Gruselkabinett 16-19: Dracula

      Gruselkabinett 16-19: Dracula

      Gruselkabinett 16-19: Dracula



      London 1893

      Unter der Führung von Professor Abraham Van Helsing formiert sich der
      Widerstand gegen Dracula. Gemeinsam begibt sich die Gruppe auf die Suche
      nach den übrigen Kisten, die der Schoner Demeter geladen hatte. Durch
      deren Vernichtung würde dem Vampir der Verbleib in England unmöglich
      werden. Noch ahnen die Freunde nicht, dass Dracula bereits einen
      teuflischen Plan ersonnen hat, jemanden aus der Gruppe zu seinem
      Verbündeten zu machen ...



      Als Abraham Stoker 1897 die Chance bekam seinen Roman „Dracula“ zu veröffentlichen, hätte er sich sicher nicht zu träumen gewagt wie viel Aufmerksamkeit seine fiktive Figur bis heute erzeugen würde. Obwohl die Veröffentlichung eine Kürzung hinnehmen musste, welche die Vorgeschichte von Jonathan Harker und seiner ersten Begegnung mit Dracula überhaupt beinhaltet, so wurde der restliche Stoff des Romans oft verfilmt und in ein Hörspiel verwandelt.


      Die meisten akustischen Umsetzungen machen sich zwar die Mühe die Atmosphäre des Romans einzufangen, doch zumeist geht der wirkliche Charakter der gedruckten Seiten in einer zu gefälligen Inszenierung unter. Nicht jedoch in der vierteiligen Adaption von Titania Medien.

      Marc Gruppe und Stephan Bosenius machen sich die Mühe auch die Vorgeschichte der Begegnung mit dem wohl bekanntesten Blutsauger der Weltgeschichte akustisch umzusetzen und dem wohlbekannten Stoff hinzu zu fügen. Dies geschieht sicher nicht aus Gründen, welche die Spielzeit unnötig verlängern sollen, sondern eher um dem Umstand gerecht zu werden, das sich so das Feeling um den Grafen noch besser aufbauen und vom Zuhörer verstehen lässt.

      So begleitet man Jonathan Harker nun auf der kompletten Reise nach Transsylvanien und nicht erst ab der Minute in der er im Dorf eintrifft, von welchem die Kutsche zum Borgo Pass abfährt.

      Die Geschichte ist bekannt und muss nicht noch einmal seziert werden. Einzig der Umstand das die beiden Titanier den Romantikaspekt dem der Gruselschauer vorziehen, ist erwähnenswert. Wirklich gruselig ist es nicht, denn die Geschichte ist für heutige Verhältnisse wohl eher als Sittenbild der damaligen Zeit zu sehen, denn das man sie als Horror definieren könnte. Doch macht dies keinen Negativpunkt aus, denn man wird vom ersten Moment in den Ablauf der Ereignisse hinein gezogen, dank der intensiven Inszenierung zu der die Titanier einen besonders großen Bezug haben und welche sie stets wie kein anderes Hörspiellabel umzusetzen verstehen.

      Auch wenn mit Joachim Höppner eine etwas ältere Stimme für den Grafen gewählt wurde, so stellen sich dennoch Bilder im Kopfkino ein, welche die Filmadaption von Francis Ford Coppola als Vorlage für den Hörfilm verwenden. Die Leistung des leider viel zu früh verstorbenen Mimen ist herausragend und seine Stimme vermag es spielerisch mit den Gewalten und Verletzlichkeiten des Charakters umzugehen.

      Neben ihm sind weitere Stimmgrößen zu vernehmen, welche aus Synchron und Hörspiel bekannt sind. Simon Jäger, als Jonathan Harker, verschafft dem gebeutelten Notar eine recht annehmbare Tiefe in der Charakterisierung. Selbst die panischen Momente des Charakters wirken nicht zu künstlich und der Spagat zwischen Overacting und glaubhafter Darstellung gelingt ihm in jedem seiner Takes.

      Das die Vampire mit Stimmen wie denen von Arianne Borbach, Daniela Hoffmann und Rita Engelman besetzt wurden, ist auch nicht wirklich verwunderlich - gehören diese drei zu den bekanntesten Synchronstimmen, welche zumeist „sexy“ Schauspielerinnen unterlegt werden.

      Andreas Mannkopff, als Renfield, verfügt über das nötige hochstimmige Timbre dem Wahn des Gehilfen Draculas den nötigen Nachdruck zu verleihen um nicht zu harmlos zu erscheinen, denn Renfield ist alles andere als eine kindlich naive Natur, welche rein durch Bewunderung zu ihren Taten fähig ist.

      Kaspar Eichel (van Helsing), Lutz Mackensy (Jack Seward), Tobias Kluckert (Quincey Morris) und Marius Claén (Arthur Holmwood) runden das Bild der vampijagenden Gemeinschaft akustisch perfekt ab. Ihre Stimmen geben den Charakteren genau die Gestalt, welche man sich vorstellt – sollte man die Verfilmung von Coppola (so wie ich es tue) als die beste Umsetzung des Stoffes betrachten.

      Besonders erwähnenwert im Cast wäre noch Tanja Geke. Auch wenn ich ihre Stimme bisher immer für anbetungswürdig gehalten hab, so ist sie hier in der Lage ein Mitleiden mit „Minna Murray/Harker“ zu erzeugen, welches seines gleichen sucht.

      Ersparen möchte ich mir die Schwärmereien um die perfekte Umsetzung von Effekten und Musik innerhalb diese Hörspiels, denn dies ist bei Titania Medien eine Voraussetzung, welche ich von jedem Hörspiel einfach erwarte. Gruppe und Bosenius haben bereits seit Beginn des Gruselkabinetts die Messlatte so hoch angelegt, das sie sich eigentlich nur an sich selbst messen lassen müssen – denn ein ernstzunehmendes Konkurrenzprodukt gibt es nicht.

      Dracula unabridged, wie der Brite sagen würde. In voller Wucht erlebt und mit voller Leidenschaft umgesetzt...

      5 von 5 Reißzähnen

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „Thomas R.“ ()

      Schöne Rezi. Ich stimme dem zu 100% zu. #jaja#
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      Ein Kluger bemerkt alles, ein Dummer macht über alles seine Bemerkungen. ( Heinrich Heine)
      ...von Sven Strickers Umsetzung dieses Stoffes?
      Kann ich nix zu sagen, da ich die Umsetzung von Stricker nicht gehört habe. #schulterzuck#
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      Ein Kluger bemerkt alles, ein Dummer macht über alles seine Bemerkungen. ( Heinrich Heine)

      Lord_Lenny schrieb:

      Und was haltet ihr, im Vergleich zu dieser Fassung, von Sven Strickers Umsetzung dieses Stoffes?


      Stricker geht da eher den Weg des klassischen und läßt die Romantiksache sehr weit vorweg. Seine Version war mir durch Felix von Manteuffel, Jörg Pleva und Gerd Baltus eine wenig zu wässig und zu sehr Radio. Auch wenn ich sonst fast alles von Sven Stricker sehr gerne hören mag, Dracula ist da eher ein "is ok"!