Agatha Christie: Das krumme Haus

      Agatha Christie: Das krumme Haus

      In Three-Gabels wohnen drei Generationen der Familie Leonides unter einem Dach. Alle sind finanziell unabhängig dank der großzügigen Geschenke des Familienoberhaupts Aristide Leonides. Doch dieser fällt einem heimtückischen Mordanschlag zum Ofper. Wer hat den 87-Jährigen vergiftet? Jedes der Familienmitglieder könnte es gewesen sein – von der blutjungen zweiten Ehefrau bis zum Kammerdiener. Charles Hayward, Verlobter von Leonides' Enkelin Sophia, beteiligt sich an den Ermittlungen.

      'Das krumme Haus' ist ein typischer Agatha Christie - Krimi, obwohl weder Miss Marple, Hercule Poirot oder Tommy & Tuppence ermitteln. Jede Menge Verdächtige, psychologisch stimmige Charaktere, bissige Bemerkungen und eine Auflösung, die man nur schwer vorhersehen kann. Deutschlandfunk Kultur ist es gelungen, all diese Ingredenzien auch in die gut 50 Minuten Hörspiel zu transportieren. Das Skript ist prima, wenn man sich auch die psychologische Ausleuchtung der Tatmotive etwas ausführlicher gewünscht hätte. Es gibt gorßartige böse Bemerkungen am laufenden Band ("Brenda kann es nicht gewesen sein. So niveaulos stelle ich mir eine Giftmörderin nicht vor.") Das Hörspiel kommt ohne Erähler aus. Trotz der Kürze der Laufzeit, Vielzahl an Charakteren und Komplexität der Handlung verliert man nie den Überblick. Natürlich sind alle Sprecher ausgezeichnet. Die Geräuschkulisse ist dezent, alle Geräusche klingen jedoch sehr realistisch. Die sparsam eingesetzte Musik ist durchaus spannungsfördernd.

      Eine rundum gelungene Produktion, die mir beim Hören sehr viel Spaß bereitet hat. Die Waage zwischen Ernsthaftigkeit und Humor schlägt nie zu stark aus. Ich fand es regelrecht erstaunlich, wie viel man in 50 Minuten Hörspiel packen kann, ohne das es gehetzt wirkt. 'Das krumme Haus' ist ein Beleg dafür, dass Miss Christies Romane auch heute noch packend umgesetzt werden können - wenn man es denn richtig macht. Von Kriminalhörspielen dieser Qualität würde man sich durchaus noch mehr wünschen. Hut ab vor Irene Schuck, die für die Bearbeitung verantwortlich ist.

      @Sepithane hatte es im Thread zu den Radio-Empfehlungen ja bereits geschrieben: Derzeit kann man 'Das krumme Haus' beim DLF online nachhören. Wie lange der Link online sein wird, konnte ich leider nicht erkennen.
      Ohne Oberfläche gibt es keine Tiefe. (Walter Moers)

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