Blick zurück (Teil 8) - DIE DREI ??? (Europa 1979 - ...)

      Blick zurück (Teil 8) - DIE DREI ??? (Europa 1979 - ...)

      Herbst 1979. Deutschland ist noch geteilt. Die Weltwirtschaft hat sich gerade einigermaßen von der ersten Ölkrise erholt und steuert doch schon (ohne es zu wissen) auf die nächste zu. Die Arbeitslosenzahlen in der Bundesrepublik haben sich auf knapp 900.000 eingependelt. Die Union hat F.-J. Strauß zum Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl 1980 auserkoren, bei der er Kanzler Helmut Schmidt ablösen soll, der sich 2 Jahre zuvor im Deutschen Herbst mit der RAF angelegt hat. Die ersten Anti-Strauß-Plaketten („Strauß – nein danke“) erscheinen auf Jacken und Pullovern. Heroin ist zum Problem geworden, 1 Jahr zuvor hat das Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ die Nation aufgeschreckt. In der Musikszene dominiert Disco die internationalen Charts, Frank Farians Formation „Boney M.“ haut eine Hit-Single nach der anderen heraus, in den Teenie-Zimmern kleben Bravo-Poster von Abba, Smokie und The Teens an den Wänden. Aber auch AC/DCs „Highway To Hell“ ist gerade erschienen. Vor anderthalb Jahren ist der erste Star Wars-Film in die deutschen Kinos gekommen, und die Fans warten gespannt auf die Fortsetzung, die für Frühjahr 1980 angekündigt ist. Vorerst begnügt man sich mit dem jeweils neuen Bud Spencer/Terence Hill-Streifen.

      Wer noch Kind ist, für den hält die Hörspielindustrie bereits eine kaum noch zu überblickende Auswahl bereit. Eine große Anzahl Labels buhlt um die Gunst der Kids, die sich gerne lustige Geschichten und spannende Abenteuer von Platte oder Kassette anhören. Marktführer ist Europa – nicht nur, weil ihre LPs und MCs mit 6,95 DM die billigsten sind, sondern weil sie auch das breiteste Angebot und die modernste Produktionstechnik haben. Die Studios, die für die Labels der großen Unternehmen produzieren (z.B. für PEG von BASF, für Tom&Della von Teldec oder für Maritim von Gruner&Jahr) verfügen einfach nicht über ein so großes Geräusche- und Musikarchiv und so viel Erfahrung.

      Europas Alleinregisseurin Heikedine Körting konzentriert sich seit 1978 verstärkt auf die Vertonung populärer Kinder- und Jugendbuchreihen. Denn im Hörspielsektor 9 – 13 Jahre ist das Abenteuergenre aus klassischen Vorlagen wie Jules Verne oder Karl May mittlerweile ziemlich abgegrast und das durch Star Wars gerade so populäre Science-Fiction-Genre scheint hörspieltechnisch nicht viel herzugeben. So hat man 1978 begonnen, die ersten Bücher der Reihe „Burg Schreckenstein“ zu vertonen, ebenso Enid Blytons „Fünf Freunde“, nachdem die TV-Serie so erfolgreich war. Dabei war Frau Körting auf die gute Idee gekommen, die 4 Hauptrollen mit den Berliner Synchronsprechern der TV-Serie zu besetzen. Im Kinder- und Jugendsprechersektor sind alle Studios immer auf der Suche nach Nachwuchstalenten, denn die sind rar gesät. Und diese vier West-Berliner Teenies haben Talent. Besonders von Oliver Rohrbeck ist Frau Körting beeindruckt. Sie lässt ihn im Jahr 1978 gleich für diverse Hörspiele Rollen aufnehmen, und sie fragt ihn, ob er auch Interesse hätte, in der geplanten Vertonung einer in Deutschland gerade sehr populären Jugendbuchreihe eine Hauptrolle zu sprechen: Den Drei Fragezeichen.

      Klar hat er Lust. Vor allem, weil auch sein Kumpel Andreas Fröhlich dabei ist, mit dem er auf dieselbe Schule geht und früher schon gemeinsam in Berlin Hörspiele bei Kurt Vethake und Synchronarbeiten gemacht hat (z.B. hat Andreas in zwei TV-Folgen der Fünf Freunde den Tinker gesprochen). Und so fliegen die beiden irgendwann 1979 (vermutlich in den Sommerferien) von Berlin-Tegel mit Pan-Am (deutsche Fluggesellschaften wie die Lufthansa dürfen West-Berlin damals nicht anfliegen, und eine Zugfahrt durch die DDR wäre zu kompliziert und anstrengend gewesen) nach Hamburg und werden ins Aufnahmestudio von Europa gefahren. Oliver (14) kennt sich dort ja schon aus, Andreas (knapp 14) ist das erste Mal da. Dort lernen sie auch den Dritten im Bunde kennen: Jens Wawrzceck (knapp 16) aus Hamburg. Zuerst verhalten sie sich ihm gegenüber etwas arrogant, nach dem Motto: Wir Berliner werden diesem Hamburger Fuzzi schon zeigen, wo’s langgeht (Berliner haben nun mal gerne eine große Schnauze, ich weiß es von mir selbst). Doch mit der Zeit pendelt das Team sich ein. Andreas Fröhlich hat anfangs Probleme mit dem Lesen (das liegt ihm nicht so). Daher vertauscht Frau Körting kurz entschlossen die Rollen. Andreas spricht nun den Bob und Jens den Peter (ursprünglich war’s umgekehrt geplant), weil in der ersten Folge, die aufgenommen wird, Bob weniger Text hat.

      Die Manuskripte hat Stammautor H.G. Francis verfasst und sich dabei mal mehr, mal weniger an die Buchvorlagen gehalten. Diese sind teilweise schon damals ziemlich alt, das erste DDF-Buch stammt aus dem Jahr 1964. Doch weil die Reihe erst 1968 auf den deutschen Buchmarkt kam, entstand die DDF-Begeisterung hierzulande entsprechend später und ist 1979 noch immer vorhanden. Auch bei Jens Wawrzeck, der viele (oder sogar alle) Bücher schon gelesen hat. Ob auch Oliver und Andreas die DDF-Bücher kennen, ist zweifelhaft (vor allem bei Andreas, der es wie gesagt mit dem Lesen nicht so hat). Doch das merkt man ihnen nicht an. Alle drei sind mit großen Einsatz und überzeugenden Sprecherleistungen bei der Sache.

      Aufgenommen werden sie in der Regel nur zu dritt, die anderen Stimmen (meist erwachsene Schauspieler aus Hamburg) werden separat aufgenommen, manchmal vorher, manchmal erst Wochen später. Das ist damals bei Europa so üblich, und zumindest Oliver und Jens sind es gewohnt, mit „Unsichtbaren“ zu sprechen. Und so kommt es, dass die drei zum Beispiel Peter Passetti, der ihren Mentor Alfred Hitchcock spricht, nie zu Gesicht bekommen. Nur ihre Sidekicks (Gleichaltrige, die ihnen im Hörspiel bei der Lösung des Falles helfen) sitzen in der Regel mit ihnen gemeinsam vor’m Mikro, wie z.B. Torsten Sense aus Folge 8 „Der grüne Geist“, der auch aus Berlin eingeflogen wird und den Oliver ebenfalls schon aus anderen gemeinsamen Hörspiel – und Synchronarbeiten kennt. Oder der Hamburger Stephan Chrzescinski, der schon seit 1973 immer wieder bei Frau Körting im Studio ist und dort in den 70ern wohl der meist beschäftigte Kindersprecher überhaupt war. Inzwischen hat er seinen Stimmbruch schon hinter sich und klingt als „Gus“ in Folge 5 „Der Fluch des Rubins“ entsprechend reif, obwohl er derselbe Jahrgang ist wie Jens.

      Zuerst werden 9 Folgen aufgenommen. Wann, wie oft (und jeweils wie lange) die Drei dafür im Europa-Studio sitzen, ist mir leider nicht bekannt. Doch da wie gesagt die Aufnahmen vermutlich in den großen Sommerferien gemacht werden, dürfte es nicht so kompliziert sein, dass Oliver und Andreas auch mal ein paar Tage am Stück in Hamburg bleiben dürfen. Vielleicht werden auch alle 9 Folgen „am Stück“ in ein, zwei Wochen aufgenommen (?).

      Jedenfalls, am 12. Oktober 1979 ist es dann soweit: Die ersten 6 Folgen der Drei Fragezeichen-Hörspielreihe kommen in die Plattenläden und Kaufhäuser – auf LP und MC. Etwas später werden die Folgen 7 – 9 nachgereicht. Die Cover sehen aus wie die Bücher aus dem Kosmos-Verlag: Schwarz, oben in weiß der Schriftzug „Alfred Hitchcock“ mit dem Hitchcock-Kopf daneben, darunter die von Aiga Rasch gemalten Titelbilder, die durch ihre unheimliche Abstraktheit sehr beeindruckend wirken. Die Cover sind ein absoluter Blickfang (in LP-Größe noch mehr als auf MC) und üben einen unbeschreiblichen Reiz aus. Wer die Bücher noch nicht kennt, wird auch von dem Namen „Hitchcock“ fasziniert. Denn auch als Halbwüchsiger weiß man damals, dass dieser Name irgendwas mit Spannung zu tun hat – auch wenn man vielleicht noch keinen Film von ihm gesehen hat (dass Hitchcock außer als Namensgeber mit den DDF-Geschichten nicht das Geringste zu tun hat, weiß man damals freilich noch nicht).

      Wer sich dann eine dieser ersten Folgen kauft (oder kaufen lässt), und sie dann zu Hause auf den Plattenteller legt oder in den Kassettenrekorder schiebt, für den beginnt ein neues Zeitalter und tut sich eine neue Welt auf ...

      (to be continued)

      Anmerkung: Der obige Text erhebt keinen Anspruch auf Authentizität, ist nicht umfassend mit Fakten belegt, sondern wurde aus Interviews mit den Machern, Infos aus anderen Quellen, persönlichen Erfahrungen und einem kräftigen Schuss „ins Blaue“, Spaß und Nostalgie geschrieben. Er ist also nicht so ernst zu nehmen, sondern soll anregen, einfach einen Blick zurück in die Geburtszeit der wohl populärsten deutschen Hörspielreihe aller Zeiten zu werfen. Andere Eindrücke, Ergänzungen (und von mir aus auch Korrekturen) sind herzlich willkommen. Natürlich auch gerne Kritik zu einzelnen frühen Folgen, von denen hier in nächster Zeit auch einige von mir kommen werden. ;)
      Ja, die drei ??? ... was soll man da noch sagen ....
      Es kamen einfach viele äußerst günstige Umstände zusammen, die diese Produktionen so einzigartig gemacht haben. Ich möchte mich da (vorerst) auch gar nicht so viel zu äußern, denn wenn ich alle meine Emotionen niederschreiben würde, die ich mit dieser Serie verbinde, dann könnte ich das Ergebnis ausdrucken und als Hardcoverbuch verlegen lassen.

      Nur soviel: Für Fans der ersten Stunde endet irgendwann die "klassische Phase" mit den wirklich guten Folgen. Ich schätze, für die meisten sind es die ersten 30-40 Nummern. Für mich persönlich enden die Klassiker-Folgen genau mit der Nummer 36, da hier Horst Frank zum letzten Mal den Kommissar Reynolds gibt (auch wenn´s insgesamt eine schwächere ist).

      Schöner Anfang, H. Hatch , nun bin ich gespannt auf die Rezis der Einzelfolgen!

      Keep on the good work! #winkewinke#
      @H. Hatch : Vielen Dank für die wunderbare Einführung. Es macht Spaß sie zu lesen.

      Jetzt müsste sich nur wer finden die einzelnen Folgen kurz zu beschreiben und zu rezensieren. Das ist natürlich eine Mamutaufgabe. Interessant ist auch die Frage wie lange ist es noch ein Blick zurück und ab wann ist es schon wieder fast Gegenwart. Ich denke die ersten 50 Folgen sind auf jeden Fall Klassiker, mit sehr guten aber auch mit etwas schwächeren Folgen. Ich mag die ersten 30 Folgen sehr. Mumie, Phantomsee, Gespensterschloss oder Bergmonster werden von mir rauf und runter gehört. Wenn ich etwas Zeit finde dann werde ich da sehr gern einen nostalgischen Durchlauf starten.
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#
      Wirklich fantastischer Beitrag.
      Danke.
      Ich habe einige der letzten Folgen noch nicht gehört.
      Alle anderen aber schon.
      Habe ja schonmal einen Durchlauf gemacht.
      Die Folgen ganz kurz vorgestellt.
      Jedenfalls für mich immer die beste Serie.
      Einfach so viel Erinnerungen.
      Die kann man als Neuhörer nicht haben.

      Die ersten etwa 40 Folgen sind für mich die Klassiker.
      Besonders die mit dr alten Musik.
      Aber die MCs zu hören ist nicht immer mehr so leicht.
      Aber immer wieder schön.
      Auf LP natürlich noch besser.
      Habe aber nur wenige der Alten auf LP.
      Viele dieser alten kenne ich in und auswendig.

      Markus G. schrieb:

      Jetzt müsste sich nur wer finden die einzelnen Folgen kurz zu beschreiben und zu rezensieren.


      Es ist natürlich schon sehr viel über die drei ??? geschrieben worden, aber eine Vorstellung der einzelnen Folgen kann dennoch sehr spannend sein, wenn man persönliche Erinnerungen mit einfließen läßt und die Geschichten ganz subjektiv beurteilt. Darum würde ich vorschlagen, chronologisch vorzugehen. Wer sich berufen fühlt, nimmt sich die jeweils nächste (oder die nächsten) Folge(n) aus individuellem Blickwinkel vor.
      OK, ich starte mit

      Folge 1: Die drei ??? und der Super-Papagei

      Justus, Peter und Bob bekommen von Alfred Hitchcock die Adresse des Schriftstellers Malcolm Fentriss, der seinen Papagei Lucullus vermisst. Und plötzlich befinden sich die ??? mitten in einem Kriminalfall, müssen Papageien mit bekannten Namen finden und deren Aussprüche enträtseln.
      Die Geschichte bietet alles was ein gutes ???-Hörspiel ausmacht. Die typischen Rätseln, das Herzeigen ihrer Karte, Morton und der Rolls Royce, die Telefonlawine und mit Hugenay einen Gegenspieler, der sie noch mehrmals beschäftigen wird. Die Sprecher sind alle samt großartig. Neben den damals noch jungen Rohrbeck, Wawrczeck und Fröhlich sind es Allzeitgrössenwie Peter Passetti, Gerlach Fiedler oder Andreas von der Meden, um nur einige zu nennen, die das typischen Europa-Kassettenkind-Flair verbreiten.

      Ich selbst mag die Folge durchaus gerne. Trotzdem gehört sie nicht zu meinen absoluten Lieblingen. Dies mag vielleicht auch daran liegen, dass ich diese Folge erst später bekommen habe. Andere Kassettennummern bekam ich früher. Die Geschichte
      liefert den einen oder anderen inhaltlichen Fehler. So hört man den Papagei „Blackbeard“ bereits in der Zentrale der Detektive, bevor sie ihn überhaupt von Carlos gekauft haben oder
      der falsche Mr. Fentriss wurde angeblich von Hitchcock per Telefon über den Besuch der Detektive informiert, allerdings führen keine Telefonkabel zu dessen Haus. Justus wird von seiner Mutter per Telefon informiert. In den späteren Folgen lebt Justus aber bei Tante und Onkel weil seine Eltern bereits tot sind.

      Ein Hörspiel, das also in vielerlei Hinsicht einen
      interessanten Serienauftakt liefert.
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#
      @SchattenMan Danke für die Info, aber ich habe die CD schon seit 14 Jahren ;) Ja, ganz witzig, aber das Original gefällt mir besser.

      Folge 2 muss einfach @Angus Gunn machen :thumbsup: :!: Das ist wohl meine Lieblingsfolge :love:
      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#
      Folge 2: Die drei ??? und der Phantomsee

      "Keine Bewegung! Hände hoch!" Wer kennt sie nicht, jene mit schneidender Stimme mehrfach wiederholte Aufforderung eines namenlosen Gunslingers, der völlig unvermittelt im Saloon auftaucht. Schüsse peitschen, Glas klirrt, im Hintergrund klimpert ein Barpianist auf seinem Instrument. Doch die Panik, die die drei Detektive überkommt, ist nur von kurzer Dauer, denn die Geräusche kommen von einem Tonband, und der schießwütige Cowboy ist eine mechanische Etrappe.
      Auf der Suche nach einem wertvollen Erbe hat es Justus, Peter und Bob in die verlassene Goldgräberstadt Powder Gulch verschlagen. Beim Durchsuchen der Räumlichkeiten haben sie unbeabsichtigt den Mechanismus ausgelöst, der den Saloon für einige Momente wieder zu künstlichem Leben erweckt, denn die Stadt wird gerade in ihrem ursprünglichen Zustand wieder hergerichtet und mit solchen Gimmicks zur Touristenattraktion umgebaut.
      Abgesehen von der absolut großartig inszenierten Geisterstadt-Sequenz bietet diese zweite Folge (ungeachtet ihrer kleinen Fehler, über die schon viel geschrieben wurde) eine rundum stimmige Geschichte. Es geht um das wertvolle Erbe eines Seemanns namens Angus Gunn, das die drei ??? im Auftrag von dessen Nachkommen aufspüren sollen. Aber auch ein zwilichtiger Geselle namens Java-Jim hat es auf den Zaster abgesehen, und der wird von einem meiner Lieblingssprecher, Gottfried Kramer in seinem ersten DDF-Auftritt, dargeboten. Milde Gruselstimmung kommt auf, als die Spur schließlich zum Phantomsee führt, wo spiegelverkehrt zur lesende Zypressenarme die Richtung weisen.

      Ich liebe alle frühen Folgen der drei ???, die im Gegensatz zu den heutigen innovativer, charismatischer, nicht so formelhaft kalkuliert, sondern wild und mit Verve erzählt wurden. Unverbraucht, und vielleicht gerade in ihrer noch nicht so perfekten Ausführung interessanter und lebendiger. Einfach näher dran am Geschehen, mit spürbaren Engagement vor wie hinter dem Mikrophon. Auf Augenhöhe mit dem Hörer, dem noch kein kalkuliertes Routineprodukt vorgesetzt wurde.

      Wer nicht glaubt, dass der "Phantomsee" eine der besten Folgen der Serie ist, dem hätte Java-Jim geantwortet: "Willst Du mich einen Lügner nennen, JUNGE?"
      Folge 3: Die drei ??? und der Karpatenhund:

      Die ??? werden von Mr. Fenton Prentice zu sich nachhause bestellt. Er erzählt ihnen, dass er in seiner Wohnung von Lichtblitzen belästigt wird. Zudem wird die Skulptur des Karpatenhundes aus Mr. Prentices Wohnung entführt. Sie wird ihm aber für ein entsprechendes Lösegeld angeboten. Bei ihren Nachforschungen passiert einem Hausbewohner nach dem anderen ein Unglück. Wer steckt dahinter?

      Die Folge des Karpatenhundes zählt zu meinen absoluten Lieblingen. Es ist ein toller Krimi zum mit rätseln. Wer ist der Entführer? Wer verursacht die Anschläge? Was hat es mit den Lichtblitzen auf sich? Es erinnert ein klein wenig an Agatha Christies „Ten Little Indians“, wenn einer nach dem anderen Opfer eines Anschlages wird. Die Hintergrundgeschichte des Karpatenhundes sorgt zudem für einen gruseligen und mysteriösen Hintergrund. Die dem Hörspiel zu Grunde liegende Geschichte stellt bereits die zweite und dritte Auflage des Buches dar. In der ursprünglichen Fassung geht es deutlich unheimlicher und vor allem übernatürlicher zu. Schade eigentlich, dass man sich nicht getraut hat die ??? in einem solchen paranormalen Rahmen ermitteln zu lassen. Trotzdem ist hier ein für mich großartiges Hörspiel gelungen, dass mich seit meiner frühen Kindheit begleitet und dass ich mindestens 2-3 Mal im Jahr höre. Die Musik von Carsten Bohn lassen Kassettenkinder wie mich frohlocken und die schönen Stimmen lassen mich sofort wieder in meine Kindheit hinüber gleiten.

      Folge 3 ist nach der überragenden Folge 2 ein echtes Highlight der Serie für mich und ein Paradebeispiel für die Kassettenkinderzeit.





      Wie Akita Takeo richtig über den Hörspieltalk von morgen schrieb:

      Solange es Leute wie uns drei gibt und wir hier schreiben, bleibt es hoffentlich bestehen. Noch lange! #top#
      Ergänzende Gedanken zum Karpatenhund:
      Ich kenne die Buchvorlage nicht, aber deren Inhalt läßt sich ja nachlesen. Aus meiner Sicht war es genau die richtige Entscheidung, auf diesen SF-Touch zu verzichten. Es wäre nicht stimmig gewesen und hätte die Serie in eine völlig falsche Richtung gelenkt. Allerdings finde ich die Begründung für die Lichtblitze im Hörspiel auch ein wenig dürftig. Der Esotheriker Sonny will das Mandala sehen. Schon als Kind habe ich mich gefragt, was er davon hat, für Sekundenbruchteile einen Blick darauf zu erhaschen. Und wenn er so scharf auf das Teil ist, warum hat er sich nicht längst selber eines besorgt? ?(

      Der Titel "Karpatenhund" weckt bei mir Assoziationen zum Hammett-Klassiker "Der Malteserfalke", bzw. dessen berühmter Verfilmung mit H. Bogart. Ich weiß es nicht, könnte mir aber vorstellen, dass der Autor der DDF-Vorlage sich zumindest von der Grundidee hat inspirieren lassen. Denn hier wie dort dreht es sich um eine von Legenden umwaberte Tierskulptur, die der Auslöser für kriminelle Machenschaften und Verwicklungen ist. Nur so am Rande...

      Trotz oben erwähnter Schwäche natürlich eine Top-Folge.
      Folge 4: Die drei ??? und die schwarze Katze

      Rummelplatz, Zirkus, Schaustellermilieu. Seit jeher übt diese Welt des Amüsemants und der Illusion eine große Faszination aus, die von Film und Literatur gerne aufgegriffen wird. Spionage- und Agentengeschichten spielen sich nicht selten in diesen Milieus ab. Hinter dem geschminkten Clownsgesicht kann sich eine furchteinflößende Horrorgestalt aber auch ein getarnter Spion verbergen. Bei Fellini wird der Zirkus zum exzentrischen Panoptikum, bei Disney zum Schauplatz einer liebenswürdigen Parabel um einen kleinen Elefanten mit übergroßen Ohren. Auch James Bond hat es schonmal in den Zirkus verschlagen, für die Schriftstellerin Enid Blyton war es einer ihrer bevorzugten Themenkreise, und 1979 flimmerte der Spuk unterm Riesenrad über westdeutsche Bildschirme.

      Die drei Detektive verfolgen einen Dieb, der sich eine schwarze Stoffkatze unter den Nagel gerissen hat, in eine enge Gasse am Rande des Rummelplatzes und müssen erstaunt feststellen, dass diese Gasse an einer Bretterwand endet und der Dieb spurlos verschwunden ist.
      "Nun? Wie klettert man wohl eine mehrere Meter hohe Bretterwand hoch? Denkt mal darüber nach, aber verliert nicht den Boden unter den Füßen. Laßt euch sagen, ein fester Halt und eine enge Verbindung zu den Tatsachen sind für das Vorankommen und den Aufstieg stets unerläßlich." - Was für ein wunderbar formulierter, verbaler Einwurf von dem unnachahmlichen Peter Pasetti, der seinen Zuhörern in der Rolle des Alfred Hitchcock hier, wie so oft, einen kleinen Denkanstoß gibt.

      Eine effizient und stimmungsvoll erzählte, abenteuerliche Kriminalgeschichte, in der eine wichtige Figur erstmals eingeführt wird: "Der geheimnisvolle Fliegenmensch hatte bereits eingebrochen und die Katze gestohlen. Sogar die Polizei war schon da. An ihrer Spitze: Kommissar Reynolds." Wie entscheidend ein sorgfältig ausgesuchter Sprecher für die Wirkung einer Figur ist, wird deutlich, wenn man den unglaublich guten Horst Frank mit seinen Nachfolgern vergleicht. Das sind auch allesamt kompetente Schauspieler, aber keiner hat auch nur annähernd jene markante Präsenz erreicht, mit der Frank scheinbar mühelos seiner Figur einen so authentischen Charakter verliehen hat. - "Justus Jonas und Kollegen. Na, ich vermute, euch führt nicht der Zufall hierher?"
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