaus Situationen in denen man das Rad tatsächlich zurück drehen kann. Aber dies sind doch eher Ausnahmen.

      Die lange Antwort ;) Ich habe Hörspiele, die mich bis dato mein Leben lang begleitet haben und bei denen funktioniert es perfekt mich selbst wieder in eine Zeit vor über 40 Jahren zurück zu versetzen. Ich höre sie und bin sofort wieder ein kleiner Bub und kann mit eben dieser gleichen Begeisterung hören wie damals. Hier gibt es aber nicht so viele Hörspiele, die das möglich machen. Es ist dennoch so dass sehr viele alte Hörspiele, die mir vor Jahrzehnten sehr gut gefallen haben, mir auch heute sehr gut gefallen. Ist es Nostalgie, Einbildung, ein verklärtes Ohr oder einfach weil diese Hörspiele einfach zu allen Zeiten KLASSE haben, egal, Hauptsache sie können mich unterhalten!

      Was bei mir eigentlich nicht funktioniert ist, wenn alte Serien Jahre später eine Fortsetzung probieren. Ich höre es, es gefällt mir durchaus, aber jene Begeisterung, die ich damals verspürt habe, habe ich selten bis nie. Natürlich müssen sich diese Fortsetzungen dann nicht nur mit der Qualität der alten Serien messen, sondern auch noch mit der emotionalen Bedeutung messen. Und vor allem Zweiteres ist ein fast schwierigeres Unterfangen. Man sucht als Hörer nach diesem Gefühl von damals, sucht und sucht und es kommt aber nicht auf. Und das ist dann einfach enttäuschend. Aber es ist der Lauf der Zeit, dass man eben diese nicht oder nur sehr schwer zurück drehen kann. Deshalb gebe ich diesen Fortsetzungen trotzdem eine Chance. Und wer weiß, vielleicht brauchen diese neuen „alten“ Serien einfach auch Zeit und es mag durchaus sein, dass manche davon in 20 Jahren vielleicht jenen Stellenwert bei mir erhalten, den das „Original“ nach Jahrzehnten bei mir hatte. Alles muss etwas reifen…
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#
      Viele Serien verlieren über die Jahre hinweg leider ein bisschen ihren Spirit. Ich war bei den Anfängen von z.B. den drei ??? oder den Fünf Freunden in den 70ern ja nicht live dabei, aber mir persönlich gefallen die älteren Folgen auch besser. Die neuen sind oft sehr langatmig und es kommt nicht mehr wirklich Spannung auf, v.a. bei den Fünf Freunden. Die drei !!! gibt es ja seit etwa Mitte der 2000er, hierbei habe ich zuerst einige der Bücher gelesen, die inzwischen auch an Spannung nachgelassen haben und das liegt nicht unbedingt daran, dass ich älter geworden bin und die Geschichten ja auch eher für Kinder gedacht sind, die älteren Fälle hatten noch mehr Action intus.
      Die Neuauflage der Gruselserie fand ich nicht so berauschend, denn an das Original kommt sie auf jeden Fall nicht an. Western, aber auch Seeräubergeschichten (außer vielleicht Fluch der Karibik) kommen bei der Jugend tatsächlich nicht mehr so gut an, wenn die Helden kein Maschinengewehr in der Hand haben, langweilen sich die Meisten schon. Ich hingegen mag die historische Stimmung bei Western, aber die breite Masse spricht das wohl weniger an.
      Ich denke, dass ich mir die Europa-Klassiker, eingeschlossen drei ??? und drei !!!, immer anhören kann, ob ich mir die in Zukunft erscheinenden neuen Folgen dann kaufen werde, hängt davon ab, wie sich die Geschichten und die Sprecherriege weiterentwickeln werden. Denn falls eines Tages etwaige Hauptdarsteller ausgetauscht werden und durch weniger überzeugende ersetzt werden sollten, dann wäre für mich das letzte Kaufargument dahin.
      Ich finde, dass Europa auch wieder anfangen sollte, den einen oder anderen Buchklassiker, sowie z.B. damals die Geschichten von Jules Verne, zu vertonen, um sozusagen eine neue Reihe von Europa-Klassikern zu schaffen.