Von großartigen und weniger artigen Sprechern

      Von großartigen und weniger artigen Sprechern

      Liebe Foristen,

      bin ganz neu hier und auf der Suche nach Gleichgesinnten, die ein gutes Buch noch mehr als Kunstwerk genießen können, wenn es von einem / einer meisterhaften SrecherIn eingesprochen wurde.
      Immer wieder werde ich in meiner hauptsächlichen Quelle Spotify von Produktionen überrascht, die ein mittelmäßiges Buch durch einen spannungs- und detailreichen Vortrag in etwas durchaus Interessantes, jedoch ebenso eine gute literarische Vorlage in eine Katastrophe verwandeln können.

      Auf der Suche nach Hörenswertem kommt mir in Beschreibungen und Kritiken eben dieser Aspekt meist zu kurz, wenn überhaupt erwähnt.
      In der Musik ist es oftmals eine Stimme oder ein Instrumentalist mit unverkennbarer Eigenständigkeit und gerne auch etwas Virtuosität, die ihr Publikum über längere Zeit zu fesseln vermögen. Dies empfinde ich bei einem Hörbuch in beinahe noch stärkerem Maße, da hier das Medium Akustik ausschließlich von einer einzigen Stimme beherrscht wird. Deren Glaubhaftigkeit und Lebendigkeit gibt oftmals innerhalb von Sekunden den entscheidenden Ausschlag über die erste Haltung gegenüber dem Produkt.

      Als Fan von Regionalkrimis bin ich gerade auf einen kaum eklatanter zu findenden Kontrast zwischen einem meisterhaften Gesamtkunstwerk und einer alleine durch die Auswahl des Sprechers von Beginn an scheiternden Produktion gestoßen:

      Nachdem die letzten Sätze von Rita Falk´s Eberhofer-Krimi, veredelt durch den vielschichtigen Vortrag eines glänzend aufgelegten Christian Tramitz, verklungen waren, versuchte ich mir den samstäglichen Hausputz durch eine weitere Regionalgeschichte, nämlich Klaus Wanninger´s Schwaben-Rache, zu versüßen.

      Ich hätte ebenso gut an der Essigflasche nuckeln können, denn trotz eines weder humorlosen noch einfältigen Textes gelingt es der eklatanten Fehlbesetzung Peter Tabatt, der durchaus interessant beginnenden Story nach den ersten Passagen nur noch widerwillig folgen zu können.

      Während Tramitz in unverkennbar authentischem Bayrisch virtuos etlichen Charakteren ihren ganz eigenen Klang verpasst, ist Tabatt bemüht, Wanninger´s Romanfiguren durch ein eklatant künstlich überbetontes Hochdeutsch jegliche Plastizität zu nehmen. Bei den gottlob seltenen Versuchen zu schwäbeln fällt dann vollends auf, dass die Produktionsfirma unmöglich an einem größeren Erfolg ihres Produkts interessiert gewesen sein konnte.


      Solche und ähnlich Erlebnisse ließen mich nun dieses Forum in der Hoffnung aufsuchen, unter ähnlich Gesinnten einen Austausch von Empfehlungen und Meinungen anregen zu können. Vielleicht gibt es ja sogar noch Dinosaurier, die wie ich mit der unvergleichlichen Stimme von Märchenonkel Hans Paetsch aufgewachsen sind. Diese kindliche Prägung macht es mir persönlich sehr schwer, monotonen und uninspirierten Vorträgen länger als nötig folgen zu wollen. Denn nicht nur in der Musik entscheidet der passende Ton über Gelingen und Scheitern.
      Willkommen und schönen Gruß von meiner Frau!

      Die flucht nämlich auch derzeit. Nachdem sie den wirklich tollen Oliver Kalkofe in den Hörbüchern von Christiane Franke und ihren Ostfriesen-Krimis (Krabbenbrot und Seemanstod, Der letzte Heuler, Miss Wattenmeer singt nicht mehr) genossen hat, hat sich der Audio Media Verlag entschlossen ab Band 4 (Meeresrauschen und Inselblick) den trantütigen Tetje Mierendorf einzusetzen. Sie hat fast mit Tränen in den Augen den MP3-Player in die Ecke gepfeffert. Jetzt versucht sie sich in Kürze an den Heisterhoog-Romanen von Marie Matisek, die auch von Kalkofe eingesprochen wurden.
    Hier geht's zum HÖRSPIEL-PLAYER ...