Seicht oder nicht seicht ...

      Seicht oder nicht seicht ...

      ... das ist hier die Frage. ;)

      In einem anderen Thread bin ich noch einmal über folgende Aussage "gestolpert".

      T-Rex schrieb:

      Seichte Krimikost, die von der ersten bis zur letzten Minute Spaß macht.


      Bisher habe ich mich das noch nicht gefragt, weil man ja durchaus gefühlsmäßig eine gewisse Vorstellung davon hat. Dennoch bin ich jetzt neugierig. Und ich weiß, dass der Übergang sicher fließend ist, aber wann hört ein Krimi, Krimihörspiel (oder auch andere Geschichte) für euch eigentlich auf, "seicht" zu sein? Welche Kriterien müssen für euch erfüllt werden?
      "Was sagt man darüber, wie man Bücher schreibt? Man denkt sich etwas aus und zwingt sich, es aufzuschreiben."

      Ariadne Oliver, Poirot: Wiedersehen mit Mrs. Oliver
      Interessant! Danke für diesen Beitrag!!!
      Man benutzt ja dieses Wort und denkt, dass jeder eine Vorstellung darüber hat - hat bestimmt auch jeder - aber diese ist wohl nicht gleich.

      ​Für mich persönlich bedeutet "seichte" Krimikost, dass es sich um ein Kriminalhörspiel mit einem überschaubaren Inhalt handelt, der relativ unblutig ist und mit wenig Gewalt auskommt bzw. Gewalt, die nicht überzogen dargestellt und angewendet wird. Im Fernsehen war es für mich früher immer der klassische Freitag-Abend-Krimi auf dem ZDF (Derrick, Der Alte, Ein Fall für Zwei).
      Eines dieser Wörter die ich versuche zu vermeiden, weil ich es als doppeldeutig empfinde. Einerseits wie T-Rex es beschrieb, das würde ich dann halt "Cozy Crime" nennen, andererseits kann es aber auch abwertend gemeint sein - das ist mir zu seicht = das ist mir zu banal, erfüllt meine Erwartungen nicht.

      T-Rex schrieb:

      ​Für mich persönlich bedeutet "seichte" Krimikost, dass es sich um ein Kriminalhörspiel mit einem überschaubaren Inhalt handelt, der relativ unblutig ist und mit wenig Gewalt auskommt bzw. Gewalt, die nicht überzogen dargestellt und angewendet wird.


      Das ist interessant. Überschaubarer Inhalt ist klar. Das geht in die Richtung von Fastos Beitrag: "Seicht" im Sinne von "banal". Oder? Überschaubar an sich ist schließlich erst einmal wertneutral. Man kann sicher auch mit begrenztem Personal und geradliniger Handlung Spannung schaffen.

      Mit dem zweiten Aspekt, der Zunahme von physischer oder psychischer Gewalt bewegen wir uns dann immer mehr in Bereiche anderer Genres (Thriller, Slasher, Horror, Gore). Sind - überspitzt formuliert - Krimis dann also per se seicht? Und gibt es dann überhaupt seichte Thriller? Oder lässt sich Seichtheit nicht doch in allen Genres finden?

      Von daher gefällt mir Fastos Begriff "Cozy Crime" sehr gut, da es auch eine bestimmte Atmosphäre beschreibt, die vielleicht seichter empfunden werden kann als härtere Stoffe, die aber inhaltlich deshalb trotzdem nicht immer seicht im Sinne von banal sein müssen.
      "Was sagt man darüber, wie man Bücher schreibt? Man denkt sich etwas aus und zwingt sich, es aufzuschreiben."

      Ariadne Oliver, Poirot: Wiedersehen mit Mrs. Oliver
      Interessante Frage und interessante Antwort von @T-Rex. Es ist wirklich schwierig, das zu definieren, obwohl man für sich doch klar zu wissen glaubt, was seicht ist und was nicht. Für mein Verständnis hat es mit der Frage von Brutalität bzw. Gewaltdarstellungen gar nichts zu tun, sondern mit der (fehlenden) Tiefe bezüglich Thema, Handlung und Figurenzeichnung.

      So gibt es meines Erachtens z. B. Krimis, die gänzlich ohne Gewaltdarstellungen auskommen, aber alles andere als seicht sind. Um bei Fernsehproduktionen als Beispiele zu bleiben: Viele Fälle der Reihe 'Schwarz-Rot-Gold' um Zollfahnder Zaluskowksi fallen mir ein, durchaus auch die ersten Folgen von 'Ein Fall für Zwei'. Die kamen nämlich anfangs häufig ohne Morde aus, behandelten aber menschliche Dramen oder gesellschaftlich relevante Fragen und Probleme.

      Ohne dass ich jetzt eine perfekte Definition liefern kann würde ich mich der Frage, ob etwas seicht ist oder nicht, tatsächlich vom Wort her nähern: Ein Gewässer ist seicht oder tief - und genau so ist es bei einem Buch, Film oder Hörspiel. Und das kann auch sehr ruhig und gewaltfrei zugehen, denn schließlich sind ja stille Wasser tief...
      Das Leben ist eine wilde Reise! Gefährlich! Unvorhersehbar! Voller Überraschungen - selbst wenn du es damit verbringst, irgendwo auf einem Stuhl an ein und derselben Stelle sitzen zu bleiben. (Walter Moers)
      Ich glaube für mich ist der Begriff seicht in Bezug auf eine überschaubare Handlung nicht so negativ behaftet, wie scheinbar bei euch. Ich für mich möchte seicht nicht mit banal gleichsetzen. Eher tendiert es in Richtung überschaubar, mit nicht so starken bzw. komplizierten Tiefen in der Handlung.

      Der Begriff "Cozy Crime" gefällt mir auch sehr gut.
      Wenn ich das Wort seicht in Verbindung mit einem Krimiplot lese, denke ich an einen oder mehrere dieser Punkte:
      1. die Handlung ist wenig komplex und ggf. vorhersehbar
      2. niemand, für den der Hörer Zeit hat, positive Gefühle zu entwickeln, kommt zu Schaden
      3. die Hauptpersonen durchlaufen keine persönliche Entwicklung während der Geschichte, sie sind nicht wirklich betroffen und am Ende der Geschichte somit die gleiche Person wie am Anfang
      Im Umkehrschluss sind dann diese Punkte Erkennungsmerkmale für eine nicht-seichte Geschichte.
      They call me the Fader. Which is what I'm about to do.

      Die deutsche Rechtschreibung ist Freeware, d.h. man darf sie kostenlos nutzen.
      Allerdings ist sie nicht Open Source, d.h. man darf sie nicht verändern oder in veränderter Form veröffentlichen.
      Das ist ein sehr spannendes Thema. Ich selbst sehe „seicht“ jetzt auch nicht unbedingt nur negativ. Seicht bedeutet „nicht tief“, was wiederum bedeutet dass man nicht ertrinken kann, sich in Sicherheit wiegt, man schnell rein und raus gehen kann und viele andere positive Aspekte wenn man beim Bild des seichten Gewässers bleibt. Auf ein Hörspiel bezogen, bedeutet dies, dass der Hörer sehr rasch im Hörspiel „drinnen“ ist, es also keine elendslange Einleitung braucht. Man braucht kein großes Vorwissen („ertrinkt“ also nicht an Informationen), es geht nicht so „hart“ zu, also nicht zu brutal, zu heftig, zu blutig und ähnliches. Was wiederum dafür sorgt dass seichte Hörspiele oft für eine Familie und für Menschen jedweden Alters leicht zu hören ist. Und man ist auch rasch wieder aus dem Hörspiel draußen, dass bedeutet dass es einerseits nur eine relativ kurze Länge aufweist, also angenehm für zwischen durch zum hören ist
      und einem andererseits nicht Tage lang beschäftigt. Letztendlich bedeutet seichte Unterhaltung für mich oftmals eine kurzweilige Unterhaltung. Für mich gehören Pater Brown, Lady Bedfort,Ordensschwester Amelie, Sherlock Holmes, Morgan & Bailey, Van Dusen und ähnliches dazu. Eigentlich alles sehr unterhaltsame Serien für mich. Seicht ist für mich nicht gleichbedeutend mich schlecht und eigentlich auch nicht zwingend mit banal. Zu bestimmten Zeiten sind solche seichten Hörspiele genau das Richtige für mich. Bei Cozy Crime muss ich immer an Klohpapier denken ;)

      Mögt ihr seichte Hörspiele?

      Geht so. Eigentlich hat für mich persönlich „seicht“ schon ein wenig etwas negatives. Ein richtiger Krimi muß für mich z.B. spannend sein. Nur wird „seicht“ ja von jedem auch anders empfunden, ähnlich wie beim Würzen von Speisen. Auch gibt es Hörspiele, die die Messlate sehr hoch legen, was die Spannung angeht, fällt jetzt dadurch jedes andere Hörspiel in ein seichtes Stück zurück? Diese Betrachtung wäre für mich nicht fair, denn z.B. ein Sherlock Holmes und Prof. van Dusen sind nun mal keine Thriller a la Carl Mørck, aber für sich betrachtet sind sie für mich auch nicht zwingend „seichte“ Kost. Sicher gibt es den einen oder anderen Fall innherhalb der Serien, der seicht ausfällt. Der Begriff „seicht“ hat etwas von „lasch“ Gewürzt, wenn wir schon mal bei Vergleich mit dem Essen bleiben. Ich bevorzuge eher gut gewürzte Hörspiele. ^^

      Markus G. schrieb:

      Mögt ihr seichte Hörspiele?


      Ich mag sie, sonst würde ich nicht in diesem Bereich schreiben. Wobei ich hoffe, dass ich trotzdem hier und da ausreichend Gewürze darüber streue, damit sie nicht zu lasch und langweilig werden. ;)
      "Was sagt man darüber, wie man Bücher schreibt? Man denkt sich etwas aus und zwingt sich, es aufzuschreiben."

      Ariadne Oliver, Poirot: Wiedersehen mit Mrs. Oliver

      Markus G. schrieb:

      Mögt ihr seichte Hörspiele?


      Ein ganz klares Ja. :D

      Zum Abschalten ist ein seichtes (=leichtes) Hörspiel genau richtig. Für mich ist es eine Geschichte, bei der ich der Handlung folgen kann ohne nebenbei eine Zeichnung davon zu machen. Mich einfach aufs Sofa werfen und berieseln lassen. Daher wird "seicht" bei mir nicht negativ verwendet.

      Fader schrieb:

      1. die Handlung ist wenig komplex und ggf. vorhersehbar, 2. niemand, für den der Hörer Zeit hat, positive Gefühle zu entwickeln, kommt zu Schaden, 3.die Hauptpersonen durchlaufen keine persönliche Entwicklung während der Geschichte, sie sind nicht wirklich betroffen und am Ende der Geschichte somit die gleiche Person wie am Anfang


      Ich denke, vieles im Hörspielbereich kann man da auch als Ausrede sehen aka -kurzweilige Unterhaltung für nebenbei-, denn neben Faders Punkten, die man durchaus negativ auffassen kann, kommt für mich noch ein überschaubarer Cast (man las es ja schon, dass da auch gewisse Vorgaben seitens des Labels gemacht werden können, dass man nicht zuviele Sprecher bezahlen möchte), im besten Falle schafft man es da auch dann gleich noch nichtmal, mehr als einen Verdächtigen zu etablieren, und leider auch die Vorhersehbarkeiten... Das ist manche 5Freunde-Folge unvorhersehbarer!

      Auch werden Plotpunkte manchmal etwas zu offensichtlich eingeführt (wenn eine Person mehrfach gesagt bekommt, sie rieche gut, na dann wird das wohl noch eine Rolle spielen, oder in Neu van Dusen muss Hatch geschätzte 5mal "Diese Augen!" sagen, reicht da nicht einmal? bzw. könnte man das noch mehr kaschieren, in dem die Person vielleicht auch schöne Ohren hat o.ä. Bisschen Glatteis halt!
      Seicht heißt für mich nicht gleich schlechter als nicht seicht.
      Es kommt einfach auf die Geschichtge an.
      Auch ein sehr seichter Krimi, der evt. in nur einem Raum spielen würde, kann durchaus in seinen Bann ziehen.
      Das Gegenteil von seicht, wäre für mich, mit viel Getöse und Bombast. Viel Blut usw.
      Das muss es für mich aber lange nicht immer sein.
      Da bin ich auch Fan der alten Miss Marple Filme. Die sind für mich seichte Kost. Und das würde ich mir jederzeit auch auf CD kaufen. Aber den Charme kann man wohl nicht kopieren.
      @Akita Takeo schrieb...
      Da bin ich auch Fan der alten Miss Marple Filme. Die sind für mich seichte Kost.


      Einspruch euer Ehren! #haemmern#
      Ich bin auch ein großer Fan der alten Miss Marple Filme und verwahre mich dagegen, die als „seichte“ Kost abzustempeln. ;( Was habe ich mich früher, beim ersten Anschauen, gegruselt und fand die super spannend. Der Begriff „seicht“ wäre mir da nie in den Kopf gekommen.
      Nachdem ich sie nun schon x-mal gesehen habe, ja ok... aber, nein halt... seicht... niemals. ^^
      Ja ja, schon gut... habe verstanden, wenn dies die Definition von "seicht" ist, dann mag ich´s hin und wieder auch seicht. Ich geb´s ja zu, seicht muß nicht negativ sein. :rolleyes:

      Aber, wenn wir mal bei Miss Marple bleiben... ich meinte dies schon ernst... damals waren die für mich nicht seicht. Ist halt auch manchmal eine Altersfrage. So kann es also wirklich sein, das so manches "seichtes" Hörspiel für unsere Kinder/Jungend zum "gruseligem" Erlebnis werden. ;)
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