Insel-Krimi - eine neue Serie bei Contendo

      Ich fand 'Die Toten von Juist' ganz ordentlich und unterhaltsam. Die Geräuschkulisse brachte Inselfeeling rüber (auch wenn die Möwen manchmal wie eine Affenhorde klangen). Die Sprecher waren fast durch die Bank gut (lediglich eines der Mädels aus der Rückblende klang ziemlich abgelesen).

      Die eigentliche Handlung ist recht gradlinig und schnell erzählt, ein durchaus typischer Thriller vom Reißbrett. Und das muss ja überhaupt nicht negativ sein. Genretypisch ist die Motivation des Täters für die Morde aber... nun ja, sagen wir mal: unglaubwürdig bis eigenwillig. Aber das gilt natürlich für 90% vergleichbarer Thriller, seien es Romane oder Filme. Wer hier vielschichtige und psychologisch stimmige Abläufe erwartet nimmt sich letztlich selbst den Spaß am Hörspiel. Im Gegensatz zu @T-Rex fand ich aber das 'Warum' jetzt nicht sonderlich überzeugend. Jeder Jeck hört halt anders.

      An vielen Stellen hatte ich das Gefühl, dass man sich noch nicht so recht entscheiden konnte oder wollte: Reißerischer Thriller oder doch eher Häkelkrimi? Der Thriller war durchaus heftig und spannend war das Finale allemal, weil man ja wirklich nicht wissen konnte, ob es gut ausgehen würde oder nicht. Die Figurenzeichnung hingegen erinnerte eher an gemütlichere Produktionen. Dies setzte sich auch in der Musik fort: Einleitung und Abspann könnten problemlos eine Folge 'Miss Marple', 'Morgan & Bailey' oder ähnliches einrahmen, im Hörspiel selber hingegen bekommen wir dann aber treibende, die Spannung steigernde Klänge auf die Ohren.

      Das klingt jetzt wahrscheinlich alles viel negativer als es gemeint ist. Alles in allem hat das Hören wirklich Spaß gemacht und das Hörspiel hat auf keinen Fall enttäuscht. Ist für mich so eines, bei dem ich wahrscheinlich in Zukunft auch eher warten werde, ob es via Stream zu hören ist.
      Das Leben ist eine wilde Reise! Gefährlich! Unvorhersehbar! Voller Überraschungen - selbst wenn du es damit verbringst, irgendwo auf einem Stuhl an ein und derselben Stelle sitzen zu bleiben. (Walter Moers)
      Seit Klaus-Peter Wolfs Ostfriesenkrimis so erfolgreich sind liegen in den Buchhandlungen ja massenhaft Nord- & Ostseekrimis aus. Und nun gibt es auch eine Hörspielserie zu diesem Thema.

      Die erste Folge hat mir gut gefallen. Der Einstieg in die Handlung ist schon mal ein Schocker. Danach geht es spannend weiter, ohne zu aufregend zu werden. Einfach ein guter geradliniger Krimi, der dann erst zum Finale aufdreht. Wie @Stollentroll geschrieben hat, ist das Vorgehen des Täters schon sehr eigenwillig, aber typisch für Thriller/Krimis dieser Art. Das Ganze könnte auch echt ein Fall für Ann Kathrin Claasen sein...

      Die Atmosphäre in der Folge hat mir gut gefallen. Da ich noch nicht auf Juist war, weiß ich nicht, wie genau die Beschreibungen während der Kutschfahrt waren. Aber zumindest wirkten sie sehr echt.

      SashOne87 schrieb:

      Das maritime Feeling und die gesamte Geräuschkulisse mit Wasser, Möwen, etc. ist genau meins.

      So geht mir das auch. Mit Möwengeschrei verbinde ich immer Urlaub.


      Die Sprecher waren auch richtig gut. Besonders gefallen hat mir Daniele Bette-Koch, die ich schon in der Lindenstraße sehr gern sehe. Auch hier spricht sie sehr natürlich. Schön, dass sie nun auch in einer Hörspielserie eine Hauptrolle hat. Sie und Markus Pfeiffer geben ein sympathisches Ermittlerduo ab. Erwähnen muss man aber auch Celina Walter als Jette. Sie klingt auch total natürlich und macht einen tollen Job.

      Nach Morgan & Bailey habe ich nun wohl schon wieder eine neue Serie angefangen zu sammeln... na egal. ;)

      Borkum sehen und sterben

      Der zweite Insel-Krimi hat mir auch gut gefallen.

      Der Fall ist diesmal ein bisschen verzwickter als in der ersten Folge und die Ermittler kommen nicht ganz so schnell hinter das Motiv - aber die Auflösung macht dann doch Sinn. Wirklich ausgefallen ist das ganze zwar nicht, aber trotzdem wird man hier sehr gut unterhaltsam.
      Diese Serie scheint auch mehr von dem Zusammenspiel der beiden Hauptcharaktere zu leben als von den Mordfällen. Und es macht echt Spaß den beiden zuzuhören.

      Wie schon in der ersten Folge kommt auch hier die Inselstimmung gut rüber.

      Mein Highlight waren aber die wilden Hilden. Jeder der schon einmal am Wochenende im Regionalzug in so eine Damentruppe geraten ist, weiß genau was Nele Röwekamp meint :)

      Kleiner Logikfehler: bei der Besichtigung des ersten Tatortes duzt Nele Arne obwohl sie sich sonst siezen...
      Der zweite Fall war für meinen Geschmack ein rundum gelungener, überzeugender Krimi. Wie @Wesley schon angemerkt hat ist das alles nicht wirkklich ausgefallen, aber man muss das Rad ja auch nicht ständig neu erfinden wollen. Die Auflösung kann man sicher so akzeptieren. Es ist bei Krimis dieser Machart aber immer etwas schade, wenn man wichtige Puzzleteile, die man benötig hätte um miträtseln zu können, erst am Ende bei der Auflösung erfährt. Da liegt Verbesserungspotenzial für zukünftige Folgen.

      Sprecher, Dialoge, Sounddesign, Musik: Alles bewegt sich auf gutem Niveau, da gibt es nichts zu meckern. Obwohl: Was sollte eigentlich dieses nervtötende Summen im Hintergrund, wenn in den Künstlerkabinen ermittelt wurde? Das konnte ich nicht so richtig zuordnen und fand es vielleicht genau deshalb störend.

      Ganz ähnlich wie bei 'Morgan & Bailey' lebt auch diese Reihe zu einem großen Teil von der Chemie zwischen den beiden Hauptpersonen. Man muss kein Prophet sein um vorherzusagen, dass die Gefühle der beiden füreinander in kommenden Folgen sich noch weiter entwickeln werden. Ich wage mal die Vermutung, dass für die Charakterzeichnung und das Figurengeflecht Timo Reuber zuständig ist. Zumindest ist mir in den Hörspielen, die Markus Topf alleine geschrieben hat, nie aufgefallen, dass gerade dieser Aspekt so gut umgesetzt wurde. Passt auf jeden Fall super und gefällt mir ausgesprochen gut.

      Mein Highlight in dieser Folge waren die Auftritte von Rita Engelmann und Joachim Tennstedt. Zwar hatte ich die ganze Zeit 'Morgan & Bailey' vor dem inneren Auge, aber egal: Die beiden sind einfach gut und insbesondere Frau Engelmann konnte in ihrer Rolle überzeugen.

      Nach Folge 1 war ich mir noch nicht sicher, ob ich an dieser Serie dranbleiben würde, aber der Würfel ist jetzt gefallen. Beim nächsten Ausflug auf eine Insel bin ich sicher wieder dabei.
      Das Leben ist eine wilde Reise! Gefährlich! Unvorhersehbar! Voller Überraschungen - selbst wenn du es damit verbringst, irgendwo auf einem Stuhl an ein und derselben Stelle sitzen zu bleiben. (Walter Moers)

      Eisenhut und Sylter Spitze

      Ich hatte gar nicht mitbekommen, dass eine dritte Folge angekündigt war und war ganz überrascht, als ich sie entdeckt habe.

      ​Aber so richtig toll ist sie nicht.

      ​Das liegt zum einen daran, dass hier überhaupt keine Inselstimmung aufkommt. Die ganze Geschichte könnte überall spielen, völlig egal ob in einem bayrischen Dorf, in Niedersachsen oder halt auf einer Insel. Dass das ganze auf Sylt spielen soll merkt man eigentlich nicht.

      ​Spannung kommt auch nicht auf, aber ich glaube das soll es auch gar nicht. Mittelpunkt sind die beiden Rentnerinnen und der Postbote und nicht der "Fall". Das ganze versucht irgendwie charmant zu sein, aber irgendwie kommt nicht viel rüber und es rutscht dann doch öfter mal ins "Klamaukige" ab.

      ​Und ein weiter Schwachpunkt ist die Besetzung mit Katja Brügger. Ich höre sie echt gerne, aber ich nehme ihr zu keinem Moment eine über 70jährige Rentnerin ab. Das passte überhaupt nicht.

      ​Mal sehen, wie es mit den Insel-Krimis weitergeht. Ob es weitere "Ermittler" gibt oder ob man nächstes mal wieder einen Fall mit Nele Röwenkamp & Arne Brekewoldt gibt.

      Wesley schrieb:

      Das liegt zum einen daran, dass hier überhaupt keine Inselstimmung aufkommt. Die ganze Geschichte könnte überall spielen, völlig egal ob in einem bayrischen Dorf, in Niedersachsen oder halt auf einer Insel. Dass das ganze auf Sylt spielen soll merkt man eigentlich nicht.


      In der Tat ist dies auch mein größter Kritikpunkt an Folge 3. Die Location ist beliebig austauschbar.

      Ansonsten hat mir die Folge aber große Freude bereitet. Der Fall ist sehr lustig dargestellt und ich unterstelle mal, dass der Klamauk bzw. die doch sehr lustigen Szenen und vor allem die super lustigen Dialoge so gewollt waren und man damit die Atmosphäre untermauern wollte. Die Besetzung fand ich vollkommen gelungen. Ne genaue Besprechung meinerseits wird folgen.
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