Dear Amy

      "Die Lehrerin Margot Lewis ist extrem beunruhigt, als ein 15-jähriges Mädchen aus ihrer Klasse verschwindet. Sie ist überzeugt, dass Katie entführt wurde, auch wenn die Polizei dafür noch keinerlei Beweise hat. Dann erhält Margot, die nebenbei die Ratgeber-Kolumne Dear Amy führt, einen unheimlichen Brief: Darin fleht ein Mädchen um Hilfe, das vor 15 Jahren spurlos verschwand. Ein Graphologe bestätigt die Echtheit des Briefes – und dass er nagelneu ist. Margot, deren Gemütszustand sich rapide verschlechtert, verbeißt sich regelrecht in die beiden Fälle, will unbedingt helfen. Doch was verschweigt sie selbst?"

      Dear Amy ist ein Thriller von Hellen Callaghan der rundum überzeugen kann. Es gibt eine gekürzte (7h44m) und eine ungekürzte (10h31m) Lesung des Romans, letztere habe ich mit Vergnügen gehört. Es liest Christiane Marx.

      Über zwei Drittel der Handlung bekommt man einen guten Thriller serviert, der sicher nicht zufälig den Namen 'Amy' im Titel trägt. Der Anklang an den Mega-Erfolg 'Gone Girl' dürfte beabsichtigt sein. Die Handlung geht aber völlig andere Wege: Über zwei Drittel der Laufzeit ist das ein solider, fesselnder Krimi, der dann eine (mehr oder weniger) überraschende Wendung nimmt und zum Thriller mutiert. Ordentlich geschrieben, ohne dass es den Hörer aber wirklich mitreißen könnte. Manchmal etwas zu klischeehaft und mit arg einseitiger Figurenzeichnung, aber das stört nicht wirklich. Die Auflösung und damit einhergehend das gesamte letzte Drittel des Romans sind dann diskussionswürdig. Die Frage, ob das so möglich wäre, steht schon im Raum. Man muss der Autorin auf jeden Fall zu Gute halten, dass sie intensiv recherchiert hat und keine psychologisch komplett unstimmigen Abläufe schildert. Thrillerfreunde haben diesbezüglich schon sehr viel schlimmeren Blödsinn aufgetischt bekommen.

      Es hat mir gefallen und mich in seinen Bann gezogen. Dazu trägt auch die Lesung von Christiane Marx bei: Eher zurückhaltend, mit richtigem Termpo und kurzen Sprechpausen genau da, wo sie hingehören. Auch Betonung und Aussprache sind sehr gut. Einer solch angenehmen und geschulten Stimme höre ich gerne über 10 Stunden zu. Der eine oder andere Gefühlsausbruch kommt vielleicht etwas zu abrupt und gekünstelt rüber, aber dies liegt dann nicht nur an der Sprecherin, sondern auch an der Vorlage selbst.

      Spannender Plot, interessante Auflösung, gut gelesen: Was will der Thriller-Freund mehr von einem Hörbuch? Über kleine inhaltliche Schwächen lässt sich da gerne hinweghören.
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