Was ist eigentlich ein "Hörspiel für Erwachsene"

      Was ist eigentlich ein "Hörspiel für Erwachsene"

      Thomas Rippert schrieb:

      Ach ja, der deutsche Hörspieler… alles was über den ???-Horizont hinaus geht, verunsichert ihn so sehr das er sich wadenbeißend ins Schneckenhaus der Kassettenkinderwelt zurück zieht und verzweifelt versucht das Erwachsenwerden des so innig geliebten Mediums an der Ausbreitung zu hindern.

      Blah sing tröt… das alte Lied…

      Doch gerade da wo sich die Geister scheiden, sind genau die Dinge zu finden, welche sich selbst ad absurdum führen. Wie kann jemand eine dritte Renaissance des deutschsprachigen Hörspiels erwarten, wenn er dem Medium verzweifelt versucht seine Kindlichkeit zu bewahren?

      Im Moment ist dieses Phänomen beim Hörspiel (...)


      Quelle: lukes-meinung.de

      Zuerst dachte ich, dass Thomas Rippert versucht, in seinem o.g. Beitrag zu erklären, was Hörspiele für Erwachsene sind. Aber auch nach dem zweiten Lesen scheint es nur ein Rundumschlag gegen alle Hörspielhörer zu sein, denen ganz bestimmtes Elemente in Hörspielelen nicht gefallen. Seine In­ten­ti­on kann ich nicht erkennen, hat aber mein Interesse geweckt, was denn eigentlich ein Hörspiel für Erwachsene ausmacht.

      Stellt sich doch die Frage, was ist eigentlich erwachsen sein? Kann man es sich wirklich so einfach machen und sagen, dass man mit 18 Jahren erwachsen ist? Ist erwachsen sein nicht von der geistigen Reife eines jeden einzelnen abhängig? Ist es so einfach zu sagen, wenn in einem Hörspiel eine sexuelle Handlung vorkommt, ist es ein Hörspiel für erwachsene? Auch wenn das ganze Gerüst drumherum für Kinder und Jugendliche konzipiert zu sein scheint. Für mich persönlich ist zuallererst die Geschichte wichtig, die erzählt werden soll. Diese entscheidet, ob es für Erwachsene oder auch für Heranwachsene geeignet ist. Für mich immer noch das Vorzeigehörspiel im Erwachsenenbereich ist Dopamin aus der Reihe MindNapping. Das würde ich einem Erwachsenen empfehlen.

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „daneel“ () aus folgendem Grund: Titel angepasst

      Jetzt mal auf die Schnelle gesagt, wäre ein "Hörspiel für Erwachsene" für mich etwas, was von der Geschichte her eben nicht für Kinder gedacht/ geeignet ist. Das muss ja nicht zwangsläufig an der Härte der Umsetzung liegen, sondern einfach an der Geschichte an sich. Diese kann vielleicht zu sexuell aufgeladen, zu brutal, zu philosophisch, zu pessimistisch, zu *irgendwas* sein, um guten Gewissens an Kinderohren zu gelangen.

      Wobei man hier auch sehen muss, dass viele, deren Hörspiele sich an "ältere" richten, trotzdem eine Empfehlung ab 16 oder sogar ab 14 auf das Cover drucken und zumindest mit der 16er-Empfehlung schon die 'Erwachsenen' meinen.
      Alles über unsere Produktionen findet ihr auf rrr-audiovisuelle-medien.de.

      Findet uns auf Facebook unter https://www.facebook.com/RRRAudiovisuelleMedien.
      Ich würde die Frage für mich gerne umkehren. Was ist eigentlich ein „Hörspiel für Kinder“. Denn ganz klar…in einem Hörspiel für Erwachsene kann alles vertreten sein.

      Beispiel:
      Grade spielt Daddy noch mit seinen Kindern , singt zusammen mit ihnen Lieder, bringt sie dann wie jeden Abend ins Bett, um dann wenig später seine Frau wie jede Nacht zu verprügeln, zu nötigen und wer weiß was sonst noch. Das alles kann man in ein Hörspiel verpacken. Zugegeben, schon recht makaber aber bei weitem denkbar.

      Hingegen stellt sich bei mir daraufhin die Frage?! Was ist eigentlich noch kindgerecht? Wenn wir Benjamin Blümchen und Co. Mal rausnehmen…Die drei ??? & Co. dürften viele 4-10 jährigen inhaltlich überfordern. Das ist sind dann Jugendserien für mich, weil eben die inhaltlichen Schwerpunkte in dieser Altersgruppe überhaupt nicht zum Tragen kommen bzw. im Weltbild der kleinen noch überhaupt keinen Platz haben. Worauf ich aber hinaus will ist, dass der Hörspielsektor dennoch recht gute Serien für unsere Kleinsten der Gesellschaft anbietet.

      Des so erschreckender ist das Fernsehen für mich…wenn ich beispielweise nur an Tom&Jerry oder auch die Simpsons denke…sorry, ging jetzt ein wenig ins OFF! :whistling:

      daneel schrieb:

      Zuerst dachte ich, dass Thomas Rippert versucht, in seinem o.g. Beitrag zu erklären, was Hörspiele für Erwachsene sind. Aber auch nach dem zweiten Lesen scheint es nur ein Rundumschlag gegen alle Hörspielhörer zu sein, denen ganz bestimmtes Elemente in Hörspielelen nicht gefallen. Seine In­ten­ti­on kann ich nicht erkennen.


      Vielleicht ist er ein alter, verbitteter Mensch der von der Hörspielszene enttäuscht ist und nun Versucht mit solchen Beiträgen Aufmerksamkeit zu bekommen? Gelingt ihm doch ganz gut, oder? Er hat sich, wenn man seine Seite verfogt hat, schon mehrfach endgültig aus den Szene zurückgezogen um dann Glorreich zurückzukehren. Also so ganz schlecht scheint die böse Hörspielszene nicht zu sein. Jetzt nicht wieder gleich alle "Böser Tobbe" schreien, ich hätte es nicht geschrieben wenn sich solche Kommentare von der Seite nicht häufen würden.

      Zur Frage:
      Ein Erwachsenörspiel würde ich alle Dinge Hörspiele einorden die ich meinem Kind unter 16 nicht geben würde. Aber das muss man für sich selber entscheiden. Es gibt ja genug Serien (Dorian Hunter, John Sinclair, Mindnapping u.s.w) die ganz klar für erwachsene Menschen gemacht werden.
      Langeweile ist der Zeitvertreib der Dummen. (Erhard Blanck)

      daneel schrieb:

      Für mich immer noch das Vorzeigehörspiel im Erwachsenenbereich ist Dopamin aus der Reihe MindNapping. Das würde ich einem Erwachsenen empfehlen.


      Richtig, ein wichtiges Kriterium daran anlehnend für mich, obwohl es sicher in einer pädagogischen Betrachtung fehlen würde: Kann ICH es bedenkenlos und ohne dreißig Nebenerklärungen ("es ist ein wenig Trash, 80er, mit rosa Luftballons, aber trotzdem geil" o.ä.) einem anderen empfehlen, der keine Hörspiel-Erfahrungen hat, der eben nicht weiß, was wir uns manchmal (?) für weirdes Zeugs anhören. John Sinclair würde ich da auch mit reinnehmen (obwohl, könnte man auch schon fast als Jugendhörspiel bezeichnen..), aber schon mit dem Nebensatz "aber du weißt, der kämpft gegen Dämonen".

      Krimis ala Lady Bedfort sind in dem Sinne auch erwachsen, aber harmlos-oma-erwachsen.
      Vielleicht ist ein "Hörspiel für Erwachsene" neben den zu berücksichtigenden Jugendschutzbestimmungen ...

      Kleiner Exkurs:
      Spoiler anzeigen
      FSK-Regeln sind nur an der Oberfläche orientiert und gehen oft am Kern vorbei ... der Film "Drei Farben: Rot" war bei uns FSK 6, was Blödsinn ist, da Sechsjährige den Film nicht verstehen können. In den USA war der gleiche Film R-Rated wegen einer zweisekündigen Sexszene, was auch Blödsinn ist, weil dann das falsche Publikum reinläuft, das Splatter oder eben (mehr) Sex erwartet.

      ... einfach ein Hörspiel, das Inhalte hat, die erst ab einem gewissen Grad an Lebenserfahrung Bedeutung gewinnen.
      They call me the Fader. Which is what I'm about to do.

      Die deutsche Rechtschreibung ist Freeware, d.h. man darf sie kostenlos nutzen.
      Allerdings ist sie nicht Open Source, d.h. man darf sie nicht verändern oder in veränderter Form veröffentlichen.

      Markus0815 schrieb:

      So ziemlich alle HSP-Serien, die hier diskutiert werden, dürften doch nicht höher als FSK 16 gehen. Von der Sichtweise aus wären das ja alle Jugendhörspiele... #gruebel#


      Also wenn es jetzt um Hörspiele ab 18 Jahren geht dann würde ich mal "Dark Drace - Weißes Fleisch" in den Raum werfen. Das würde ich nur Leuten ab 18 zuhören geben.
      Langeweile ist der Zeitvertreib der Dummen. (Erhard Blanck)

      Tobbe_ schrieb:

      Was haltet ihr von einer Alterfreigabe von Hörspielen?

      Zuerst wollte ich schreiben, dass ich die Idee gut finde, wobei es aber differenzierter als die FSK-Freigabe für Filme sein müsste (dort gibt es ja nur 0 - 6 - 12- 16 - 18 Jahre). Eine Hörspiel-Altersfreigabe bräuchte mehr Zwischenstufen.

      Bei weiterem Nachdenken sehe ich aber ein grundsätzliches Problem:

      Da ist die komplexe Geschichte, die Kinder einfach überfordert, aber ihre Entwicklung nicht gefährdet. Bekäme also vermutlich eine Freigabe 'Ab 6 Jahren'. Das Ergebnis: Die Eltern kaufen es, weil es ja eine 'Empfehlung ab 6 Jahren hat' - im KInderzimmer herrscht dann große Enttäuschung. Und erwachsene Hörer würden es unter Umständen nicht kaufen, weil es ja 'nur ein Kinderhörspiel' ist -und ihnen entgeht vielleicht ein tolles Hörerlebnis. Bei Filmen ist das nicht so schlimm, da gleicht die Masse das aus. Bei einem Nischenprodukt wie dem Hörspiel aber zählt ja scheinbar jeder Käufer. Da ist es doppelt schade um jeden enttäuschten Hörer, egal ob Kind oder Erwachsener.

      Und ein Etikett, das über eine reine Freigabe hinausgeht, also praktisch pädagogische Empfehlungen beinhaltet, würde zwar das o. a. Problem lösen, aber doch sehr deutlich in den Wettbewerb eingreifen. Deshalb bin ich mir also nicht so sicher, ob ich die Idee wirklich umgesetzt sehen möchte:
      -> Gut für informierte Käufer
      -> Schlecht für uninformierte Käufer
      -> Keine gute Idee aus Sicht der Hörspiellabel
      Das Leben ist eine wilde Reise! Gefährlich! Unvorhersehbar! Voller Überraschungen - selbst wenn du es damit verbringst, irgendwo auf einem Stuhl an ein und derselben Stelle sitzen zu bleiben. (Walter Moers)
      Was haltet ihr von einer Alterfreigabe von Hörspielen?


      Gar nichts! Dafür bedürfte es wieder der USK (o.ä.) , die allein 1200.- EUR dafür nimmt, das sie dich einordnet. Ein gutes Beispiel aus der Softwarebranche: Selbst bei Softwareschulungen (bspw. Word 2012) muss der Produzent löhnen, obwohl man weiß, dass es sich um eine reine Trainingssoftware handelt. Geld wollen sie machen, das ist alles! Spielst du da nicht mit, dann ist der Verkauf deiner „Schulungs-CD“ nur ab 18 Jahren möglich. Reine Erpressung!

      Deutschland ist „KEIN“ Paradebeispiel für Jugendschutz, wenn es um Politiker geht, die durch unsere korrupte Justiz mit 5.000 EUR bestraft werden, bei beweisbaren Download von Kindern anstösslichen Inhalten. Ich erspare mir die genaue Formulierung und kann diesbezüglich leider nur eines sagen: Korruption ist in umserem genauso Zuhause, wie in denen, die uns die Medien versuchen jeden Tag schlecht zumachen. OFF- ich weiß! :wacko:
      John Sinclair sehe ich auch als Jugendhörspiel an, dass ich keinem Erwachsenen empfehlen wollte, so gut es auch gemacht zu sein scheint. Die Edgar Allan Poe Reihe würde ich zu Erwachsenen-Hörspiel zählen, Humanemy, Friedhof der Kuscheltiere, Der Herr der Ringe, Kolonien im Meer, Die Schläfer, Mark Brandis, Neuromancer, Perry Rhodans Sternenozean-Zyklus, Terra Mortis, Takimo, Lem/Dick/Asimov-Hörspiele, Feeder, Dr. Morbius, Caine, Goldagengarden, Amadeus, ... um nur ein paar zu nennen. Die können natürlich auch von Kindern, Jugendlichen und Heranwachsenden konsumiert werden, aber eben auch von Erwachsenen, die gerne mehr Substanz in den Geschichten suchen und auch finden wollen.
      Meiner Meinung nach gibt es da zwei Kategorien:
      1. Hörspiele, die Kinder nicht hören sollten, weil sie Kinder aufgrund ihrer Thematik etc. nicht gut tun.
      2. Hörspiele, die Kinder hören können, die aber sich inhaltlich an Erwachsene richten. Ich bin mir sicher, dass Kindern den Grafen von Monte Christo vom Hörverlag sich anhören können. Ob sie daran Spaß haben, ist eine ganz andere Frage.
      Arguing that you don’t care about the right to privacy because you have nothing to hide is no different than saying you don’t care about free speech because you have nothing to say.
      Ein Hörspiel für Erwachsene?
      Da stellst sich erst einmal die Frage nach der Definition für Erwachsen.

      Auf alle Fälle gibt es eine Menge Hörspiele, die ich als Kind nicht gehört hätte und auch meinen Kindern nicht zum hören geben würde.

      Und was sind Kinderhörspiele?
      Sie müssen Kindgerecht sein. Ohne Brutalität und zu viel Aufregung.
      Als Jugendlicher kann man dann zu Anderen greifen.
      Aber auch viele ältere hören sicher noch Bibi Blocksberg. Finde ich auch absolut OK.
      Und Drei ??? Hörer sind im Schnitt doch auch um die dreißig, oder?

      Es gibt aber sicher viele Hörspiele auf dem Markt, die man nicht zu früh hören sollte.
      Hörspiele für Erwachsene sind erstmal jene, die nach Vorlagen inszeniert wurden, die für Erwachsene bestimmt sind. Edgar Wallace, Larry Brent, Perry Rhodan.

      Das Gegenteil sindd ann wohl Hörspiele, die nach Vorlagen für Jugendliche und Kinder gefertigt wurden. Fünf Freunde, Märchen, Bibi Bloksberg usw.

      Die drei ??? liegen inzwischen irgendwo dazwischen. Früher waren es reine Jugendhörspiele. Die Gruselserie von EUROPA war damals auch eher auf Jugendliche zugeschnitten, ebenso wie Flash Gordon.

      Kurzum es gibt ganz eindeutige Kinderhörspiele und ganz eindeutige Erwachsenenhörspiele. Hörbar ist es für mindestens zwei Gruppen. Die Kindersachen sind speziell. Bei manchen verschwimmen die Grenzen.
      Ein Hörspiel für Erwachsene - es müsste eine gewisse Komplexität (bezüglich Form und Inhalt) besitzen, die ein gewisses Maß an Erfahrung (und Interesse) beim Hörer voraussetzt. Ein solches Hörspiel würde weniger erfahrene Hörer, sprich: jüngere Zuhörer, vermutlich nur langweilen.

      Schon eine vergleichsweise simple(re) Geschichte, wie z.B. "Rocky IV", langweilt jüngere Zuschauer zu Tode, weil sie weder etwas mit der Motivation "Rache für meinen toten Freund", "Mut", "Ehre" und "Heldentum" anfangen können, noch können sie sich in die Situation und den Lebensalltag während des "Kalten Kriegs" hineinfühlen. Und die Geschichte von David und Goliath kennen sie (meist) auch nicht. Das ist aber das Minimum an Voraussetzung, um so eine Geschichte überhaupt nachvollziehen zu können (oder zu wollen).
      »Honour the dead. Cherish the living.«

      Dein bsp. mit ROCKY ist intreressant, weil wohl die wenigsten die Handlungen hinter der Action sehen. Ich hatte mal in einem anderen Forum eine Diskussion darüber. Da meinte ein User, dass Stallonefilme nur hirnlose Action wären. Mehrere User, wie auch ich, versuchten ihm vergeblich nahezubringen, das doch mehr dahinter stecke und haben pro Film immer aufgeführt worum es außer Action noch gehe. Ich glaube bei den meisten, zumindest aber bei sehr vielen, verpufft die Intention, die hinter den Stallonefilmen steckt. Weil sie nur einen Actionhelden in Action sehen. Kalter Krieg, unteres soziales Milieu (aus der Rocky kommt), Aufstieg in Reichtum und wieder Rückfall, ... Das wird gar nicht wahr genommen - auch damals schon nicht. Somit glaube ich, dass deine angesprochen Punkte in diesem Fall mal nicht bloß die heutigen jüngeren Zuschauer betrifft, sondern eben auch schon die von damals.



      Ich würde sogar nicht nur in Kinder und Erwachsene teilen, sondern noch in Jugendliche. Viele Jugendserien sind eigentlich eher für Kinder gemacht, da sie für die (heutige) Jugend eher Kinderkram sind. Manche "Erwachsenen" HSP sind eher was für Jugendliche. Richtige Erwachsenen HSP sind wohl eher selten. So die ganz harten Thriller wie bei Dark Trace, MiS oder MindNapping oder Caine halte ich nicht für Jugendliche geeingnet. Viele von ihnen mögen sich Splatterfilme wie Chips reinpfeifen, aber ob das gut ist, bezweifle ich. Andere Erwachsenen HSP, wie bspw. Freud oder Schattenreich oder auch Literaturklassiker, wie Kamica bebeispielt hat, wird für viele Jugendliche auch eher langweilig sein. Außer Acht lassen darf man auch nicht, dass jedes Kind, jeder Jugendliche und jeder Erwachsene individuell ist. Sowohl Interessen als auch "Schmerzgrenzen" sind extrem unterschiedlich.
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      Pig Hoschi aka Cerebral-Bulimie

      LskH schrieb:

      Ich glaube bei den meisten, zumindest aber bei sehr vielen, verpufft die Intention, die hinter den Stallonefilmen steckt. Weil sie nur einen Actionhelden in Action sehen. Kalter Krieg, unteres soziales Milieu (aus der Rocky kommt), Aufstieg in Reichtum und wieder Rückfall, ... Das wird gar nicht wahr genommen - auch damals schon nicht.


      Entschuldigt das Off-Topic hier (man könnte dafür gerne noch einen separaten Film-Thread eröffnen) :

      Zwar hatte ich Rocky nur nebenbei als Beispiel anführen wollen, es ist aber wirklich ein interessanter Umstand. Vor allen Dingen, da die Rocky-Story ja tatsächlich ein Spiegelbild des "American Dream" (von ganz unten nach ganz oben - und wieder zurück) ist. Ohne Grund sind die Filme ja nicht zu weltweiten Kassenschlagern geworden. Die motivierende Grundidee des "Wenn du nur an dich glaubst und hart an dir arbeitest, kannst du es eines Tages schaffen" dürfte Millionen Menschen (nicht zuletzt Sportler) begeistert und beflügelt haben. Ohne mich jetzt mit allen Schwarzenegger-Fans anlegen zu wollen, (seine Filme finde ich auch ganz spannend) : Die (großen) Stallone-Filme (z.B. Rocky, Rambo, City Cobra, Over the Top, Lock Up, Cliffhanger, The Specialist) haben und hatten immer sehr viel emotionale und menschliche Wärme und Tiefe bzw. "more than meets the eye" in sich. Vordergründig, ja, da wird zwar geschlagen, geschossen, gekämpft und auch getötet - aber in der Regel nicht zum Selbstzweck, sondern es geht dabei um hehre Ideale: Freiheit, Gerechtigkeit, Menschlichkeit, Liebe, Familie, Zusammenhalt, das Überwinden von äußeren Hindernissen oder inneren Ängsten, Selbstzweifeln, Minderwertigkeitsgefühlen; jedenfalls ging es immer um viel mehr als um die reine "Ich schlag dich platt, mein Freund"-Story. (Und Rocky, insbesondere, ist ja einer, der erst einmal an äußeren Umständen oder sich selbst scheitert - sich dann aber wieder aufrappelt und seine verlorene Ehre wieder herstellt.)

      Das kann man nun, und alle Schwarzenegger-Fans mögen mir verzeihen, nicht von reinen Action-Baller-Filmen wie "Der City-Hai", "Predator" oder "Terminator" sagen. Der einzige Arnold Schwarzenegger-Film, der durch ein übergeordnetes Ziel über reines Geballer hinausgeht und mir spontan einfällt, ist "Running Man". Da rennt und kämpft er zwar hauptsächlich auch um sein eigenes Überleben - aber er ist in die Situation gekommen, weil er (ehrenhafter und anständiger Weise) den Befehl verweigerte, Unschuldige zu erschießen. Erst kommt er für die Befehlsverweigerung ins Gefängnis und nach dem gescheiterten Ausbruchsversuch in die mörderische "Gameshow".

      Die Story ist ein bisschen wie "Rambo 2". Wir wollen, dass der Held aus dem Gefängnis ("Hier drin weiß ich wenigstens, wo ich bin") frei kommt, weil wir wissen, dass er da überhaupt nicht hingehört. Im anschließenden Gemetzel und Gefolter durch 'lupenreine Demokraten' wollen wir natürlich auch, dass er überlebt und den Verantwortlichen bzw. Verrätern in den eigenen Reihen irgendwann an den Kragen geht.

      Es ist, meiner bescheidenen Auffassung nach, eben das Zeichen wirklich großer Geschichten, wenn die Helden darin nicht nur für sich (für egoistische Zwecke, Luxusträume und so weiter) kämpfen, sondern - oft, obwohl sie anfangs gar nicht mehr kämpfen oder Gewalt anwenden wollen - für andere in die Bresche springen. Genau dieser Umstand machte wohl Filme wie oben genannte, aber auch "Gladiator", "Top Gun" oder "Der große Gatsby", so mitreißend und unvergesslich. Wer bei solchen Filmen nur denkt: "Sinnlose Gewaltverherrlichung, stumpfsinniges Gemetzel" - oder bei "Gatsby": "Verherrlichung eines Lügners, Hochstaplers, Urkundenfälschers, Ehebrechers und Kriminellen", der denkt meines Erachtens um einige Meter zu kurz.
      »Honour the dead. Cherish the living.«

      Die von Dir beschriebenen Tugenden der Stallone-Filme würde ich mir in Hörspielen wünschen. Das wären dann auch Produkte für Erwachsene für die man sich nicht fremdschämen müsste. Lass die heutigen, hochgelobten Produktionen _technisch_ auch noch so gut sein, inhaltsleer sind sie für mich, bis auf wenige Ausnahmen, dennoch. Da erwarte ich einfach mehr. Könnte das nicht auch der Grund sein, warum das Hörbücher bei reifen Menschen beliebter sind?
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