Der letzte Tag der Schöpfung - Ein Hörspiel von Marc Schülert & OHRENKNEIFER

      Der letzte Tag der Schöpfung - Ein Hörspiel von Marc Schülert & OHRENKNEIFER


      Inhaltsangabe: Rätselhafte Funde im Mittelmeerraum veranlassen die Amerikaner in den 1980er Jahren, das ehrgeizigste Projekt aller Zeiten in die Tat umzusetzen. Das „Chronotron“ soll amerikanische Soldaten über 5 Millionen Jahre in die Vergangenheit katapultieren, um dort den Arabern das Öl wegzupumpen und für die Gegenwart der 80er Jahre zu sichern. Doch die Soldaten müssen feststellen, dass nicht nur die Amerikaner auf diese Idee gekommen sind. Gestrandet in einer fremden Welt, müssen sie sich einer schrecklichen Wahrheit stellen.

      Persönliche Meinung: Der Ohrenkneifer begeistert mich seit Jahren mit feinen Hörspielproduktionen. Man kann ihre künstlerischen Arbeiten nicht in eine „Schublade“ stecken. Sie überraschen den Hörer mit unterschiedlichsten Stoffen, haben sich nicht einem Genre oder einem Thema fix verschrieben. Marc Schülert, Dirk Hardegen und Detlef Tams setzen nicht auf gewinnbringende Reihen oder Serien sondern produzieren in erster Linie Einzelhörspiele. Als ich von der neuesten Hörspielumsetzung gelesen habe, war ich sofort höchst erfreut und habe ohne mich mit dem Inhalt näher zu beschäftigen sofort bestellt. Einmal mehr bin ich gespannt ob der Ohrenkneifer, diesmal angeführt von Marc Schülert, wieder einen potentiellen Anwärter auf das Hörspiel des Jahres auf die Beine gestellt haben.

      Story: Sehr gut – Der von Wolfgang Jeschke zu Grunde liegende Roman wird als Zeitreiseroman angekündigt. Dies kann man nach dem Hören mit Fug und Recht behaupten. Nicht weniger als 5 Millionen Jahre wird in die Vergangenheit gereist. Im Gegensatz zu anderen Zeitreisen stehen diesmal keine hehren Motive wie die Rettung der Welt oder die Erkundung der Vergangenheit auf dem Programm, sondern es geht schlicht und einfach um die Vorherrschaft des Erdöls, kurz gesagt ums liebe Geld. So wird eine Gruppe von Menschen mit dem sogenannten Chronotron in die Vergangenheit katapultiert, mit dem Ziel den Arabern das Erdöl in der Gegenwart streitig zu machen. Einer davon heißt Steve Stanley, den wir von Beginn weg des Hörspiels verfolgen. Die Ankunft in der neuen „alten“ Welt birgt eine Vielzahl von Überraschungen und Gefahren, die Steve und die anderen im Laufe der Geschichte zu bewältigen haben. Der letzte Tag der Schöpfung hat mich bereits von Anfang an in den Bann gezogen. Das ist einerseits dem Thema „Zeitreise“ geschuldet, andererseits liegt es auch an der Hauptperson, die einem einfach ans Herz wächst. Man fragt sich als Hörer mit Fortdauer wie alles zu einem guten Ende kommen soll. Lustige, traurige, nachdenkliche Passagen wechseln sich ab und sorgen bei mir als Hörer für ein regelrechtes Wechselbad der Gefühle. Man bekommt eine apokalyptische Geschichte geboten, die mich stark an Zeitreisegeschichten wie „Das Jesus Video“ oder „Planet der Affen“ erinnert. Dabei werden unter anderem auch Themen wie Religion, Umweltverschmutzung, Beziehungsdramen oder einfach nur „das alt werden“ gekonnt integriert. Nach dem Ende habe ich mir gedacht, schade, dass es aus ist. Es gäbe noch viel zu erleben. Ein gutes Zeichen.

      Sprecher: Sehr Gut – Bei den Sprechern hat Regisseur Marc Schülert neben dem typischen Ohrenkneifer-Ensemble weitere bekannte Stimmen engagiert. Besondere Erwähnung verdient Gordon Piedesack, der als Erzähler der phantastischen Geschichte den richtigen sprachlichen Rahmen verpasst und uns 2 CDs hindurch auf wunderbare Art und Weise durch die Handlung führt. Der großartige Friedhelm Ptok spricht den stark gealterten Freund Paul Loorey und zieht dabei alle Register seines Könnens. Hier wird uns das „alt werden“, die damit verbundene Traurigkeit nicht mehr jung sein zu können, so richtig bewusst. Als dritte hervorragende Sprecherleistung unter lauter sehr guten Sprechern sei noch Detlef Tams erwähnt, der den „Steinzeitmenschen“ Goodluck eine Stimme gibt, die kein Verzerrer eindrucksvoller machen hätte können. Ich musste mich ob der Stimmlage beim zuhören ständig räuspern...

      Musik: Sehr Gut – An der Musik gibt es absolut nichts auszusetzen. Im Gegenteil, man hört die Liebe zum Detail. Streicher, Bläser, spanische Gitarrenmusik oder Choräle bieten musikalische Abwechslung und je nach Szene und Handlung eine passende Untermalung.

      Geräusche/Effekte: Sehr Gut – Marc Schülert rät im Making Of die Doppel-CD auf Kopfhörer zu hören um wirklich jedes Detail zu erfassen. Ich selbst habe mich für meine Heimkinoanlage entschieden. Ich muss was Detailreichtum der Geräuschkulisse dem Ohrenkneifern recht geben. Viele kleine und größere Geräusche, wie das angeführte Ticken der Uhr, führen zu einer tollen Klangkulisse, sorgen mal für eine Enge, wie in der Kapsel oder auch für eine große Weite. Schön.

      Ausstattung: Sehr Gut – Das Covermotive zeigt eine Vielzahl an Hörspielsituationen, alle verbunden durch eine Art Kreisel, die einem an Zeit und Zeitreise denken lassen. Im Booklet gibt es Werbung der Hauseigenen Hörspiele und Shop, einen schönen Einblick von der Welt, in der sich Steve und die anderen eingefunden haben sowie die Sprecher- und Produktionsangaben. Auf der Rückseite findet man die Inhaltsangabe. Nach dem Ende des Hörspiels gibt es ein von Marc Schülert präsentiertes Making Off. Ein wunderbares Gimmick, das lobenswerter Weise schon Standard bei Produktionen vom Ohrenkneifer ist.

      Gesamt: Sehr Gut – Ein Hörspiel, das mit einer interessanten und originellen Geschichte aufwarten kann. Ein Hörspiel mit sehr guten Sprechern, einer passenden Musik und einer liebevollen zusammengestellten Geräuschkulisse, das am Ende noch über das Making Off in einen indirekten Dialog mit dem Käufer übergeht, kann als abschließende Benotung von mir nur ein Sehr Gut erhalten. Es war wieder einmal eine große Freude eine Ohrenkneifer-Produktion gehört zu haben. In Zeiten von Download und Streaming lohnt hier auf Grund der schönen Optik und der Präsentation der Griff zur Doppel-CD.

      Fazit: An dieser Produktion kommt man als Hörspielfan praktisch nicht vorbei. Hier stimmt für mich persönlich wirklich alles! Unbedingter KAUFTIPP!
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

      Markus G. schrieb:

      Man bekommt eine apokalyptische Geschichte geboten, die mich stark an Zeitreisegeschichten wie „Das Jesus Video“


      Wobei hier anzumerken wäre, das die Geschichte von Jeschke bereits Anfang der 80er veröffentlicht wurde, als an das Jesus-Video (1998) noch nicht zu denken war.

      Zum Hörspiel selber, ich sehe hier ein sehr großes Potential für den nächsten Hörer-Preis an die Ohrenkneifer-Crew.