Sind Kassettenkinder die glücklicheren Erwachsenen?

      Sind Kassettenkinder die glücklicheren Erwachsenen?

      Liebes Forum, ich habe mitgekriegt, dass einige von Euch schon selber Kinder haben oder mit dem Gedanken spielen. Ich darf mich Papa eines 1jährigen nennen und denke oft über das Thema, was ich mir für mein Kind wünsche, nach und reflektiere zu dem Zweck gern den Anteil meiner Eltern daran, wie ich wohl so geworden bin...

      Ich gehöre zu dieser sogenannten "Generation Kassettenkinder" und höre inzwischen erwachsen immernoch jeden Abend im Bett ein Hörspiel, sozusagen ritualisiert zum Einschlafen, kann es mir gar nicht anders vorstellen. Manchmal freue ich mich schon den ganzen Tag darauf und wenn ich einen sehr schlechten Tag habe, ist der Gedanke an das abendliche Einschlafhörspiel eines der Dinge, die mich dennoch aufrecht und bei guter Laune halten.

      Ich kenne aber Menschen in meinem nächsten Umfeld, die nicht durch Hörspiele sozialisiert worden sind, die sind auch recht glücklich und ich beneide sie manchmal darum, wie sie abends ins Bett gehen, vielleicht noch was lesen oder den Tag revuepassieren lassen und dann einfach so einschlafen - besonders wenn man mal auf einer gemeinsamen Reise ist und ich keine Hörspiele dabei habe...

      Bei Licht besehen bin ich ja schon ziemlich abhängig vom Hörspiel. Was möchte ich nun für mein Kind? Klar, es zu einem vernünftigen Medienkonsum erziehen. Es heißt ja nicht umsonst "Hörspieljunkie", ich möchte aber andererseits irgendwie auch schon, dass mein Kind das gleiche Glück durch Hörspiele erfährt wie ich. Aber ich kann nicht klar denken, ich bin zu abhängig vom Hörspiel - und das bedeutet für mich großes Glück :/ .Vielleicht sind die Erwachsenen, die abends kein Hörspiel brauchen, doch irgendwie besser aufgestellt... Oh Mann! Ich bin da gerade sehr unsicher, man kann ja schlecht in andere Menschen hineinsehen...

      Was meint Ihr zu der Frage, sind Kassettenkinder später die glücklicheren Erwachsenen oder nicht? Was würdet ihr für Euer Kind wollen?
      Ob man dadurch später als Erwachsener glücklicher ist, ich denke da spielen noch viel mehr Faktoren mit, als nur mit dem Hörspiel aufzuwachsen. ;)
      Nach Lesen ist für mich das Hören aber immer noch eine Art des Medienkonsums, welches am meisten die Phantasie anregt und dies kann in der Entwicklung förderlich sein.
      Über eine „Abhängigkeit“ würde ich mir keine Gedanken machen, dafür gibt es in der heutigen Zeit einfach viel zu viele Alternativen für Kinder und Jugendliche beim Medienkonsum. Ob es später noch so „Hörspiel-Freaks“, wie wir Kassettenkinder geben wird, da habe ich sowieso meine ganz großen Zweifel, weil die aktuelle Generetion im Schwerpunkt eher mit anderen Medien aufwächst.
      Ach, dieses Herbeisehnen von Glück, glücklichen Momenten......... Manchmal hilft ein Hörspiel aus deutlich glücklicheren Zeiten, ein bißchen davon zurück zu holen.
      Das war damals Glück: ein neues Hörspiel anhören, ein YPS-Heft zu haben, das A-Team anschauen zu können. Und heute? Du hechelst diesem puren, unverfälschten Glück hinterher, surfst auf der "Retro-Welle" der Schönheit des längst verflogenen Moments hinterher. Triffst dich mit anderen auf den ???-Monstershows und versuchst verzweifelt in großen Arenen die Intimität deines Kinderzimmers wieder aufleben zu lassen.

      Ich höre gerne Hörspiele, ein glücklicher(er) Mensch bin ich beileibe nicht deswegen.

      Kinder mag ich ganz gerne, aber wir haben uns dagegen entschieden. In diese Gesellschaft, in diese Welt will ich keinen kleinen Menschen entlassen müssen.
      Ferdinand von Schirach hat dazu mal was Gutes geschrieben: "Nach uns besser nichts mehr." Sehe ich ganz genauso.
      Schönes Thema, #danke# dafür #top#

      Grundsätzlich denke ich, dass jeder der neben seiner Arbeit einem Hobby mit Spaß und Freude nachgehen kann, ein glückliches Leben führen darf. Viele auf der Welt müssen Tag täglich ums Überleben kämpfen. Welch schönes Leben haben wir, wenn wir etwas nicht existenzielles machen, sammeln, hören oder lesen dürfen. Und so sehr wir manchmal in unserem Hobby aufgehen und es als wichtigste Nebenbeschäftigung unseres Daseins ansehen, so sehr muss es uns bewusst sein, wie glücklich wir darüber sein können uns mit solchen Nichtigkeiten auseinander setzen zu können. Auch gestern und heute wo der eine oder andere „angfressen“ durchs Forum gestapft ist, habe ich mir wieder gedacht wie privilegiert wir eigentlich sind uns über Kleinigkeiten (in Anbetracht wirklich schlimmer Geschehnisse auf dieser Welt) aufregen zu dürfen. Sind wir deshalb die glücklicheren Menschen? Ich habe nicht immer den Eindruck dass wir es sind. Aber wir sollten es. Und wir Kassettenkinder haben ein Hobby, dass wir zu jeder Tages- und Nachtzeit, an jedem Ort dieser Welt, ausüben können und dürfen. Natürlich stellt sich bei uns ein gewisser Gewohnheitseffekt ein, Sucht klingt so klinisch, aber dies demonstriert nur welche Bedeutung unser Hobby für uns hat und mit wie viel Herz wir bei der Sache sind.

      Ich kann nur für mich sprechen, aber meine Kassettenkinderzeit und meine Liebe zum Hörspiel haben mein Leben bereichert. Und ja,!dass macht mich glücklich. Aber ob ich deshalb glücklicher bin als andere Nicht-Kassettenkinder kann ich nicht beurteilen. Ebenso ob es mir ohne Hörspiele besser ginge. Aber ich denke mal Nein, ohne würde mir etwas fehlen.
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#
      Wer weiß schon ob unser Leben anders, glücklicher belaufen wäre, wenn wir in unserer Kindheit nicht mit dem Hörspiel hören auf Kassette verbracht hätten? Hier kann man wirklich nur mutmaßen was wir in den tausenden Stunden statt dessen machen würden. Ich für mich denke aber, dass ich diese „brach“ liegende Zeit, die ich im Auto verbringe nur schwer besser nützen könnte als mit einem Hörspiel. Natürlich könnte ich sie auch singend und Musik hörend verbringen, aber ob dies mich zu einem glücklicheren Menschen gemacht hätte? Fakt ist, jeder Mensch braucht abseits seines Berufes etwas dass er in der Freizeit gerne macht, dass sein Leben bereichert. Ohne dem Hörspiel hören wäre ich vielleicht genau so glücklich, aber um viele erlebte Geschichten ärmer.
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#