Hörspiel-DVD: BLOOD RED SANDMAN von Wolfy-Office

      Hörspiel-DVD: BLOOD RED SANDMAN von Wolfy-Office



      Inhalt: Lange glaubte man die Legende um das Sandmännchen, einen kleinen Mann, der durch seinen Sand den Kindern liebliche Träume beschere. Doch in Wahrheit ist der Sandmann ein 3000 Jahre alter Dämon, Herrscher der Traumwelt, der sich in die Träume der Menschen schleicht, um ihnen ihre Seelen zu stehlen.
      Im Jahre 1047 ließ ein Mönch sein Leben, um den Sandmann in seinen ewigen Träumen zu fangen.
      Der Sandmann, seither gefangen in den Träumen eines Toten, geriet in Vergessenheit und wurde im Mittelalter zu einer Fabelfigur. Fast 1000 Jahre später entkommt der Blutrote Sandmann dem ewigen Traum. Nicht lange und er hinterlässt eine Spur des Todes.
      Nur wenige wissen über den Blutroten Sandmann Bescheid und nur einer stellt sich ihm in den Weg…

      Persönliche Meinung: Vor knapp 10 Jahren habe ich für das leider offiziell nie erschienene Phontastic-Magazin eine Reihe von Hörspielen auf DVD und BluRay unter die sprichwörtliche Lupe genommen und kurze Rezensionen darüber verfasst. Leider ist die Begeisterung der Hörspielbranche für das Medium DVD in Zeiten von Audible und Streaming-Plattformen rasch verflogen. Zu kostspielig sind die Aufnahmetechniken, zu teuer sind die Endprodukte, zu umständlich ist das hören für den durchschnittlichen Hörspielkäufer und zu gering scheint die Nachfrage der Hörspielfans, die lieber immer und überall, als „festgebunden“ an der heimischen Heimkinoanlage vor dem Fernsehgerät, hören wollen. Um so erfreulicher war für mich die Mitteilung, dass Kim Jens Witzenleiter und sein Label Wolfy-Office ihre Saga rund um den „Sandman“ neben CD, Download und Streaming auch mit einer waschechten DVD in Dolby Digital 5.1 starten wollen. Sofort war meine Begeisterung für Hörspiele in Mehrkanalton wieder entfacht und ich habe wenigen Produktionen 2017 so entgegen gefiebert wie dem „Blood Red Sandman“. Wie präsentiert sich das Hörspiel? Welche Figur macht es auf der DVD und hat sich der Weg auf diesem seltenen Hörspiel-Medium wirklich gelohnt? Mal sehen...

      Story: Befriedigend – Die Geschichte rund um den blutroten Sandmann hat ihren Ursprung in der Vergangenheit. Bereits der Covertext auf der Rückseite der DVD-Hülle schildert den Hörern den Hintergrund für das vorliegende Hörspiel. Die eigentliche Geschichte spielt jedoch im Hier und Jetzt. Menschen werden in einer deutschen Stadt aus ihrem Leben gerissen. Es wird immer ein Herzstillstand diagnostiziert. Eine Gruppe von Jugendlichen befindet sich plötzlich in einer Traumwelt und wird dort mit dem leibhaftigen Tod in Form des Sandmannes konfrontiert. Der Schlaf stellt sich dabei als eine Art tödliche Falle heraus, aus der sich einige nicht mehr retten können. Schule, Partys, Familien, die Polizei und auch die Kirche werden in den Kampf gegen den Sandmann hineingezogen.
      Die Geschichte hat durchaus seinen Reiz, wenngleich eine gewisse Ähnlichkeit mit A Nightmare on Elm Street oder auch mit der Hörspielserie Traumwandler gegeben ist. Das Hörspiel beginnt in meinen Ohren und Augen richtig gut, die Übergänge zwischen realer Welt und Traumwelt sind in jeder Hinsicht als gelungen zu bezeichnen. Leider verliert die Handlung mit Fortdauer an Fahrt und plätschert dann etwas zu langatmig dahin. Man verliert sich zu sehr in persönlichen Befindlichkeiten. Hier hätte man durchaus großzügiger kürzen können. Gerade die Szenen während und nach der Party wirken sehr langgezogen für mich. Man hätte den einen oder anderen Dialog auch gerne weglassen dürfen, weil er die eigentliche Geschichte nicht voran bringt. Das Finale hat ihre guten Momente, wenngleich mit Pathos nicht gegeizt wird. Das Ende lässt eine baldige Fortsetzung erahnen.

      Sprecher: Befriedigend – Die Sprecherleistung reicht in meinen Ohren von sehr gut bis genügend. Dies ist durch die Sprecherauswahl begründet. Wir bekommen bekannte Synchronstars wie Daniela Hoffmann oder Sandra Schwittau zu hören, die ihre Sache routiniert meistern. Daneben gibt es manche mir unbekannte Stimmen, die eine wirklich tolle Leistung abliefern. Allen voran Chiara Haurand, die mir beim zuhören große Freude bereitete und für mich eine große positive Überraschung ist. Ich hoffe, wir können in Zukunft noch mehr von ihr hören. Negativ hatte ich den Lehrer sowie die Kollegin von Markus Rose in Erinnerung. Man hört Ihnen deutlich an, dass sie ablesen, haben einen relativ großen Text und können für mein Dafürhalten ihre Rolle nicht glaubhaft „lebensecht“ spielen. Tamaras Vater, von Nikolai Will gesprochen, macht seine Rolle durchaus gut. Leider empfand ich seine Stimme deutlich zu jung für einen Vater einer 16-Jährigen. Das hat mich doch gestört. Witzig fand ich den kurzen Text von Dr. Mark Benecke als sich selbst. Augenzwinkernd kann man diese Folge auch als Cross Over zur SE Folge 8 von John Sinclair ansehen, in der er ja eine größere Rolle gesprochen hat. Auch bei den übrigen Sprechern wechselten sich zum Teil Licht und Schatten ab. Insgesamt gesehen hätte man sicherlich eine deutlich bessere Sprecherleistung erbringen können, wenn man nur auf geschultes Personal gesetzt hätte.

      Technik/Ton/Musik: Sehr Gut / Sehr Gut / Gut – In Sachen Ton und Geräuschkulisse spielt die DVD ihre ganze Stärke aus. Der Hörer erlebt die Geschichte im wahrsten Sinne mitten drin. Alle Geräusche wie Stimmen sind klar zu hören und auch zu lokalisieren. Mal spielt sich das Geschehen vor dem Hörer ab, mal hinter einem, mal wandert ein Geräusch oder eine Person durch den Raum. Schöne Szenen mit für mich tollen Effekten liefert zum Beispiel das Diktiergerät, das hinter dem Hörer in der Pathologie auf dem Boden fällt und mich automatisch umdrehen ließ. Auch eine Szene im Auto wo man sehr schön mit dem Effekt draußen/drinnen „spielt“. Als sehr beeindruckend habe ich das Gespräch zwischen Martin und seiner verstorbenen Frau empfunden, das sich über dem Kopf des Zuhörers abspielt und für zusätzlich Gänsehaut führt. Ich habe mir auch noch die Szene in der Traumwelt in der Hütte sowie den „Kampf des Kommissars“ als akustischen Mehrkanalton-Leckerbissen notiert. Aus tontechnischer Sicht hat man hier wirklich eine großartige Leistung abgerufen. Die Musik spielt in diesem Hörspiel eine untergeordnete Rolle, wenngleich sie Dank bekannter Melodien zu Beginn und am Ende für einen sehr schönen und passenden Rahmen sorgt.

      Ausstattung: Sehr Gut – Wie bei den meisten Hörspiel-DVDs üblich werden neben dem Ton auch passendes Bildmaterial geliefert. In diesem Fall bekommt man Fotos synchron zu jeder akustischen Szene visuell geliefert. Besonders gelungen empfand ich dabei den Wechsel zwischen der realen und der Traumwelt, bei der man das Foto in rot taucht und für einen kurzen „zittrigen Effekt“ ähnlich einer Videokassette mit schlechtem Bild sorgt. Diese Übergänge sind Augen- wie Ohrenschmaus. Als kleinen Stilbruch habe ich die gemalten Bilder in den Finalszenen empfunden. Hier hätte ich mir weiterhin Fotomaterial gewünscht. Die DVD ist neben 90 Minuten Hörspiel mit einer Vielzahl an Extras vollgefüllt, die dem Käufer noch eine längere Zeit vor dem DVD-Player sitzen lässt. Das Coverbild habe ich persönlich als sehr passend empfunden und lässt Erinnerungen an Filme wie Freitag, der 13te in mir wach werden. Wobei ich auch hier mit dem gemalten Teil nicht ganz glücklich werde. Dies tut der Freude über diese wirklich tolle Ausstattung keinen Abbruch. Auch hier hat das Label Wolfy-Office alles richtig gemacht.

      Gesamt: Befriedigend – „Blood Red Sandman“ hat seine Stärken und Schwächen offenbart. Die Geschichte an sich kommt wenig originell aber durchaus unterhaltend daher, wenngleich sie mehrfach Längen aufweist, die in meinen Augen nicht notwendig gewesen wären. Bei den Sprechern hat man auf einen Mix aus professionellen und Laiensprechern zurück gegriffen. Dies wird dem einen oder anderen negativ auffallen. In Zeiten, in denen die meisten Hörspiele mit bekannten Namen und ausgebildeten Größen der Branche aufwarten, ein Rückschritt, wenngleich man bei der großartigen Chiara Haurand hört, dass auch unbekannte und neue Stimmen eine großartige Performance abliefern können. Technik, Sound und Ausstattung ist über jeden Zweifel erhaben. Hier hat man mir persönlich eine große Freude gemacht. Von daher hat sich für mich der Kauf der DVD gelohnt.

      Fazit: „Blood Red Sandman“ erweist sich als eine solide, durchschnittliche Hörspiel-Produktion, die mir auf der DVD auf Grund des Sounds Hörspass bereiten konnte.
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#
      Im Interview von @Lukes Meinung mit @Wolfy-Office wird berichtet, dass sich dieses Hörspiels vor allem wegen dem Mehrkanalton auf DVD recht gut verkauft hat. Das freut mich als Hörspiel-DVD Fan sehr. Wie @LarsH kaufe ich mir solche Hörspiel-DVDs auch hauptsächlich wegen dem Klang.

      Wie groß stehen denn die Chancen, dass weitere Hörspiel-DVDs aus dem Hause Wolfy-Office erscheinen werden?
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#
      Das Problem ist neben den Kosten auch das Handwerkliche. Nicht jeder bekommt 5.1, 7.1 usw. hin. Die Dame, welche mir damals die Abmischung gemscht hat, arbeitet nun für Ubisoft. So aus dem Stegreif fällt mir nur @Sirius (kann ihn irgendwie nicht markieren) ein, der das Talent und das Interesse an Hörspiel hat, so ne Mehrkanal Abmischung zu zaubern.

      Yes yes, genau mein Fachgebiet ;) Ich habe Kinomischungen bis hoch zu Dolby Atmos gelernt (und auch tatsächlich schon ein Hörspiel in Atmos gehört).

      Mir fallen auch gerade keine Kollegen ein, die das können und gleichzeitig auch Hörspiele machen.
      Ist vor allem leider ein Kostenproblem. Eine 5.1 Mischung erfordert neben deutlich höheren Studiokosten (mehr Lautsprecher, aufwendigerer Akustikbau, teurere Interfaces und Software) auch mehr Aufwand in Sounddesign und Abmischung, da kommt dann schon einiges zusammen.

      Gerade ich würde mich natürlich über mehr Surround-Hörspiele freuen (oder auch mal binaurales 3D), aber das ist wohl utopisch. Immer noch haben die wenigsten Leute eine Mehrkanal-Anlage zu Hause, also schon einmal weniger Hörer, gleichzeitig ist so eine Produktion auf jeden Fall im fünfstelligen Budgetbereich.

      Ich experimentiere aktuell damit herkömmliche Stereo-Mischungen mit einzelnen binauralen Elementen anzureichern, die auf Boxen nicht störend wirken, auf Kopfhörern jedoch für ein Wow-Erlebnis sorgen. Immerhin ein kleiner Schritt.
      @Wolfy-Office & @Sirius Danke für Eure Antworten. Die Hörspiel-DVD bleibt wohl das Stiefkind in der Hörspielszene/branche. Und auf Grund des aktuellen Hörverhaltens sehe ich da auch keine Besserung. Schade, denn für mich ist das ein „Premium-hören“. Gerade deshalb ein großes Danke an @Wolfy-Office dass ihr euch an eine so kostspielige und aufwendige Produktion als kleines Label heran gewagt habt!!!
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#