Rezension: «Gespenster-Krimi 11: Das Tor zur Hölle» (Contendo/Audionarchie)

      Rezension: «Gespenster-Krimi 11: Das Tor zur Hölle» (Contendo/Audionarchie)

      Geht es nach gewissen Zeitgenossen, dann öffnet sich am 20. Januar diesen Jahres für die Menschheit mit der Amtseinführung von Donald Trump das Tor zur Hölle. So lange wollten Contendo und Audionarchie dann doch nicht mehr warten, sondern wählten als Erscheinungstermin für Gespenster-Krimi 11: Das Tor zur Hölle Freitag, den 13. Januar 2017. Immerhin auch ein Datum, das bei abergläubischen Leuten die Alarmglocken schrillen lässt. Alarmiert ist in GK11 auch der Vatikan, denn es sieht so aus, als sei Abaddon zurückgekehrt, um seinem Boss, dem Teufel, den Weg in unsere Welt zu bahnen. Verhindern soll das der Priester Stefano Manzoni zusammen mit der Archäologin Christine Hammond. Doch die Mächte des Bösen haben natürlich etwas dagegen, dass der Mann Gottes ihnen in letzter Sekunde doch noch die Tour vermasselt.

      Aus dem Bereich der Trivialhörspiele bzw. Groschengruseladaptionen ist Gespenter-Krimi eine der wenigen Reihen, die ich noch aktiv verfolge, nachdem ich Fremdschämserien/-reihen wie Larry Brent von R&B oder Geister-Schocker den Laufpass gegeben habe. Mir gefällt an GK der Mix aus Heftromanvertonungen und eigens für die Reihe geschriebenen Geschichten; auch die mitunter härtere Gangart und dass man nicht vor Splatter zurückschreckt, findet bei mir Anklang. Letztes muss ich nicht immer haben, doch es ist eine willkommene Abwechslung zu den seichten Krimis und den mit eher begrenztem Gruselfaktor ausgestatteten Gruselserien, die der Markt sonst so bereithält.

      Mit Das Tor zur Hölle hat GK11 zweifelsohne einen passenden Titel, geht es in dem Hörspiel doch in der Tat um besagten Durchgang, der (je nach Sichtweise) geöffnet werden oder verschlossen bleiben soll. Nimmt man den Charakter der Geschichte als Maßstab, wäre Jerusalem Jones und der Tempel des Teufels auch ein passender Titel gewesen. Was die Skript-Autoren Markus Topf und Annika Strauss mit GK11 nämlich vorlegen, ist ein durch religiöse Motive unterfüttertes Action-Adenventure mit Mystery-Einschlag und Splatter-Einlagen, das zu Beginn mit einer netten Referenz an GK2: Teufelstocher aufwartet und gegen Ende unter Beweis stellt, dass das Duo Topf-Strauss mindestens einmal Der Exorzist gesehen hat. Ein bunter Genre-Mix also, der freilich seinen Unterhaltungswert primär aus seinem hohen Erzähltempo und der handfesten Action bezieht. Subtilen und sich im Verlauf der Handlung steigernden Grusel hat dieses Hörspiel nicht im Sinn. Durch seine Gradlinigkeit und die Bereitschaft, Glaubwürdigkeit hinter Action und Spannung zurücktreten zu lassen, trägt die Story eindeutig die Handschrift von Contendos Haus-und-Hof-Autor Markus Topf. Denkt man sich die Dämonen und das Tor zur Hölle weg und ersetzt erstere durch brutale Gangster und letzteres durch ein in einer Höhle verstecktes wertvolles Relikt, würde die Handlung auch in Contendos Mord in Serie (MiS) passen. Durch metapysische Elemente angereichert, ergibt das Ganze nun einen Gespenster-Krimi. Und weil es in GK11 um Dämonen, das Tor zu Hölle usw. geht, erübrigt sich natürlich die Frage nach der Plausibilität der Geschehnisse. Wer solche Storys hinterfragt, ist selber schuld. Man muss sich auf sie einlassen und ihren Verlauf akzeptieren oder sich ein anderes Hörspiel bzw. Genre suchen. Denn natürlich ist es klar, dass der Plot sich den Konventionen des Genres nicht entziehen mag und die entsprechenden Klischees bedient. Allerdings verwechseln die Autoren dies mit einem Freibrief, ein und dieselbe Idee innerhalb des Hörspiels gleich mehrfach zu recyceln, wenn insgesamt drei Mal innerhalb der ca. 59 Minuten Laufzeit Dämonen mit Weihwasser zu Leibe gerückt wird. Das wirkt dann schon etwas ratlos oder unbeholfen. Die Idee des Padres, dämonische Käfer mit einem Feuerlöscher zu bekämpfen, hat hingegen was. Manchmal braucht es eben keine Bibelsprüche usw., sondern die ganz profanen Dinge des Alltags tun es auch. Gut zu wissen. Ist der Tempel schließlich ausfindig gemacht, die geheime Wandinschrift (natürlich in Reimform kodiert – DDF lässt grüßen) entziffert und die verborgenen Türen geöffnet, dauert es auch nicht mehr lange bis zum Showdown, bei dem sich Topf und Strauss eine kleine Hintertür offengehalten haben. Angeblich plant man einen weiteren Teil, der dann aus GK2, GK11 und GK? eine Trilogie machen würde. Sollte es tatsächlich so kommen, wäre es schön, wenn die Charaktere mehr Profil bekämen als es dieses Mal der Fall war. Und vielleicht wäre es auch eine Idee, dann auf den Erzähler zu verzichten. Markus Topf kommt in der Regel ohne Erzähler aus; und auch bei GK11 wäre es unterm Strich ohne gegangen, denn er tut nichts anderes, als Geschehnisse zu erzählen, die man auch in Form von Spielhandlung hätte präsentieren können. Aber wahrscheinlich sollte es ihn geben, weil ein Erzähler zum Stil der Reihe gehört und seine Verwendung außerdem Laufzeit spart.

      Mit Markus Pfeiffer und Jennifer Böttcher in den Hauptrollen ist Gespenster-Krimi 11: Das Tor zur Hölle gut aufgestellt, denn man nimmt den beiden ihre Rollen als Stefano Manzoni bzw. Christine Hammond durchaus ab. Gleiches gilt für Katharina von Keller und Pascal Finkenauer als Red Shirts Esther und David. Des Weiteren sind Robert Missler als Amit (dessen Akzent ich nicht zuordnen konnte), Bernd Stephan, Jan-David Rönfeldt, Robert Levin,Wolf Frass und Joachim Tennstedt zu hören. Jürgen Holdorf gibt den Erzähler An dem, was der Cast hier abgeliefert hat, gibt es aus meiner Sicht nichts auszusetzen. Die Regie führt alle Beteiligten sicher durch die Handlung, die Soundeffekte sind stimmig und die Musik von Andy Muhlack ergänzt passend den akustischen Rahmen, ohne dabei allerdings großartig im Gedächtnis zu bleiben. Passend zum Titel des Hörspiels, geht es auf dem Cover höllisch heiß zu. Und wer schon immer mal wissen wollte, wie Abaddon von hinten ausschaut, kennt nun die Antwort. Der Typ muss ein Vermögen im Fitness-Studio gelassen haben. Aber er hatte ja auch ein paar tausend Jahre lang Zeit zum trainieren.

      Begreift man Gespenster-Krimi 11: Das Tor zur Hölle als ein Hörspiel, das die christliche Vorstellung vom Teufel und der Hölle als Ausgangspunkt nimmt, um auf dieser Basis eine mit Action nicht geizende Abenteuergeschichte zu erzählen, dann kann man dieser Produktion durchaus einiges an Positivem abgewinnen. Erst recht, wenn man sich an eher schlichten Figurenzeichnungen und jener Dosis Splatter nicht stört, die nun einmal zum Stil der GKs gehört. Klassischen Grusel sucht man hingegen vergeblich. Dafür bekommt man einen schnörkellosen Plot, der seine Protagonisten ständig in Bewegung hält und darauf abzielt, sein Publikum ca. eine Stunde lang temporeich zu unterhalten. Das Erzählprinzip von MiS hat Markus Topf durchaus gekonnt auf die Anforderungen der Gespenster-Krimis übertragen und zusammen mit Annika Strauss ein ordentliches Hörspiel geschrieben, mit dem sich kurzweilig eine Stunde verbringen lässt. Und weil es genau das ist, weshalb ich die Reihe Gespenster-Krimi höre, wurde ich von Folge 11 unterm Strich gut bedient.


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