Morgan & Bailey: Ermittler mit Herz - Neue Serie von Contedo Media

      Die achte Folge konnte mich nicht so richtig packen und ich habe sie noch gar nicht zu Ende gehört. Sie wird aber natürlich noch eine zweite Chance bekommen.

      'Folge 9: Der werfe den ersten Stein' hat wieder alles, was die Reihe so hörenswert macht. Das sympathische Ermittlerduo, das sich mittlerweile fast wie ein altes Ehepaar verhält, liebenswerte Nebenfiguren wie den Wirt Harry, einen nicht allzu kniffligen Kriminalfall, humorvolle Dialoge - und doch ist hier etwas anders als gewohnt. Das liegt natürlich am Thema, denn in Heaven's Bridge zieht eine Familie islamischen Glaubens zu, deren Sohn prompt unter Terrorverdacht gerät. Er behauptet jedoch, man habe ihn hereingelegt, und tatsächlich hätte der eine oder andere Einwohner ein Motiv dafür gehabt.

      In der ersten Hälfte wirkt diese Folge ungewohnt düster. Das ernste Thema und realistische Elemente wie z. B. die drohende Übernahme der Ermittlungen durch Homeland Security bestimmen die Atmosphäre. Selbst die Musik hat man diesem anderen Tonfall angepasst, sie wirkt bedrohlich und baut Spannung auf. Erst in der zweiten Hälfte des 55-minütigen Hörspiels geht es dann mit den Ermittlungen von Morgan & Bailey los und ab da befindet man sich als Hörer wieder auf gewohntem Terrain. Die gesamte Folge bewegt sich innerhalb des Rahmens, der von der political correctness vorgegeben wird - und das ist auch durchaus gut so. Zwar wird manches wirklich arg vereinfacht und Charaktere werden sehr stereotyp dargestellt, aber letztlich muss man festhalten, dass auch diese Folge wieder als Unterhaltungshörspiel funktioniert. Vor diesem Hintergrund war es wahrscheinlich richtig, keine kontrovers diskutierbaren Handlungselemente einzubauen.

      Das Experiment, ein ernsteres Thema zu behandeln, ist durchaus gelungen. Letztlich aber ist das alles nur der Aufhänger für eine konventionelle Krimigeschichte, die auch ohne den aktuellen Bezug funktioniert hätte.
      Das Leben ist eine wilde Reise! Gefährlich! Unvorhersehbar! Voller Überraschungen - selbst wenn du es damit verbringst, irgendwo auf einem Stuhl an ein und derselben Stelle sitzen zu bleiben. (Walter Moers)
      Vor diesem Hintergrund war es wahrscheinlich richtig, keine kontrovers diskutierbaren Handlungselemente einzubauen.
      Die Frage muss gestattet sein, ob der Einbau eines solchen brisanten Themas ohne inhaltliche Kontroverse (eine solche hätte es gerechtfertigt) dann u.U. ausschließlich aus kommerziellen Erwägungen beschlossen wurde?
      They call me the Fader. Which is what I'm about to do.

      Die deutsche Rechtschreibung ist Freeware, d.h. man darf sie kostenlos nutzen.
      Allerdings ist sie nicht Open Source, d.h. man darf sie nicht verändern oder in veränderter Form veröffentlichen.

      Fader schrieb:

      Die Frage muss gestattet sein, ob der Einbau eines solchen brisanten Themas ohne inhaltliche Kontroverse (eine solche hätte es gerechtfertigt) dann u.U. ausschließlich aus kommerziellen Erwägungen beschlossen wurde?

      Viele Fragen sind gestattet und Contendo bewegt sich hier ohne Frage auf einem schmalen Grat. Aber dass eine kommerzielle Hörspielserie nach kommerziellen Gesichtspunkten produziert wird ist ja logisch. 'Ausschließlich' glaube ich in diesem Fall aber eher nicht. Natürlich wird man als Thema etwas wählen, das nicht langweilt bzw. etwas, das die Menschen beschäftigt. Ist ja auch nicht ehrenrührig. Es ist auch nicht so, dass Contendo mit dem 'brisanten' Thema gesondert geworben hätte, aber wahrscheinlich sind sie auch nicht böse, wenn der eine oder andere dieses Themas wegen die Folge kauft. Mein Eindruck ist, dass es den Autoren schon ein Anliegen war, deutlich zum Thema 'Generalverdacht gegen Muslime' - und dass dieser unberechtigt ist - Stellung zu beziehen. Und das finde ich löblich. Dass es Menschen geben wird, für die genau diese Aussage wiederum das Kontroverse darstellt, steht auf einem anderen Blatt.
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      Folge 11 - "Schnee in Paris" erscheint am 3. November.

      Folge 10 des himmlischen Ermittlerduos lieferte wieder schöne Kriminalunterhaltung und spielt in Rom, wo es die beiden Ermittler mit einem vermeintlichen Selbstmord zu tun bekommen. Seichte Krimikost, die von der ersten bis zur letzten Minute Spaß macht.
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      In Folge 10 'Einsatz im Vatikan' ermitteln Morgan und Bailey in Rom. Von den bekannten (und liebgewonnenen) Nebenfiguren der Reihe steht somit nur Harry kurz zu Beginn zur Verfügung. Das nimmt dieser Episode ein wenig das heimelige Gefühl, von dem die Krimis ansonsten leben. Die beiden Protagonisten sind aber in gewohnter Form und der Kriminalfall als solcher ist auf gutem Niveau, wird aber sicher keinen Hörer überfordern. Das Experiment, das Ermittlerduo aus seinem gewohnten Umfeld zu nehmen, stellt letztlich keinen echten Gewinn dar, ist aber auch nicht daneben gegangen. Die in dieser Folge auftretenden Personen können das Figurenensemble aus Heavens Bridge nicht ersetzen. Insbesondere der Journalist ist zu sehr als Karikatur angelegt und hat mich daher eher genervt als unterhalten.

      Es fällt auf, dass erneut ein kontrovers diskutierbares Thema, diesmal Homosexualität und katholischer Glaube, als Aufhänger für den Kriminalfall herhalten muss. Und mehr als ein Aufhänger ist es wiederum nicht. Morgan und Bailey bleiben in jeder Szene politisch korrekt, was fast schon schade ist. Was wären für Dialoge und Diskussionen zwischen den beiden möglich gewesen, wenn man mit mehr Mut an das Thema herangegangen wäre? Ein wenig hat man das Gefühl, dass das Skript hier Möglichkeiten verschenkt. In das Konzept der Serie fügt sich die harmonische, liberale und weltoffene Haltung der beiden Protagonisten aber natürlich besser.

      Sprecher wie gewohnt prima, Musik ebenfalls gut, Geräusche meistens auch. Das ist auf dem gewohnten Niveau und man kann höchstens Kleinigkeiten bemäkeln (z. B. klingen die Geräusche beim Treppensteigen alles andere als natürlich). Was mich (nicht zum ersten Mal) hingegen stört ist die Qualität des Kaufdownloads: Zwischen manchen der Tracks sind die Übergänge deutlich hörbar. An meiner Abspielsoftware liegt es sicher nicht und war bisher bei allen Folgen, die ich als Download gekauft habe, zu hören. Das darf Contendo in Zukunft gerne abstellen.

      Ansonsten bin ich schon neugierig, wie es den beiden in Paris ergehen wird.
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      Klappentext zur Folge 11:
      ​Rose Bailey reist mit Charles Morgan nach Paris, um ihre Schulfreundin zu besuchen, die berühmte Krimiautorin Marsha Hawkins. Dabei lernen sie jedoch auch die gefährliche Seite der Weltmetropole kennen, denn das Verbrechen scheint ihnen auf Schritt und Tritt zu folgen. Gemeinsam mit Marsha müssen sich die beiden Spürnasen aus Heaven´s Bridge mit der Pariser Unterwelt messen.

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      Stollentroll schrieb:

      Es fällt auf, dass erneut ein kontrovers diskutierbares Thema, diesmal Homosexualität und katholischer Glaube, als Aufhänger für den Kriminalfall herhalten muss. Und mehr als ein Aufhänger ist es wiederum nicht. Morgan und Bailey bleiben in jeder Szene politisch korrekt, was fast schon schade ist. Was wären für Dialoge und Diskussionen zwischen den beiden möglich gewesen, wenn man mit mehr Mut an das Thema herangegangen wäre?


      Da ich für das Vorgehen (vgl. auch Folge 9), brisantere Themen dramaturgisch nach der Maxime der sozialen Erwünschtheit zu diskutieren, von Contendo auch bisher noch keine Erklärung/Erläuterung gelesen habe, werde ich dem oben auch hier beipflichten: schade drum! Hier hätte eine weitere Chance bestanden, über die reine Unterhaltung hinauszuwachsen.

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      Fader schrieb:

      brisantere Themen dramaturgisch nach der Maxime der sozialen Erwünschtheit zu diskutieren
      Das kann man so sehen, auch wenn es letztlich nur eine Unterstellung ist. Vielleicht ist die Machart und Botschaft schlicht der Ansicht/Einstellung der Autoren zu den jeweiligen Themen geschuldet?

      Fader schrieb:

      Hier hätte eine weitere Chance bestanden, über die reine Unterhaltung hinauszuwachsen.
      Ohne Frage. Aber das wollte man offensichtlich nicht, sondern wohl einfach nur für Abwechlsung innerhalb der festgelegten Rahmenlinien sorgen.

      Ich fand es wie oben geschrieben ja auch schade und hätte eine andere Herangehensweise spannend gefunden, aber den Ansatz von contendo kann man glaube ich durchaus nachvollziehen. Einen Anlass, dass sie sich dazu erklären müssten, sehe ich eher nicht.
      Das Leben ist eine wilde Reise! Gefährlich! Unvorhersehbar! Voller Überraschungen - selbst wenn du es damit verbringst, irgendwo auf einem Stuhl an ein und derselben Stelle sitzen zu bleiben. (Walter Moers)
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