JAN TENNER-Erinnerungen von Kevin Hayes (= Horst Hoffmann)

      SchattenMan schrieb:

      Hattest du auch was mit den PC Spiel „Artefakt der Macht“ zu tun ???

      HP. Göldner schrieb:

      Hörspiel-Box: "Stammt die Story und der Plot zum PC-Spiel auch aus Deiner Feder ?"
      Horst Hoffmann: "Mit dem PC-Spiel habe ich allerdings nichts zu tun."
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      JAN TENNER / KEVIN HAYES / HORST HOFFMANN

      ERINNERUNGEN (3)

      STEIN DER MACHT, PLANET DER 1000 WUNDER … UND EIN AUFPASSER NAMENS MIMO ...

      „Mimo?“

      Schweigen im Äther.

      „HERR Mimo!“

      Schweigen im Äther.

      „Lassen Sie mich mal, General Forbett. Ich denke ich ...“

      „Ach, Sie glauben, Sie brauchen nur mit Ihrem weiblichen Charme daher zu kommen, Laura, und die Mimose von Bordcomputer des SILBERVOGELs bequemt sich endlich dazu, wieder mit uns zu reden? Ich kann auch anders! Sein Streik kann durchaus als … als Verrat betrachtet werden, jetzt, wo wir ihn dringend brauchen, um nicht ...“

      „General, das geht jetzt eindeutig zu weit. Sie haben Mimo beleidigt und sollten froh sein, dass er sich nicht gleich ganz deaktiviert hat. Meine Messungen beweisen eindeutig, dass er voll funktionsfähig ist und nur unter einer Art kybernetischem Trauma leidet.“

      Ein heftiges Luftschnappen. „Sie wollen im Ernst behaupten, so ein … ein Ding wie er besäße eine Art Seele, die unter traumatischen … traumatischen Kyberdingsda leiden kann und daher ...“

      „Sie haben ihn tief beleidigt, General, als sie ihn abfällig ein Ding nannten. Mimo ist kein Ding, er ist das Produkt einer uns haushoch überlegenen Technologie und ...“

      „Jetzt ergreifen Sie auch noch seine Partei, Jan Tenner! Bin ich denn von lauter Verrätern umgeben?“

      „Nein, General, natürlich nicht. Aber vielleicht versuchen Sie es einfach einmal mit einer Entschuldigung bei Mimo und nehmen das schreckliche Wort Ding zurück.“

      Ein tiefes Stöhnen. „Ich … soll mich bei Mimo entschuldigen, Laura? Sind Sie denn alle vom Affen gebissen?“

      „Versuchen Sie es einfach, General. Springen Sie einfach über Ihren Schatten, wenn Sie weiterhin darauf Wert legen, dass Mimo anhand seiner kybernetischen Archive genau darauf achtet, dass dieser Autor hier nicht irgendwelchen Unsinn über uns schreibt.“

      „Dann soll er das mal versuchen, Professor Futura! Ich schicke diesem Hayes ein Dutzend unserer neuesten Kampfdrohnen auf den Hals und dann ...“

      „Ich fürchte, General, ohne Mimo haben Sie da keine Chance. Er kann sämtliche Befehlskanäle blockieren und selbst die planetarische Abwehr außer Kraft setzen. Tun Sie es endlich, entschuldigen Sie sich bei ihm.“

      Ein dumpfes Grollen wie vor einem kurz bevorstehenden Vulkanausbruch. „Also gut, Jan, auf Ihre Verantwortung!“ Wieder das Luftholen, diesmal noch heftiger. „Mimo, ich … also ich … ich entschuldige mich, dich ein … ein Ding genannt zu haben.“

      Schweigen im Äther.

      „Und, General? War da nicht noch etwas?“

      „Jetzt rauben Sie mir nicht auch noch den allerletzten Nerv, Jan! Also gut, auch das mit dem aufgemotzten Taschenrechner war nicht in Ordnung, Mimo. Ist es jetzt gut oder muss ich mich auch noch im Büßergewand vor deine Linsen stellen?“

      „Tidelit! Es ist gut, General Forbett. Ich nehme Ihre Entschuldigungen an. Tidelit.“

      Vierfaches Aufatmen.

      „Tidelit. Aber nur, wenn das nie wieder vorkommt, General. Dann nämlich sähe ich mich gezwungen, Sie ...“

      „Es wird nie wieder vorkommen, Mimo! Wir werden alle darauf achten. Aber könnten wir … ich meine … könnte unser verehrter Autor jetzt langsam anfangen mit der Fortführung seiner Erinnerungen an uns? Ich meine, er sitzt am längeren Hebel und kann uns allen, wenn er sauer ist, eine lange Nase machen. Also schreiben.“

      „Jan hat recht, Mimo. Oder Segelohren. Oder die Haare ausfallen lassen. Oder ...“

      „Tidelit. Danke, Laura. Ich besitze zwar keine Haare, die er mir ausfallen lassen könnte, aber auch ich bin darauf gespannt, was er weiter berichten wird. Und sollte er aus menschlicher Eitelkeit irgendwelche Dinge behaupten, die so nicht stimmen, werde ich sofort eingreifen. Tidelit.“

      „Kannst du nicht endlich dieses dämliche Tidelit sein lassen, Mimo? Das kann einen ja ...“

      Drei Stimmen: „General!“

      Ein Knurren. „Ich bin ja schon still. Also dann … bitteschön, Mimo ...“





      Bin ich jetzt dran? Kein Dazwischengequatsche mehr? Also gut, scheint so. Also wir waren stehen geblieben bei den Leonen und einer scheinbaren Annäherung mit ihnen. Sie wollten unser Uran zum Fortbestand ihrer Zivilisation, wir brauchten es aber auch zum Fortbestand unserer Zivilisation. Das sah nun nicht gerade nach einer baldigen Einigung und ewigem Frieden aus, und unsere Freunde Jan Tenner, Laura, Professor Futura und General Forbett blieben entsprechend wachsam. Und Mimo, der geniale Bordcomputer des Zeitraumschiffs SILBERVOGEL, natürlich auch.

      „Tidelit – das will ich wohl meinen. Tidelit!“

      Ein Seufzen, ich glaube, es war mein eigenes. Man traute also dem Frieden nicht und tatsächlich schafften es die Leonen, unsere Helden mit ihrem Schiff aus dem Sonnensystem heraus zu locken, bevor sie mit einer Riesenflotte die Erde angriffen, besetzten und mit einem Energieschirm vom Rest des Universums abschnitten, den auch der schnell zurückgekehrte SILBERVOGEL nicht zu durchbrechen vermochte. Dann erhielten sie jedoch einen heißen Tipp – nämlich dass sie den Schirm knacken könnten, wenn sie den so genannten Stein der Macht in ihren Besitz brächten. Ein erster Hinweis führte zum Wasserplaneten Lyra, wo sie zwar einige haarsträubende Abenteuer erleben mussten, am Ende aber ohne den Stein der Macht da standen.

      Um einmal kurz das Thema zu wechseln: Auch für mich gestaltete sich diese Zeit etwas ratlos. Hatte ich bisher, neben JAN TENNER natürlich, nur in meinem Dichterstübchen unter dem Dachjuchhe gesessen oder im Sommer im Garten die Abenteuer meiner anderen Helden in meine noch keinen Strom fressende Schreibmaschine gehämmert, so bekam ich, nach dem tragischen Tod eines Kollegen, aus dem fernen Rastatt im Vorland des Schwarzwalds ein Stellenangebot als Fachredakteur, das mir so lange schmackhaft gemacht wurde, bis ich es, nach Abstimmung mit dem Rest meiner kleinen Familie, nicht mehr ausschlagen konnte. Der Umzug mit Drum und Dran wäre eine Geschichte für sich, dürfte aber hier niemanden ernsthaft interessieren. Was aber JAN TENNER betraf, so hätte ich, laut Arbeitsvertrag, daran gar nicht weiter schreiben dürfen. Nicht einmal an meinen bisherigen Serien, für den eigenen Verlag, durfte ich weiter werkeln. Das rührte die Götter des freien Schriftstellertums so sehr zu Tränen, dass, nach Tagen ununterbrochenen Starkregens, die durch Rastatt fließende Murg sich in einen reißenden Strom verwandelte und die halbe Stadt weg zu schwemmen drohte.

      „Tidelit! Jetzt erzählt er aber haarsträubenden Unsinn! Das möchte ich nur bemerkt haben. Tidelit!“

      Ist ja schon gut, Mimo. Der Dauerregen hörte dann ja auch sofort auf, als sich einer der Götter meiner und der Serie erbarmte und dafür sorgte, dass es doch mit JAN TENNER und mir weiter gehen konnte. Es lief jetzt nur alles ziemlich konspirativ ab. Während der Arbeit konnte ich nicht mit Berlin telefonieren – es gab da immer am Monatsende diese dämlichen Listen mit den ganzen Telefonverbindungen -, also mussten die Gespräche nach Feierabend oder in Pausen geführt werden. Abends verfasste ich die neuen Exposés für die jeweils nächsten drei Folgen, schickte sie ab (noch im ganz normalen Brief auf ganz normalem Papier), und ein oder zwei Wochen später meldete meine Frau mich beim Verlag krank oder ich selbst erfand dieses und jene Begräbnis eines nahen Verwandten oder Bekannten, zu dem ich nun wirklich unbedingt hin müsste.

      Natürlich ging es tatsächlich früh morgens per Taxi die 150 Kilometer zum Flughafen Stuttgart, der einem das Gefühl gab, eine Reise in die Zeit vor dem letzten Krieg gemacht zu haben. Selbst Köln-Bonn war dagegen modern. Die Piloten streikten aber noch nicht, Maschinengewehre wie zu RAF-Zeiten sah man auch nicht mehr und wenn man nicht gerade einen alten British Airways-Clipper erwischte, kam man auch relativ wohlbehalten in Berlin an, wo spätestens zum, wie immer, ausgedehnten Mittagsmahl im besten Lokal die Exposés besprochen und von Frau Buschenhagen und Herrn Blatz weitere und immer bestens passende Ideen mit eingeflochten wurden. Groß geändert hatte sich also nichts, das Ganze war nur etwas … naja, prickelnder geworden. Nie war das Pseudonym Kevis Hayes wertvoller als damals.

      Aber bevor Mimo wieder anfängt zu …

      „Tidelit – Vorsicht, mein Freund! Pass gut auf, was du sagst! Tidelit“

      Also bevor Mimo wieder einen berechtigten Einwand hervor bringt, schnell zurück zur Handlung. Gesucht, und zwar fieberhaft, wurde noch immer der Stein der Macht, mit dem sich der Schild um die Erde knacken und sie von den Leonen befreien ließ. Der SILBERVOGEL düste von einer Station im All zur anderen, um die Sieben Prüfungen abzulegen, die zum Stein führten. Kaum von der Wasserwelt Lyra entkommen, wurde er von einem unbekannten Riesenraumschiff eingefangen, dann ging es zu einem Planeten mit riesigen Monsterbäumen, dann endlich schien die „Welt der 1000 Wunder“ gefunden zu sein, auf der unsere Helden aber erst einmal gehörig verschüttet wurden. Es waren alles spannende Abenteuer für sich, der Rote Faden war die Suche nach dem ominösen Stein der Macht und die Geschichte mit den sieben Prüfungen und dem Planeten der angeblich 1000 Wunder.

      Aber das ist ja alles bekannt und kann im Zweifelsfall von der „erwachsenen Männern“ nachgelesen und erklärt werden, die auf youtubeJAN TENNER diskutieren, wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit ohne Frauenquote. In Folge 23 wurde dann wahrhaftig der Stein der Macht gefunden und die Erde von den Leonen befreit.

      Wie gesagt – das alles waren, so hoffe ich, spannende Einzelfolgen, Einstein wurde auch nicht vergessen und spendierte Futura einen Auftritt als haarsträubendes Monster, aber was fehlte – was mir fehlte -, war der Kick. Etwas, das sich aufbauen und über mehrere Folgen hinaus entwickeln konnte. Etwas Geheimnisvolles, das die Hörer die nächsten Folgen nicht abwarten ließ, so wie die ersten Auftritte von Zweistein oder die wahren Motive der Leonen.

      Die Sonne blähte sich auf und drohte zu explodieren – Einsatz der Freunde und Problem gelöst. Ein hungriger Neutronenstern droht den SILBERVOGEL, wie schon ganze Planeten zuvor, einzufangen und sich einzuverleiben – Einsatz der Freunde und Problem gelöst.

      Und dann …

      Dann auf einmal …

      Ein Bild vor Augen (also dem inneren Auge, natürlich). Eine Frau, eine rassige, atemberaubende Frau, keine zerknautschte alte Mumie wie Zweistein. Und ein Name. Ein guter, schöner, richtig geiler Name:

      SEYTANIA!

      Und Seytania besaß auch schon einen Hintergrund. Sie war eine Königin, eine dämonische Königin der Puppen. Einen Vater, einen mächtigen Vater, hatte sie auch – Logar. Vor allem aber hatte sie Pläne mit Jan Tenner, doch darauf könnt ihr jetzt erst mal gespannt sein bis zur nächsten Folge der – von Mimo hoffentlich genehmigten – Erinnerungen. Gespannt wie …

      Zwei Dreikäsehochs auf einem Flohmarkt während eines Heimaturlaubs in Bergheim. Sie hatten die üblichen alten Decken unter sich und ihren Heften, Büchern, alten Schallplatten vom Papa ausgebreitet – und eine Kiste mit Musiccassetten, die sogar ziemlich neu aussahen. Die mir sogar ziemlich bekannt vorkamen. Ich bückte mich, nahm mir eine und tat so, als müsse ich den Rückklappentext erst mal lesen.

      „Die sind klasse!“, sagte einer der Zwei. „Drei Mark das Stück.“

      Ich gab sie ihm grinsend zurück. „Weiß ich. Ja, die sind wirklich klasse.“

      „Sie hören echt sowas?“, fragte er ungläubig.

      Ich schüttelte den Kopf. „Nee, ich schreib sowas. Also, ich hab mir das ausgedacht und geschrieben, das mit Seytania.“

      Beide guckten sich an, lachten dann und meinten: „Na klaaaaaar ...“

      Die Folge, die ich mir angesehen hatte, war die zuletzt erschienene, der Anfang der Seytania-Handlung. Ich lachte auch und gab ihnen einen kleinen Abriss von dem, was da als nächstes passieren würde.

      Beim nächsten Heimatbesuch war wieder Trödelmarkt. Und wieder mit den zwei jungen Helden. Als ich diesmal vor ihren Decken stehen blieb, wollten sie keine drei Mark mehr für ihre neuesten Folgen, sondern ein Autogramm, was den Preis gleich ums Doppelte in die Höhe schraubte.

      Wunder gibt’s eben nicht nur weit draußen im Weltraum, sondern manchmal auch hier auf Erden … :)





      „Und, Mimo, war bisher alles korrekt, was unser Autor diesmal verzapft hat?“

      „Tidelit – ich befinde mich noch in der Zeitrecherche, Jan.“

      „Pah!“ Ein Schnaufen. „Das mit dem Flohmarkt war ja wohl unterste Schublade! Das hat dieser Hayes doch von vorne bis hinten erfunden, um sich in ein gutes Licht zu setzen. Um das zu wissen, brauche ist kein … kein Ding mit Zeitrecherche und …!“

      Schweigen im Äther.
      Du aufgemotzter Taschenrechner"(zu Mimo)! Da habe ich förmlich Heinz Giese(Forbett)im Ohr *lach*

      Hallo Horst! Wieder ein Top-Erinnerungsbericht !Kurzweilig dieser Wechsel von Erinnerungen und den Dialogen des Tenner Teams. Habe ich gerne gelesen. thx. Fast ein: Jan Tenner Reloaded. Der Stein der Macht Zyklus, inkl. Totenschiff, finde nach wie vor mit die besten Folgen der Reihe.

      Die Jungs vom Flohmarkt vergessen die begegnung mit dir bestimmt nicht mehr :) . Bin wieder gespannt auf deinen nächsten Teil Erinnerungen der dann wie du erwähntest - in Richtung Seytania & Co (ab Folge 28) geht.

      Edit: Früher war meine Lieblingsfolge bei dem derzeitigen Wetter übrigens - JT 25 Die Explosion der Sonne :thumbup:
      @Horst Hoffmann Vielen vielen Dank für Deine so interessanten Postings. Ich muss zugeben dass ich Jan Tenner zwar gerne gehört habe aber viele anderen Serien in meiner Gunst höher standen. Trotzdem gehört Jan Tenner einfach zur Kassettenkinderzeit für mich dazu. Wenn Du noch weitere Anektdoten und Erzählungen hast, würde ich mich sehr freuen diese zu lesen.

      Heute werde ich mir mir zur Feier des Tages eine Jan Tenner Folge raus suchen und zum einschlafen anhören.
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#
      Keine Angst, zumindestens eine weitere Folge der JAN TENNER-Erinnerungen kommt sobald er sie fertig hat - allerdings ist HoHo auch noch an einem anderem Projekt dran ...
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      JAN TENNER / KEVIN HAYES / HORST HOFFMANN

      ERINNERUNGEN (4)

      ABGESANG AUF DIE „ALTE“ SERIE – UND FEHLSTART IN DIE NEUE DIMENSION …

      „Mimo?“

      Schweigen im Äther.

      „HERR Mimo!“

      Schweigen im Äther.

      „Lassen Sie mich mal, General Forbett. Ich denke ich kann ...“

      „Ach, Sie glauben wohl, Sie können sich wieder bei ihm einsäuseln, so wie früher? Das schminken Sie sich mal ganz schnell ab, Laura. Mimo wird uns nicht mehr antworten, es war ein dummer Versuch von mir. Nach all den Jahren im SILBERVOGEL sind ihm die letzten Sicherungen ausgebrannt. Er korrigiert ja nicht mal mehr Ihr fehlendes Komma.“

      „Wovon sprechen Sie, General?“

      „Na, das Komma hinter Lauras angeblichen Denken, Jan. Das fehlt.“

      „Unsinn, es ist doch da. Sehen Sie noch mal genau hin, General.“

      „Lassen Sie mich mal, General Forbett. Ich denke, ich kann ...“

      „Tatsächlich! Wie haben Sie das gemacht, Jan? Ach was, Sie brauchen gar nicht zu antworten, bestimmt mit ihrem Computer, mit dem Sie auch die vielen Liebesbriefe Ihrer Fans beantworten. Als unsere Abenteuer noch richtige Arbeit für diesen Kevin Hayes waren, weil er sie alle mit seiner alten Schreibmaschine ins Papier hauen musste, hätte man für das fehlende Komma flüssiges Tipp-Ex oder Kugelschreiber gebraucht, heute genügt ein Druck auf die Tastatur, und schon ist das neue Komma da – ganz ohne unschöne Schmiererei.“

      „Meine Herren! Wollen wir uns jetzt über den technischen Fortschritt unterhalten oder über den plötzlichen Niedergang unserer Abenteuerschilderungen in dem parallelen Zeitstrang, den die Menschen für ihre wirkliche Welt halten?“

      „Und in dem unsere mega beliebten Abenteuerschilderungen von den jungen Menschen geliebt und hundert mal gehört wurden. Ich bin ja noch immer der Meinung, dass das Drama mit unseren Stimmen begann. Also zum Beispiel der des Professors.“

      „Du hast recht, Laura. So lange sie mit uns fieberten im Kampf gegen das Böse, waren unsere Stimmen und wir untrennbar Eins. Mir war noch nie wohl bei dem Gedanken, dass in der wirklichen Welt der Menschen Lutz Riedel einmal mehr nicht meine Stimme sein könnte.“

      „Genau, Jan! Und bei mir die Marianne Groß. Wie oft habe ich schon davon geträumt, ihr – also meiner menschlichen Stimme – einmal live begegnen zu können. Das würde ...“

      „Da!“

      „General?“

      „Da hat sie das Komma schon wieder vergessen, Mister Tenner, ich habe es genau gesehen. Hinter geträumt …!“

      „Meine Herrschaften! Die jungen Menschen in der wirklichen Welt lesen hier alles mit, weil sie hoffen, dass wir bald endlich zum Thema kommen, nämlich den Abgesang auf unsere einst so glorreiche Serie! Mimo wäre natürlich der ideale Erzähler gewesen mit allen historischen Fakten. Da er aber schweigt, denke ich, dass an seiner Stelle ich ...“

      „Oh, nein. Professor Futura! Sie müssen sich schonen, das wissen Sie doch! Aber wenn es gar nicht anders geht würde ich ...“

      „Da!!!“

      „Was ist denn jetzt wieder, General?“

      „Da hat sie es schon wieder getan! Oder besser, sie hat es schon wieder nicht getan! Das Komma! Das Komma hinter anders geht! Oder vielmehr kein Komma, oder … jetzt ist es da, aber …!“

      „Tidelit!“

      „Mimo!“

      „In höchst eigener Person, Professor Futura! Ich war ...“

      „Wo, Mimo? Wo warst du?“

      „Tidelit. Also ich wollte es gerade erkl...“

      „Da! Gleich hinter dem Also! Da, gehörte, ein, Komma, hin, das ist …!“

      „Aber General! Haben Sie jetzt die Kommatiritis? Eins, zwei, drei, vier ...“

      „Aber … aber das ist …!“

      „Hochverrat, General, mindestens. Der Feind liest mit. Er ...“

      „Tidelit. Jetzt ist nicht die Zeit für Spott und Sarkasmus, Jan. Aber der General hat recht. Natürlich hört der Feind mit, aber nicht nur er. Erst nach vielen Bemühungen ist es uns gelungen, dieses Raum-Zeit-Fenster in die wirkliche Welt der Menschen zu öffnen, die ein Recht darauf haben, die Wahrheit über unsere und damit ihre Serie zu erfahren. Ich bin in der Zeit zurückgeflogen und es ist mir gelungen, den Mann zu finden, der für uns unsere Abenteuer aufgeschrieben hat. Nach langen Honorarverhandlungen hat er sich bereit erklärt, exklusiv für uns über die letzten Tage von JAN TENNER zu berichten.“

      „Doch … doch nicht dieser Kevin Hayes?“

      „Sie kennen ihn, General?“

      „Aber natürlich, Laura! Selbstverständlich wollte ich wissen, wer sich die ganzen Jahre erdreistet hat, die ungeheuerlichsten Dinge über mich zu schreiben! Ich habe eine umfangreiche Akte über ihn und … seine staatsfeindlichen, subversiven Umtriebe!“

      „Das kann ja gar nicht ein, General. Sie hörten doch eben, dass es Mimo erst jetzt gelungen ist, ein Raum-Zeit-Fenster in die Welt unserer Hörer zu öffnen und ...“

      „Wollen Sie mich auf den Arm nehmen, Jan? Natürlich haben meine Raum-Zeit-Spione schon lange ein solches Fenster aufgetan und Material gesammelt. Es ist eine furchtbare Welt, die Luft verpestet, die Meere ersticken im Plastikmüll, die Menschen sind alle plemplem bis auf wenige normal Gebliebenen, die von den Verrückten in ein Dschungelcamp gesperrt und ausgelacht werden. Die ...“

      „General! Hauchen Sie mich einmal an! Sie sind ja völlig betrunken!“

      „Irrtum, Professor Futura! Die Wahrheit tut immer weh. Die Menschenkinder gehen nicht mehr in die Natur, um sich müde zu spielen, sondern toben sich an ihren PlayStations aus. Später hören sie keine gute Musik mehr wie „My Baby Baby balla balla!“ oder „Wully Bully“ oder „Satisfaction“, sondern „Uh! Ah! Isch fick dei Mutta, ey, isch schwör!“. Lesen tun sie höchstens noch den neuen ALDI-Prospekt und ...“

      „Jetzt ist es aber gut, General!“

      „Und dieser Kevin Hayes, Laura, ist einer der schlimmsten von allen! Er macht nicht nur heimlich (zensiert!) und trifft sich mit (zensiert!), nein, er liest unter der Bettdecke (zensiert!) und hört im stillen Kämmerlein Helene Fischer! Dazu passt, dass (zensiert!)! Und, was sagen Sie jetzt von Ihrem Kevin Hayes?“

      „Tidelit. Er hat alles mitgehört, General.“

      „Was hat er mitgehört, Mimo?“

      „Was Sie über ihn gesagt haben, und zwar auch das in den Klammern. Und jetzt ist er beleidigt.“

      „Und das heißt, Mimo?“

      „Tidelit. Dass er uns nichts mehr sagen wird.“

      „Das … ist bitter, Mimo. Wie bringen wir das jetzt all den Hörern und Lesern bei, die schon auf seine Ausführungen über das Ende unserer Serie gewartet haben, bis hier ein tollwütiger Elefant im Porzellanladen ...“

      „Ich darf doch sehr bitten, Professor Futura!“

      „Tidelit. Ich könnte ja versuchen zusammen zu fassen, was er mir schon anvertraut hat ...“

      „Das könntest du tun, Mimo? Ja, dann raus damit, worauf wartest du noch? Und Professor …?“

      „Einen Moment bitte, Laura … So, da bin ich wieder. Ich habe kurz mit Kevin Hayes gesprochen und ihn gebeten, General Forbett aus dem weiteren Text zu löschen, bevor er noch mehr Schaden anrichten kann.“

      „Wie bitte? Haben Sie das gehört, General? Das haben Sie jetzt davon, Sie … General? General Forbett?“

      „Tidelit. Er ist nicht mehr da, Jan. Dieser Kevin Hayes hat der Bitte des Professors entsprochen. Er ist furchtbar schlecht gelaunt und bevor er uns andere auch einen nach dem anderen löscht, hier nun ganz schnell meine Zusammenfassung … Er guckt gerade nicht ...“





      Kevin Hayes litt, er litt sogar sehr. Sollte das irgendwem in einem eingestaubten Winkel des Universums noch nicht aufgefallen sein – Mr. Hayes war eine tief gespaltene Person, in der es der einen Hälfte immer dann am besten ging, wenn sie der anderen Hälfte eins auswischen, ja so richtig einen rein wichsen konnte – was anders herum genauso galt.

      Die eine Hälfte, das war der Kevin, der die Exposés für die neuen JAN TENNER-Folgen schrieb, also festlegte, was wann passierte und wer wann und wo ins Gras biss, sich in den oder jenen verknallte oder unter anderen Gemeinheiten zu leiden hatte. Der Expo-Kevin.

      Die andere Hälfte, der nach diesen Exposés mit all ihren Gemeinheiten die neuen Folgen zu schreiben hatte, war Expo-Kevin hilflos ausgeliefert. Wenn er gar nicht mehr weiter wusste und die Wut in ihm überkochte, rief er schon mal bei der Redaktion in Berlin an, nur um zu hören, dass er, der Tasten-Kevin, sich das hätte früher überlegen sollen, bevor er mit Expo-Kevin zusammen für die Exposés kassierte. „Mitgefangen, mitgehangen“, hieß es dann. „Für den Verlag sind Sie die eine Person Kevin Hayes – Ihre personinternen Streitigkeiten machen Sie bitte unter sich aus.“

      Also biss Tasten-Kevin die Zähne zusammen und knallte die Zeilen in die elektrische Schreibmaschine. Er gab sich auch wirklich Mühe, die neuen Figuren, ob Engel oder Bösewicht, nicht schlecht aussehen zu lassen, auch wenn es nur eine Figur gab, einen einzigen Engel, den zu beschreiben seine Sehnsucht war.

      Seytania!

      Er sah sie überall, in der U-Bahn, an der Curry-Wurst-Bude, im Schwimmbad, im Kino. Wenn er über die Knilche schrieb, die er von Expo-Kevin gehässig verpasst bekam, saß sie bei ihm und streichelte ihm die Wange oder tat andere, angenehme Dinge. Und wenn er dann am verzweifesten war, brachte sie ihre vollen Lippen ganz nah an sein Ohr und hauchte hinein: „Gib nicht auf, Kevin, kämpfe für uns und unser Glück! Du wirst sehen, am Ende sind wir zusammen und haben viele gesunde Kinder und Enkelkinder … Wir begründen eine neue galaktische Dynastie und wenn wir nicht sterben, leben wir noch ...“

      Dann seufzte Tasten-Kevin tief, sehr tief sogar, bis mitten in seinen schönsten Traum hinein die hässliche Stimme von Expo-Kevin fuhr und lachte und ihm schwor, dass dies nie, niemals nicht, geschehen würde, solange er, Expo-Kevin-Monster, lebe! Und dass er erst gar nicht auf die Idee kommen solle, beim Pilzesammeln rein zufällig die falschen zu pflücken, denn neben allem anderen teilten sie sich auch den gleichen Darm.

      Tasten-Kevin versuchte mindestens einmal pro neuer Folge, Seytania durch eine Hintertür einzuschleusen. Expo-Kevin schleuste sie kurzerhand wieder heraus. So wogte der innere Kampf um Seytania in Mr. Hayes hin und her, manchmal so heftig, dass seine Haushälterin sich darüber wunderte, wie in seinem Stuhl schwankte. Expo-Kevin wollte aber auch Tasten-Kevin beweisen, dass er auch ohne Seytania eine neue Hammer-Folge nach der anderen schreiben konnte, und irgendwann weinte Tasten-Kevin nur noch ein oder zwei Mal im Monat im stillen Dichterkämmerein bittere Tränen um seine Seytania.

      Dann jedoch kam das Verderben! Aus heiterem Himmel tauchte ein heimtückischer Virus auf und befiel die JAN TENNER-Serie! Sie begann zu schrumpfen und ehe Professor Futura ein schlagkräftiges Abwehrserum entwickeln konnte, lag sie bereits in den letzten Zügen und selbst die Einsicht Expo-Kevins, dass nur Seytania sie jetzt noch retten könne, kam zu spät.

      So ging das düstere Jahr 1989 zu Ende und ein weiteres, trübes Jahrzehnt sollte folgen, bis man anno 2010 im Berliner Verlagshauptquartier den kühnen Beschluss fasste, den SILBERVOGEL mit Jan Tenner und seinen Komplizen noch einmal starten zu lassen, diesmal gleich in eine „Neue Dimension“. Ausschlaggebend war die nicht tot zu kriegende Präsenz von JAN TENNER im aufkommenden Internet. Mr. Hayes wurde wiederum mit der Ausrüstung und Austragung der Expeditionen beauftragt, doch obwohl sich sowohl Expo-Kevin als auch Tasten-Kevin in seltener Einigkeit gegen das absehbare Chaos stemmten, wollten die Götter wohl nicht wie unsere irdischen Helden. Aus teilweise nicht nachvollziehbaren Gründen raubten sie Jan, Laura und Futura sogar die Stimmen und ersetzten sie durch neue, ungewohnte. Fremde!

      Und wenn Tasten-Kevin in seiner Verzweiflung der Kopf rauchte, saß keine Seytania mehr an seiner Seite und hauchte ihm schöne Dinge ins Ohr. Ihr Platz blieb leer, so wie bald auch die Seiten, die Tasten-Kevin in seine elektrische Schreibmaschine spannte.

      Manchmal aber, so scheint es ihm, kann er ihre Stimme in letzter Zeit wieder hören, wie aus noch weiter Ferne zwar, doch voller Verlockung und Verheißung, so als ob ...




      „Mimo?“

      „J...ja, Mr, Hayes?“

      „Sag noch einmal Tidelit ...“

      „T...tidelit!“

      „Danke … und tschüs!“
      Ähem ... ich glaube, es war Horst Hoffmann, der das aktuelle Thema erwähnte, über das die Republik spricht -- worauf ich dann Bezug nahm? (Siehe Eingangszitat.)
      Dachte, es wäre vielleicht amüsant. Lässt sich aber mühelos ändern, wenn das jemanden hier stört, dass und was ich hier so poste...

      [Gesagt, getan. -- Artikel transferiert.]

      Herzlichen Glückwunsch, nebenbei, zum 1000. Beitrag. -- Sorry für die kleine Unterbrechung.

      Und jetzt gerne weiter mit Jan Tenner.


      Dieser Beitrag wurde bereits 3 mal editiert, zuletzt von „Ascan von Bargen“ ()

      Jan Tenner Fan Orko 111

      Weiß Jemand ob und wann die Jan Tenner Figuren Heraus kommen.


      Spruch der Woche aus einem Hörspiel:

      7) Finsternis über Westland

      Nimm Noch diese Silberne Kugel als dank dafür was wir deiner Welt ohne unser wissen angetan haben,
      trage sie an dieser Kette um den Hals doch nie Länger als Eine Stunde sonst.

      Erst stast du zu Stein Hütte dich wor den Leonen sie vernichteten meine Heimat.

      Sie werden auch bald die Erde erreichen aber mit der Kugel Ganzt du sie aufspüren.
      wo immer sie auftauchen und Euch schaden wollen.

      Leb wohl Jan Tenner + Laura.


      meine Gramatik + Rechtsschreibung ist Miserabel und ich bin mir nicht mal sicher ob ich Text richtig geschrieben habe.



      Orko 111
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      Orko 111 schrieb:

      Weiß Jemand ob und wann die Jan Tenner Figuren Heraus kommen.

      Aktuell ist es ruhig darum geworden, ich habe jedenfalls nichts Neues dazu gehört ...

      institut-futura.de/figuren-ansicht/jan-tenner

      Am Besten mal direkt anfragen und uns hier dann infomieren ...
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      7) Finsternis über Westland

      Nimm noch diese silberne Kugel als Dank dafür was wir deiner Welt ohne unser Wissen angetan haben,
      trage sie an dieser Kette um den Hals doch nie länger als Eine Stunde sonst. Erstarrst du zu Stein!
      Hütte dich vor den Leonen! Sie vernichteten meine Heimat.

      Sie werden auch bald die Erde erreichen, aber mit der Kugel kannst du sie aufspüren, wo immer sie auftauchen
      und Euch schaden wollen.

      Leb wohl Jan Tenner und Laura.

      Habe es dir ein bißchen verbessert.