JAN TENNER-Erinnerungen von Kevin Hayes (= Horst Hoffmann)

      SchattenMan schrieb:

      Hattest du auch was mit den PC Spiel „Artefakt der Macht“ zu tun ???

      HP. Göldner schrieb:

      Hörspiel-Box: "Stammt die Story und der Plot zum PC-Spiel auch aus Deiner Feder ?"
      Horst Hoffmann: "Mit dem PC-Spiel habe ich allerdings nichts zu tun."
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      JAN TENNER / KEVIN HAYES / HORST HOFFMANN

      ERINNERUNGEN (3)

      STEIN DER MACHT, PLANET DER 1000 WUNDER … UND EIN AUFPASSER NAMENS MIMO ...

      „Mimo?“

      Schweigen im Äther.

      „HERR Mimo!“

      Schweigen im Äther.

      „Lassen Sie mich mal, General Forbett. Ich denke ich ...“

      „Ach, Sie glauben, Sie brauchen nur mit Ihrem weiblichen Charme daher zu kommen, Laura, und die Mimose von Bordcomputer des SILBERVOGELs bequemt sich endlich dazu, wieder mit uns zu reden? Ich kann auch anders! Sein Streik kann durchaus als … als Verrat betrachtet werden, jetzt, wo wir ihn dringend brauchen, um nicht ...“

      „General, das geht jetzt eindeutig zu weit. Sie haben Mimo beleidigt und sollten froh sein, dass er sich nicht gleich ganz deaktiviert hat. Meine Messungen beweisen eindeutig, dass er voll funktionsfähig ist und nur unter einer Art kybernetischem Trauma leidet.“

      Ein heftiges Luftschnappen. „Sie wollen im Ernst behaupten, so ein … ein Ding wie er besäße eine Art Seele, die unter traumatischen … traumatischen Kyberdingsda leiden kann und daher ...“

      „Sie haben ihn tief beleidigt, General, als sie ihn abfällig ein Ding nannten. Mimo ist kein Ding, er ist das Produkt einer uns haushoch überlegenen Technologie und ...“

      „Jetzt ergreifen Sie auch noch seine Partei, Jan Tenner! Bin ich denn von lauter Verrätern umgeben?“

      „Nein, General, natürlich nicht. Aber vielleicht versuchen Sie es einfach einmal mit einer Entschuldigung bei Mimo und nehmen das schreckliche Wort Ding zurück.“

      Ein tiefes Stöhnen. „Ich … soll mich bei Mimo entschuldigen, Laura? Sind Sie denn alle vom Affen gebissen?“

      „Versuchen Sie es einfach, General. Springen Sie einfach über Ihren Schatten, wenn Sie weiterhin darauf Wert legen, dass Mimo anhand seiner kybernetischen Archive genau darauf achtet, dass dieser Autor hier nicht irgendwelchen Unsinn über uns schreibt.“

      „Dann soll er das mal versuchen, Professor Futura! Ich schicke diesem Hayes ein Dutzend unserer neuesten Kampfdrohnen auf den Hals und dann ...“

      „Ich fürchte, General, ohne Mimo haben Sie da keine Chance. Er kann sämtliche Befehlskanäle blockieren und selbst die planetarische Abwehr außer Kraft setzen. Tun Sie es endlich, entschuldigen Sie sich bei ihm.“

      Ein dumpfes Grollen wie vor einem kurz bevorstehenden Vulkanausbruch. „Also gut, Jan, auf Ihre Verantwortung!“ Wieder das Luftholen, diesmal noch heftiger. „Mimo, ich … also ich … ich entschuldige mich, dich ein … ein Ding genannt zu haben.“

      Schweigen im Äther.

      „Und, General? War da nicht noch etwas?“

      „Jetzt rauben Sie mir nicht auch noch den allerletzten Nerv, Jan! Also gut, auch das mit dem aufgemotzten Taschenrechner war nicht in Ordnung, Mimo. Ist es jetzt gut oder muss ich mich auch noch im Büßergewand vor deine Linsen stellen?“

      „Tidelit! Es ist gut, General Forbett. Ich nehme Ihre Entschuldigungen an. Tidelit.“

      Vierfaches Aufatmen.

      „Tidelit. Aber nur, wenn das nie wieder vorkommt, General. Dann nämlich sähe ich mich gezwungen, Sie ...“

      „Es wird nie wieder vorkommen, Mimo! Wir werden alle darauf achten. Aber könnten wir … ich meine … könnte unser verehrter Autor jetzt langsam anfangen mit der Fortführung seiner Erinnerungen an uns? Ich meine, er sitzt am längeren Hebel und kann uns allen, wenn er sauer ist, eine lange Nase machen. Also schreiben.“

      „Jan hat recht, Mimo. Oder Segelohren. Oder die Haare ausfallen lassen. Oder ...“

      „Tidelit. Danke, Laura. Ich besitze zwar keine Haare, die er mir ausfallen lassen könnte, aber auch ich bin darauf gespannt, was er weiter berichten wird. Und sollte er aus menschlicher Eitelkeit irgendwelche Dinge behaupten, die so nicht stimmen, werde ich sofort eingreifen. Tidelit.“

      „Kannst du nicht endlich dieses dämliche Tidelit sein lassen, Mimo? Das kann einen ja ...“

      Drei Stimmen: „General!“

      Ein Knurren. „Ich bin ja schon still. Also dann … bitteschön, Mimo ...“





      Bin ich jetzt dran? Kein Dazwischengequatsche mehr? Also gut, scheint so. Also wir waren stehen geblieben bei den Leonen und einer scheinbaren Annäherung mit ihnen. Sie wollten unser Uran zum Fortbestand ihrer Zivilisation, wir brauchten es aber auch zum Fortbestand unserer Zivilisation. Das sah nun nicht gerade nach einer baldigen Einigung und ewigem Frieden aus, und unsere Freunde Jan Tenner, Laura, Professor Futura und General Forbett blieben entsprechend wachsam. Und Mimo, der geniale Bordcomputer des Zeitraumschiffs SILBERVOGEL, natürlich auch.

      „Tidelit – das will ich wohl meinen. Tidelit!“

      Ein Seufzen, ich glaube, es war mein eigenes. Man traute also dem Frieden nicht und tatsächlich schafften es die Leonen, unsere Helden mit ihrem Schiff aus dem Sonnensystem heraus zu locken, bevor sie mit einer Riesenflotte die Erde angriffen, besetzten und mit einem Energieschirm vom Rest des Universums abschnitten, den auch der schnell zurückgekehrte SILBERVOGEL nicht zu durchbrechen vermochte. Dann erhielten sie jedoch einen heißen Tipp – nämlich dass sie den Schirm knacken könnten, wenn sie den so genannten Stein der Macht in ihren Besitz brächten. Ein erster Hinweis führte zum Wasserplaneten Lyra, wo sie zwar einige haarsträubende Abenteuer erleben mussten, am Ende aber ohne den Stein der Macht da standen.

      Um einmal kurz das Thema zu wechseln: Auch für mich gestaltete sich diese Zeit etwas ratlos. Hatte ich bisher, neben JAN TENNER natürlich, nur in meinem Dichterstübchen unter dem Dachjuchhe gesessen oder im Sommer im Garten die Abenteuer meiner anderen Helden in meine noch keinen Strom fressende Schreibmaschine gehämmert, so bekam ich, nach dem tragischen Tod eines Kollegen, aus dem fernen Rastatt im Vorland des Schwarzwalds ein Stellenangebot als Fachredakteur, das mir so lange schmackhaft gemacht wurde, bis ich es, nach Abstimmung mit dem Rest meiner kleinen Familie, nicht mehr ausschlagen konnte. Der Umzug mit Drum und Dran wäre eine Geschichte für sich, dürfte aber hier niemanden ernsthaft interessieren. Was aber JAN TENNER betraf, so hätte ich, laut Arbeitsvertrag, daran gar nicht weiter schreiben dürfen. Nicht einmal an meinen bisherigen Serien, für den eigenen Verlag, durfte ich weiter werkeln. Das rührte die Götter des freien Schriftstellertums so sehr zu Tränen, dass, nach Tagen ununterbrochenen Starkregens, die durch Rastatt fließende Murg sich in einen reißenden Strom verwandelte und die halbe Stadt weg zu schwemmen drohte.

      „Tidelit! Jetzt erzählt er aber haarsträubenden Unsinn! Das möchte ich nur bemerkt haben. Tidelit!“

      Ist ja schon gut, Mimo. Der Dauerregen hörte dann ja auch sofort auf, als sich einer der Götter meiner und der Serie erbarmte und dafür sorgte, dass es doch mit JAN TENNER und mir weiter gehen konnte. Es lief jetzt nur alles ziemlich konspirativ ab. Während der Arbeit konnte ich nicht mit Berlin telefonieren – es gab da immer am Monatsende diese dämlichen Listen mit den ganzen Telefonverbindungen -, also mussten die Gespräche nach Feierabend oder in Pausen geführt werden. Abends verfasste ich die neuen Exposés für die jeweils nächsten drei Folgen, schickte sie ab (noch im ganz normalen Brief auf ganz normalem Papier), und ein oder zwei Wochen später meldete meine Frau mich beim Verlag krank oder ich selbst erfand dieses und jene Begräbnis eines nahen Verwandten oder Bekannten, zu dem ich nun wirklich unbedingt hin müsste.

      Natürlich ging es tatsächlich früh morgens per Taxi die 150 Kilometer zum Flughafen Stuttgart, der einem das Gefühl gab, eine Reise in die Zeit vor dem letzten Krieg gemacht zu haben. Selbst Köln-Bonn war dagegen modern. Die Piloten streikten aber noch nicht, Maschinengewehre wie zu RAF-Zeiten sah man auch nicht mehr und wenn man nicht gerade einen alten British Airways-Clipper erwischte, kam man auch relativ wohlbehalten in Berlin an, wo spätestens zum, wie immer, ausgedehnten Mittagsmahl im besten Lokal die Exposés besprochen und von Frau Buschenhagen und Herrn Blatz weitere und immer bestens passende Ideen mit eingeflochten wurden. Groß geändert hatte sich also nichts, das Ganze war nur etwas … naja, prickelnder geworden. Nie war das Pseudonym Kevis Hayes wertvoller als damals.

      Aber bevor Mimo wieder anfängt zu …

      „Tidelit – Vorsicht, mein Freund! Pass gut auf, was du sagst! Tidelit“

      Also bevor Mimo wieder einen berechtigten Einwand hervor bringt, schnell zurück zur Handlung. Gesucht, und zwar fieberhaft, wurde noch immer der Stein der Macht, mit dem sich der Schild um die Erde knacken und sie von den Leonen befreien ließ. Der SILBERVOGEL düste von einer Station im All zur anderen, um die Sieben Prüfungen abzulegen, die zum Stein führten. Kaum von der Wasserwelt Lyra entkommen, wurde er von einem unbekannten Riesenraumschiff eingefangen, dann ging es zu einem Planeten mit riesigen Monsterbäumen, dann endlich schien die „Welt der 1000 Wunder“ gefunden zu sein, auf der unsere Helden aber erst einmal gehörig verschüttet wurden. Es waren alles spannende Abenteuer für sich, der Rote Faden war die Suche nach dem ominösen Stein der Macht und die Geschichte mit den sieben Prüfungen und dem Planeten der angeblich 1000 Wunder.

      Aber das ist ja alles bekannt und kann im Zweifelsfall von der „erwachsenen Männern“ nachgelesen und erklärt werden, die auf youtubeJAN TENNER diskutieren, wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit ohne Frauenquote. In Folge 23 wurde dann wahrhaftig der Stein der Macht gefunden und die Erde von den Leonen befreit.

      Wie gesagt – das alles waren, so hoffe ich, spannende Einzelfolgen, Einstein wurde auch nicht vergessen und spendierte Futura einen Auftritt als haarsträubendes Monster, aber was fehlte – was mir fehlte -, war der Kick. Etwas, das sich aufbauen und über mehrere Folgen hinaus entwickeln konnte. Etwas Geheimnisvolles, das die Hörer die nächsten Folgen nicht abwarten ließ, so wie die ersten Auftritte von Zweistein oder die wahren Motive der Leonen.

      Die Sonne blähte sich auf und drohte zu explodieren – Einsatz der Freunde und Problem gelöst. Ein hungriger Neutronenstern droht den SILBERVOGEL, wie schon ganze Planeten zuvor, einzufangen und sich einzuverleiben – Einsatz der Freunde und Problem gelöst.

      Und dann …

      Dann auf einmal …

      Ein Bild vor Augen (also dem inneren Auge, natürlich). Eine Frau, eine rassige, atemberaubende Frau, keine zerknautschte alte Mumie wie Zweistein. Und ein Name. Ein guter, schöner, richtig geiler Name:

      SEYTANIA!

      Und Seytania besaß auch schon einen Hintergrund. Sie war eine Königin, eine dämonische Königin der Puppen. Einen Vater, einen mächtigen Vater, hatte sie auch – Logar. Vor allem aber hatte sie Pläne mit Jan Tenner, doch darauf könnt ihr jetzt erst mal gespannt sein bis zur nächsten Folge der – von Mimo hoffentlich genehmigten – Erinnerungen. Gespannt wie …

      Zwei Dreikäsehochs auf einem Flohmarkt während eines Heimaturlaubs in Bergheim. Sie hatten die üblichen alten Decken unter sich und ihren Heften, Büchern, alten Schallplatten vom Papa ausgebreitet – und eine Kiste mit Musiccassetten, die sogar ziemlich neu aussahen. Die mir sogar ziemlich bekannt vorkamen. Ich bückte mich, nahm mir eine und tat so, als müsse ich den Rückklappentext erst mal lesen.

      „Die sind klasse!“, sagte einer der Zwei. „Drei Mark das Stück.“

      Ich gab sie ihm grinsend zurück. „Weiß ich. Ja, die sind wirklich klasse.“

      „Sie hören echt sowas?“, fragte er ungläubig.

      Ich schüttelte den Kopf. „Nee, ich schreib sowas. Also, ich hab mir das ausgedacht und geschrieben, das mit Seytania.“

      Beide guckten sich an, lachten dann und meinten: „Na klaaaaaar ...“

      Die Folge, die ich mir angesehen hatte, war die zuletzt erschienene, der Anfang der Seytania-Handlung. Ich lachte auch und gab ihnen einen kleinen Abriss von dem, was da als nächstes passieren würde.

      Beim nächsten Heimatbesuch war wieder Trödelmarkt. Und wieder mit den zwei jungen Helden. Als ich diesmal vor ihren Decken stehen blieb, wollten sie keine drei Mark mehr für ihre neuesten Folgen, sondern ein Autogramm, was den Preis gleich ums Doppelte in die Höhe schraubte.

      Wunder gibt’s eben nicht nur weit draußen im Weltraum, sondern manchmal auch hier auf Erden … :)





      „Und, Mimo, war bisher alles korrekt, was unser Autor diesmal verzapft hat?“

      „Tidelit – ich befinde mich noch in der Zeitrecherche, Jan.“

      „Pah!“ Ein Schnaufen. „Das mit dem Flohmarkt war ja wohl unterste Schublade! Das hat dieser Hayes doch von vorne bis hinten erfunden, um sich in ein gutes Licht zu setzen. Um das zu wissen, brauche ist kein … kein Ding mit Zeitrecherche und …!“

      Schweigen im Äther.
      Du aufgemotzter Taschenrechner"(zu Mimo)! Da habe ich förmlich Heinz Giese(Forbett)im Ohr *lach*

      Hallo Horst! Wieder ein Top-Erinnerungsbericht !Kurzweilig dieser Wechsel von Erinnerungen und den Dialogen des Tenner Teams. Habe ich gerne gelesen. thx. Fast ein: Jan Tenner Reloaded. Der Stein der Macht Zyklus, inkl. Totenschiff, finde nach wie vor mit die besten Folgen der Reihe.

      Die Jungs vom Flohmarkt vergessen die begegnung mit dir bestimmt nicht mehr :) . Bin wieder gespannt auf deinen nächsten Teil Erinnerungen der dann wie du erwähntest - in Richtung Seytania & Co (ab Folge 28) geht.

      Edit: Früher war meine Lieblingsfolge bei dem derzeitigen Wetter übrigens - JT 25 Die Explosion der Sonne :thumbup:
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