[SciFic] WIR von Jewgenij Samjatin

      [SciFic] WIR von Jewgenij Samjatin




      26. Jahrhundert, das Mathematische Zeitalter ist angebrochen und die glückliche Nummer D-503 berichtet begeistert von den Errungenschaften des »Einzigen Staates«, wo die Menschen endlich Nummern und dem unzivilisierten Zustand der Freiheit entwachsen sind. In gläsernen Wohnungen führen sie ein glückliches Leben unter dem segensreichen Joch der Vernunft, jeder Bereich ihres Lebens ist bis auf die Sekunde genau durch die »Gesetzestafeln« geregelt. D-503 preist dieses vollkommene Glück des Einheitlichen Staates in seinen Aufzeichnungen. Doch dann verliebt er sich in die rebellische I-330, die ihm die Welt jenseits der gläsernen Stadt zeigt und seinen Glauben an das System ins Wanken bringt. Samjatins bitterböser utopischer Zukunftsroman hat auch heute, im Zeitalter gläserner Identitäten und der zunehmenden Überwachung von Seiten des Staates und multinationaler Konzerne, nichts von seiner Aktualität eingebüßt.

      Ein Hörspiel, das es in sich hat – eine aufwendige Produktion von SWR2


      Autor: Jewgenij Samjatin
      Sprecher: Hanns Zischler, Andreas Pietschmann, u.v.a.
      Verlag: Der Audio Verlag
      ISBN: 978-3-86231-591-8
      Laufzeit: ca. 95 Minuten
      Medium: 2 CDs


      Quelle: shop.pop.de/Hoerspiele/Hoerspi…WR2-Hoerspiel::21899.html

      daneel schrieb:

      Ich kenne das Hörspiel selbst noch nicht, aber wenn man nach den eBook Kritiken auf amazon geht, liegst Du mit Deiner Vermutung richtig.

      Oder auch nicht, wie ich @SciFi Watchmans Link entnehme. :D Offenbar ist es genau andersherum – WIR scheint der Vorreiter gewesen zu sein und als Inspirationsquelle für 1984 und Schöne neue Welt gedient zu haben. Was die Sache noch interessanter macht, wie ich finde.

      Ehrlich gesagt, wenn ich diese Inhaltsangabe lese ...

      26. Jahrhundert, das Mathematische Zeitalter ist angebrochen und die glückliche Nummer D-503 berichtet begeistert von den Errungenschaften des »Einzigen Staates«, wo die Menschen endlich Nummern und dem unzivilisierten Zustand der Freiheit entwachsen sind. In gläsernen Wohnungen führen sie ein glückliches Leben unter dem segensreichen Joch der Vernunft, jeder Bereich ihres Lebens ist bis auf die Sekunde genau durch die »Gesetzestafeln« geregelt. D-503 preist dieses vollkommene Glück des Einheitlichen Staates in seinen Aufzeichnungen. Doch dann verliebt er sich in die rebellische I-330, die ihm die Welt jenseits der gläsernen Stadt zeigt und seinen Glauben an das System ins Wanken bringt. Samjatins bitterböser utopischer Zukunftsroman hat auch heute, im Zeitalter gläserner Identitäten und der zunehmenden Überwachung von Seiten des Staates und multinationaler Konzerne, nichts von seiner Aktualität eingebüßt.


      ... und in Betracht ziehe, dass dieses Werk von 1920, das "Brave new world" und "1984" sicherlich beeinflusst hat, 2014 als Hörspiel neu vertont wird, dann freut mich das als SF-Fan, aber dies ist natürlich keine SF mehr. Heute würde niemand über die Validität einer solchen Zukunftsversion streiten, alle Hörer sind sich darin einig "sowas wäre böse, und irgendwie sind wir darauf zugelaufen, ohne es bewusst zu wollen".

      Interessant und kontrovers wäre mMn eher eine umgedrehte Variante:

      21. Jahrhundert, das individualistische Zeitalter ist auf seinem Höhepunkt, und die glückliche Nummer D-503 berichtet begeistert von den Errungenschaften des untergehenden Abendlandes, in dem die Menschen endlich ohne Restriktionen einer Gesellschaft sich in jeder Richtung frei entfalten können. In gläsernen Wohnungen, überwacht durch multinationale Konzerne, führen sie ein »glückliches Leben« jenseits jeder Moral im Privaten, doch ist jeder Bereich ihres Arbeitslebens bis auf die Sekunde genau durch die »allgegenwärtigen Arbeitsplätze« geregelt. D-503 kennt nichts anderes, die überall zu Ausfällen führenden psychischen Krankheiten wie Demenz, Alzheimer und Depression gelten als ohne Bezug dazu und sind Brandzeichen von Versagern. Doch dann verliebt er sich in die rebellische I-330, die ihm eine Welt jenseits der gläsernen Stadt zeigt und mit einem gemeinsinnorientierten Leben seinen Glauben an die Gesellschaft, die nur an dem Individuum huldigt, ins Wanken bringt.

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