Angepinnt Im Gespräch mit Florian Quanz (Die Hörspielmacher) über junge Detektive, Rollenbesetzungen und eine Kleinstadt in Nordhessen

      Im Gespräch mit Florian Quanz (Die Hörspielmacher) über junge Detektive, Rollenbesetzungen und eine Kleinstadt in Nordhessen

      Florian Quanz im Gespräch mit dem Hörspieltalk
      über junge Detektive, Rollenbesetzungen und eine Kleinstadt in Nordhessen.
      Ein Interview zur Veröffentlichung des Hörspiels "Die jungen Detektive und die Teufelsgestalt".
      Geführt von Friedel, redaktionelle Unterstützung durch Cresth.



      Hörspieltalk: Erstmal vielen Dank dafür, dass du dir für das Interview Zeit genommen hast.
      Florian Quanz: Sehr gerne doch. Jederzeit.

      Hörspieltalk: Hast du bereits an anderen Hörspielen gearbeitet oder ist "Die jungen Detektive und die Teufelsgestalt" dein Erstlingswerk?
      Florian Quanz: Das ist mein Erstlingswerk. Mit Hörspielen oder Hörbüchern hatte ich vorher nichts zu tun. Als Kind habe ich viele gehört. TKKG, Fünf Freunde und als kleineres Kind natürlich Benjamin Blümchen. Allerdings als Kind nie die Drei Fragezeichen. Die höre ich erst jetzt, wo ich mich ganz anders mit Hörspielen beschäftige.

      Hörspieltalk: Also auch eine typische Hörspielvergangenheit, mal abgesehen von den drei Fragezeichen.
      Florian Quanz: Abgesehen davon sicherlich. Ich gehöre zur Kassettengeneration. Wenn ich krank im Bett lag, lief der Rekorder.

      Hörspieltalk: Wer ist dafür verantwortlich, dass du dich nun von der anderen Seite an Hörspiele wagst?
      Florian Quanz: Sven Schreivogel, der bei den jungen Detektiven Regie geführt hat. Ich habe einen Dokumentarfilm gedreht, "Der 12. Mann" über vier Fußballfans in Deutschland. Der Film wird März diesen Jahres in deutschen Kinos zu sehen sein. Sven hat als ausgebildeter Kameramann für mich gearbeitet. Dabei erzählte er, dass er eigentlich Hörspiele produziert. Ich fand das total spannend. Er nahm mich mal mit zu Aufnahmen und ich hab dann eine Geschichte geschrieben und die jungen Detektive entwickelt. Dann warf ich ihm das Skript auf den Tisch und sagte, lass uns das machen. E Voila, hier sind die Detektive.

      Hörspieltalk: Ich war sehr verwundert, als ich Rita Russeks unverkennbare Stimme aus dem Lautsprecher als Erzählerin vernahm - ich muss zugeben, ich habe das Booklet vorher nicht angesehen, um mich überraschen zu lassen. Rita Russek kennt man ja eigentlich nur aus dem Fernsehen. Eine bekannte Serienrolle als Kommissarin hat sie ja in der Krimiserie „Wilsberg“. Habt ihr Rita Russek geknebelt und gezwungen, mitzusprechen? Oder wie kam die Zusammenarbeit – ja sogar ihre erste Hörspielarbeit – zustande?
      Florian Quanz: Gezwungen? Ich glaube erfolgreiche Schauspieler kann man nicht zwingen. Sie kann sich die Projekte aussuchen, bei denen sie mitmacht.

      Hörspieltalk: Das war eher auf die Verwunderung bezogen, dass sie in einem Hörspiel zu hören ist.
      Florian Quanz: Schon klar. Ist eine witzige Vorstellung. Zum einen muss man wissen, dass die jungen Detektive in Eschwege wohnen. Das ist keine fiktive Stadt, sondern eine Kleinstadt in Nordhessen. Und sie ist nicht nur meine alte Heimatstadt, sondern auch von Rita Russek. Sie hat es für Eschwege, für ihre Heimat getan. Uns kam das Schicksal zu Hilfe, als es darum ging, wie wir sie überhaupt fragen. Wir saßen in Berlin im Literaturhaus im Cafe und sprachen in einer kleinen Runde über das Projekt. Mit anwesend war auch Kornelia Boje, eine Schauspielerin aus Berlin. Sie spricht in der ersten Folge die Henriette. Als ich dann sagte, dass wir unbedingt Rita Russek gewinnen müssen, fragte Kornelia, was wir denn von Rita wollen. Ich erklärte ihr es dann und sie sagte "Die Rita wollt ich Morgen eh anrufen, dann frag ich sie". So kam dann der Kontakt zustande, Rita Russek bekam das Manuskript und das hat sie dann überzeugt, zumal es ja wie gesagt in Eschwege spielt. Und jetzt sind wir natürlich stolz, sie dabei zu haben. Ich kenne keine Krimihörspielserie, wo eine Frau Erzählerin ist. Das ist was besonderes.

      Hörspieltalk: Weil du gerade sagtest, dass ihr in einer kleinen Runde im Cafe saßt. Wer war denn da alles für die Besetzungsentscheidungen verantwortlich?
      Florian Quanz: Ich hab die vergangenen Monate 500 Euro in Hörspiele investiert, nur um Stimmen zu hören und zu überlegen, wer passen könnte.

      Hörspieltalk: Du hast dem Hörspielmarkt gleichzeitig einen kleinen Dienst erwiesen. 500 Euro ist eine gute Stange Geld. Fallen dir da noch ein paar Hörspiele ein, die du dir angehört hast und die dich dann in deiner Entscheidung maßgeblich beeinflusst haben?
      Florian Quanz: Ich hab Wolf Frass gehört und sofort gewusst, das muss mein Schuster werden. Eine unverkennbare Stimme und ein toller Mensch. Ich hab nur leider vergessen welche Folge der Drei Fragezeichen es war. Und als wir ihn dann tatsächlich im Studio hatten, war das ein Glücksmoment.

      Hörspieltalk: Das dürfte dann entweder Flg. 151 "Schwarze Sonne" oder Flg. 169 "Spur des Spielers" gewesen sein. Beides recht aktuelle Folgen.
      Florian Quanz: Genau, Spur des Spielers war es. Ich hab mir ein eigenes Dokument angelegt. Dort sind alle Sprecher aufgeführt, die mich überzeugt haben. Dahinter stehen die Merkmale der Stimme und welchen Rollentypus sie gut sprechen können und die Folge, in der sie zu hören sind. Stephan Benson zum Beispiel will ich unbedingt mal besetzen. In der Folge "Die drei ??? und der verschollene Pilot" spricht er fantastisch.

      Hörspieltalk: Du gibst dir bei deiner Sprecherwahl ordentlich Mühe. Da kommen wir dann auch gleich zu meiner nächsten Frage. Sind bereits weitere Folgen geplant, zum Teil schon aufgenommen oder kommt da erstmal was ganz neues? Vielleicht kannst du uns ja bereits einen kleinen Einblick geben.
      Florian Quanz: Der zweite Fall ist bis auf die zwei Abschlussszenen fertig geschrieben. Die Recherchen für Fall drei laufen. Eine zweite Folge soll es defintiv geben, ob es danach weitergeht, entscheidet der Markt. Ohne Käufer keine jungen Detektive.

      Hörspieltalk: Eine logische Schlussfolgerung und das zeigt auch, dass ihr euch Gedanken über Finanzierung und Fortsetzung macht. „Die jungen Detektive“ ist ja, wie du bereits erwähnt hast, ein regionales Hörspiel. Dies ist keine schlechte Idee, es gibt ja immer wieder regionale Romane wie z. B. „Die Gauklerin von Kaltenberg“ von Julia Freidank. In eurem Hörspiel dreht es sich ja um das Städtchen Eschwege im Nordosten von Hessen. Wie war bisher das Feedback aus Eschwege und Umgebung?
      Florian Quanz: Müssen wir. Die Investitionen müssen anschließend wieder reinkommen. So viel Leidenschaft auch dabei ist, muss man vernüngftig bleiben. Wir müssen uns unsere Hörerschaft aufbauen. Das wird ein mühsamer Prozess. Das Feedback ist durchweg positiv. Ist ja auch auf unserer Farecbookseite nachzulesen. Wir haben in drei Tagen 275 Hörspiele verkauft. Das ist schon Wahnsinn. Aber allein mit dem regionalen Markt lässt sich eine solche Serie nicht aufbauen. Wir hoffen, dass sie sich ab dem 9. Januar auch überregional verkauft.

      Hörspieltalk: Und das allein auf regionaler Basis. Jetzt muss nur noch der Onlineverkauf boomen.
      Florian Quanz: Genau. Wenn beides passt, geht es definitiv weiter. Ideen haben wir genug.

      Hörspieltalk: Na dann hoffen wir doch mal, dass es sich gut verkaufen wird. Habt ihr geplant, bei guten Zahlen einen kleineren roten Faden in die Serie einzubauen oder wollt ihr euch lieber davon fernhalten und Folge für Folge - sprich ohne Cliffhanger - erzählen?
      Florian Quanz: einen kleinen Cliffhanger gibt es in Folge 1. Am Ende ruft ja Onkel Kalle an und lädt die Detektive zu sich ein, die nächsten Ferien bei ihm zu verbringen. Fall 2 wirft seine Schatten voraus. Ich verrat aber nicht, wo der Onkel wohnt. Ansonsten werden aber die Folgen für sich stehen, man muss nicht Folge 1 besitzen, um die Zweite zu verstehen.

      Hörspieltalk: Da Folge 2 aber auf jeden Fall erscheinen wird, ist dieser Cliffhanger ja schon nicht mehr so schlimm. Hat eure Serie etwas mit der KIOSK-Reihe „Die kleinen Detektive“ zutun, die 2006 von vgh-audio als „Die 3 Freunde ermitteln“ neu aufgelegt wurde? Inhaltlich habe ich keine Parallelen gefunden, hab es ja auch schon zwei Mal gehört. War die Reihe trotzdem eine Art Vorbild?
      Florian Quanz: Nein. Ich kenne sie nicht einmal. Nur vom Namen.

      Hörspieltalk: Ok, war nur so ein Gedanke.
      Florian Quanz: Wäre ja auch im Bereich des Möglichen gewesen. Aber ein Vorbild haben wir nicht, was die Geschichten angeht. Das besondere an den jungen Detektiven wird sein, dass es immer um alte Sagengeschichten geht, die Wirklichkeit zu werden scheinen.

      Hörspieltalk: Da hattet ihr euch in der ersten Folge ja bereits darauf bezogen. Wird es sich immer um das Sagenbuch von Herausgeber Otto Werner drehen?
      Florian Quanz: Ich denke nicht. Das Sagenbuch ist auf Nordhessen begrenzt. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass Fälle der Detektive in anderen Teilen Deutschlands spielen.

      Hörspieltalk: Dann lassen wir uns mal überraschen, welche Sagen ihr noch so auspacken werdet.
      Florian Quanz: Genau. Bleibt neugierig, denn es bleibt spannend. Das ist unser Wahlspruch.

      Hörspieltalk: Habt ihr euch mal Gedanken zur Laufzeit des Hörspiels gemacht? Mit einer Laufzeit von mehr als 70 Minuten hat das Hörspiel deutlich mehr Inhalt udn Länge als bisherige Kinderhörspielserien wie „Fünf Freunde“, „TKKG“ und „Team Undercover“. Bestand für euch nicht die Gefahr, dass dies zu lang für die konsumierenden Kinder ist?
      Florian Quanz: Für ein Kinderhörspiel ist es sehr lang. Das funktioniert nur, wenn die Geschichte einen guten Spannungsbogen hat. Das haben wir versucht hinzubekommen. Ob es uns gelungen ist, müssen andere entscheiden. Ich denke an der Stelle aber auch immer an etwas ganz anderes. Der Käufer soll für 8,99 Euro auch etwas bekommen. Und nicht zu vergessen. Auf dem regionalen Markt kaufen das auch viele Erwachsene, weil es in ihrer Region spielt.

      Hörspieltalk: Also da kann ich dich beruhigen, der Spannungsbogen ist konstant da. Eure Überlegung ist aber durchaus interessant, wenn man rein an den Gegenwert denkt. Das mag wohl mit ein Kaufgrund sein, wenn auch ein Kleinerer.
      Florian Quanz: Wenn ich für 8,99 Euro ein Hörspiel bekomme, was nur 45 Minuten dauert, werd ich sauer. Bei mir ist das so. 50 Minuten plus muss schon sein.

      Hörspieltalk: Ich seh das auch so wie du, denn 45 Minuten ist ein relativ kurzer Spielraum. Aber ich kann mir vorstellen, dass gerade Gelegenheitskäufer nicht auf die Laufzeit achten werden.
      Florian Quanz: Das stimmt natürlich. Aber wir wollen ja auch Hörspielfans mit unserem Produkt begeistern.

      Hörspieltalk: Das ist wichtig. Ich finde, ich habe dich jetzt genug ausgequetscht und bedanke mich für die Stunde, die du mir geschenkt hast und dass du so offen alles beantwortet hast. Ich wünsche euch einen guten Verkaufsstart und freue mich auf weitere Folgen.
      Florian Quanz: Vielen Dank. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich stehe jederzeit gerne wieder für ein Interview zur Verfügung.


      Im Anhang ein Foto der CDs und der Stadtplan von Eschwege (im Booklet zu finden)
      Bilder
      • cds.jpg

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      • stadtplan.jpg

        142,89 kB, 859×600, 204 mal angesehen

      Schönes Interview, vielen Dank dafür.
      Allerdings bin ich eher der Meinung, dass die Laufzeit nichts über die Qualität aussagt. Wenn ein Hörspiel in 45min erzählt ist und dabei eine, für mich gute Qualität (Atmosphäre, Spannungsbogen, Geräusche, Sprecher etc.) aufweist, bin ich bestimmt nicht sauer, wenn das Hörspiel dann 8,99 Euro gekostet hat ;)

      Ich bin eh eher ein Freund von Hörspielen die in 45 - 60 min erzählt sind, gerade im Bereich der Jugendhörspiele.
      Man muss die Menschen nehmen wie sie sind,
      es gibt ja keine anderen. ;)
      Danke für das Interview. Liest sich sehr schön.

      Da ich immer ein offenes Ohr habe für Jugendserien werde ich mir das Hörspiel garantiert kaufen. Zumal das Ensemble in der Mischung nicht die üblichen Verdächtigen sind.

      Da der Vertrieb auch den FRAUENARZT VON BISCHOFSBRÜCK im Programm hat denke ich, dass ich die CD bei unserem Saturn sicherlich bekomme. Amazon hat wie so oft einen fast unverschämten Vorbestellerpreis. Ich hoffe im Handel kostet das Teil dann die knapp 9,- €.
      "Auf Wiedersehen, aber es eilt nicht." (Rainer Brandt)
      @Friedel und @Cresth: Schöne Fragen - schönes Interview #respekt# ...
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