Sherlock Holmes und das Geheimnis des weißen Bandes (WDR 2016)

      Ich habe Es jetzt auch gehört und fand es sehr gut.
      Wie schon geschrieben Geräusche und Musik eher im Hintergrund. Sprecher sehr gut .Auch Klaus Maria Herbst als Professor .

      Da ich das Hörbuch vor einiger Zeit gehört habe und ich dieses einwenig langgezogen von der Story her fand, war ich überrascht wie spannend die Geschichte im Hörspiel umgesetzt war.

      Auch wenn ich nicht so ein Radiohörspiel Fan, diese ist für mich schon etwas besonders.
      „Es gibt, wie bereits festgestellt wurde, zwei Typen von Menschen auf der Welt. Da sind jene, die - wenn man ihnen ein exakt halbvolles Glas reicht - sagen: 'Dieses Glas ist halbvoll.' Und dann gibt es jene, die sagen: 'Dieses Glas ist halb leer.' Die Welt gehört jedoch jenen, die das Glas anschauen können und sagen: 'Was ist mit diesem Glas los? Entschuldigen Sie? Entschuldigen Sie? Da soll mein Glas sein? Mein Glas war voll! Und es war größer!'" (Terry Pratchett)
      Huch, hatte ich mich noch gar nicht dazu geäußert?

      Frank Röth und Gerhard Garbers leisten ohne jeden Zweifel eine hervorragende Arbeit ab, und auch an der Regie ist nichts zu rütteln. Hier hoffe ich sehr, dass der WDR in Zukunft noch weitere Auftritte folgen lässt. Denn obwohl der kommerzielle Markt an Holmes-Produktionen geradezu überschwemmt, und bei weitem nicht alle davon als gut zu bezeichnen sind, muss ich gestehen, dass ich eine aktuelle Radio-Reihe doch irgendwie vermisse.

      Auch der restliche Cast kann durchaus überzeugen. Lediglich bei zwei Rollen, die fürs Holmes-Universum leider nicht gerade unbedeutend sind, habe ich etwas auszusetzen:

      Wie einige andere hatte ich mir zuerst große Sorgen gemacht, hatte ich mir einige Sorgen gemacht, dass Christoph Maria Herbst als Moriarty auftreten soll. Und leider kann er nicht ganz verbergen, dass er mehr Komiker als ausgebildeter Schauspieler ist. Sein Versuch, die Rolle "höflich aber unterschwellig bedrohlich" klingen zu lassen wirken daher teilweise etwas aufgesetzt. Insgesamt hatte ich aber schlimmeres erwartet. Seine Arbeit ist nicht schlecht, aber leider auch nicht wirklich großartig.

      Ein weit größerer Ausreißer ist meiner Meinung nach eher Walter Sittler als Mycroft Holmes. Ich nehme an, seine unterkühlte Art sollte irgendwie britisch distinguiert wirken. Jedoch tritt er hier nicht als hoher Regierungsbeamter auf, sondern als besorgter Bruder. Es passt einfach nicht, wenn er betont dass er sich angst um Sherlock mache, aber dabei so klingt, als würde er den Wetterbericht vortragen.

      Gott sie dank sind die Auftritte von beiden eher klein, so dass auch sie es nicht schaft, den Gesamteindruck großartig zu trüben.


      Kommen wir aber nun lieber zu der Geschichte selbst. An dieser Stelle muss ich einstreuen, dass ich die Vorlage tatsächlich nie gelesen habe (ja, große Bildungslücke. Ich gebe es zu).

      Der erste Teil fängt noch recht vielversprechend an und ist über jeden Zweifel erhaben. Wir werden in das Problem eingeführt, und langsam kommen immer mehr Fakten ans Licht. Hier haben wir Holmes in seiner Reinform. Das ganze gipfelt dann in einem spannendem Finale, um die Ermordung des Junge Ross, der dem Fall noch eine persönliche Note gibt.

      Im zweiten Teil geraten die eigentlichen Ermittlungen leider etwas in den Hintertreff. Statt dessen wird ein neuer Handlungsstrang aufgeschlagen, indem Holmes plötzlich selbst vor Gericht steht. Die Geschichte bleibt dabei zwar weiter spannend, doch ist dies trotzdem ein bereits ziemlich ausgelutschtes Muster, dem es Horowitz auch nicht recht gelingt neue Fassetten abzugewinnen.

      Im dritten Teil haben wir dann Holmes' spektakuläre Flucht aus dem Gefängnis, und schließlich die Aufklärung des Verbrechens. Und hier hapert's dann für mich leider sehr. Ich hatte schon einige Rezensionen zum Roman gelesen, die meinten, dass das Ende etwas kontrovers sei. Und ich muss mich dem anschließen, dass die Erklärung, was das "House of Silk" ist, nicht wirklich in die Welt von Holmes passt. Doch anstatt dies nun den dramatischen Höhepunkt sein zu lassen und den Fall hier zu beenden, läuft die Geschichte noch ein ganzes Stück weiter, da noch einige Fäden offen sind.

      Holmes muss uns nun noch erklären, dass die Hälfte der bisher gefundenen Indizien in Wirklichkeit gar keine waren, da wir es hier nicht etwa mit einem sondern gleich zwei eigentlich völlig unabhängigen Verbrechen zutun haben, in die er zufällig hereingestolpert war. Und irgendwie ist wirklich jede einzelne Person, die wir bisher getroffen haben, in irgendeiner weise für irgendwas dabei schuldig. Sorry, aber das ist für meine Geschmack leider etwas zu fiel des guten.


      Herausgekommen ist eine großartige Inszenierung, für eine gute, aber leider etwas zu ambitionierte Geschichte. Als geneigter Sherlockianer sollte man sie auf jeden Fall einmal gehört haben, aber der Sprung zum Highlight wird leider knapp verfehlt.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Tribble“ ()

      Ich bin bekanntlich kein Fan von Sherlock Holmes, aber hier habe ich eine Ausname gemacht, weil es ein Hörspiel von Pasetevka ist. Ich bin ein großer Fan seiner TV-Arbeiten. Das Hörspiel fand ich nicht gut. Das Grundthema dürfte es bei Holmes noch nie gegeben haben, aber dafür in vielen anderen Krimis der letzten gefühlt 15 Jahre, davor gab es das natürlich auch schon. Sei es in Einzelfilmen oder in Serien. Deshalb finde ich es nur wenig innovativ, wenn das jetz auch mal bei Holmes vorkommt. Die Auswahl der Sprecher wirkt auf mich teilweise zu beliebig. Man hatte halt Sprecher verpflichtet, die gerade Zeit hatten, kann das sein? Ich will gar nicht sagen, dass die Sprecher keine gute Arbeit abgeliefert haben, aber bei Pastevka hab ich mir mehr erwartet. Walter Sittler und Gerhard Garbers haben mir noch am besten gefallen.

      Ich weiß noch nicht, ob ich mir auch noch den Hund von Baskerville von ihm anhören werde. Dieses Hörspiel kenne ich nicht.
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