Produktionsstile im Hörspielbereich

      Produktionsstile im Hörspielbereich

      Welche Produktionsstile allgemein im Hörspielbereich bevorzugt ihr? Welche Art von Produktionen gefallen euch bzw. missfallen euch?

      Welche Hörspiellabels bzw. Hörspielmacher haben ihre ganz eigene Handschrift und ihren eigenen Stil? Worin zeigt sich dieser und was gefällt euch daran und worin sind die Unterschiede zu anderen Hörspielmachern?
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#
      Ich bevorzugte schon immer Decision mit GB und PW, und Lausch mit Caine. Viel später erst dann , konnte ich was mit der schwarzen Sonne anfangen.
      Oder Dorian Hunter ( von Marco Göllner), Fallen hat mir ( anfangs) auch gut gefallen. Schade, dass diese Serie wohl eingestellt (?) wurde.
      Dodos Rückkehr hat mich 2008 auch in seinen Bann gezogen. Weil es total verrückt und innovativ war!
      Ich mag Geschichten, in denen ich zuerst nicht durchblicke, was Sache ist, oder die mit einer düstren Atmosphäre überzeugen.

      Superhelden oder die viel zu netten Hauptprotagonisten find ich eher langweilig und uninteressant.
      Ich mag also eher untypische Hörspiele, mit ner besonderen Machart.
      Die Hauptfigur kann gern ein Antiheld, Bösewicht oder Antagonist sein.
      The Jokes on you!
      Bei mir geht es in die gleiche Richtung wie bei Evil.

      Burns, Point Whitmark. Außerdem Hunter, Sinclair Dead Zone, die weisse Lilie, Foster, Fallen, End of Time - das sind so die Sachen, die mich in den letzten Jahren richtig begeistern konnten. Dazu einiges von den Audible Produktionen, allen voran Monster 1983.
      Mein Name ist Dorian Hunter, und ich bin der Sohn des Teufels. Ich war der Sohn des Teufels, denn ich habe ihn getötet! :evil:
      Also was mir sehr missfällt, sind Produktionen, die zu hektisch sind und bei denen man die Sprecher nicht auseinanderhalten kann.

      Ist mir gerade wieder bei Peter Lundt aufgefallen. Es ist schon schwierig, wenn 3 Frauen mit ähnlicher Stimmfarbe sich im Dialog befinden.

      Zak schrieb:

      Also was mir sehr missfällt, sind Produktionen, die zu hektisch sind und bei denen man die Sprecher nicht auseinanderhalten kann.



      Mir geht das bei den Lovecraft 5 so - Lutz Mackensy erkenn ich, aber die anderen vier kann ich echt nicht auseinanderhalten :P
      Mein Name ist Dorian Hunter, und ich bin der Sohn des Teufels. Ich war der Sohn des Teufels, denn ich habe ihn getötet! :evil:
      Welche Produktionsstile allgemein im Hörspielbereich bevorzugt ihr?

      Ich mag es wenn mich ein Hörspiel von Sekunde 1 weg mit auf eine Reise nimmt und ich erst nach dem Ende diese Reise verlassen möchte. Dazu gibt es viele Möglichkeiten und Arten eine solche Reise zu veranstalten. Von daher gibt es hierzu von mir im Grunde keine Präferenz.

      Welche Art von Produktionen gefallen euch bzw. missfallen euch?

      Es darf nicht zu chaotisch ablaufen. Ich sollte mich nicht zu lange in einem Zustand von kompletten Unwissen befinden. Da verliere ich die Freude daran. Ich liebe Produktionen, die sehr stimmungsvoll und atmosphärisch daher kommen. Produktionen die Emotionen entfachen und die mich nicht kalt lassen. Und ich mag es wenn man mich überrascht, wenn es Wendungen gibt und der Regisseur nicht nach Schema 0815 jedes Hörspiel gleich ablaufen lässt sondern er auf künstlerische Art und Weise Änderungen im Ablauf vornimmt.

      Welche Hörspiellabels bzw. Hörspielmacher haben ihre ganz eigene Handschrift und ihren eigenen Stil? Worin zeigt sich dieser und was gefällt euch daran und worin sind die Unterschiede zu anderen Hörspielmachern?

      Aktuell sehe und höre ich leider eine Vielzahl an Hörspielserien, die alle nach einem ähnlichen Muster vertont werden. Einige aktuelle MARITIM/HIGHSCORE Serien werden aus meiner persönlichen Sicht alle gleich produziert. Es fehlt mir die Überraschung, die Wendung in der Machart. Es sind alles gut gemachte, aber zu ähnlich ablaufende Hörspiele, denen richtige Höhepunkte fehlen. Natürlich ist dies auch eine Art Handschrift. Aber nicht eine, die mich motiviert ständig zuzuhören. Damit verstehe ich nicht die Geschichte selbst sondern den Einfluss des Regisseurs.
      Wo kann man eindeutig eine Handschrift feststellen? Sven Stricker schafft es eine ganz eigene Atmosphäre zu schaffen. Meist ist sie ruhig, depressiver und berühren mein Inneres. Das fast Flüsternde des Erzählers ist hier schon fast ein Markenzeichen. Volker Sassenberg hat auch seine ganz eigene Handschrift. Skurrile Persönlichkeiten, überzeichnete Charaktere, die auch oftmals bewusst übertrieben sprechen, eine dichte Atmosphäre und der manchmal bewusst gewählte langsame Erzählstil samt den laaaaaangen Pausen zwischen den Szenen. Oliver Döring liebt es laut, humorvoll, teilweise cineastisch und am Kino angelegte Geräuschkulissen. Zudem hat seine Liebe für Synchronstars zu Beginn seines Schaffens bei John Sinclair zu einer regelrechte Nachahmungswelle gesorgt. Marco Göllners Handschrift lautet dass er dem Hörer ebenfalls überraschen möchte. Er sorgt dafür dem Zuhörer immer wieder neue Reize anzubieten und damit bei Laune zu halten. Nichts läuft nach Schema F ab. Im Gegenteil. Die Handschrift von Simeon Hrissomalis, den ich persönlich sehr schätze, ist auch recht klar hörbar. Er liebt die Theatralik seiner Sprecher, dramatische, fast übertrieben wirkende Szenen, „anzügliche Dialoge“ und auch eine Geräuschkulisse, die ebenfalls sehr laut und detailliert daher kommt. Und zu guter letzt möchte ich das legendäre Tonstudio Braun erwähnen. Die Handschrift dieses Tonstudios ist unverkennbar. Von vielen geliebt, von vielen gehasst, möchte ich mich selbst von hier Hörspiel-Feuilleton 1/2015 "Tonstudio Braun – Ein Kult-Label wird 50 Jahre alt" zitieren:

      Bekommt man in Hörspielen anderer Firmen Orchester, Synthesizer oder Computersamples zu hören, werden die Geschichten von Larry MacCloud & Co von einer Orgel musikalisch untermalt. Diese ist verantwortlich, dass in allen Hörspielen eine eigene, oftmals gruselige und unheimliche Atmosphäre entsteht. Der verantwortliche Musiker und Komponist mit Namen Peter Seidel wurde in den Fanforen liebevoll „Orgel-Paule“ getauft und hat „Kultstatus“ unter den TSB-Fans.Eine besondere Aufmerksamkeit schenkt man der Auswahl der Sprecher. Es ist heutzutage in Mode gekommen bekannte Synchronsprecher für Hörspiele zu gewinnen. Im Hause Braun ging man einen anderen Weg. Man suchte in verschiedenen Theaterhäusern der näheren und weiteren Umgebung passende, markante und „unverbrauchte“ Stimmen. Dies führte in der Vergangenheit dazu, dass einzigartige Stimmen, wie zum Beispiel die der unvergessenen Erwin Scherschel (u. a. Dr. Tod, Der schwarze Tod), Kurt Weyrauch (Will Mallmann), Wolfgang Grönebaum (Egon Kling in der Lindenstrasse, Jerry Cotton), Pit Krüger (bekannt vor allem als Lockvogel aus Verstehen Sie Spaß?), Karlheinz Staudemeyer und auch Hans-Jürgen Krützfeld (der erste John Sinclair) wirklich nur in Hörspielen des Tonstudios Braun zu genießen waren.Hinzu kommt die Tatsache, dass Max Braun nicht wie heutzutage oft üblich die Sprecher ihre Rollen einzeln einsprechen ließ. Es waren alle Protagonisten, die in einer Szene vorkamen, im Einsatz. Durch die Gruppenaufnahmen entstand eine „lebendige“ Atmosphäre, die dazu führte, dass die TSB-Hörspiele mehr einem Stegreifspiel ähneln. TSB-Sprecher lasen nicht einfach ihren Text ab, sondern sie „spielten“ die Szene. Karin Dieck, die erfolgreich die Rolle der Glenda im „Geisterjäger John Sinclair“ stimmlich verkörperte, erinnerte sich: „Man nimmt den Text vom Gegenspieler ab und spielt sich den Ball so gegenseitig zu.“ Einzigartig ist wohl auch die Geräuschkulisse einer Tonstudio Braun Produktion. Tontechniker Hans Schmidt ließ während der Sprachaufnahmen Geräusche „live“ mit verschiedenen Requisiten nachstellen und sorgte damit einmal mehr für „Theateratmosphäre“ im TSB-Hörspiel. Alle Geräusche kann aber selbst der kreativste Tontechniker nicht live herstellen. Max K. Braun horchte sich daher all die Jahre immer wieder um, pirschte sich mit seiner NAGRA Pilot an die perfekte Geräuschkulisse an, um sie für sein Tonstudio auf „Büchsen“ zu ziehen. Wohl Tausende dieser selbst erhaschten Geräusche stecken gut verwahrt auf den Rollen und kamen bei Bedarf in den einzelnen Szenen zum Einsatz. ​


      Es gibt sie also doch DIE Handschrift eines Hörspielmachers. Fallen euch noch weitere Beispiele ein?
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

      Markus G. schrieb:

      Fallen euch noch weitere Beispiele ein?


      Definitiv die Hörspiele von Ohrenkneifer, das wäre auch ein Wunsch für 2020 ff. das es neue Folgen der "5 von Terra" und ggf. sogar eine Fortsetzung von "Der letzte Tag der Schöpfung" geben könnte.

      Auch die Hörspiele von Lindenblatt sind auf solch hohem Niveau. Die ersten beiden Folgen der Hexer-Serie waren bombastisch in Atmosphäre, Besetzung und Klang.