Die Bestandshörer

      Mitnichten meine ich nur Euroa.Sie stachen damals halt heraus,aber auch PEG,Maritim,Kiosk,EMI,etc brachten tolle kurzweilige Hörspiele raus.
      Die drei ??? hab ich damals sogar eher gemieden.
      Und was heißt Hörspiele allgemein?Für mich waren und sind Sie noch heute kurzweiliger und unterhaltsamer als neue Sachen.Und das obwohl ich die Geschichten fast auswendig kenne.

      Keuchhusten schrieb:

      aber mich stört, glaube ich, vor allem dieses Durchgestylte. Burns, Brandis und auch Sinclair sind ohne Zweifel hervorragende Sachen, aber man merkt es eben auch. Es fühlt sich teilweise so "verbissen" an. Alles bis ins Letzte durchgestylt.


      Kann ich gut nachvollziehen, diesen Gedanken. Die Wärme, die Atmosphäre geht dabei (oftmals) verloren. Viele der neueren Produktionen klingen gerne so hübsch steril, kalt und nichtssagend auswechselbar. So wie viele der modernen TV-Serien heutzutage aussehen. Kalter Glanz. Seelenlose Photoshop-Ästhetik 2.0 in 4K. Alles glatt und pseudo-makellos.

      Ja. Sicher. -- Die alten Produktionen, da klangen immer dieselben dreieinhalb Schritt-, Kampf- oder sonstigen Hintergrundgeräusche. Da bimmelte einem dieselbe Musik bei den ???, bei Masters oder bei Hui Buh in den Ohren. Trotzdem klangen die alten Aufnahmen organischer, lebendiger. Analog eben. Nicht digital.

      Ich schaue mir einen Film an, der auf Zelluloid gebannt wurde ... und habe dabei diesen "WOW! That's magic!"-Effekt.
      Ich schaue mir einen modernen Film an, der mit Digitalkameras gedreht wurde ... und habe dabei nur einen Effekt: Gääähn. -- Ja, sicher... was für tolle Farben, was für 'ne gestochen scharfe Auflösung... und jeden Pickel am Arsch kann man da überdeutlich und lebensgroß sich reinziehen... Aber genau das ist ja das Problem. Der alte Zauber geht verloren.

      Hörspiele, Filme und wasnichtalles sollen uns doch aber verzaubern, mit ihrer Magie aus dem grauen Alltag reißen, wenigstens zeitweilig zum Träumen einladen und in eine bessere Welt entführen. Aber wenn diese Welt nur noch steril-weiße, glatte oder wahlweise auch gut ausgepolsterte p.c.-Wände besitzt und nur darauf abzielt, uns zu sedieren und das CGI (oder sonstige Effekte) wichtiger werden als die Darsteller selbst ... ah, fuck 'em all.

      Für mich persönlich: Lieber drei Mal infolge RAMBO II als auch nur einmal "Transformers".
      ^^
      Es spielt einiges rein.Die Qualität ist schlechter und die Menschen sond übersättigt und bequem geworden.Kein Vorwurf,das ist die Zeit.Alles ist jederzeit immer und überall verfügbar.Daher verkommt leider auch vieles zur “Massenproduktion“.Bei den Filmen ist es doch genauso.Blockbuster gibt es doch kaum mehr.
      Wie gesagt für mich ist die Qualität deutlich schlechter geworden,was wohl leider auch der momentanen Zeit geschuldet.ist.Immer mehr,mehr,konsumieren eines nach dem anderen,jederzeit überall abrufbar.Massenware eben.
      Von mangelhafter Qualität möchte ich generell nicht sprechen. Burns ist qualitativ ganz großes Kino, interessiert mich aber nicht ansatzweise so sehr, wie das weitaus weniger aufwendige Point Whitmark. Wobei Sassenberg dabei jetzt vermutlich eine Augenbraue hochziehen würde.

      Point Whitmark hat einfach massiv Glück mit seinem Soundtrack gehabt. Völlig anders als Bohn, aber auf demselben Level. Bei den Geräuschen geht es weitaus weniger opulent zu als bei Burns, aber das reicht ja auch vollkommen. Die Serie lebt von skurillen Gestalten, abgedrehten Fällen und trockenen Sprüchen, die von fähigen Sprechern cool abgelassen werden. Vermutlich steckt hinter PW nicht viel weniger Arbeit, aber die Serie kommt halt wesentlich weniger verkrampft rüber, als das High-End-Produkt Burns.

      Und Brandis - ich bin kein großer Fan davon, aber qualitativ ist die Serie ganz weit vorne dabei. Sie macht mir halt bloß keinen großen Spaß, so sehr sie mich beeindruckt.

      Schlechter geworden sind eindeutig die Europa-Produkte. Da passt gar nichts mehr. Zumindest nichts im Tonstudio Körting.

      Wenn ich mir mal meine Post-90-Hits anschaue, sind es Serien wie Sieben Siegel, Guitar Lea, Point Whitmark, Dodo und Jack Slaughter. Serien, die handwerklich gut gemacht sind und von ihrer Story leben. Aber es sind eben keine High-End-Serien.

      Das die Verkaufszahlen schlecht sind, dürfte an der kleinen Zielgruppe der Erwachsenen liegen. Wer heute Hörspiele für uns macht, lebt halt auf einer sehr, sehr dünnen Käuferschicht. Würde mich ein Investor mit der Konzeption eines neuen Labels beauftragen, würde ich eher versuchen im Markt für Kinderhörspiele ein paar Krümel abzugreifen, als mir ein Stück vom Kuchen im Erwachsenenbereich zu sichern. Aber ich bin kein Insider.

      T-Rex schrieb:

      Was ich definitiv nicht unterschreibe ist, dass die Hörspiele heute schlechter sind als früher, denn das ist definitiv nicht der Fall. In jeder Beziehung (Sprecher, Musik, Sound und so weiter) sind die heutigen Produktionen bei weitem besser.


      Die Aussage ist mir zu pauschal. Es gibt heute sau schlechte Produktionen und der Spannungsbogen wird auch oft vergeblich gesucht. Zu sagen das alles besser ist, ist daher wohl etwas übertrieben.
      Einige sind vielleicht gleichwertig, aber besser?! Was wirklich besser ist - das ist aber auch wieder von Produzent zu Produzent unterschiedlich - ist das Sounddesign, was aber natürlich am Fortschritt der Technik liegt.
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      Ich bin ja auch ein Bestandshörer und ich kann mir teilweise nicht erklären warum bei mir neuere Dinge nicht mehr ziehen und so gut funktionieren wie Hörspiele aus den 1970ern und 80ern. Ist es wirklich ein reiner Nostalgiefaktor? Bin ich in meiner Entwicklung stehen geblieben, dass ich mich einfach gar nicht auf neue Dinge einlassen will und kann? Ist es der Gedanke an der guten alten Zeit? Ehrlich gesagt weiß ich es nicht und Ich finde da selber eigentlich keine vernünftige Antwort drauf.

      Was mich auf jeden Fall bei meinen alten Hörspielen fesselt sind die Geräusche, die Atmosphäre, unterhaltsame und kurzweilige Geschichten die zum immer wieder hören einladen. Auch die damaligen Stimmen empfinde ich als viel angenehmer als heute, auch wenn in gefühlt jedem Hörspiel die gleichen Sprecher auftauchen, aber das fällt mir auch heute gar nicht auf. Das ist für mich alles viel authentischer. Wenn ich da nur mal an so Sprecher wie Gottfried Kramer, Joachim Wolff, Günter Dockerill, Horst Stark, Karl-Walter Diess, Karl-Urlich Meves, Peter Pasetti etc. denke, da wird mir sofort warm ums Herz. Auch die damaligen Kinderstimmen wirken ganz anders als heute, da konnte ich immer gut auseinander halten wer gerade spricht. Heute fallen mir "Kinderstimmen" gar nicht mehr auf bzw. bleiben mir nachhaltig im Gedächtnis.

      Ich habe mal überlegt welche Hörspiele aus den 2000ern liebe ich so sehr wie die aus den 80ern? Da fallen mir eigentlich nicht viele ein. Genial finde ich nach wie vor die Gruselkabinett Folgen 3 und 15 sowie Titania Special 1. Als besonders unterhaltsam ist auch die schöne kleine Serie von Maritim namens "Knall & Fall", einfach herrlich unterhaltsam, aber leider nur vier Folgen. Anfangs als John Sinclair Edi 2000 rauskam habe ich dort jeder Folge entgegen gefiebert und auch Edgar Allan Poe und Gabriel Burns habe ich gerne gehört. Eine weitere Überraschung war für mich noch Die Arwinger und die erste Staffel von Dragonbound. Aber diese Hörspiele habe ich nie so oft gehört wie die aus meinem alten Bestand.

      Das Gleiche empfinde ich übrigens bei Filmen, sowie Ascan von Bargen es beschreibt. Da gucke ich mir lieber noch einmal zum 100sten Mal Rocky, Rambo, Zurück in die Zukunft oder auch "Es geschah am helllichten Tag" an als irgendeinen mit Specialeffekts übersäten Film. Auch kann ich mich gar nicht erinnern welche Filme mir heute noch großartig im Gedächtnis bleiben. Viele sind mal nett anzugucken, aber das war es dann.
      Man muss die Menschen nehmen wie sie sind,
      es gibt ja keine anderen. ;)

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      Es gibt in der heutigen Zeit noch sehr viele gute Filme, wenn man abseits der Hollywoodpropduktionen und deutscher Komödien guckt.
      So ist es auch im Hörspielbereich.
      Mit der nostalgischen Brille sehen viele alte Produktionen immer besser aus.
      Meiner Meinung nach gab es auch früher viele Gurken im beliebten Hörspielserien.
      Ich überlege, was die Leute wohl mit "Nostalgie" meinen, wenn dieses Wort fällt. Und weshalb manche Dinge den berühmten "Nostalgie-Bonus" erhalten, andere aber nicht.
      Schätzungsweise gibt es zwei Arten von "Nostalgie":

      1.) Der wehmütige Rückblick ins Paradies, aus dem man irgendwann vertrieben wurde, (und vermutlich spielte dabei eine falsche Schlange eine Rolle, und eine Frau, die dieser falschen Schlange Gehör und Glauben schenkte, und ein argloser Mann, der wiederum der fehlgeleiteten Frau auf den Leim ging).

      2.) Der ewige, beständige, "heile" Rückzugsort, der JETZT noch gegenwärtig ist und nicht vergangen. Im Sinne von: Das kleine Stück Kindheit oder Jugend, was man sich innerlich erhält und wohin man zwischendurch einmal sich zurückziehen kann, wenn die Wogen rings um einen hochschlagen. Dort begegnen uns die geliebten Stimmen wieder, die uns in einer wichtigen Entwicklungsphase begleiteten.

      Ich denke, es hat alles etwas mit der persönlichen Entwicklung zu tun, im Sinne von Ent-Wicklung (auseinander wickeln, was innerlich aufgerollt ist). In einem gewissen Alter ist man sehr empfänglich für Dinge, Inhalte, etc., und leicht(er) zu prägen. Da haben Ereignisse, Erlebnisse, Umstände und Zustände ihren EINDRUCK bei uns hinterlassen. Vieles von dem, was heute links und rechts auf uns einprasselt, trägt ein anderes Muster, was mit diesem Eindruck oder den Eindrücken, die wir tragen, nicht kompatibel ist. Daher lehnen wir es ab. - Wo es (halbwegs zumindest) mit unserer Prägung übereinstimmt, da nehmen wir Dinge gerne an. Aber das geht nicht so leicht, wie: "Ich habe schließlich immer gerne Hörspiele gehört, also höre ich mir auch heute noch gerne Hörspiele an." So simpel funktioniert das nicht.

      Manchmal, da greift vielleicht bei einigen der "innere Rückzugsort", den ich in Punkt 2 erwähnte. Und um dorthin zu gelangen, da sind bestimmte Schlüsselreize wichtig, die "den Zugang" zu jenem Ort erleichtern, wo man endlich wieder durchatmen und aufatmen kann, wo man Ruhe und Frieden findet und neue Kraft aufzutanken vermag. Ein bestimmter Geruch, bestimmte Farben, der Klang bestimmter Stimmen und / oder Musik, usw., kann so ein "Schlüsselreiz" sein, der als "Toröffner" fungiert.

      Diejenigen, die aber eher an Punkt 1-Nostalgie denken, sagen gerne: "Früher war alles besser." Dabei blenden sie allerdings geflissentlich aus, dass es da so eine falsche Schlange gab und eine törichte Frau, die ihr glaubte.

      Begehen wir diesen Fehler also lieber nicht, und halten uns lieber vor Augen, dass es nur einen Ort und auch nur einen Moment, nur einen Augenblick gibt, in dem wir leben, uns bewegen und unser Dasein haben. Der Ort ist: HIER.

      Und dieser Moment ist:

      Genau JETZT.
      Mal losgelöst von der Nostalgie - im Prinzip haben wir zwei Herangehensweise bei der Produktion von Hörspielen. Ich definiere, ohne Anspruch auf Richtigkeit und Vollständigkeit, mal die alte Herangehensweise mit der Umschreibung "Eine Geschichte unterhaltsam erzählen" und die neue Herangehensweise mit "Den Hörer beeindrucken".

      Beide haben aus meiner Sicht ihre Daseinsberechtigung, unabhängig von Nostalgie und Modernität.
      Ich lass mir nicht schon wieder die Nostalgiebrille aufsetzen. Damit hat das nichts zu tun.
      Wieso geht es dann neuen Hörern auch so? Das wäre ja wohl schlecht möglich. Wenn ich einen guten Freund eine alte Produktion und eine neue Produktion vorspiele, der sie zuvor nicht kannte, sagt er, das ihm die alte besser gefallen hat, aber das Sounddesign der neuen schöner ist. Tja...und was nuu? Scheint mit Nostalgie nicht wirklich etwas am Hut zu haben (jedenfalls nicht bei allen).
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      Es ist halt ein Problem dieses Hobbys, dass der Nostalgie-Faktor immer miteingerechnet wird. Ob zurecht oder unrecht.

      Wobei ich es auch für nicht berechtigt halte. PW hat für mich ??? abgelöst. Und das, obwohl die ??? der Inbegriff der Nostalgie sind. Dodo hat überhaupt kein Gegenstück in früheren Zeiten und trotzdem fällt es für mich in die Kategorie "Eine Geschichte unterhaltsam erzählen". Dasselbe gilt für Sieben Siegel oder gar Jack Slaughter.

      Guter Stoff gut umgesetzt, anstatt auf WOW!-Effekte zu setzen, das geht auch mit Stoffen, die nicht in den 60ern, 70ern und 80ern verwurzelt sind. Zumal keines der oben genannten Beispiel auf "back to the roots" gesetzt hat. PW ist ein ???-Clone, aber das war es auch schon. Keine Bohn-ähnliche Musik und nicht das Europa-Ensemble ausgegraben.

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von „Keuchhusten“ ()

      Mal ein kurzes Fallbeispiel, dass alt nicht immer gut ist und Nostalgie immer so eine Sache ist.

      Ich habe mir am Wochenende Schatzsuche im Atlantik 1 von Europa aus dem Jahr 1978 vom Altmeister H.G. Francis angehört.

      Covertext

      Der Zufall spielt ihnen eine Seekarte in die Hände. Sie ist über zweihundert Jahre alt und auf ihr ist verzeichnet, wo die Goldgaleere SANTO DOMINGO versunken ist. Die Jagd nach dem Gold auf dem Meeresgrund beginnt. Doch allzu schnell wird das Geheimnis bekannt. Der Meeresforscher Gunter Finder hat es nicht nur mit gefährlichen Haien zu tun, sondern auch mit Gold-Jägern, die keine Rücksicht kennen...


      Normalerweise mag ich solche Abenteuerhörspiele. Aber mir war das Hörspiel einfach zu langatmig. Ja, die Verfolgungsjagd in der Seifenkiste und der Hai-Angriff haben etwas für Spannnung gesorgt, aber zwischendrin war so viel Leerlauf, dass ich dann abgeschaltet habe. Ständig war nur die Rede von Sicherheit und Zuständigkeiten. Klar, da lernen kleine Jungs, weshalb Kinder nicht so einfach nach Wracks tauchen können und wie es rechtlich auf dem Meer zugeht, aber letztendlich fand ich es öde.

      Letztendlich genau das, was mich bei, unter anderem, bei den modernen ??? zum Aussteigen bewogen hat. Keine Story kann nur aus Actionsequenzen bestehen, wenn man mal von John Sinclair absieht ;) . Es ist halt auch die Kunst, ruhigere Abschnitte so zu gestalten, dass es den Hörer interessiert.

      Keuchhusten schrieb:

      Es ist halt auch die Kunst, ruhigere Abschnitte so zu gestalten, dass es den Hörer interessiert.


      Das unterschreibe ich voll und ganz. Zumal ich selbst in der Vergangenheit in diese "Falle" getappt bin. Für "ruhigere Abschnitte" empfehle ich dringend: Kurz fassen. Und: Konflikt, Konflikt, Konflikt! (Falls man vorhat, dass die Leute das Interesse nicht an der Story verlieren. Wenn man aber bloß "Zeilengewinnung" praktizieren will, um den Seitenumfang quantitativ hochzuschrauben -- ja, bitte, dann ...

      Wenn man aber vor allen Dingen die Menschen KURZWEILIG UNTERHALTEN will, und auch die Qualität einer Geschichte steigern, dann sollte man "ruhigere Sequenzen", (wenn sie denn unbedingt sein müssen), so kurz und knapp wie möglich halten. Diese sind "nur erlaubt", wenn sie a) etwas (nach Möglichkeit) Wichtiges zum Verlauf der Story (oder des Subplots), oder zur Charakterisierung einzelner Figuren beitragen, bzw. b) wenn sie WITZ oder - besser - KONFLIKT beinhalten.

      Ist so eine ruhigere Sequenz wenigstens WITZIG, ertragen wir sie gerne, weil wir sie als unterhaltsam und kurzweilig empfinden.
      Ist sie von Konflikt getragen, sei es ein innerer oder auch äußerer Konflikt, wird sie uns ebenfalls als kurzweilig, weil spannend, erscheinen, wenn man dabei nicht alles grundlegend falsch macht.

      Um sicherzugehen, dass man niemanden unnütz langweilt und / oder um kostbare Lebenszeit betrügt, empfiehlt es sich in jedem Fall, die jeweilige Szene so kurz wie möglich zu gestalten. Außerdem: Lasst unnütze Füllwörter weg. Es gibt zwar Sprecher, die einen etwas zu lang geratenen Monolog oder Erzähltext durch Tempo (oder tolle Betonungen) wieder wettmachen. Aber es gibt auch Sprecher, die behäbig herangehen und einen ohnehin schon (viel) zu langen Text noch unnütz auswalzen, wie einen Teig mit dem Nudelholz... (...gäähn...) Das ist dann manchmal schwer bis kaum zu ertragen, vor allem, wenn man eigentlich nur etwas leichte, flotte und spannende Unterhaltung sich genehmigen wollte...

      Der hoffnungsvolle, angehende Nachwuchs-Autor strebt meistens danach, anderen beweisen zu wollen, was für ein großartiger, ausgefuchster Wortakrobat er ist. ("Guck ma', ich! Voll geil, wie ich schreiben kann, ne? Wie toll ich die Sachen so formulieren kann, yey!") Da gibt es dann laaaange Schachtelsätze mit 200 Kommas; Fremdwörter, die jedermann erst einmal im Lexikon nachschlagen muss, usw. (Ich kenn' das. Ich stand an derselben Stelle, früher. -- Fühlt sich ganz gut an. Aber man muss weitergehen, aufwärts, vorwärts.)

      Heute sage ich: "Fass dich kurz. Lieber zwei kurze Sätze als einen langen."

      Und unsere allerliebsten Füll- und Flickwörter ... "nun, jetzt, schon, endlich, so richtig, ja, schon wieder, ziemlich, halt, eben halt ..." -- alle in die Mülltonne, wenn der Text dadurch a) besser, straffer und flotter wird, oder b), wenn wir bessere, treffendere Formulierungen finden können. Der Text gewinnt dadurch an Qualität. Und die Geschichte, (hoffentlich), auch. Außer, sie wäre ohnehin langweiliger, abgedroschener Unfug, der bereits tausend Mal vorher und tausend Mal besser da gewesen ist.

      Es gibt Serien, wie z.B. Pater Brown oder ähnliche, wo der Charakter nicht als "Action-Held" angelegt ist. Wilde Verfolgungsjagden, Schlägereien, Schießereien usw. würde man so einem Charakter nicht abkaufen. Das würde akut deplatziert wirken. Da muss man eher anders rangehen, die Spannung, den "Thrill" und das Interesse der Hörer eben durch konfliktreiche Dialoge / Situationen und-oder humorvolles Augenzwinkern à la "Columbo" stimulieren. - Zwar würde ich heute einiges anders gestalten als früher, aber einige meiner besseren "Pater Brown"-Abenteuer waren sicherlich "Der weiße Skorpion" (Teil 1 und Teil 2), sowie "Die Krone von Ampur" und "Diamanten-Express".

      Diese höre ich mir heutzutage (dann und wann) an, und finde sie immer noch sehr kurzweilig und interessant.

      Letztlich sollte man "mit den Ohren" schreiben, nicht mit den Fingern. (Im Sinne von: "Würde MIR das gefallen, wenn ich DAS von einem anderen Autor zu hören bekäme? Oder drücke ich da jetzt lediglich ein Auge zu, weil ich es selbst verzapft habe?") Und sich immer bewusst machen, dass man nicht für sich selbst schreibt. Da draußen ist ein Publikum, das (im Idealfall sogar) Geld für ein Buch oder Hörspiel gezahlt hat. Und als Gegenleistung erwarten die Leute (mit gutem Recht) kurzweilige, spannende und leichte Unterhaltung. Sie wollen vom Alltags-Ärger und -Stress weg. Abschalten. Träumen. Entspannen.

      Wer ihnen das Gewünschte (und Angekündigte oder Versprochene) liefert, erhält sein Publikum und gewinnt neues dazu.

      Wer ihnen das nicht liefert - nun: Es gibt ein reichhaltiges Angebot da draußen. Da schauen, (bzw. hören), sich die Leute ganz schnell nach was Anderem, Besseren um.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Ascan von Bargen“ ()

      Ikarus schrieb:

      Da ist viel wahres dran, besser hätte man es nicht sagen können.


      Vielen Dank für diese freundliche Rückmeldung!

      Ich persönlich sehe das wirklich so, mit Betonung auf dem, was in der zweiten Hälfte steht. Derzeit gibt es in meinem Leben zwar diverse andere Herausforderungen zu meistern. Aber in Hinsicht aufs Schreiben, sehe ich die Dinge so. -- Natürlich muss und soll ein Autor das schreiben, was er will. Was von innen herauskommt, authentisch ist, etc., statt sich zu verbiegen. Denn das feige sich-Verbiegen hilft im Leben niemals. ("Feige" sage ich, weil man sich nur aus Angst und Unsicherheit verbiegt. Angst vor Kritik. Angst vor Konsequenzen. Angst vor diesem und jenem.)

      Und wenn ich sage: "Wir schreiben nicht für uns selbst", dann meine ich damit: Natürlich muss man das tun -- in diesem Fall: das schreiben -- was einem selbst gefällt. Am besten das Buch, was man am liebsten selbst lesen würde. Oder das Hörspiel, was man selbst gerne hören würde.

      Wenn man aber gedenkt, es auch einer Öffentlichkeit zu präsentieren, dann sollte man dabei seinen Idealleser oder Idealhörer vor dem geistigen Auge haben. Sich klarmachen, was für einen gewaltigen Vertrauensvorschuss das bedeutet, wenn jemand daher geht, sein hart erarbeitetes oder vielleicht knappes Geld auf den Tresen legt, und sich dann z.B. mein Hörspiel kauft. Und ich persönlich will, dass die Leute dann auch ihren Spaß damit haben. Was zum Schmunzeln. Spannung und Action. Abenteuer. Eine tolle Bilderwelt zum Abtauchen und Abschalten und Träumen.

      Vielleicht erreichen wir unser Ziel nicht immer 100%ig. Aber das darf niemals eine Ausrede dafür werden, sich bequem zurückzulehnen und Mittelmaß abzuliefern. "Beim nächsten Mal noch besser", sollte die Devise sein.

      Das größte Lob, was ich letztens entgegennehmen durfte, war, als mir jemand mitteilte: "Weißt du, normalerweise stehe ich überhaupt nicht auf Hörspiele, und hör mir sowas nie an. Aber deines habe ich mir jetzt schon vier oder fünf Mal angehört! Das ist wirklich spitzenmäßig!" (Es ging um "Dark Trace - Nemesis" aus der MindNapping-Reihe.)

      Und ich dauernörgelnder Selbstkritiker höre es mir an, finde es auch toll und gelungen ... aber denke sofort: "Alter ... in Zukunft nie wieder so lange Erzählertexte! Das kannst du besser!"
      ^^

      Wie es in dem schicken Songtext der FOO FIGHTERS heißt: "Is someone getting the best of you?"
      Das Beste für andere müssen wir geben, und zwar von uns selbst. Und das Beste wird dafür vermehrt und verstärkt zu uns selbst zurückkehren.
      Alles andere ist halbherziges Wischiwaschi-ich-versuch's-mal-irgendwie-Eiergetanze...

      Da gab es einen schönen Spruch, den ich vor langer Zeit gelesen habe. Leider weiß ich nicht mehr, von wem er stammt.

      Er lautet: "Wer dem Leben etwas vorenthält, dem wird auch das Leben immer etwas vorenthalten."

      Und daher sage ich: Lasst uns großzügig sein. Großherzig und mutig. Nicht kleinkariert oder furchtsam. Im Leben und in der Kunst, in der Arbeit und in der Liebe, im Privat- und im Geschäftsleben. Weg mit künstlich aufoktroyierten Denk- und Sprachverboten, Engherzigkeit und verlogen-heuchlerischer "political correctness". Die Schriftsteller und Autoren als allererstes. Schreiben ist bekanntlich nichts für Feiglinge. Denn dabei muss man immer die Finger in die Wunde der Wahrheit legen, und auch dem Schatten ins Gesicht sehen. Das tut oftmals weh und ist wenig erquicklich. Aber heilsam.
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