Gruselkabinett (12+13) - Frankenstein

      Gruselkabinett (12+13) - Frankenstein

      Gruselkabinett (12+13) - Frankenstein

      Klappentext:
      Folge 12 (CD1)
      Ingolstadt 1811:
      Dem jungen Studenten Victor Frankenstein genügen die Erkenntnisse der herkömmlichen Wissenschaft nicht mehr. Er wagt sich an vermessene Forschungen über das Geheimnis der Schöpfung. Aus Leichenteilen flickt er in seinem Laboratorium ein Geschöpf von beträchtlicher Größe und abstoßender Hässlichkeit zusammen. In einer düsteren Novembernacht gelingt es Frankenstein schließlich, dem Wesen Leben einzuhauchen...

      Folge 13 (CD2)

      Unterhalb des Montblanc 1815:
      Die Suche nach Vergeltung für das Leid, das über seine Familie kam, treibt Victor Frankenstein ins Hochgebirge. Schöpfer und Geschöpf treffen erstmals wieder aufeinander. Frankenstein wird sich allmählich der erdrückenden Verantwortung bewusst, die er durch seinen unüberlegten Schöpfungsakt auf sich genommen hat. Sein Geschöpf verspricht, ihn und die Seinen zukünftig unter einer einzigen schrecklichen Bedingung zu verschonen ...

      Mit Peter Flechtner (u.a. dt. Stimme von Ben Affleck und Rob Lowe), Jochen Schröder (Gregory Peck), Monica Bielenstein (Grace Kelly), Norman Matt (Jonathan Rhys-Meyers), Kammerschauspieler Heinz Ostermann, Andreas Mannkopff (John Candy), Christian Rode (Sean Connery), Rita Engelmann (Catherine Deneuve), Melanie Pukaß (Helena Bonham Carter), Lucas Mertens, Petra Barthel (Nicole Kidman), Nicola Devico Mamone (Jake Gyllenhall), Klaus-Dieter Klebsch (Marlon Brando), Hartmut Neugebauer (Gene Hackman), Lutz Mackensy (Al Pacino), Tobias Kluckert (Colin Farrell) und Ingeborg Lapsien (Olivia de Havilland).

      Rezension:
      Wer kennt Sie nicht, die Geschichte um das Geschöpf von Frankenstein? Es gehört wohl zu einem der meistverfilmten und meistvertonten Geschichten der Welt. Hier hat sich Titania an das Thema gewagt. Die Kreatur wird geschaffen von Frankenstein. Die Kreatur wird sofort von ihm verstoßen und versucht nun sich an Frankenstein zu rächen… Wie immer eine gute Umsetzung von Titania. Zu Beginn habe ich zwar gedacht, dass es irgendwie nicht mein Hörspiel wird. Aber nachher war ich wieder dabei. Die Story war zu Beginn beider CDs einfach wie Kaugummi und daher auch nicht der Reisser….

      Die Story ist einfach nicht sonderlich mein Geschmack. Sie ist die Grundlage für Herzschmerz sowie ein wenig Spannung und einen Hauch von Grusel. Sie ist aus meiner Sicht zu viel für eine CD und auch zu wenig für 2 CDs. Aber es ist gut umgesetzt.

      Die Sprecher sind eine Auswahl der Deutschen Topsprecher. Besonders gut hat mir gefallen Klaus-Dieter Klebsch, der das Geschöpf gesprochen hat. Er hatte einen sehr langen Monolog, den er in allen Tonlagen sehr gut gesprochen hat. Eine Freude für einen Rhetorikkurs. Die anderen Sprecher waren durch die Bank gut. Nur er stach irgendwie für mich heraus. Er hat auch die Stimme zu genau so einer Rolle. Man sollte ihn öfters hören in Hörspielen.

      Das Cover ist nicht ganz so toll. Oder anders, die Covers sind gut. Aber was mir nicht so gefallen hat, dass es zwei Einzel CDs sind. Anstatt einfach eine schöne Hardbox zu nehmen beispielsweise. Das ist ein Manko. Ansonsten sind es die neuen Gruselkabinett-Cover. Die Zeichnungen sind für das Hörspiel nachvollziehbar und auch sehr gut umgesetzt.

      Als Fazit für dieses Hörspiel lässt sich sagen, dass sie einfach ein wenig zu langatmig ist. Für diese Geschichte waren einfach 2 CDs zu viele und für eine CD war es zu viel. Aber mir fehlt auch die Idee, wie man damit umgehen soll. Vielleicht zwei etwas kürzere CDs. Die Produktion ist hervoragend umgesetzt. Ich gebe vier Daumen. Eigentlich wären es nur drei geworden, aber das mir persönlich die Story nicht unbedingt zusagt, ist das eine. Das andere ist eine ansonsten sehr gute Umsetzung.

      Meine Bewertung:



      Gruselkabinett (12+13) - Frankenstein
      ISBN CD1: 3-7857-3251-1; CD2: 3-7857-3252-X
      titania-medien.de
      ca. 130 Minuten

      © Michael Girbes, 27. Oktober 2006 hoerspieltalk.de
      "Alles richtig machen ist unmöglich. Gerecht zu sein noch mehr!
      Aber der Wille dazu, der muss in jeder Situation, bei deinem Tun und Handeln erkennbar sein."

      Dr. Markus Merk
      Hi Micha... mich haben beide Teile voll und ganz überzeugt.... :



      Inhalt:
      Teil1:
      Ingolstadt 1811:

      Dem jungen Studenten Victor Frankenstein genügen die Erkenntnisse der herkömmlichen Wissenschaft nicht mehr. Er wagt sich an vermessene Forschungen über das Geheimnis der Schöpfung. Aus Leichenteilen flickt er in seinem Laboratorium ein Geschöpf von beträchtlicher Größe und abstoßender Hässlichkeit zusammen. In einer düsteren Novembernacht gelingt es Frankenstein schließlich, dem Wesen Leben einzuhauchen ...

      Teil2:
      Unterhalb des Montblanc 1815:

      Die Suche nach Vergeltung für das Leid, das über seine Familie kam, treibt Victor Frankenstein ins Hochgebirge. Schöpfer und Geschöpf treffen erstmals wieder aufeinander. Frankenstein wird sich allmählich der erdrückenden Verantwortung bewusst, die er durch seinen unüberlegten Schöpfungsakt auf sich genommen hat. Sein Geschöpf verspricht, ihn und die Seinen zukünftig unter einer einzigen schrecklichen Bedingung zu verschonen ...

      Sprecher
      Mit Peter Flechtner (u.a. dt. Stimme von Ben Affleck und Rob Lowe), Norman Matt (Jonathan Rhys-Meyers), Kammerschauspieler Heinz Ostermann, Andreas Mannkopff (John Candy), Christian Rode (Sean Connery), Melanie Pukaß (Helena Bonham Carter), Lucas Mertens, Petra Barthel (Nicole Kidman), Nicola Devico Mamone (Jake Gyllenhall), Klaus-Dieter Klebsch (Marlon Brando), Jürgen Thormann (Michael Caine), Luise Helm (Scarlett Johansson) und Marius Clarén (Tobey Maguire).

      Kritik:
      Who the f*** is Frankenstein? Das ist das Motto, das mich beim Hören der neuesten Titania Medien Produktion begleitet hat. Ich muss zugeben, ich gehöre zu der seltenen Spezies Erwachsener denen die Geschichte bisher (fast) gänzlich unbekannt war. Sicher, so ungefähr weiß man natürlich worum es geht: Irgend ein Typ kreiert aus Leichenteilen das hässliche und zugleich bärenstarke Monster Frankenstein. Irgendwas geht schief, und der aus Totenteilen erschaffene Unhold zieht mordend durch die Gemeinde.

      Tja, nach Hören der zwei Frankenstein CDs aus dem Hause Titania kann ich mich nun glücklich schätzen auch diesen Klassiker des Gruselgenre „richtig“ kennen gelernt zu haben. Titania ist es wieder einmal gelungen ein Hörspiel der Extraklasse zu produzieren. Hier stimmt erneut einfach alles. Sprecher, Sounds, Handlungsführung, Musik und Dramaturgie bilden ein perfektes Ganzes.

      Das Hörspiel vermittelt dabei allerdings mitnichten den Eindruck eines effektheischenden Gruselthrillers. Kann es auch nicht! Was ehedem bei der Veröffentlichung des Romans im Jahre 1819 noch als furchteinflößend und schaudererregend die Gemüter der Rezipierenden emotional ansprach wirkt heute vor dem Hintergrund der öffentlichkeitswirksamen Medieninszenierung von Amokläufen, Serienmorden und Hinrichtungen wenig angstgenerierend und nur marginal aufwühlend. Das sich entsprechend der Konventionen des Schauerromans wiederfindende virtuose Spiel mit den Angstgefühlen des Publikums funktioniert bei dieser Geschichte damit heute weitaus weniger zielführend, als bei anderen Klassikern des Genre.

      Macht nichts. Bosenius und Gruppe gelingt es dennoch das Hörspiel fulminant emotional ansprechend umzusetzen. Nicht auf der Ebene von Grusel und Horror, auch nicht auf der Ebene des ödipalen Vater-Sohn Konfliktes. Nein was aufwühlt ist die dem Zuhörer über die Art der Inszenierung regelrecht aufgenötigte persönliche Auseinandersetzung der Bewertung von Gut und Böse, von Recht und Unrecht, von Moral und Gewissen. Hier zieht die Produktion alle Register und verpflichtet den Lauschenden, pro und kontra Argumente wohlüberlegt gegeneinander abzuwägen:

      - Inwieweit ist das Monster für seine grausamen Taten verantwortlich?
      - Welche Verantwortung trifft diesbezüglich seinen Erschaffer?
      - Zieht eine zugunsten von Äußerlichkeiten innere Werte negierende
      Gesellschaft ihre Delinquenten selbst heran?
      - Wie ist in diesem Zusammenhang Verantwortung zu definieren?
      - Wo sind Grenzen der Wissenschaft?
      - Wie bewertet man in diesem Zusammenhang das Verhältnis von Ethik, Moral und wissenschaftlich Machbarem?

      Tja, die Antworten hierauf sind wahrlich nicht einfach. Insbesondere auch deshalb nicht, da die Fragen - löst man sie vom Plot - gerade und insbesondere heute mehr denn je aktuellen Bezug zur Lebenswirklichkeit haben.

      Hierüber wirkt das Hörspiel nach und (ich hasse diese Phrase, aber hier passt sie) regt auch nach dem Hören zum Nachdenken an. In diesem Sinne Gratulation an die Macher!

      Fazit:
      Inwieweit die Adaption der Originalstory stringent ist kann ich nicht beurteilen, da ich den Roman nicht kenne. Die Umsetzung des klassischen Stoffes in der dargebotenen Form überzeugt mich jedoch vollkommen. Dies insbesondere aufgrund der tragischen Charakterzeichnung des Monsters und des perfekt herausgearbeiteten moralischen Debakels.

      Zu bemäkeln gibt es nur eine Sache: Ich hätte es besser gefunden anstelle 2 CDs eine Doppelcd anzubieten. Das Hören des ersten Teils ohne den zweiten ist möglich, aber vor dem Hintergrund der sich nur im Zusammenhang darstellenden finalen Aussage des Themas wenig angebracht. Exzellent!

      © Oliver Schulte
      Online: 20.10.2006

      Quelle
      Gruß
      Der
      Olli

      ____
      Totgesagte leben länger!
      Hallo Olli,

      schön, daß du genau die Fragen, die auch ich als "Kern" des Hörspiels sehe, mal kompakt aufgelistet hast:

      - Inwieweit ist das Monster für seine grausamen Taten verantwortlich?
      - Welche Verantwortung trifft diesbezüglich seinen Erschaffer?
      - Zieht eine zugunsten von Äußerlichkeiten innere Werte negierende
      Gesellschaft ihre Delinquenten selbst heran?
      - Wie ist in diesem Zusammenhang Verantwortung zu definieren?
      - Wo sind Grenzen der Wissenschaft?
      - Wie bewertet man in diesem Zusammenhang das Verhältnis von Ethik, Moral und wissenschaftlich Machbarem?


      Und genau hier zeigt sich, daß der eigentlich fantastische, gemeinhin jedoch schon als etwas betagt anzusehene Roman Mary Shlleys eigentlich zeitlos, da diese oben zitierten Fragen nach wie in dieser Gesellschaft nötig sind.


      Meine Rezension wird folgen, allerdings werde ich ebenfalls (fast) Höchstwertung geben - was Marc und Stephan hier wieder aus einem Klassiker der Literatur gemacht haben, verdient in der Tat Respekt!
      Ich habe mich gut unterhalten. Namhafte Sprecher am laufenden Band, tolle Atmosphäre und eine Geschichte, die einem "bewegt".

      Der große Nachteil (wie auch beim kommenden Dracula Vierteiler), dass die Geschichte schon so bekannt ist, dass es praktisch keinerlei überraschende Wendungen mehr geben kann. Was mir persönlich aber an der klassischen Vorlage stört, ist die Tatsache, dass es sich weniger um ein Gruselhörspiel als um ein gesellschaftskritisches Drama handelt, dass jedoch auch heute noch aktueller denn je ist.
      Original von prof. snape
      Hallo Olli,

      schön, daß du genau die Fragen, die auch ich als "Kern" des Hörspiels sehe, mal kompakt aufgelistet hast:

      ...

      Und genau hier zeigt sich, daß der eigentlich fantastische, gemeinhin jedoch schon als etwas betagt anzusehene Roman Mary Shlleys eigentlich zeitlos, da diese oben zitierten Fragen nach wie in dieser Gesellschaft nötig sind.


      Hi Snape,

      und das von einer .... mhhh ich glaube 19 Jährigen? Irre!!!!! Jupp, die Titania Boys machen ihren Job wirklich perfekt. Zumindest ein wenig weiß ich jetzt, wie viel Arbeit in einer solchen Produktion steckt :)
      Gruß
      Der
      Olli

      ____
      Totgesagte leben länger!
      Das ist es ja was ich sagte, es ist hervoragend umgesetzt, aber leider ist die Story nicht mein Ding und dafür können die Titanias nichts...
      "Alles richtig machen ist unmöglich. Gerecht zu sein noch mehr!
      Aber der Wille dazu, der muss in jeder Situation, bei deinem Tun und Handeln erkennbar sein."

      Dr. Markus Merk
      Das war das einzigste kleiner Manko, ja... Aber ich meinte eigentlich, die Story an sich... Das ist nicht men Geschmack gewesen....
      Wenn das nicht gewesen wäre, hätte ich dem Hörspiel fünf Sterne gegeben...

      Ich sagte ja auch, dass ich keine andere Idee habe, wie man das besser machen kann... Man muss auch sagen, dass die Titanias immer sehr gut Produzieren...
      "Alles richtig machen ist unmöglich. Gerecht zu sein noch mehr!
      Aber der Wille dazu, der muss in jeder Situation, bei deinem Tun und Handeln erkennbar sein."

      Dr. Markus Merk
      @Olli: Ich kann mit Dracula "mehr" anfangen als mit Frankenstein, hier geht es sicherlich mehr in Richtung Grusel (anstatt Drama), freu mich auch drauf wenngleich es wahrscheinlich auch hier keinerlei Überraschungen geben wird. Oliver Rohrbecks Dracula-Version hat mir nicht so schlecht gefallen. Jetzt mußt Du uns aber schon schreiben wer denn Dein "Dracula-Favorit" ist #winkewinke# #jaja#
      Original von ollihimself
      Original von prof. snape
      Hallo Olli,

      schön, daß du genau die Fragen, die auch ich als "Kern" des Hörspiels sehe, mal kompakt aufgelistet hast:

      ...

      Und genau hier zeigt sich, daß der eigentlich fantastische, gemeinhin jedoch schon als etwas betagt anzusehene Roman Mary Shlleys eigentlich zeitlos, da diese oben zitierten Fragen nach wie in dieser Gesellschaft nötig sind.


      Hi Snape,

      und das von einer .... mhhh ich glaube 19 Jährigen? Irre!!!!!


      Huhu olli,

      jups, 19 war die Gute damals, von daher wirklich eine absolut beachtenswerte Leistung. Ich bin wirklich immer wieder überrascht, wie zeitlos manch ein Roman sein kann.

      Nun möchte ich allerdings auch meine Begeisterung über dieses Doppelpack kundtun:


      Titania Gruselkabinett (Folgen 12+13)
      „Mary W. Shelley: 'Frankenstein'“




      Produktion:
      Label: Titania Medien Bosenius & Gruppe GbR
      Buch: Mark Gruppe
      Romanvorlage: Mary W. Shelley
      Produktion & Regie: Stephan Bosenius & Marc Gruppe
      Aufgenommen bei: AudioCue, Rotor Musikproduktion und Kazuya
      Abgemischt von: Kazuya c/o Bionic Beats
      Gemastert von: Michael Schwabe, Monoposto
      Illustration: Firuz Askin
      Layout: Alice Kaiser

      Die Sprecher und ihre Rollen:
      Victor Frankenstein: Peter Flechtners
      Alphonse Frankstein: Christian Rode
      Caroline Frankenstein: Rita Engelmann
      William Frankenstein: Lucas Mertens
      Justine Moritz: Petra Barthel
      Henry Clerval: Nicola Devico Mamone
      Das Geschöpf: Klaus-Dieter Klebsch
      Professor Waldmann: Hartmut Neugebauer
      Professor Krempe: Lutz Mackensy
      Elisabeth Lavenza: Melanie Pukaß
      Blinder: Jürgen Thormann
      Felix: Marius Clarén
      Agatha: Luise Helm
      Robert Walton: Norman Matt
      Kapitän: Heinz Ostermann
      Steuermann: Andreas Mannkopff
      Zimmerwirtin: Ingeborg Lasien
      Totengräber: Tobias Kluckert
      Chronist: Jochen Schröder
      Mary Shelley: Monica Bielenstein


      Inhaltsangabe des Verlags
      Teil 1
      Ingolstadt 1811:
      Dem jungen Studenten Victor Frankenstein genügen die Erkenntnisse der herkömmlichen Wissenschaft nicht mehr. Er wagt sich an vermessene Forschungen über das Geheimnis der Schöpfung. Aus Leichenteilen flickt er in seinem Laboratorium ein Geschöpf von beträchtlicher Größe und abstoßender Hässlichkeit zusammen. In einer düsteren Novembernacht gelingt es Frankenstein schließlich, dem Wesen Leben einzuhauchen ...

      Teil 2
      Die Suche nach Vergeltung für das Leid, das über seine Familie kam, treibt Victor Frankenstein ins Hochgebirge. Schöpfer und Geschöpf treffen erstmals wieder aufeinander. Frankenstein wird sich allmählich der erdrückenden Verantwortung bewusst, die er durch seinen unüberlegten Schöpfungsakt auf sich genommen hat. Sein Geschöpf verspricht, ihn und die Seinen zukünftig unter einer einzigen schrecklichen Bedingung zu verschonen...



      __________________________________________________
      Rezension


      Hand auf's Herz: Was kommt einem beim Namen „Frankenstein“ als erstes in den Sinn?
      Nicht wenigen wird gewiss die tumbe Kreatur mit dem Brotkastenkopf und den Schrauben im Hals erscheinen und ich gebe zu, mir ging es nicht anders. Daher -und mangels Kenntnis des Romans von Mary W. Shelley- hatte ich anfangs auch meine Zweifel ob einer zweiteiligen Umsetzung – zwei Teile also Debilo-Power? Mitnichten, denn wie so oft bei klassischen Gruselstoffen wurde auch hier vornehmlich durch US-Verfilmungen ein völlig verzerrtes, indes fest in den Köpfen von Generationen verankertes Bild erzeugt, welches dem eigentlichen Thema nicht im Entferntesten gerecht wird.


      Die Story:
      So wenig Frankensteins Geschöpf im Roman mit der Kreatur aus diversen Filmen und Serien zu tun hat, so wenig hat dieser grandiose Eintrag im „Gruselkabinett“ etwas mit infantilem Schockgesplattere und austauschbarem Schlachtvieh zu tun, wie es heute leider zum „guten“ Ton im Bereich Horror gehört. Die Geschichte beginnt interessanterweise mit einer, ich möchte sagen genialen, Einführung, wie Mary Shelley überhaupt in die Verlegenheit kam, diesen -ihren wohl berühmtesten- Roman zu Papier zu bringen. Und dann wird man in die Zeit des Viktor Frankenstein entführt und findet sich wieder in einem lebendigen Universum voller Charaktere, die diese Bezeichnung auch verdienen. Man muss sich klarmachen, daß „Frankenstein“ im eigentlichen Sinne eine lupenreine Tragödie – kein Horrorstück. Viktor Frankensteins Besessenheit, dem Tod Einhalt zu gebieten und sich somit selbst zum Herren über Leben und Tod mit wissenschaftlichen Mitteln aufzuschwingen, seine zielstrebigen, jedoch moralisch verwerflichen Handlungen, welche ihn zwar letztlich am meisten treffen, indes auch seiner gesamten Familie und seinem kleinen Freundeskreis zum Verhängnis werden, all dies nimmt den Hörer mit auf eine regelrechte Achterbahnfahrt der Emotionen. Hinzu kommen noch die bewegenden Momente, in denen das Geschöpf seinen Werdegang mit Frankenstein am Feuer inmitten der unwirklichen Eislandschaft des Montblanc teilt – Momente, die selbst heute noch Bestand haben und die der Gesellschaft damals wie heute einen Spiegel vorhält und ein Bild selbiger zeichnet, das gewiss verabscheuenswürdiger ist als das Geschöpf selbst. Ob es die Intention Shelleys war oder nicht, darüber möchte ich nicht befinden, doch bleibt der Fakt, daß der Ausspruch „Die Gesellschaft erschafft sich ihre Monster selbst“ hier in bitterböser und unendlich traurigen Perfektion gleichermaßen verbildlicht wird.
      Doch nicht nur im Bezug auf Gesellschaftskritik ist „Frankenstein“ heute mehr denn je ein Mahnmal. Moral, bzw. Ethik und Wissenschaft, ein immerwährender „Kampf“ - wie weit ist Forschung vertretbar? Ist für den Urtraum der meisten Menschen, dem Tod zu entkommen (allein diese Formulierung mutet geradezu absurd und realtitäsfern an), jedes Mittel zu rechtfertigen? Darf im Namen der Wissenschaft unterschieden werden, welches Leben lebt und wann man -je nach Befinden- „den Stecker ziehen“ darf? Übertrüge man die Konflikte des Viktor Frankenstein auf die heutige Wissenschaft, so hätte man ad hoc diverse Themenbereiche, zu welchen sich vortrefflich hitzige Debatten entfachen ließen, ganz so wie es ihrerzeit Mary Shelly mit Frankenstein und Prof. Waldmann zuschrieb.
      Doch „Frankenstein“ bietet mehr als diese Themenkomplexe. Es geht auch um Freundschaften, Familie, Liebe – und Tod. Frankenstein steigt auf und fällt - sein Schicksal im klassischen Sinne tragisch.


      Die Sprecher:
      Viktor Frankenstein entsteht durch die überaus passend besetzte Stimme Peter Flechtners zu richtigem Leben, keine Sekunde lang hat man den glatten Ben Affleck vor Augen, dafür sorgt Flechtner aussergewöhntlich gut, verleiht er den Auf und Abs der Titelfigur in jeder Situation die passende Stimmfarbe. Freude, Erwartung, Glück auf der einen Seite ebenso wie auf der anderen Verzweiflung, Zorn, Trauer. Sein Geschöpf wird von Klaus-Dieter Klebsch gesprochen, oder vielmehr gelebt. Was dieser Mann hier abliefert ist -um den Namen des Labels einmal anzuführen- wahrlich titanenhaft! Er schafft es, diesem Wesen eine Tiefe zu verleihen, die Zerrissenheit zwischen Mitgefühl und nicht erfülltem Freundschaftswunsch, zwischen Hoffnung und Verzweiflung, Liebe und Hass, letztlich wie Frankenstein selbst die Grenze zwischen Leben und Tod so zu akzentuieren, daß der Hörer letztlich gar nicht anders kann, als eine gewisse Art von Mitgefühl zu empfinden, trotz der in der Tat grausamen Taten des Wesens. Allein bereits die Szene der Aussprache zwischen Frankenstein und seiner Schöpfung in der Eishöhle des Montblanc ist Gänsehaut vom Allerfeinsten. Wie hier die von Marc Gruppe und Stephan Boesnius meisterlich inszenierten Emotionen durch großartige Darsteller transportiert werden, das verdient meinen uneingeschränkten Respekt.
      Auch die weiteren Charaktere wurden -wie immer- makellos besetzt; Christian Rode als Franksteins Vater weiß erneut mit seiner charismatischen Stimme zu überzeugen wie Hartmut Neugebauer als Frankensteins Universitätsmentor Professor Waldmann, der sicherlich alle, die einen „Hagrid“ erwarteten, überraschen wird, wie wandelbar auch seine Stimme sein kann. Norman Matt, Rita Engelmann, Melanie Pukaß, Petra Barthel, Jürgen Thormann, Lutz Mackensy, Lucas Mertens, Tobias Kluckert und Marius Clarén – auch diese Namen stehen für überragende Leistungen im Synchron- und Hörspielbereich und genau das liefern sie auch in diesem Epos ab: Überragende Leistungen.
      Insgesamt kann man auch diesmal nur voll des Lobes sein, was Marc Gruppe und Stephan Bosenius a. für eine wirklich atemberaubende Besetzung ausgewählt und b. welche Leistungen sie aus dieser herauszuholen vermochten.


      Musik und Effekte:
      Was wäre Titania Medien ohne Atmosphäre? Richtig: Nicht denkbar!
      Und so bietet der Zweiteiler „Frankenstein“ auch wieder ein wahres Klang- und Musikfeuerwerk, doch übertrifft man sich hierbei diesmal fast selber. Verlangten die vorangegangen Folgen des „Titania Gruselkabinetts“ bereits Höchstwertungen, so müsste man selbige für „Frankenstein“ erweitern. Titania Medien haben es innerhalb weniger Jahre geschafft, sich -für mich- zu einem der vier Toplabels zu etablieren, die maßgeblich die Grenzen des Machbaren immer wieder erweitern und neu zu definieren vermögen. „Kino für die Ohren“ wird einmal mehr Realität und vor dem geistigen Auge entsteht spielend leicht ein bildgewaltiges Epos.


      Fazit:
      Vergesst den „Film-Frankenstein“! Vergesst die tumbe Gestalt aus Film und Fernsehen einfach. Hier erwartet den Hörer eine waschechte Tragödie, ein Drama, welches eine exquisite Geschichte mit dreidimensionalen Charakteren und immer noch aktuellen Themen bietet. Die perfekte Besetzung der Rollen danken die Sprecher mit authentischen Darstellungen der Charaktere, Musik und Effekte lassen den Hörer sofort eintauchen in die tragische Geschichte des Viktor Frankstein und lassen dessen Aufstieg und den tiefen Fall zu einem gewaltigen Epos werden.
      Zwei Teile, zwei absolute Hörtipps, zwei in allen Bereichen überragende CDs. Wer „Frankstein“ in seiner ursprünglichen Tiefe und Emotionalität in einem Klanggewand erleben möchte, welches derzeit zum Ultimum an Machbaren gehören dürfte, oder wer einfach „nur“ eine wahre Achterbahnfahrt der Gefühle ohne derbes Gesplatter und tumbe Gesellen genießen möchte, der kommt um Titanis Mediens „Gruselkabinett“-Doppelfolge nicht umhin.

      © Ronny Schmidt, 05/11/2006