Bestie Angerstein

      Bestie Angerstein

      1924 beging Fritz Angerstein 8 Morde innerhalb eines Tages. Er gab an, eine Räuberbande sei in sein Haus eingedrungen und habe die Morde begangen, er selbst sei nur mit knapper Not entkommen. Dass er selbst der Täter war, wurde jedoch recht schnell ermittelt. Das Hörspiel schildert in knapp 80 Mnuten die Tat, gibt Einblick in die seelischen Abgründe des Täters, bietet unterschiedlichste Erklärungsansätze - und kann doch die Frage nach dem 'Warum' nicht beantworten. Die Produktion wurde dabei von den Aufzeichnungen des Gerichtsreporters Siegfried Kracauer, der im Hörspiel als Erzähler auftritt, inspiriert.

      Dass es sich hier nicht um ein leichtes Sommervergnügen handelt, dürfte klar sein. Das Hörspiel ist stellenweise wirklich nur schwer zu ertragen, obwohl die Bluttaten nicht allzu ausführlich geschildert werden. Man muss konzentriert zuhören und auch damit leben können, dass es zwar mit dem Gerichtsurteil und dessen Vollstreckung ein Ende gibt, aber eben keine befriedigende Auflösung. Das rührt an die dunkelsten Bereiche der menschlichen Seele und stellt u. a. auch die Frage, wieviel mörderisches Denken und Handeln in jedem von uns steckt.

      Sehr gute Sprecher, ein ausgezeichnetes Skript, exzellente Dialoge, realistisch klingende Geräusche und eine leicht schräg klingende Musik sorgen für eine beunruhigende Atmosphäre, die das Entsetzliche des Falls noch unterstreicht und eine verstörende Wirkung ausübt. Schön, dass es auch solche Hörspiele gibt, die sich nicht in erster Linie an Verkaufs- oder Streamingzahlen orientieren müssen. Herausgekommen ist ein nicht immer leicht zugängliches Kunstwerk, dass mich schwer beeindruckt zurückgelassen hat.

      Autor: Jan Decker
      Regie: Iris Drögekamp
      Produkton: SWR 2019

      Das Hörspiel kann man hier kostenlos herunterladen.
      Der Download ist auf 18 Monate befristet.
      Ohne Oberfläche gibt es keine Tiefe. (Walter Moers)