Gruselkabinett Nr. 107 – Der weiße Wolf von Kostopchin

      Gruselkabinett Nr. 107 – Der weiße Wolf von Kostopchin

      Pawel Sergejewitsch wird vom Zar ins Exil geschickt: in die Karpaten. Zunächst ist er froh, nicht ins Gefängnis zu müssen, doch schon bald erkennt er, wie schrecklich anders für ihn das entbehrungsreiche Leben in den Karpaten ist. Die größte Freude, neben seiner Tochter Olga, ist für ihn das Jagen. Er wird gewarnt, sich nicht zu weit in die Wälder vorzuwagen, da ein weißer Wolf umherstreift, vor dem selbst die sonst jeden Wolf jagenden Hunde flüchten. Dies spornt Pawel an, in ihm unbekanntes Terrain vorzudringen. Und dort macht er eine grausige Entdeckung…

      Nur fünf Sprecher sind bei diesem Hörspiel beteiligt. Und ihnen ist es zu verdanken, dass das Hörspiel so gut gelingt. Die Geschichte ist nicht übermäßig spannend oder gruselig, doch die Sprecher, Musik und Geräuschkulisse schaffen es, dass von der Geschichte über den weißen Wolf von Kostopchin ein gewisser Reiz ausgeht. Die aus vielen Romanen bekannte schroffe russische Art gepaart mit romantischen Zügen, interessanten Figuren und einer unwirklichen Landschaft erlauben es, mit Interesse der Geschichte zu folgen. Hans Bayer ist als jahrzehntelanger Diener des Pawel Sergejewitschs zu hören und übernimmt zugleich die Erzählerrolle. Dies gelingt ihm mit seiner bärtigen Stimme äußerst gut. Pascal Breuer versteht es ausgezeichnet, sowohl den liebevollen Vater Pawel Sergejewitsch zu spielen, als auch den enttäuschten, der aus persönlichen Gründen seinem Sohn wenig Liebe entgegen bringt. Durch die tolle Darstellung, kann der Hörer sich immer wieder neu positionieren: Fiebert er nun mit Pawel mit, empfindet er Mitleid oder verabscheut er ihn für sein Handeln, seine Charakterzüge? Ravina, der Gast des Hauses, der stets darauf achtet sagenhaft zu erscheinen und möglichst nichts über sich selbst preiszugeben, leiht Anja Kruse ihre Stimme. Ihr gelingt es ebenfalls mit ihrer Stimme alles zu transportieren – von eiserner Härte bis zur zärtlichen verführerischen Begegnung. Zuletzt werden als Pawels Kinder Clara Fischer und Lando Auhage in der Sprecherliste genannt. Die beiden überzeugen mich voll und ganz. Das war nicht bei allen Kindersprechern in Titania Medien Hörspielen der Fall. Gute und passende Kinderstimmen zu finden ist sicherlich eine der schwersten Aufgaben überhaupt. Lando Auhage schafft es dem Alexej etwas Zurückhaltendes zu geben, das in der Abgeschiedenheit der Karpaten auf mich unheimlich wirkt. Am Ende der Geschichte überrascht er durch seine Handlung und gibt der Geschichte eine noch bedeutungsvollere Tragik. Clara Frischer spielt das liebe Mädchen und überzeugt in jeder Szene. Mal ist sie fröhlich, dann sorgt sie sich um ihren Vater oder hat einen schrecklichen Alptraum. Ihre Darbietung – und die der anderen Sprecher – gestatten es, mühelos jeden Moment filmisch im Kopf zu projizieren.

      Fazit
      Der weiße Wolf von Kostopchin lebt von den Sprechern, Geräuschen und Musikstücken. Ohne ihre Exzellenz wäre es aufgrund der mittelmäßigen Vorlage nicht annähernd so packend und interessant dem Ganzen bis zum bitteren Ende zu folgen.
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      Für meinen Geschmack befindet sich das Gruselkabinett leider momentan an einem Punkt, an dem es sich nur noch wiederholt. Offenbar fehlt die Abwechslung bei den Vorlagen. Es haben damals scheinbar viele Schriftsteller mehr oder weniger voneinander abgeschrieben bzw. das gleiche Thema nur ein wenig variiert und dann als "eigenen" Stoff veröffentlicht.

      Ich möchte hier jetzt nicht aufzählen, an welche anderen Folgen mich die Nr. 107 erinnert hat, weil ich nicht spoilern will. Aber es war für mich wirklich nur eine weitere, nicht sehr innovative Variante eines altbekannten Themas.

      Und leider kann man durch eine atmosphärische Inszenierung (die Titania nach wie vor sehr gut gelingt, da stelle ich keinerlei Schwächen fest) die inhaltlichen Schwächen des Plots nicht immer überdecken bzw. wettmachen.

      Was mir zur Zeit ebenfalls nicht gefällt, ist die Auswahl der Sprecher der männlichen Hauptrollen. Die klingen alle so wie die gut- aber auch gleich aussehenden Milchbubis in den US-TV-Serien: Ziemlich dünn und charakterlos. Das ist mir auch in dieser Folge 107 aufgefallen (aber auch schon in Folge 106).

      Ich hoffe, Titania kehrt dieses Jahr wieder zur alten Qualität des Gruselkabinetts zurück.
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