Passagier 23: Das ungekürzte Hörspiel

      Stollentroll schrieb:

      Ich weiß gar nicht, warum ich immer wieder ein audible-Guthaben für Hörspiele nach Sebastian Fitzek 'verbrate'. Dessen Romane finde ich in der Regel überkonstruiert, psychologisch unstimmig und arg unrealistisch. Die Faszination, die viele seiner Leser verspüren, erschließt sich mir einfach nicht. Allerdings liegt oft eine interesante, ungewöhnliche Idee zu Grunde. Die besseren seiner Bücher sind zumindest leidlich spannend, obwohl die Figuren schablonenhaft dargestellt werden.

      In diese letzte Kategorie gehört für mich auch 'Passagier 23'. Man will halt wissen, wie es ausgeht - aber wirklich mitfiebern konnte ich mit keiner der Personen.


      Sehe das ganz genauso.

      Ja, die Grundideen sind ganz interessant. Man will wissen, wie er das ganze auflöst. Aber die Auflösung sind in letzter Zeit so mäh, dass das ganze Procedere einen faden Geschmack bekommt. Man wird quasi ein wenig verarscht und ist in gewisser Weise auch so blöd, das ganze Spiel auf ein neues zu spielen, beim nächsten Roman...Bei mir ist aktuell ein wenig der Bogen überspannt und ich werde erstmal pausieren.
      Meine Seereise mit Martin ist zu Ende gegangen. Ich kannte die Geschichte schon, weil ich im Herbst das Hörbuch gehört habe. Aber trotzdem war ich wieder hin und weg und hat mich diese Geschichte unglaublich gefesselt. Das Thema, das behandelt wird, berührt mich als Vater einer Tochter sehr. Und obwohl ich Themen wie "Kindesentführungen" nicht mag, so kann mich diese Form der Verstrickungen, der Wendungen, der Überraschungen wirklich begeistern. Ich weiß nicht ob ich von einem HörSPASS sprechen kann, dafür gehen mir zu viele Situationen und zu viele Themen in diesem Hörspiel unter die Haut. Für mich war es ein emotionales Hörspielerlebnis. Ein Erlebnis, das einem zum nachdenken bringt und dass noch lange in einem "nach hallt".

      Dieses "ungekürzte" Hörspiel ist wie die bisherigen ungekürzten Hörspiele von AUDIBLE. Es wird dem Erzähler sehr viel Raum gegeben. Phasenweise wähnt man sich tatsächlich in einem Hörbuch, dann gibt es wieder klassische Hörspielszenen. Mir gefällt diese Form des Hörspiels deutlich besser, als die von einigen Labels praktizierte Form der "inszenierten Lesung". Simon Jäger ist ein unglaublich toller Sprecher, dem ich Stunden lang zuhören könnte und es auch in der Vergangenheit sehr gerne getan habe. Mir haben auch die anderen Sprecher gut gefallen, weil sie es schafften ihren "Seelenzustand" ins Sprechen hinein fliessen zu lassen. So fand ich "Martins" Darbietung gelungen, weil sein teilweise absichtlich leicht monotones Sprechen wunderbar zu seiner "eh schon alles egal"-Haltung passte. Aber auch die weiblichen Stimmen brachten die Hysterie, die Sorge und die Dramatik wunderbar "hinüber". Und auch Gerlinde Topkowitz (oder so ähnlich) sprach einen erträglichen Wiener Akzent, wobei mir die Stimme für eine 78 Jährige viel zu jung vor kam. Ich denke, dass deren Sprecherin sicher keine 60 Jahre alt ist oder zumindest nicht danach klingt.

      Für mich ein großes Hör- und Gefühlskino! Ich hoffe, dass es noch viele weitere Fitzek-Geschichten als ungekürzte Hörspiele geben wird. Ich höre mich bis dahin durch alle Fitzek-Geschichten als Hörbuch durch. Aktuell habe ich Noah aus der Bücherei hier liegen.
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