Unterschied Grusel vs. Horror - Zum Unterhaltungswert des Grusel Hörspiels

      Unterschied Grusel vs. Horror - Zum Unterhaltungswert des Grusel Hörspiels

      Irgendwie ist mir das einen eigenen Thread wert. Vielleicht für manche nicht ganz uninteressant...

      Sind wir mal ehrlich: Als jugendlicher Tonstudio Braun-Hörspielhörer hat man die Zeilen auf der Innenseite der Kassetten-Drucksachen schon mal gelesen. Aber kapiert? Wahrscheinlich nicht. Gehen wir also als Erwachsene nochmal an den Text ran. Vielleicht sogar mit einem kleinen schmunzeln auf dem Gesicht:


      Zum Unterhaltungswert des Grusel-Hörspiels

      In mehreren wissenschaftlichen Arbeiten zu wichtigen Formen der Unterhaltungsliteratur konnte der besondere Unterhaltungswert auch der "Grusel-Gattung" herausgestellt werden, der viele Voreingenommene immer noch mit großer Skepsis begegnen. Dabei ist es eine Tatsache, daß die zentralen Motive dieser Gattung - das Schreckliche, Bedrohliche, Unheimliche, Böse - in Kunst und Literatur seit jeher eine bedeutende Rolle spielen. Unter Berücksichtigung der neuen Forschungen sowie nach sorgfältigen Analysen von Hunderten von Leserbriefen darf als sicher gelten: Im Unterschied zur sogenannten "großen Dichtung" schützt die besondere "Machart" der zum Zweck der Unterhaltung konzipierten Hörspiele den Hörer davor, daß er deren Inhalte, Personen, Dialoge und Handlungen mit der Realität verwechselt und von realen Ängsten heimgesucht wird. Immer bleibt dem Hörer vielmehr die vermittelte Wirklichkeit als eine nur künstliche bewußt: Sie wird im besten Sinne als "Spiel-Raum" erfahren und genutzt, und die Aktivitäten des Lesens und Hörens selbst haben stets den Charakter eines Spiels. Und die Angst, die Skeptiker dem Hörer fälschlicherweise zuordnen, ist in Wahrheit nicht Angst, sondern "Grusel": eine im literarischen Spiel genossene Angst. Das im Alltag eines jeden Menschen, auch eines Jugendlichen, begegnende und schwer faßliche Anonyme, Bedrohliche und Unheimliche wird im Grusel-Spiel in klar umrissene Formen gefaßt und damit verfügbar gemacht. Der hohe Grad an Vorhersehbarkeit allen Handelns und Geschehens garantiert zugleich die Sicherheit des Hörers.

      In diesem Sinne gewährt auch das Hören von Grusel-Hörspielen die Entspannung, die dem spielerischen Umgang mit dem unterhaltenden Grusel entspricht.

      Prof. Dr. Wolfgang Schemme, Universität Bonn


      Ist "Grusel" also eingefasst in klar umrissene Formen und somit "verfügbar" und vorhersehbar? Wäre das der immer wieder diskutierte Unterschied zu Horror?
      Für mich hat es Prof. Dr. Schemme so ziemlich auf den Punkt getroffen!
      Für mich ist Horror und Grusel das selbe - ich unterscheide da eigentlich nur zwischen "Horror/Grusel" und Splatter.
      Horror/Grusel ist für mich bsw. "Oh er hat eine Axt- X holt aus und köpft y - kurzes geräusch" - Splätter ist dann "Oh er hat eine Axt- X holt aus - die Klinge durchtrennt die Aorta - Blut strömt heraus, das Opfer windet sich, bla bla bla und dann noch extrem viel blubbergeräusche und co".

      Grusel und Horror trifft noch so halbwegs meinen Geschmack, auch wenn das meistens keine Sachen sind die ich mir immer wieder anhöre. Splatter in Hörspielen mag ich überhaupt nicht. Splatter in B Movies die alles noch so mit einem Zwinckernden Auge sehen gehen teilweise noch, aber in Hörspielen nervt mich diese ganze beschreibungsorgie nur.
      mfg
      warbird

      Life is a journey not a destination.

      warbird schrieb:

      Für mich ist Horror und Grusel das selbe - ich unterscheide da eigentlich nur zwischen "Horror/Grusel" und Splatter.

      Für mich ist Grusel die Andeutung, die Idee, und Horror die konkrete Umsetzung. Und Splatter der betont eklige Teilbereich des Horrors...

      warbird schrieb:

      Horror/Grusel ist für mich bsw. "Oh er hat eine Axt- X holt aus und köpft y - kurzes geräusch"

      Das ist für mich Horror - Grusel wäre für mich die Szene davor, in der Y zwar vermutet, dass jemand Böses im Haus ist, aber eigentlich noch nichts passiert ist - und dann quietscht hinter Y eine Tür...

      Oder um mich selbst zu zitieren:

      beli schrieb:

      Grusel ist für mich das gräßliche Gefühl, dass sich der Horror gerade nähert und ich ihn nur noch nicht sehe...
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