Lange Erklärungen in Hörspielen - muss dass sein?

      Lange Erklärungen in Hörspielen - muss dass sein?

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      Wenn ich so die letzten 40 Hörspieljahre Revue passieren lasse, so bekomme ich doch den Eindruck, dass man früher den Hörer mehr Möglichkeit gegeben hat, sich selbst vieles auszumalen, Erklärungen zu finden und seine ganze Phantasie einsetzen zu müssen. In den letzten 10 Jahren hat sich doch ein gewisser Trend eingestellt lange Erklärungen in Hörspielen abzugeben. Wie seht ihr das? Wisst ihr was ich meine? Ist dies eine zwingende Notwendigkeit oder eher fehlende Kreativität kurz und knackig eine Geschichte zu erzählen?
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#

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      Interessantes Thema, das ist mir teilweise auch schon aufgefallen - aber ich würde das jetzt nicht als zeitliche Entwicklung sehen.

      Bei den drei ??? ist mir das oft aufgefallen - da wird dann gesagt "Was machen Sie da mit dem Messer in Ihrer Hand" - "Was wollen Sie mit dem Messer" würde es da aus meiner Sicht auch tun...

      Ich sehe eher einen Trend zu "Erzähler-losen" Hörspielen, bei denen ich mich generell etwas freier fühle und mir die Bilder selbständiger vorstellen kann. Viele moderne Produktionen (gerade Döring) verzichten ja mittlerweile auf einen Erzähler. Auf der anderen Seite sehe ich dann aber auch die aktuellen Holmes Reihen wie die "neuen Fälle" oder Sherlock Holmes & Co, bei denen für meinen Geschmack auch des öfteren Mal viel zu detailliert beschrieben wird.

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      Ich bin auch ein Freund von erzählerlosen und erklärbärfreien Hörspielen. Ich besitze ein Gehirn und etwas Phantasie und kann mir bei richtiger Geräuschkulisse sehr viel vorstellen.

      Dass man dem Zuhörer die aktuelle Situation mit einem Selbstgespräch, durch dümmliche Dialoge oder einen Erzähler zeitnahe vermitteln will, zeugt für mich von Einfallslosigkeit. Da muss man sich eben etwas anstrengen und überlegen, wie man eine Situation durch Geräusche oder "gekonnte" Dialoge darstellen kann.

      Statt bspw. einen Erzähler sagen zu lassen: "Kommissar Schmitt holt seine Walther P99 hervor, um ..." oder der dümmliche Dialog: "Nehmen Sie die Hände hoch, ich habe eine Waffe ...", nicht zu vergessen das Selbstgespräch "Wenn er die Hände nicht hochnimmt, werde ich meine Waffe ziehen ...", genügt es doch das Geräusch einer Waffe, die aus dem Halfter gezogen wird und ein Spannen des Hahnes, ziehen des Schittens zu hören und dann kann der Kommissar seinen Text loswerden: "Hände hoch!".

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      Ganz interessant was Du schreibst @daneel. Ich selbst liebe Erzähler und habe nichts gegen lange Erzählanteile. Aber es stimmt auch der Erzähleranteil ist in den letzten Jahren steil angestiegen. Inszenierten Lesungen und Audible sei Dank. Während mich Ersteres nicht begeistern kann so finde ich die langen Erzähleranteile bei den Audible Hörspielen absolut genial und sorgen bei mir für eine neue Form des Hörens.

      Ich selbst habe dafür mit den langen Erklärungen der Protagonisten am Ende eines Hörspiels so meine Schwierigkeiten. Als Beispiel könnte man fast jedes dritte kommerzielle Hörspiel anführen. Egal ob bei den neuen Europa Gruselhörspielen oder auch bei den neuen Larry Brents um nur mal Beispiele zu nennen, muss am Ende immer alles lang und breit vom Bösewicht oder vom Helden erklärt werden. Früher hätte man dies mit einem Satz abgehandelt und gut wäre es gewesen. Jetzt muss der Böse/Held seine ganzen Beweggründe erklären und dem Hörer näher bringen. Oftmals in Situationen wo jede Sekunde zählt. Wie genial kurz konnte HG Francis ein Ende „erklären“. Das Trio Charly Gaul konnte sogar einen kompletten Roman, Der Monstermacher, mit einem einzigen eine Minute dauernden Intro, erklären/näher bringen. So etwas fehlt mir heute.
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

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      Nö, kann ich nicht finden. Das traditionelle kommerzielle Hörspiel hat eher weniger Erzähler als zuvor, besonders bei Europa. Früher wurde fast jeder Szenenwechsel durch den Erzähler begleitet, heute nicht mehr.
      Audible besitzt eine Ausnahmestellung, weil es dort extrem oft an der Lizenz liegt. Viele Lizenzthemen dürfen keine reine dramaturgische Bearbeitung besitzen und müssen daher so sein, wie sie sind, damit die Rechte anderer nicht verletzt werden.
      Braucht man das ? Da geht es mir wie Daneel. Es kommt drauf an, wie es gemacht wird...
      Wobei ein Erzähltext einfach nicht zu viel sein darf. Ausnahmen sind die Ich-Erzählungen die irgendwie natürlicher wirken, als ein seperater Erzähler.
      Besucht meine Homepageprojekte:
      hoernews.de
      kurtz-check.de

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      @Detlef Interessant, was Du schreibst. Bei dem was ich höre bzw. gehört habe, hätte ich doch mehr den Eindruck, dass die Erzählpassagen heute länger als früher sind. Aber wahrscheinlich kommt es darauf an welchen Verlag/Label man hört. Trotzdem ging es mir in der Eingangsfrage gar nicht um den Erzähler und seine Ausführungen sondern um Erklärungen ganz allgemein im Hörspiel und hier um jene Passagen, mit denen gegen Ende eines Hörspiels eine Tat, eine Verhaltensweise etc. durch eine handelnde Person „erklärt“ wird. Diese haben mMn stark zugenommen. Ich werde in Zukunft in den Hörspielthreads stärker darauf hinweisen und diese mit dem Thread hier verlinken. Es scheint auf jeden Fall so zu sein, dass nur mir der stark aufkommende sogenannte „Erklärbär“ aufgefallen zu sein scheint.
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

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