Der Trotzkopf (1) - Ein Trotzkopf kommt ins Internat

      Der Trotzkopf (1) - Ein Trotzkopf kommt ins Internat

      Im Jahre 1885 erschien das Buch „Der Trotzkopf“ von Emmy von Rhoden. In der ersten Staffel, die vier Folgen umfassen wird, soll das erste Buch hörspielgerecht umgesetzt werden. Verantwortlich hierfür Thomas Birker und sein Dreamland-Team. Doch worum geht es und ist der Auftakt gelungen?

      Ilse Macket ist 15 Jahre alt. Ihre Mutter ist kurz nach der Geburt verstorben. Seitdem hat sich ihr Vater rührend um sie gekümmert. Doch die wirkliche Erziehung fehlt und so kann sich Ilse eine Menge herausnehmen. Ihre Erzieherinnen verlassen die Familie sehr schnell. Seit einem Jahr ist ihr Vater nun mit Anne verheiratet die versucht, Ilse eine gute Mutter zu sein. Doch wirkliche Liebe bringt Ilse ihrer Stiefmutter nicht entgegen. Sie ist ein echter Wildfang und hat ihren eigenen Kopf. Ihren Vater kann sie sehr leicht um den Finger wickeln. Dieser lässt sich von Anne und Pfarrer Wollert dazu überreden, Ilse in ein Pensionat zu geben, damit sie die gewünschte Erziehung dort erhält und sich zu einer standesgemäßen Dame entwickelt. Schweren Herzens stimmt er diesem Vorschlag zu und bringt Ilse in das Pensionat von Fräulein Raimar. Wie wird es ihr dort ergehen und wird der Wildfang neue Freunde finden?

      Der sprecherische Bereich ist wirklich erstklassig besetzt. Als Erzählerin wählte Thomas Birker Katja Brügger. Diese verfügt über eine sehr angenehme Stimme und diese passt zum dargestellten Geschehen. Hauptakteurin Gabrielle Pietermann ist wirklich sensationell und man nimmt ihr die junge und ungestüme Ilse Macket vollkommen ab. Marie Bierstedt übernimmt die Rolle von Fräulein Güssow und liefert ebenso wie Marianne Groß als Fräulein Raimar eine wirklich authentische Darbietung ab. Farina Brock als Nellie Gray möchte ich noch gesondert erwähnen. Sie verkörpert eine Waise aus England und wird Ilses neue beste Freundin. Ihr Dialekt ist toll, macht Spaß und zaubert so manches Lächeln auf das Gesicht. Überhaupt kauft man allen Akteuren ihre Rolle wirklich und ehrlich ab. So bekommen wir unter anderen noch Christina Klein, Katharina von Daake, Christian Rode oder Alexandra Doerk zu hören. Ein wirklich herrliches Gesamtbild in diesem Bereich und das Zuhören wird zu einer echten Freude.

      „Der Trotzkopf“ entführt uns in eine Zeit, in der andere gesellschaftliche Regeln galten, die natürlich in keinem Fall mit den heutigen Normen und Werten verglichen werden können. So soll aus Ilse also eine standesgemäße Dame werden. Zentraler Mittelpunkt der Geschehnisse ist Trotzkopf Ilse, die zwar eine sehr liebevolle, aber eben nicht standesgemäße Erziehung erhalten hat. Klingt eigentlich erst einmal langweilig, denn wie will man es schaffen, den Hörer so zu begeistern und bei der Stange zu halten? Die Mischung hierfür sind Herzlichkeit und liebenswerte Charaktere. Sehr schnell gelingt es, dass sich der Hörer in die einzelnen Figuren hineinversetzt. So versteht man den Vater, der alles versucht richtig zu machen. So versteht man Anne Macket, die Liebe bringt aber diese nicht erwidert bekommt und Ilse doch eigentlich richtig erziehen möchte. So versteht man aber auch Ilse, die bis dato ein unbeschwertes Leben leben konnte und der Lernen keinen Spaß macht. So bringt jeder einzelne Charakter seine ganz individuellen Eigenschaften mit sich. Das Zusammenspiel untereinander ist ebenso vortrefflich wie die Herzlichkeit, die geboten wird. Und gerade diese Herzlichkeit ist es, die wieder die Charaktere auszeichnet. Als vergleichbare Hörspielserie fällt mir eigentlich nur „Anne auf Green Gables“ ein. Die knapp 69 Minuten Laufzeit vergehen schnell und Längen treten keine auf.

      Der musikalische Bereich ist erstklassig. Hier möchte ich eher von einem klassischen Bereich sprechen, der wirklich gut gewählt wurde. So bekommen wir Geigen- oder Klaviertöne zu hören, die sehr dezent gehalten sind. Alles entfernt von bombastischen Klängen, die aber auch nicht zum Geschehen passen würden.

      Insgesamt hat mich die erste Folge wirklich überzeugt. Es ist eine Geschichte, die wirklich herzerwärmend ist und eine absolute Abwechslung zu dem ansonsten Dargebotenen darstellt. Man sollte dieser Reihe eine Chance geben, denn sie bietet wirklich Wärme in vielen trostlosen Stunden. Ich für meinen Teil werde mich jetzt dem Sport widmen, um
      mich dann in aller Ruhe den Geschehnissen der zweiten Folgen „hingeben“ zu können.
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