Infos und NEWS von Marc Freund

      Infos und NEWS von Marc Freund

      Lieber Marc, liebe Hörspieltalker!

      Hier gibt es die Möglichkeit Infos und NEWS von Marc Freund zu seinen aktuellen und zukünftigen Projekten zu erfahren.

      Ich stelle mal hier 2 Fragen in den Raum, die mich interessieren würden:


      1. An welchen Hörspielprojekten bzw. Hörspielfolgen arbeitest Du aktuell?

      2. Hast Du auch Geschichten in der Schublade, die bis dato noch nicht vertont wurden? Warum wurden sie noch nicht veröffentlicht?

      3. Wie muss man sich Deine Arbeit als Autor für Hörspielserien vorstellen?
      Hallo Markus,

      zunächst mal vielen Dank für die Einrichtung dieses Threads und dein Interesse. Freue mich hier auf regen Austausch. #winkewinke#


      Zu deinen Fragen:

      1) Ich bin gerade mit der Überarbeitung meiner 21. Lady-Bedfort-Folge fertig geworden, die den Hörer später hoch auf die Klippen von Südengland führen wird, wo es für Lady Bedfort und Max einige brenzlige Situationen auf der Jagd nach einem gefährlichen Mörder zu bestehen gibt. Und NACH Lady Bedfort ist auch schon wieder VOR Lady Bedfort, denn es warten jetzt noch zwei weitere Folgen, die ich bereits konzipiert und ausgearbeitet habe. Sie wollen jetzt quasi "nur noch" aufgeschrieben werden.
      Im weiteren Verlauf werde ich in diesem Jahr auch noch weitere Folgen für die Serie "Sherlock Holmes - die neuen Fälle" beisteuern.

      2) In meinen Schubladen liegt noch so allerlei aus den letzten 10 bis 12 Jahren. Vieles davon, da bin ich ganz ehrlich, sollte auch dort liegen bleiben, weil ich SO heute nicht mehr schreiben würde. Vielleicht lassen sich die Ideen nochmal aufgreifen und zu einer neuen Story verarbeiten. Was Hörspiele angeht, so habe ich 5 Manuskripte verfasst, die bisher noch nicht vertont wurden. Das hat ganz unterschiedliche Gründe. Die ersten beiden schrieb ich vor über drei Jahren, ohne dabei eine Serie oder ein bestimmtes Label vor Augen zu haben. So etwas ist natürlich schwer an den Mann zu bringen. Diese beiden Krimis würde ich so auch heute nicht mehr veröffentlichen wollen. Die drei anderen Manuskripte waren sozusagen Auftragsarbeiten für ein bekanntes Hörspiellabel. Bei zweien davon wird es sich hoffentlich in diesem Jahr entscheiden, ob sie dort innerhalb der bestehenden Serien oder als neues Projekt erscheinen.

      3) Ich muss gestehen, dass ich erst nach meinen ersten zwei Lady-Bedfort-Folgen realisiert habe, dass ich nun Serien-Autor bin. Da habe ich mal kurz inne gehalten und mich selbst gefragt, ob ich dazu überhaupt in der Lage bin. Woher sollen die ganzen Ideen beispielsweise kommen. Das war für mich eine ganz neue Erfahrung, denn bis dahin hatte ich nach Lust und Laune geschrieben oder halt nur dann, wenn ich eine Idee hatte. Mir wurde plötzlich bewusst, dass ich bei einer Serie mehr oder weniger gezwungen sein würde, regelmäßig neue Geschichten zu liefern. Da gab es plötzlich Leute, die auf meine Zuarbeit warteten, es galt und gilt, Termine einzuhalten. Und dann war da noch das böse Wort mit "Sch" - die Schreibblockade. Wie sich zeigte, habe ich mir ganz grundlos Sorgen gemacht. Neue Ideen kommen von ganz allein, wenn man erst mal tief genug in der Materie steckt. Mein Unterbewusstsein lotet ständig alle Situationen, die ich erlebe, darauf aus, ob sie sich zu einer Story verarbeiten lassen. Und natürlich lasse ich mich auch durch Bücher, Filme und Fernsehen inspirieren. Um beim Beispiel von Lady Bedfort zu bleiben, schreibe ich eine neue Idee zunächst als Kurz-Exposé auf und stelle sie den Jungs vom Hörplanet vor. So stimmen wir zunächst einmal ab, ob die Idee grundsätzlich in die Serie passt oder ob ggf. gerade einer meiner Kollegen an einer ähnlichen Idee arbeitet. Im nächsten Step erstelle ich ein erweitertes Exposé, das dann schon sehr ausführlich beschreibt, was in jeder einzelnen Szene passiert. Erst wenn dieses mit dem Label abgestimmt ist, geht es ans eigentliche Schreiben der Hörspiel-Folge. Wir investieren absichtlich schon viel Fleiß in diese Vorarbeiten, damit nachher am fertigen Skript im besten Fall nur noch ein paar Kleinigkeiten ausgebessert werden müssen. Als Autor habe ich keinen festen Tagesablauf. Ich schreibe, wenn es meine Zeit erlaubt, beinahe zu jeder
      Tages- oder Nachtzeit. Da ich nebenberuflich schreibe, muss ich mir diese Zeiten also gut einteilen. Wenn das Skript abgesegnet ist, ist damit meine Arbeit an dieser Folge getan und ich warte dann genau so gespannt auf die Umsetzung meiner Geschichte als Hörspiel. Das ist immer noch eine ungemein spannende Sache und ein echtes Glücksgefühl, die fertige CD irgendwann in Händen zu halten, wohlwissend, dass da von allen Beteiligten eine ganze Menge Arbeit drin steckt.


      Hoffe, ich konnte mit meinen Antworten einen kleinen Einblick in meine Arbeit geben. Freue mich auf weitere Fragen oder Anregungen. ;)

      Viele Grüße,
      Marc
      Hallo Herr Freund!

      Ich steuere auch mal zwei Fragen bei, diese betreffen jetzt nicht (nur) Ihre Arbeiten, sondern wohl auch mehr das Genre Krimi im Hörspiel allgemein.

      1) Ich habe neulich die Lady Bedfort-Folge 62 gehört und da kam wieder dieses Phänomen vor, dass mir oft (auch bei der Lady) auffällt, nämlich dass der/die Böse - in diesem Falle - von der Lady in die Enge getrieben wird (mal ganz davon abgesehen, ob es überhaupt möglich ist, sich von einer alten Dame in die Enge treiben zu lassen) und nun den kompletten Tathergang vor ihr ausbreitet, natürlich unter der Annahme, sie danach gefahrlos töten zu können. Ich weiß, jetzt kann man sagen "Ja wo lebst du denn, dass wird doch überall so gemacht", aber ehrlich gesagt fällt es mir immer sehr in Hörspielen auf, auch wie gesagt des öfteren bei der Lady. Nun kann man sich fragen, wie man es anders, realistischer machen könnte. Z. B. den Täter anhand von Beweisen überführen, ohne dass er sich verplappert, oder vielleicht dass man das ganze - so wie es wohl auch in Wirklichkeit ablaufen würde - als Verhör in einem Polizeirevier mit Inspektor Miller darstellen würde. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es da gewisse Konventionen gibt, an die man sich halten muss oder es vielleicht einfach nur gewohnheitsmäßig tut. Wo ist jetzt die Frage hier? Na vielleicht ob das generell ein Problem darstellt oder ob das nun mal einfach dazugehört.

      1 Teil 2) Mich stört es auch, wenn in Krimi-Hörspielen die Täter gestehen obwohl objektiv keine Beweise vorliegen und alles nur auf dem Monolog der ermittelnden Figur beruht. Wie steht man da als Autor zu, wenn einem sowas auffällt? Begibt man sich dann noch mal retrograd auf die Suche, wo man noch einen Beweis einbauen könnte oder wie läuft das? Auch hier könnte ich mir vorstellen, dass es nochmal einen Unterschied machen könnte, ob man einen Roman schreibt oder ein Bedfort-Hörspiel. Es ist ja bekannt, dass der Hörplanet sehr akurat lektoriert bzw. das ganze reflektiert, bekommt man da ab und an eine Rückmeldung "Ja, wo sind denn die Beweise?"

      2) Mich würde mal interessieren, ob Sie, wenn Sie eine neue Idee haben, in irgendeiner Weise recherchieren ob es diese schon mal vorher gab. Ich komme darauf, weil zb bei Point Whitmark und bei Mimi Rutherfurt es eine Grundidee gab (die allerdings sehr prägnant ist und eben nicht nur "Der Chauffeur war der Mörder weil der in Wirklichkeit der Halbbruder des Toten ist" oder ähnliches), die ursprünglich mal bei Agatha Christie vorkam. Oder aktueller aus der neuen Rutherfurt-Box diese eine Geschichte, die mich sehr sehr stark im Ablauf und der Lösung an die Bedfort-Folge "Der Fang der Fischer" erinnerte... Also bei solchen Parallelen wäre ich als Autor schon etwas vorsichtiger. Dass es immer einige Überschneidungen geben kann, insbesondere bei alten, ermittelnden Damen, das kann passieren.

      Vielen dank schonmal!

      Nachtrag:
      Eine Frage speziell zu Lady Bedfort ist mir grade noch eingefallen: Gelegentlich werden ja in den eigentlichen Fall auch zwischenmenschliche Entwicklungen eingebaut oder zumindest werden Charakterzüge von Figuren etwas deutlicher herausgearbeitet. Sowas kann ja unter Umständen auch Konsequenzen für die Figur und spätere Folgen haben. Inwieweit könn(t)en Sie hier eigene Ideen einbringen oder gibt es da vom Hörplanet auch mal Vorgaben ala "Wäre gut wenn Miller und Bedfort sich hier mal richtig angiften" o.ä. Ich für meinen Teil würde mir sogar manchmal deutlich mehr von diesen etwas "lebensnäheren" Dingen wünschen... Sicherlich ist klar, dass die Grundkonstellationen die gleichen bleiben, aber trotzdem...

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Markus0815“ ()

      Hallo Marc Freund,

      mich würde zum einem mal interessieren wie es zu der Zusammenarbeit mit Hörplanet und Romantruhe gekommen ist. Hast Du dich "ganz normal" beworben oder hattet ihr bereits anderwertig Berührungspunkte?

      Und dann würde ich gerne wissen wie Du das Hörspiel als Medium beurteilst, Hörst Du selber auch Hörspiele oder sammelst sie sogar?

      Lieben Dank im Voraus für deine Antworten. #winkewinke#
      Man muss die Menschen nehmen wie sie sind,
      es gibt ja keine anderen. ;)
      Hallo Markus0815,

      vielen Dank für Ihre sehr interessanten Fragen, zu deren Beantwortung aus meiner Sicht ich gleich voranschreiten möchte:

      Zu Frage 1, Teil 1:
      Ich versuche, hier erst einmal eine allgemeine Erklärung abzugeben. In einem Krimi, der nach dem „Whodunit-System“ funktioniert (und das tun ja die allermeisten Lady Bedfort Geschichten) stehe ich als Autor am Ende meiner Geschichte vor zwei Herausforderungen. 1) Ich muss dem Hörer den tatsächlichen Täter präsentieren. 2) Ich muss dem Hörer plausibel darlegen, auf welche Weise der Täter seine Tat begangen hat und welche Motive ihn dazu angetrieben haben.
      Zu Punkt 1: Hier legen wir allesamt schon Wert darauf, dass ein Täter nicht einfach so „aus dem Hut“ gezaubert wird, sondern dass Lady Bedfort diesen – entweder mit oder ohne Zusammenarbeit mit der Polizei – im Laufe der Folge durch ihren Spürsinn und ihre Kombinationsgabe ermittelt. Dieser Weg muss plausibel und nachvollziehbar sein. Am Ende wird der Täter dann von ihr entlarvt. Das ist im Großen und Ganzen das, was der Hörer von der Serie erwartet. Ich will gar nicht sagen, dass es nicht auch mal anders sein könnte und die Herren Inspektoren dem wahren Täter auf die Schliche kommen aber ein Großteil des Witzes zieht die Serie doch daraus, dass eben die alte Dame immer um eine Nasenlänge voraus ist. Die Präsentation des Täters ist hierbei allerdings noch der einfachere Punkt.
      Zu Punkt 2: Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass der Hörer ein Recht darauf hat zu erfahren, wie die Tat letztlich begangen wurde und welche Motive der Täter hatte. Als Autor habe ich nun verschiedene Möglichkeiten, dem Hörer diese Informationen nahe zu bringen. Eine davon ist sicherlich die, wie von Ihnen angesprochen, dass der Täter seine Tat im Kreuzverhör der Polizei gesteht. Das ist möglicherweise realitätsnaher aber mit Sicherheit für den Hörer auch langweiliger. Mir ist die andere Variante lieber, in der der Täter in die Enge getrieben wird (dies kann ja durchaus auch verbal geschehen und muss nichts mit körperlicher Präsenz zu tun haben) und im Rahmen eines hoffentlich spannenden Finales einige Informationen preisgibt, bzw. Lady Bedfort ihm genau darlegt, wie er das Verbrechen ausgeführt hat. Diese Variante empfinde ich als die spannendere Lösung, denn die andere Alternative wäre eine Verhaftung des Täters und dann anschließende ellenlange Erklärungen zum Wie, Wann und Warum. Das Ganze ist sicherlich eine Gratwanderung und die Geschmäcker sind da verschieden. Natürlich muss auch ich als Autor schauen, nicht immer dasselbe stereotype Ende zu verwenden.

      Zu Frage 1, Teil2:
      Wie oben schon erwähnt, sollte die Ermittlungsarbeit von Lady Bedfort insgesamt schlüssig und für den Hörer nachvollziehbar sein. Lady Bedfort als Person zeichnet sich ja auch dadurch aus, dass sie eben nicht gleich mit der erstbesten Lösung zufrieden ist, sondern mitunter eine andere Denkweise an den Tag legt. Ihr fallen Dinge auf, die die Polizei beispielsweise übersehen hat und kommt so zu anderen Ergebnissen. Sie sammelt Hinweise, verwickelt die an dem Fall beteiligten Personen in Gespräche und fügt am Ende diese Punkte zu einem passenden Bild zusammen. Wichtig hierbei ist, dass das Ganze schlüssig dargestellt ist und nicht an den Haaren herbeigezogen wirkt. Der Täter sollte sich auf keinen Fall einfach so „verplappern“. Das ist eine sehr plumpes Vorgehen, wie ich finde. Entweder muss dieser durch handfeste Beweise überführt werden oder aber er sieht sich in die Enge getrieben und bricht unter dem psychischen Druck zusammen. Da gibt es sicher verschiedene Ansätze. Sowohl ich als auch das Lektorat achten schon darauf, dass die oben genannten Punkte gegeben sind und ein Täter eben nicht aus dem Hut gezaubert wird und es im Grunde jeder hätte sein können. Selbstverständlich gehören dazu auch entsprechende Beweise, nur werden die nicht in jedem Fall explizit noch mal erwähnt. Es gibt ja durchaus Fälle, in denen diese Beweise vorhanden sind – aus Hörspielsicht ist es aber nicht notwendig, diese nochmal zu erwähnen, weil dem Hörer diese Tatsachen bekannt sind und man möchte sich ja auch nicht wiederholen und den Hörer damit langweilen.


      Zu Frage 2:
      Ich bin seit meiner frühesten Jugend begeisterter Krimi-Leser und –Gucker. Dennoch möchte ich mir nicht anmaßen, jeden Krimi, ob als Film, in Buchform oder als Hörspiel, zu kennen. Es gibt mittlerweile abertausende von Krimis, so dass man davon ausgehen kann, dass im Grunde jede Geschichte schon einmal erzählt wurde. Das soll nun kein Freibrief für das Kopieren von Ideen oder Motiven anderer Autoren sein – ich will damit nur sagen, dass eine vollumfängliche Recherche, ob es eine Idee in gleicher oder ähnlicher Form schon einmal gab, nahezu unmöglich ist. Trotzdem erhebe ich als Autor den Anspruch, niemanden absichtlich zu kopieren. Das ist aber irgendwie auch ein heikles Thema. Natürlich lasse ich mich sehr gerne inspirieren und ich behaupte mal, dass ohne Inspiration gar nichts Neues entstehen kann –aber wo endet die Inspiration und wo fängt das Kopieren einer bereits bestehenden Idee an?
      Am Beispiel eines Mordfalles: Das Mordmotiv ist entweder immer Rache, Habgier oder Liebe/Eifersucht. Auf diesen drei Motiven basieren tausende von Krimis. Alles ist irgendwann schon einmal da gewesen. Aber ich finde, man sollte sich davon nicht entmutigen lassen, denn Inspiration ist eine sehr schöne Sache und es macht Spaß, z. B. mit bekannten Elementen zu spielen und diese neu miteinander zu vermischen, so dass dann tatsächlich eine neue Geschichte daraus wird. Ähnlich wie in der Musik, wo es im Grunde ja auch nur 8 Töne gibt, die auf verschiedene Weise neu miteinander arrangiert werden.


      Zum Nachtrag:
      Ich sehe es genau wie Sie, dass es in den Lady-Bedfort-Folgen auch immer ein wenig Raum für Zwischenmenschliches geben sollte. Das ist eine Sache, die ich innerhalb der Serie auch erst gelernt habe. Es kommt dabei auch immer ein bisschen darauf an, wie viel Raum der aktuelle Fall gerade für dieses „Geplänkel“, wie Fans der Serie es einmal genannt haben, lässt. Im Falle der Rückkehr von Max war hier schon ein entsprechender Raum und es war auch unbedingt notwendig, zu zeigen, dass unsere Mylady durchaus Gefühle hat. In den kommenden Folgen wird auch noch deutlich werden, dass wir genau dieses „Zwischenmenschliche“ noch mal weiter entwickelt haben, weil es möglicherweise im bisherigen Verlauf der Serie ein wenig zu kurz gekommen ist. Hier haben wir (Hörplanet und ich) uns abgestimmt, wie die Rückkehr von Max auch auf menschlicher Ebene ablaufen soll. Direkte Vorgaben zu einzelnen Folgen bekomme ich eher weniger. Im Laufe der Serie haben wir ja auch z. B. schon einiges über Inspektor Miller erfahren und es wird auch in Zukunft immer mal wieder der Fall sein, dass wir über das Vorleben und die Gefühle der anderen Stammcharaktere weitere Einzelheiten erfahren. Ich bin Ihrer Meinung, dass die Serie da noch Potential hat aber man muss halt auch schauen, dass man die Charaktere nicht zu drastischen Einflüssen aussetzt, so dass sie am Ende innerhalb der Serie nicht mehr tragbar oder nicht mehr realistisch sind.


      Viele Grüße,
      Marc Freund

      Angel 74 schrieb:

      Hallo Marc Freund,

      mich würde zum einem mal interessieren wie es zu der Zusammenarbeit mit Hörplanet und Romantruhe gekommen ist. Hast Du dich "ganz normal" beworben oder hattet ihr bereits anderwertig Berührungspunkte?

      Und dann würde ich gerne wissen wie Du das Hörspiel als Medium beurteilst, Hörst Du selber auch Hörspiele oder sammelst sie sogar?

      Lieben Dank im Voraus für deine Antworten. #winkewinke#




      Hallo Angel 74,

      auch dir vielen lieben Dank für deine Fragen.

      Wie bin ich zum Hörplanet gekommen, bzw. der Hörplanet zu mir?
      Als Krimi- und Hörspiel-Fan war dieses Zusammentreffen vermutlich unvermeidbar. ;D
      Aber Scherz beiseite. Ich habe mich tatsächlich, wenn man so will, beim Hörplanet beworben. Ich habe vor etwa drei Jahren per EMail angefragt, ob für die Serie „Lady Bedfort“ noch Autoren gebraucht werden. In der Antwort bat man mich, doch gerne mal eine Probe-Szene einzusenden. Das habe ich gemacht, war aber mit dieser Szene selbst nicht so ganz zufrieden, weswegen ich gleich eine ganze Folge schrieb und sie unverbindlich beim Hörplanet einreichte. Kurze Zeit später wurde mein Skript gelesen und für in Ordnung befunden. Daraus entstand dann „Lady Bedfort und die Streiche des Hutmachers“ und eine bis heute sehr angenehme Zusammenarbeit.
      Im Falle der Zusammenarbeit mit Romantruhe habe ich einen Hinweis durch eine Freundin erhalten, dass für eine neue Sherlock-Holmes-Serie noch Autoren gesucht werden. Auch dort reichte ich ein Manuskript ein und hatte Glück, mit dabei zu sein.

      Wie stehe ich zum Medium Hörspiel?
      Ich bin definitiv kein Hörspiel-Junkie und kenne sicherlich auch nur einen Bruchteil des gesamten Hörspiel-Universums.
      Dennoch bin ich als „Kassettenkind“ mit Hörspielen groß geworden (damals sogar noch auf LP) und Hörspiele haben mich auf die eine oder andere Weise immer durch mein Leben begleitet. Manchmal habe ich das gar nicht so wahrgenommen, bis ich plötzlich selbst zum Hörspielautor wurde. Aber auch seitdem höre ich nicht mehr Hörspiele wie früher.
      Es gibt keine Serien, die ich explizit sammle. Als Kind/Jugendlicher haben mich die Grusel-Klassiker von EUROPA ungemein fasziniert und ich hatte einige schlaflose Nächte danach. Später habe ich aus dem gleichen Haus die Edgar-Wallace-Serie gehört und noch viel später die Edgar-Allan-Poe-Serie von Lübbe Audio. Seitdem schreibe ich lieber Hörspiele, was ein großes Vergnügen ist.
      Es ist schwierig, über das Hörspiel etwas zu sagen, was noch nicht gesagt oder geschrieben wurde. Für mich persönlich ist es eine tolle Sache, weil es die Fantasie ungemein anregt. Ich bekomme nicht alles als fertiges Produkt serviert wie beispielsweise einen Spielfilm im Fernsehen, sondern muss schon noch meine Vorstellungskraft ein wenig anstrengen. Es ist schade, dass viele Heranwachsende ab einem gewissen Punkt den Bezug zu Hörspielen verlieren und viele denken, Hörspiele seien nur was für Kinder. Auf Lesungen etc. versuche ich immer darauf hinzuweisen, dass es auch Erwachsenen-Hörspiele gibt und sich auch die Älteren mal wieder daran erinnern sollten, wie sie damals begeistert vor dem Radio saßen und sich Hörspiele angehört haben.


      Viele Grüße,
      Marc Freund
      @Marc Freund: Vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen und auch für die tollen bisherigen Ausführungen #daumenhoch#

      Kannst Du Dir vorstellen einmal eine Genre untypische Folge von Lady Bedfort zu schreiben? Also einmal eine lustige, gruselige oder auch in einer anderen Zeit liegende Folge zu schreiben? So wie es ja manchmal in den TV-Serien der Fall ist!

      Markus G. schrieb:

      @Marc Freund: Vielen Dank für die Beantwortung meiner Fragen und auch für die tollen bisherigen Ausführungen #daumenhoch#

      Kannst Du Dir vorstellen einmal eine Genre untypische Folge von Lady Bedfort zu schreiben? Also einmal eine lustige, gruselige oder auch in einer anderen Zeit liegende Folge zu schreiben? So wie es ja manchmal in den TV-Serien der Fall ist!



      Hallo Markus,

      das kann ich mir durchaus vorstellen. Eine reine "Comedy-Folge" von Lady Bedfort halte ich allerdings für ein bisschen gewagt, ehrlich gesagt. Potential würde die Serie mit ihren Stammcharakteren sicher bieten aber man muss sich von vornherein darüber im klaren sein, dass sich an so einer Folge ganz sicher die Geister scheiden. Hier wäre ich eher dafür, die einzelnen Folgen gezielt mit ein bisschen Humor zu würzen, was ja durchaus hier und da bereits anklingt.
      Mit der Jubiläumsdoppelfolge "Das Grauen im Nachtexpress" haben wir Lady Bedfort & Co. ja bereits in eine andere Zeit versetzt und auch die Rollen der Stammsprecher bunt durcheinander gewürfelt. Und mit der Folge "Das Tal des Unheils" sind wir schon einen schönen Schritt in Richtung Grusel gegangen, würde ich behaupten, auch wenn die Auflösung später eine rein rationale war.
      Diese "Ausflüge" haben mir beim Schreiben durchaus Spaß gemacht und ich will nicht ausschließen, dass wir künftig nicht mal wieder etwas in dieser Art machen werden. Man sollte sich meiner Meinung nach aber davor hüten, Lady Bedfort zum Beispiel mit "echten" Geistern und Dämonen in Kontakt zu bringen. ;D
      Generell bin ich aber schon für derlei Experimente zu haben. Man muss halt nur schauen, dass so ein Ausflug immer noch mit dem bestehenden Lady-Bedfort-Kosmos vereinbar bleibt.

      Viele Grüße,
      Marc
      Hallo Markus,

      danke für dein Interesse.


      Markus G. schrieb:

      Kannst Du Dir vorstellen hauptberuflich Autor zu sein?


      Die Vorstellung, von zu Hause aus arbeiten zu können und mit einer so wundervollen Tätigkeit wie Schreiben seinen kompletten Lebensunterhalt zu verdienen (und vielleicht noch davon zu verreisen und etwas für später zurück zu legen, und, und, und…), ist selbstverständlich nach wie vor sehr verlockend. Ich denke aber, dass dieses Privileg derzeit in Deutschland nur einigen wenigen vorbehalten ist. Und allein mit dem Schreiben von Hörspielen wird man das nicht erreichen können, selbst wenn man sich noch so sehr einschränkt. Da müssen schon ein paar Bestseller in Buchform her oder ein Angebot vom Fernsehen als Drehbuchautor für eine Dauerbrenner-Serie.


      Markus G. schrieb:

      Hast Du als Autor ein Vorbild dem Du nacheiferst?



      Hier habe ich gleich zwei Antworten parat. Eine kurze, die ganz einfach den Kern der Frage beantwortet und eine längere für diejenigen, die entweder die kurze nicht glauben können oder einfach doch noch mehr erfahren wollen. ;)

      Kurze Version: Nein.

      Lange Version:
      Natürlich gibt es eine gewisse Anzahl von Schriftstellern, die ich gerne lese und die ich für ihren Schreibstil und ihre Erzählweise bewundere. Auch im Hörspielbereich gibt es einige Autoren, denen ich meinen höchsten Respekt für ihre Arbeiten zolle. Aber weder unter den Buch- noch unter den Hörspielautoren gibt es jemanden, der eine Vorbildfunktion für mich hat. Ich versuche, meinen eigenen Weg zu gehen und jede Arbeit so abzuliefern, dass mein jeweiliger Auftraggeber und vor allem auch die Mehrheit der Hörer/Leser da draußen mit meinen Geschichten zufrieden ist.


      Viele Grüße,
      Marc
      Vielen Dank für Deine Antwort! Ich mag immer die langen Antworten ;)

      Was ich immer schon fragen wollte, aber nicht weiß ob man dies fragt bzw. ob Du Antworten möchtest... Ich bin selbstständig und habe einen Gewerbeschein. Ich stelle für meine Tägigkeiten Honorarnoten und mein Steuerberater kümmert sich darum, dass ich keine Steuer zahle ;D Wie sieht das als Autor aus? Arbeitet man da auch mit einem Gewerbeschein? Wenn Du darauf nicht Antworten möchtest, dann ist es total OK und ich editiere meinen Beitrag.

      Liebe Grüsse,

      Markus
      Hallo Markus,

      Ich arbeite derzeit ohne eine eigene Gewerbeanmeldung. Bei meinen Einkünften, die ich aus den schriftstellerischen Tätigkeiten erhalte, falle ich noch unter die sogenannte Kleinunternehmer-Regelung. Diese kann man optional in Anspruch nehmen und sie besagt unter anderem, dass ich zwar Rechnungen schreiben muss aber eben nicht umsatzsteuerpflichtig bin. Heißt in der Praxis: Ich schreibe Rechnungen über meine Tantiemen und reiche sie für das jeweilige Jahr zusammen mit meinen anderen Unterlagen bei meinem Steuerberater ein, der daraus dann meine Steuererklärung strickt. ;D
      Es gibt sicher auch andere mögliche Modelle; ich habe mich für die oben genannte Variante entschieden.

      Viele Grüße,
      Marc
      @Markus + @Marc

      kurzer Hinweis, wenn ich bei meinem Vater richtig aufgepasst habe ;)

      Als Schriftsteller brauchst Du keinen Gewerbeschein bzw. eine Gewerbeanmeldung egal ob Du nach §19 (2) abrechnest, da Du freiberuflich arbeitest (Achtung nicht gemeint Selbstständigkeit, das ist steuerlich noch ein Unterschied).
      Da kannst Du auch gerne über die Freigrenze mit Deinem Umsatz kommen. Als Künstler oder Schriftsteller braucht man, wie gesagt diese Anmeldung im allgemeinen nicht. Hat aber nichts damit zutun, ob Du USt-pflichtig bist oder ESt bezahlst. Es gibt in Deutschland eine Tabelle mit den sogenannten Freien Berufen, die sind davon befreit.

      Ansonsten danke für Deine Antworten. Im übrigen mag ich auch lange Antworten ;)

      Grüße Jan
      "Der Anfang des Denkens, ist der Tod der Sinne" - aus dem Programm ≈Weltensegler≈

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von „Weltensegler“ ()

      Andreas Masuth schrieb:

      Hi Marc!

      Mal so außer der Reihe: Ich freue mich auf deine neuen Lady Bedfort Teile! Und auf die Holmes´ erst recht!!

      P.S.: Teile in vielen Punkten oben deine Meinung.

      Beste Grüße, Andreas


      Dem kann ich mich nur anschließen.

      Viele deiner gemachten Ausführungen zum Schreiben von Krimis und Lady-Bedfort-Geschichten kann ich ebenfalls unterschreiben. Und die kommenden wahrscheinlich auch schon blind. ;)
      "Was sagt man darüber, wie man Bücher schreibt? Man denkt sich etwas aus und zwingt sich, es aufzuschreiben."

      Ariadne Oliver, Poirot: Wiedersehen mit Mrs. Oliver
      Frage: Wie lange hast Du gebraucht um Dich im Lady Bedfort Universum aus zu kennen? Hast Du Dich in die bisherigen Skripte eingelesen oder hast Du Dir alle bisherigen Hörspielfolgen angehört? Oder beides?

      Frage: Schreibst Du zuerst die Geschichte nieder und bringst sie dann in eine "Hörspielform" oder schreibst Du gleich von Beginn weg ein Dialogregiebuch, wie man es dann fast 1:1 für das Hörspiel übernehmen kann?

      @Thorsten: Bist Du aktuell als Autor bei Lady Bedfort aktiv, wenn JA für welche Folgen? Können wir auch einen eigenen Fragethread aufmachen?
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