NEWS von und über Sebastian Weber

      Vielen Dank für die Skriptscherbe. Ich werde sie mir morgen in Ruhe durchlesen. Was mir aber jetzt noch grössere Freudebereitet, ist die Tatsache, dass wir bald ein neues Projekt aus Deiner Feder hören können. Da freue ich mich schon wahnsinnig drauf. Ich hoffe Du hältst uns hier auf dem Laufenden. Ich werde wohl schon mal vorsorglich einen neuen Thread mit dem Thema Neues Projekt des Hörplaneten eröffnen.
      Und noch mehr Resteverwertung aus Partitur 9:
      Im Saladin erwidert der Awender auf die in der stinkenden Wohnung vom Mozartischen gestellte Frage, woher er denn wisse, dass er den Herrn Resch dort finden könne, dass ihm das das Fräulein Marschall gesagt habe.

      Dass man solch einen kurzen Satz auch in eine (zugegeben ebenfalls recht kurze und nicht wirklich spektakuläre) ganze Szene packen kann, beweist diese Skript-Scherbe, die es nicht ins "On" der Partitur geschafft hat, und daher unvertont aus dem "Off" des Blogs grüßt. Immerhin - um eine Legitimation der Szene abgesehen von einem milden Foreshadowing zu formulieren - wird man dort rudimentär über die damaligen Lektüren und die Zusammenstellung weltweiser Bibliotheken im ausgehenden 18ten Jahrhundert informiert.

      brudervomweber schrieb:

      Ich bin ja nicht hörspieleschreibend auf die Welt gekommen, weshalb gerade die frühen Bedfort-Hörspiele etwas steifer in der Hüfte sind als die Sachen, die ich inzwischen schreibe. Mit jedem Hörspiel lernt man dazu. Und natürlich ist es etwas anderes, eine "eigene" Serie zu schreiben, bei der man sehr viel kreativen Spielraum (zumindest in meinem Fall bekommen) hat und deren Fortgang man quasi frei beeinflussen kann, oder man als einer von mehreren an einer Serie schreibt, deren Parameter und Figuren fix sind und die - wie bei den nicht immer ganz so guten US-TV-Serien der 80er Jahre - am Ende wieder alles auf Anfang gestellt sein muss.


      Als hätte ich nicht einen Stapel "ungehört", der den Burj Khalifa wie einen Zahnstocher aussehen lässt. Aber trotzdem rufe ich die Weber-Wochen auf Deezer aus. Ich bin nämlich Spoti grad mal untreu geworden und mache den 90 Tage-Test der Konkurrenz (hier angesprochen: [STREAMING-DIENSTE] Spotify, Napster, Deezer, etc.. Meine Frau freut sich sehr, dass sie Spoti jetzt alleine hat :D

      Los geht es mit dem Fluch von Loveham Hall. Der Impresario schreibt "für einen Erstling...außergewöhnlich gut gelungen" und "schon einen eigenen "Weber"-Flair". Ich würde dem zustimmen, dass es für ein Debüt absolut in Ordnung ist. Es reiht sich nahtlos in den Bedfort-Kosmos ein und fällt nicht negativ auf. Kritisch könnte man anmerken, die Geschichte selbst ist wenig originell und die Charaktere doch sehr flach. Die fiese Cousine ist die Böse, Überraschungsmomente gibt es keine. Die Dialoge sind "etwas steifer in der Hüfte", aber nicht hölzern, einen "Weber-Flair" mit dem typischen Esprit kann ich hier jedoch nicht so wirklich erkennen. Ich kenne sicherlich zu wenig Folgen, aber auch wenn jetzt vermutlich beide Herren aufschreien werden, wenn man es nicht weiß, dann würde man nicht unbedingt draufkommen, dass hier erstmals nicht John Beckmann die Folge geschrieben hat. Ich würde mal vermuten, dass das auch ein wenig die Absicht war damals. In eine Serie reinzuschreiben, die ein anderer über 18 Folgen lang entwickelt hat und das mit dem ersten eigenen Hörspielskript überhaupt, da kann man sich gut reinversetzen, wie es dem Weberschen damals erging.

      Weitermachen werde ich wegen der interessanten Aussage "missverstandener Halbedelstein" jetzt nicht chronologisch, sondern mit den "Katzen von Broughton".
      "Ich habe mittlerweile ca. 30000 Hörspiele gehört, bitte, danke."

      Simmering gegen Kapfenberg Greenskull gegen Audionarchie - das ist Brutalität

      Chris schrieb:

      In eine Serie reinzuschreiben, die ein anderer über 18 Folgen lang entwickelt hat und das mit dem ersten eigenen Hörspielskript überhaupt, da kann man sich gut reinversetzen, wie es dem Weberschen damals erging.


      Und nach 36 Folgen dem Freundschen, nach 48 dem zweiten Beckmannschen (für beide waren die ersten Folgen auch die ersten Hörspielskripte) und wer danach dann noch so als regelmäßiger Autor hinzugestoßen ist. ;)

      Wobei man sicher ebenfalls sagen könnte, je später der Einstieg, desto diverser hat sich die Serie wohl auch schon durch die unterschiedlichen Stile oder eigenen kleinen Duftmarken der vorherigen/vorhandenen Autoren entwickelt, so dass ein Neueinstieg als Autor nicht mehr so einschneidend ist wie direkt in der Anfangsphase. Sicher eine interessante Thematik.
      "Was sagt man darüber, wie man Bücher schreibt? Man denkt sich etwas aus und zwingt sich, es aufzuschreiben."

      Ariadne Oliver, Poirot: Wiedersehen mit Mrs. Oliver

      Chris schrieb:

      Kritisch könnte man anmerken, die Geschichte selbst ist wenig originell und die Charaktere doch sehr flach.


      Könnte und darf man zweifelsohne. ;)

      Chris schrieb:

      Die Dialoge sind "etwas steifer in der Hüfte", aber nicht hölzern, einen "Weber-Flair" mit dem typischen Esprit kann ich hier jedoch nicht so wirklich erkennen.


      Das ist stilistisch ja auch durchaus Teil der Serie, dass nicht jeder ganz und gar locker vom Hocker drauflos plaudert. Und es ist sicherlich aus meiner Binnenperspektive des Schreibenden auch noch einmal anders, die Differenz zu John Beckmann zu sehen. Das geht ja sogar so weit, dass ich eigentlich für mich in Anspruch nehme, zumindest seit der LB 24 eher character-driven als plot-driven zu schreiben (was bei John Beckmann sehr viel stärker der Fall ist), und irgendwo mal lesen musste, dass der wesentliche Unterschied zwischen mir und John ja wohl sei, dass er die tieferen Charakterzeichnungen, ich dafür die ausgeklügelteren Fälle hätte ... was ich gerade aber mal gar nicht so sehe ... und was nicht heißen muss, dass es im Ergebnis nicht doch stimmt. 8|

      Chris schrieb:

      In eine Serie reinzuschreiben, die ein anderer über 18 Folgen lang entwickelt hat und das mit dem ersten eigenen Hörspielskript überhaupt, da kann man sich gut reinversetzen, wie es dem Weberschen damals erging.


      Das war damals schon eine kleine, aber spannende Herausforderung, an der ich gottlob nicht zerbrochen bin. :)

      Thorsten B schrieb:

      Und nach 36 Folgen dem Freundschen, nach 48 dem zweiten Beckmannschen (für beide waren die ersten Folgen auch die ersten Hörspielskripte) und wer danach dann noch so als regelmäßiger Autor hinzugestoßen ist.


      Ich weiß nicht recht, ob es dadurch so viel einfacher geworden ist, Thorsten. Chapeau jedenfalls an dich und die anderen "Nachgeborenen", dass die Serie zuverlässig auf die 100 zuläuft. Lady Bedfort hat viele Änderungen "überlebt", und das liegt sicherlich auch an der soliden Produktionsbasis, der ganz wesentlich auch ordentliche Skripte zugrundeliegen. John und ich haben damals den Luxus gehabt, ganz viel terra incognita betreten können, während die neue Autorenschar schauen muss, wie man aus dem etablierten Altbekannten immer noch frische Funken schlagen kann. :thumbup:

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „brudervomweber“ ()

      Das stimmt wohl. Je mehr Folgen desto größer die Gefahr, dass sich etwas wiederholt und angestaubt wirkt anstatt neu und frisch. Statt interessanter Variation nur noch Kopie seiner selbst. In der Theorie. Praktisch kann ich sagen, dass ich zumindest im Moment noch keine Probleme habe, diese interessanten Variationen zu finden (siehe zum Beispiel Folge 80 mit Tim Denham im Mittelpunkt). Auch auf die kommende Folge 85 kann man sich schon freuen. Da wird etwas passieren, bei dem es mich sogar wundert, dass vor mir noch kein anderer Autor auf die Idee gekommen ist und auch das Skript, dass ich vor ein paar Wochen geschrieben habe, wird wortwörtlich etwas Zunder nach Broughton bringen und Lady Bedfort vor eine bisher nicht dagewesene Situation stellen. Dennis und Michael überlegen sich da auch schon viel, damit die Serie lebendig bleibt.

      Und wo wir gerade bei den beiden sind, ich denke dass deine Verpflichtung damals den Grundstein dafür gelegt hat, dass sie mit allen weiteren neuen Autoren auch entspannter umgehen konnten. Das war damals sicher auch noch kein leichter Schritt.

      Also alles in allem mag es zwar sein, dass es nicht unbedingt einfacher geworden ist, aber so lange die Situation so bleibt wie sie gerade ist, finde ich es auch nicht wirklich schwieriger. ;)

      Wobei ich mir auch nichts vormachen will. Irgendwann wird sicherlich der Punkt kommen, an dem Lady Bedfort für mich als Autor auserzählt ist. Ob der Punkt allerdings erreicht wird so lange die Serie noch läuft, wird man abwarten müssen.
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      Markus0815 schrieb:

      Fluch von Loveham Hall fand ich damals sehr gut, ohne Autorenverehrung o.ä.


      So weit kommt es noch, dass hier den Autoren Schreine errichtet werden ... #sonne#

      Ehrlich gesagt glaube ich kaum, dass Hörern (gleichgültig bei welcher Serie) wirklich überhaupt auffällt, welcher Autor am Werk war - mit Ausnahme vielleicht der ???, aber ansonsten ist es doch eigentlich sekundär, wer eine Folge beigesteuert hat. Und natürlich ist es auch Absicht der Macher, dass bei allen möglicherweise im Detail zu findenden individuellen Eigenheiten einzelner Skriptsklaven der Ton der Serie weiterhin erhalten und unterm Strich der Autor wirklich eher im Scahtten bleibt, solange das, was er da schreibt, nicht so speziell ist, dass nicht auch ein Autorenteam den Faden mit der wünschenswerten Homogenität aufnehmen könnte.

      Aber auch, wenn es nichts mit mir zu tun hatte - Danke für's die Folge mögen!

      brudervomweber schrieb:

      Ehrlich gesagt glaube ich kaum, dass Hörern (gleichgültig bei welcher Serie) wirklich überhaupt auffällt, welcher Autor am Werk war - mit Ausnahme vielleicht der ???, aber ansonsten ist es doch eigentlich sekundär, wer eine Folge beigesteuert hat.


      Das finde ich gar nicht. Gerade durch die Maritim-Phantasienamen gab es da schon das eine oder andere spannende Erlebnis. Bei der außergewöhnlich guten Mimi-Rutherfurt-Folge "Schwarze Blüten" dachte ich mir gleich, na, da hat Herr Sachtleben aber einen richtigen Masuth geschrieben. Bis mir gesagt wurde, dass das ein und dieselbe Person ist. Überhaupt merkt man bei Maritim deutlich mehr den Autor dahinter, natürlich auch bei den neuen Sherlock Holmes von Romantruhe. Masuth, Freund und "Butcher" schreiben doch sehr unterschiedlich. "Der grüne Admiral" oder "Die gelbe und die blaue Flamme", das kann nur ein Masuth sein.

      Nun aber zurück zum Thema, bei dem ich allerdings auch nach zwei weiteren Folgen keinen Weber herausgehört hätte. Viel stärker als das Skript schlägt hier der Hörplanet-Style durch, bei Frau Bedfort bin ich halt kein Fan von diesem.

      Zum "grundsätzlich missverstandene[n] Halbedelstein". Sebastian schreibt, "das sollte eigentlich kein Krimi sein, sondern eine Bewältigungsfolge". OK, gut so, denn die Krimihandlung ist wahrlich kein pures Gold. Ich reime mir mal zusammen, dass der nervige Butler 8) in der Folge vorher verstorben ist. Da der ja nun doch eine Hauptfigur war, kann man sicherlich nicht so einfach mit dem nächsten Fall weitermachen und einfach Tim Denham als Sidekick die Stichworte geben lassen. Seh ich ein, trotzdem fand ich die Folge sehr ermüdend und die Auflösung uninspiriert. Und zum Bewältigen hatte ich im Gegensatz zum harten Kern der Bedfort-Fans ja nix.

      Von der 35 zurück in die richtige Reihenfolge. Folge 21 "Der schreckliche Nachbar" hat mir gefallen. Einige originelle Kniffe wie die Dialoge über die Navistimme, die den "Trick" ein ganz klein wenig andeuten (aber da muss man erst mal drauf und nicht im Nachhinein kommen) und ein wirklich gelungener Twist zum Schluss. Fein konstruiert, wenngleich ich bei den Dialogen weiterhin nicht erahnen würde, dass der Mann mal in paar Jahren den Amadeus schreibt. Wobei sich natürlich bis dahin nicht nur der Autor weiterentwickelt, sondern auch die beiden Hörspielmacher, mit dem Anspruch sollte man einfach nicht rangehen. Trotzdem bin ich jetzt schon auf die 55 aus 2012 gespannt. Ich ziehe das aber jetzt nicht vor, sondern bleibe in der Chronologie.
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      Nun hab ich sie alle durch.

      Mein Fazit: Der Bedford-Kosmos ist nicht so die Welt von Sebastian Weber. Gut, meine ja auch nicht.

      Nicht dass er besonders enttäuschende Fälle geschrieben hätte, nein, keiner fällt durch, da gibts in dieser Serie ganz andere Ausreißer nach unten.

      Aber es sticht halt auch nichts heraus, solide Arbeit, aber keine brillante Idee, kein großes Finale mit Kniffen und Wendungen der Sonderklasse und leider auch keine Dialoge, die beigeistern können.

      Stopp, so kann man das doch nicht sagen. Denn "Der schreckliche Nachbar" ist doch vom Plot her meiner bescheidenen Meinung nach ein deutlich größerer Wurf als die anderen Folgen. Und was die letzte Folge angeht, die hat mir auch besser gefallen als der Rest. Das liegt zum einen an der Figurenzeichnung, die ja Lady bekommt angenehm Gegenwind, es wird das gesagt, was sich der Hörer die ganzen Folgen vorher auch gedacht hat. Und Inspector Gomery ist mehr als die übliche Polizistenstaffage, die Abwesenheit des Butlers tut der Serie auch sehr gut, auch wenn mich die "echten Fans" dafür wohl mit Steinen bewerfen werden.

      So, nun hab ich mir langsam aber sicher den Saladin verdient. Davor gibts natürlich noch einmal den Sukkubus, das ist schließlich ein Jahr her!
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