Edgar Wallace (02) Die Tür mit den sieben Schlössern

      Edgar Wallace (02) Die Tür mit den sieben Schlössern

      Die Macher des Labels Hörplanet trafen mit Marc Freund, einem großen Edgar Wallace Fan und Kurzgeschichtenwettbewerbgewinner zusammen und es wurden Pläne für eine eigene Edgar Wallace Hörspielserie geschmiedet. Mit "Der Unhold", der ersten Folge, versprach man sich vieles und auch die Erwartungshaltungen der Hörer und Käufer waren groß. Diese konnten dann leider nicht komplett befriedigt werden. Zwar war die Produktion an sich hochwertig, dennoch mangelte es leider an der Romanvorlage, die man sich ausgesucht hatte. Natürlich stellt sich dann bereits vor Veröffentlichung der zweiten Folge die Frage, ob man die Erwartungen dieses Mal - immerhin mit einem der bekanntesten Romane des großen Kriminalschriftstellers - erfüllen kann...

      In "Die Tür mit den sieben Schlössern" folgen wir Inspektor Dick Martin auf seinem letzten Arbeitstag. Dieser sollte eigentlich ruhig und mit einem langweiligen Fall eines entwendeten Buches enden, dennoch schlittert der Inspektor in einen mehr als mysteriösen Fall, der mit der Strangulierung eines Kleinganoven beginnt und Martins komplettes kriminalistisches Gespür fordert...

      Allzu gut kennt man schon die Geschichte von Wallace. Man folgt dem Inspektor an seinem letzten Arbeitstag bei Scotland Yard und schon beginnt der Fall mit den sieben Schlössern - ausgelöst durch eine Leiche. Marc Freund gelingt es, die Geschichte in eine gute Reihenfolge zu bringen und die Dialoge zwischen den Charakteren lebendig wirken zu lassen. Dieses Mal macht es ihm Wallace auch wesentlich leichter, denn Freund hatte für die erste Folge der Hörspielserie eine nicht so überzeugende Geschichte zur Bearbeitung vorliegen. Trotz des vielen Inhaltes, den Freund aus dem Roman in diesem Hörspiel unterbringt, hat es in meinen Augen keine Längen. Alles sitzt an dem Platz, an den es hinzugehören scheint. Keine Szene ist überflüssig. Keine Szene wird vermisst. Genau so sollte eine Hörspielbearbeitung sein.

      Unter der wirklich guten und hörbaren Regie von Dennis Rohling und Michael Eickhorst erweckt ein gut besetzter Cast die Dialoge zum Leben. Erneut führt Sabine Yaeger als allwissende Erzählerin durch die Geschichte. Wo ich bei der ersten Folge noch den männlichen Erzähler vermisste, gefällt sie mir mittlerweile richtig gut. Ohne Frage ist sie eine gute Sprecherin, dennoch habe ich mit Edgar Wallace Hörspielen bisher einfach - bedingt durch die Besetzungen der Label - männliche Erzähler verbunden. Dies machte es mir bei der ersten Folge dann wohl auch etwas zur Hürde, mich an eine weibliche Erzählerin bei Edgar Wallace zu gewöhnen. Markus Pfeiffer, in der Rolle des Inspektors zu hören, erinnert sehr stark an die Ermittlerbesetzungen der Wallace-Hörspiele von Maritim. Eine freundliche und gut verständliche Stimme, sowie ein überzeugendes Schauspiel. Erneut in der Rolle des Sir William ist Bert Franzke zu hören und das ist auch gut so. Denn er ist eine gute und prägnante Besetzung für den Chef des Yard. Klaus-Michael Nix ist zweifelsfrei eine gute Besetzung für Dr. Antonio Staletti - sowohl schauspielerisch als auch stimmlich. Dennoch hätte ich mir da irgendwie einen anderen Sprecher für die Rolle gewünscht. Dies ist allerdings nur mein ganz persönliches Empfinden - wirklich erklären kann ich dieses nicht. Das hattet ihr sicher auch schon mal. Da ist einfach dieser Gedanke, dass ihr eine andere Stimme erwartet hättet. Auch die restlichen Sprecher, namentlich Sarah Riedel, Frank-Otto Schenk, Arianne Borbach, Wanja Gerick, Harald Effenberg, Olaf Reichmann und Björn Schalla sind allesamt hervorragende Sprecher und stimmlich passend besetzt.

      "Passend" wäre wohl eine untertriebene Bezeichnung für die Musik, die Dennis Rohling auch für dieses Hörspiel des Hörplaneten komponiert hat. Klar muss man die Musik von Dennis Rohling mögen, aber das ist ja immer Geschmackssache. Ich mag sie und zu den Hörspielen vom Hörplaneten passt sie sehr gut. Und hier beim Wallace ebenfalls. Wie ich finde, hat man auch eine ausgewogene Mischung aus Geräuschkulisse und Musik geschaffen (z.B. statt ständige Geräusche von schnellen Schritten ein treibendes Musikstück).

      Für das Logo, das Artwork und das Design ist Alexander von Wieding (zeichentier.com) verantwortlich. Eine sehr gute Wahl, wie ich finde. Im Vorfeld - während den Planungen der Serie - wurde ja das Coverartwork bereits sehr positiv diskutiert. Düstere Illustrationen in einem dunklen, klassisch gehaltenen Layout. Alles schaut nach den Hörspielen von Europa und Maritim von früher aus. So soll es wohl auch sein und so kann es auch - in Kombination ein einziges "Kunstwerk" - überzeugen. "Eyecatcher" könnte man es auch nennen.


      Fazit: Wo "Der Unhold" noch dank der unglücklichen Buchvorlage einen Schatten auf die Gesamtqualität des ersten Wallace-Hörspiels warf, kann "Die Tür mit den sieben Schlössern" in voller Stärke punkten. Zusätzlich zur bereits wirklich guten Produktion (Musik, Schnitt, Regie, Besetzung und Coverlayout) hat Marc Freund nun auch noch eine der in meinen Augen besten Romanvorlagen des Kriminalschriftstellers in ein wirklich rundes Skript verwandelt, welches sowohl Wallace als auch Freund würdig ist. Genau so sollte ein Wallace-Hörspiel aus dem Hause Hörplanet sein. Vielleicht war es nicht unbedingt die beste Entscheidung, für die Startfolge eine schwache Romanvorlage zu wählen, wenngleich es die Ambition des Labels war, mit einem unbekannteren Stoff zu starten. Wie ihr also sicher aus den vorhergehenden Zeilen herauslesen konntet, bin ich sehr zufrieden mit diesem Hörspiel. Und genau deshalb gebe ich eine uneingeschränkte Kaufempfehlung!
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