Tatort Drittes Reich (Hörspielserie von Hermann Media)

      Habe heute reingehört, hier mein Fazit...

      Hier hat man sich wirklich an ein sehr schwieriges Thema gewagt, was gerade für das kommerzielle Hörspiel schon außergewöhnlich ist.

      Nicht nur die Titelmusik, auch die restlichen Musiken im Hörspiel kommen sehr dramatisch rüber und vermitteln die damalige Zeit gut. Von der Akustik war mir manchmal sogar, als würde ich einem alten s/w Film zuschauen. Was übrigens nicht negativ gemeint ist. Teilweise kommt der Sound für mich allerdings etwas zu laut rüber. Hin und wieder wird zusätzlich mit kurzen O-Ton Einspielern von damals gearbeitet.

      Das Hörspiel kommt perfekt ohne Erzähler aus. Toll, dass man hier Jürgen Heinrich als Sprecher des Hauptkommissars gewinnen konnte. Er verkörpert ihn sehr gut. Hat mich ein wenig an Kommissar Heller erinnert, der auch immer versucht hat seinen Job auszuüben, dann aber ständig gegen die Widrigkeiten der dunkenbraunen Zeitgeschichte schwimmen mußte. Wahrlich kein leichtes Unterfangen.

      Was mich etwas gestört hat, dass beim eigentlichen Fall, die Spannung gefühlt etwas zu wenig aufgebaut wird. Vielleicht ist die Geschichte aber auch einfach zu knapp erzählt? Vieles wirkt auf mich stellenweise ein wenig gehetzt.

      Insgesamt ein hörenswertes Kriminalhörspiel mit vielen bekannten Stimmen, welches gekonnt ein dunkles Kapitel unserer Zeitgeschichte widerspiegelt. Wo ich normalerweise sehr für eine kurze Spielzeit beim Hörspiel bin, hatte ich hier streckenweise eher das Empfinden, dass man sich für vieles hätte einfach mehr Zeit nehmen müssen. Vor allem die Dramatik, die die Charaktere durchleben, werden teilweise nur angerissen. Dennoch eine Produktion, die in meinem Kopf gerade nachhallt und somit vieles richtig gemacht hat.
      Ich habe mir dieses Hörspiel heute am Nachmittag angehört. @hoerspiel hat alles bereits wunderbar niedergeschrieben. Ich habe es ganz genau so gesehen bzw. gehört. Ein gelungenes Hörspiel, ein Kriminalfall, dem man nur noch ein klein wenig mehr Zeit geben hätte sollen, ein großartiger Jürgen Heinrich, der diese Produktion für mich auf ein „höheres Niveau“ hebt, eine Atmosphäre, die die damalige Zeit widerspiegelt und dabei meinem geistigen Auge einen schwarz-weiß Film vorgaukelt, eine dazu passende Musik, die hart und deutlich wirkt und kleine reale Einspielungen, die einem nochmal in Erinnerung ruft, dass diese Zeit keine Fiktion sondern traurige Realität war.

      @Carsten_HM #applaus# :thumbup:

      Wird es eine CD-Fassung geben? Wie stehen die Chancen einer Box? Ich finde die losen Pappschachteln im Regal sehr lieblos und sie verlieren sich dort. Man braucht schon ein gewisses Maß an Kreativität um sie dort gut in Szene setzen zu können.
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#
      Ich persönlich kann mit Inhalten, die sich mit dem Dritten Reich befassen, nichts anfangen.

      Es ist sicherlich gut, so etwas auch im Hörspiel aufzugreifen und zu verarbeiten. Aber mich bedrückt und deprimiert diese Zeit immer, in der so schlimme Verbrechen gegen die Menschheit begangen wurden. Das habe ich immer im Hinterkopf, wenn ich mit solchen Stoffen konfrontiert werde.

      Noch schlimmer und regelrecht zum Kotzen finde ich, wenn das Dritte Reich irgendwie verharmlost wird oder man damit kokettiert z.B. in diesen "Landser am Feind"-Heftchen.

      Gut, ist jetzt ein bißchen sehr off-topic, aber im weiteren Sinn passt es ja noch.
      Kriminalfälle hat es zu allen Zeiten gegeben. Und Heller und auch dieses Hörspiel zeigt sehr gut wie man sich diesem Thema nähern kann. Solche kleinen Zeitdokumente, die Fiktion mit Realität verbinden, gefallen mir meistens gut.

      Aber jeder hat so Themen und Zeiten, die er nicht in einem Hörspiel braucht. Das ist nur menschlich und verständlich und auch zu akzeptieren.
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#
      Hat mir sehr gut gefallen, weil es auch die frauenfeindliche Einstellung dieser Zeit aufzeigt - dieses Thema wird sehr oft vergessen. Die Musik ist sehr gelungen, hatte mich aber an einigen Stellen irritiert. Zum Beispiel lief während des Dialogs in der Gerichtsmedizin die Marschmusik weiter und das hatte mich irritiert.