AMADEUS (eine Hörspielserie des HÖRPLANET) ...

      Arkham schrieb:

      Vom Prinzip wurde doch schon alles gesagt was es zu sagen gibt.


      Zu jeder Gurkenserie kann man sich ins endlose totpalavern, da ist es hier doch erst recht möglich. Problem nur, dass man da auch eigentlich am besten alles durchgehört haben sollte, frisch in der Materie steckt. Da es oft kein paralleles Hören mehr gibt (außer den neuen Holmes..), ist das immer recht schwierig....

      Bei Amadeus finde ich in erster Linie schade, dass sich der Autor nun anscheinend komplett aus der Hörspielwelt zurückgezogen hat, das ist ein großer Verlust...!
      Stimmt nicht!
      Bei Amadeus finde ich in erster Linie schade, dass sich der Autor nun anscheinend komplett aus der Hörspielwelt zurückgezogen hat, das ist ein großer Verlust...!


      Nach einer Pause ... Die schwarze Serie, Folge 10: Die Verschwundenen - Sebastian Weber. Klasse Hörspiel ....
      Wenn ich mich recht entsinne kommen wohl noch mehr Hörspiele in dieser Reihe von ihm.


      autorenwelt.de/users/sebastian-weber
      Na richtig, klar, da stand ich mal wieder im kognitiven Wartebereich, die fand ich doch gut, Schwarze Serie hatte ich überhaupt nicht auf dem Schirm. Mehr ist natürlich immer gut und so ich den Beitrag von Captain Blitz verstehe, wird es da auch noch fett weitergehen..! Ist neben Pater Brown für mich die gelungenste Weiterführung (wahrscheinlich hab ich wieder was vergessen, aber egal)...
      Ich nähere mich der Zielgeraden...

      Partitur 10: Janus
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      Da sich AMADEUS für den Verlag weiter nicht zu rechnen schien, entschloss man sich, die Reißleine zu ziehen. Das Hin und Her, das dieser Entscheidung folgte, dürfte den meisten Hörspielfans noch gut in Erinnerung sein und ist sicher kein Ruhmesblatt für den Hörplaneten. Zu guter Letzt lief es darauf hinaus, dass die Serie mit Folge 13 enden würde und die letzten 4 Folgen in einer CD-Box zur Veröffentlichung kommen sollten. Die Vorbesteller erhielten die einzelnen Episoden nach Fertigstellung vorab per Download. 'Janus' dürfte schon vor den ganzen Querelen fertiggestellt gewesen sein, denn man merkt der Folge nicht an, dass es im Hintergrund Probleme gegeben haben könnte. Ganz im Gegenteil, mein Fazit für Partitur 10 lautet: WOW! Zwei Handlungsstränge, die sich abwechselnd in den Vordergrund drängen. Davon der eine um das Duell irrsinnig komisch, der andere um das Schicksal des Herrn Gensthaler und seiner Familie hingegen dermaßen erschreckend und berührend, dass es einem die Kehle zuzuschnüren droht. Die beiden Handlungsebenen scheinen nichts miteinander zu tun haben, beinhalten aber jeweils neue Hinweise bezüglich der Rahmenhandlung der Serie. Und die Monologe des alten Resch drehen sich immer mehr um philosophische Grundfragen. Wie immer tolle Sprecher, großartige Dialoge, hochwertige Geräuschkulisse und ein Musikeinsatz, den man wohl perfekt nennen muss. Es gibt kaum eine Szene, die ohne musikalische Untermalung auskommt, dennoch wirkt das nie ermüdend oder übertrieben. In einer Vorankündigung zur Serie hatte der Hörplanet mal geschrieben, dass bei AMADEUS alles Wissen und alle Erfahrung der Macher in punkto Hörspiele zusammenfließen würden. 'Janus' stellt eindrucksvoll unter Beweis, dass das keine Übertreibung war. Hut ab! Schenken können hätte man sich hingegen den Satz 'Das Runde muss ins Eckige', den der geheimnisvolle 'Schutzengel' zu Constanze sagt. Da reiht sich in die schlechten Gags über Marlene Dietrich, die Schweizer und Falco nun also Sepp Herberger ein. Finde ich weiterhin unnötig und nicht gelungen.


      Partitur 11: Bundting
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      Die elfte Partitur ist eine interessante Folge, die allerdings auch mit einem ziemlich abgedrehten Finale aufwartet. Atmosphärisch ist die Geschichte erneut sehr stark, wobei Episoden- und Rahmenhandlung wieder untrennbar miteinander verwoben sind. Humorvolle und mysteriöse Szenen wechseln sich ab, die Dialoge sind geschliffen, die Handlung steuert unaufhaltsam einer finalen Auseinandersetzung zu – und dann wird diese mit einer Flöte und einer Violine ausgetragen! Ich bin mir nicht sicher, ob ich das genial oder bescheuert finden soll. Zumindest schafft es die Reihe auch noch in der elften Folge, meinen Erwartungen zuwiderzulaufen. Dazu zählt für mich auch, dass das Schicksal des Herrn Gensthaler weiter erzählt wird, womit ich überhaupt nicht gerechnet hatte. Das war für mich eigentlich auserzählt. Umso schöner, dass es für ihn dann doch noch eine Art versöhnliches Ende gibt – Happy End kann man das wohl trotzdem nicht nennen. Der scherzhafte Bezug zur Gegenwart ist diesmal 'Wer bin ich und wenn ja wieviele'. Nun ja... An der Produktion gibt es wenig zu bemängeln, obwohl ich gleich beim ersten Dialog zwischen Resch und Gensthaler das Gefühl hatte, das Xen deutlich zu hören. Wenn überhaupt ist das aber nur ein winziger Makel. Schwerer wiegt für mich, dass ich hier erstmalig das Gefühl hatte, dass eine Folge zu lang geraten ist. Mit 60 statt 74 Minuten wäre man meines Erachtens besser bedient gewesen. Es wundert mich tatsächlich, im Internet an mehreren Stellen gelesen zu haben, dies sei eine der besten Folgen bzw. die Lieblingspartitur. Bleibt mal wieder festzustellen, dass die Geschmäcker sehr unterschiedlich sein können. Mit einer Rangfolge kann ich bei AMADEUS zwar nicht dienen, aber wenn ich die (bis dato) am wenigsten gelungene Folge nennen sollte, wäre das für mich der Bundting. Vielleicht aber auch nur deshalb, weil ich mit dem Wissen, dass das Finale näherrückt, mehr Interesse für die Rahmenhandlung aufbringe als für eine abgeschlossene Erzählung? Natürlich ist das mal wieder 'Jammern auf hohem Niveau', ein gelungenes Hörspiel ist 'Bundting' trotz alledem.


      Partitur 12: Anonymus
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      Die vorletzte Partitur ist nichts anderes als der Anlauf für das große Finale. Der Anfang ist heiter und locker geraten, dann aber ändert sich der Tonfall mit Franziskas Tod schlagartig. Im Verlauf klären sich ein paar Zusammenhänge der bisherigen Folgen, ansonsten läuft alles auf die große, finale Auseinandersetzung zu – und dann ist die Folge 'mittendrin' vorbei. Das stört natürlich nicht, wenn man die letzten Partituren in der Box erworben hat und dann gleich weiterhören kann. Aber für die Vorbesteller, die den Vorab-Download gehört haben, muss die Wartezeit bis zur abschließenden Folge 13 sehr lang gewesen sein. Man muss auf einige liebgewonnene Zutaten verzichten: Es gibt keinen Erzähler, der alte Resch taucht nur als normale Figur auf. Damit fehlen die gewohnte Einleitung und der Abschluss der Folgen und meines Erachtens ändert sich dadurch, dass auch die Spielhandlung nicht mehr von Erzählpassagen begleitet wird, der Tonfall deutlich. Das klingt sehr viel konventioneller als in den bisherigen Partituren und hebt sich bei weitem nicht mehr so sehr von anderen Produktionen ab wie erwartet. Zudem fehlen scheinbare Kleinigkeiten wie die Eingangsmusik und der musikalische Schlusspunkt, die man einfach erwartet und deshalb umso mehr vermisst. Insgesamt gefällt mir Partitur 12 vom Handlungs- und Spannungsbogen her sehr gut, wirkt aber etwas gehetzt und in der Umsetzung lieblos im Vergleich zu den bis dato gesetzten Standards. Was der Folge gar nicht gut tut ist, dass Jürgen Kluckert nicht mehr an Bord ist. Statt dessen hat man sich entschieden, Kim Hasper nicht nur den jungen, sondern mit verstellter Stimme auch den alten Resch sprechen zu lassen. Das macht er durchaus gut, aber dennoch hört man deutlich heraus, dass hier ein jüngerer Mann sich bemüht, alt zu klingen. Glaubwürdig ist das in keiner Sekunde und kommt auch ansonsten nie an die Wirkung heran, die Kluckert zu erzielen wusste. Man hätte sich meines Erachtens bemühen müssen, einen ähnlich klingenden Sprecher wie Kluckert zu finden, wenn der schon nicht zur Verfügung stand. Der ansonsten hoch geschätzte Kim Hasper ist keine gute Wahl und es ist zu vermuten, dass man ihn einfach genommen hat, weil er sowieso zur Verfügung stand. Zeit und Geld wollte man wohl nicht mehr investieren. Egal, ob das so war oder es andere Gründe für diese Entscheidung gab: Sie funktioniert nicht und wertet diese bis dahin meist großartige Serie auf den vorletzten Metern deutlich ab. Schade ist gar kein Ausdruck dafür.

      Das Leben ist eine wilde Reise! Gefährlich! Unvorhersehbar! Voller Überraschungen - selbst wenn du es damit verbringst, irgendwo auf einem Stuhl an ein und derselben Stelle sitzen zu bleiben. (Walter Moers)
      Zieleinlauf...


      Partitur 13: Requiem
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      Eine Mystery-Serie zufriedenstellend aufzulösen ist keine leichte Übung. Man kann zu viel erklären und dem Ganzen damit seinen Zauber nehmen – oder zu wenig und es bleiben entscheidende Fragen offen. Oder man tischt eine Lösung auf, die für Fans schlicht enttäuschend ist. Beispiele für solche misslungenen Finalfolgen gibt es genügend. AMADEUS hingegen endet mit einem der genialsten Hörspiele, das ich je gehört habe. Ich bin wirklich schwer beeindruckt und immer noch ein wenig 'geflasht'. Die Handlung springt von einer Zeitebene zur anderen, vom Dies- ins Jenseits und zurück, zwischendrin gibt es dann noch eine Traumsequenz. Das ist ein bisschen viel und man muss höllisch aufpassen, um den Faden nicht zu verlieren. Ich gestehe, dass ich die abschließende Partitur beim erstmaligen Hören nicht verstanden habe. Erst nach zwei weiteren Durchgängen glaube ich, alles Wesentliche erfasst zu haben. Man mag sich streiten, ob das übertrieben verschachteltes Erzählen ist oder nicht. Ich fand es gelungen und habe das Hören als Herausforderung im positiven Sinn erlebt. Es werden tatsächlich alle in den 12 vorherigen Folgen aufgeworfenen Fragen beantwort – zumindest wenn man sich auf die Grundprämisse einlässt, dass es nicht ums Wissen geht, sondern ums Verstehen. Detaillierte Erklärungen, wie etwas funktioniert, erhält man demzufolge nicht, aber die Abläufe fügen sich ineinander und alles ergibt am Ende Sinn. Dazu kommt, dass die Grundannahme, dass der Anonymus die wissenschaftliche Entwicklung der Welt beschleunigen wollte, damit Maschinen vor ihrer Zeit gebaut werden, die ihm die zur Heimreise nötige Energie liefern können, ebenso originell wie schlüssig erscheint. Und auch die letzte Partitur überrascht noch mit einer inhaltlichen Entwicklung, die wohl kaum jemand auf dem Plan gehabt haben dürfte. Denn am Ende ist nicht der Anonymus der große Gegenspieler, sondern Reschs Ordensbruder Kupfer, mit dem man zuvor gemeinsam gegen den Anonymus gekämpft hatte. Auch diesmal gibt es wieder tolle Dialoge, großartiges Sounddesign, überwältigende Musik – kurz: Alles, was man an der Serie so lieben gelernt hat. Der Abschied von der Reihe fällt entsprechend schwer. Wenn es etwas an der Abschlussfolge zu bemängeln gibt dann ist es erneut das Fehlen von Jürgen Kluckert. Ein Erzähler hätte hier wieder gut gepasst – und die Szenen, in denen der junge und der alte Resch sich begegnen, wären ziemlich sicher eine Bombe geworden.


      Fazit
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      AMADEUS bietet knapp 15 Stunden hochwertige Hörspielunterhaltung. Man merkt fast durchgängig, dass sehr viel Herzblut in der Produktion steckt. Die Bücher bedienen nicht nur Genre-Stereotypen (das auch), sondern sind durchgängig um Originalität und Qualität bemüht. Das beginnt bei der Titelwahl, geht über die Handlungsbögen und Dialoge bis hin zu den Charakterzeichnungen. Die Produktion ist zudem handwerklich extrem gut gemcht. Und der übergeordnete Handlungsbogen ist durchdacht und schlüssig, was man gar nicht hoch genug loben kann. Das läuft dann der Erwartungshaltung oft sehr entgegen, so dass am Ende vermutlich jeder Hörer die eine oder andere Kleinigkeit finden wird, die ihm vielleicht nicht so gefällt. Schlimm ist das nicht, denn AMADEUS ist auch keine Produktion, die es jedem Recht zu machen versucht hat. Wenn es denn stimmt, dass sie wirtschaftlich kein Erfolg war, muss man dem Hörplaneten hoch anrechnen, dass er die Serie dennoch beendet hat. Gegen Ende gibt es allerdings ein paar Wermutstropfen durch das Fehlen von Jürgen Kluckert und die uninspiriert wirkende Folge 12. Ich würde ein paar Euro darauf wetten, dass die Folgen 1 bis 11 genau so erschienen sind wie von Anfang an geplant und die 12 und 13 ursprünglich eine finale Doppelfolge werden sollten, die dann umgebaut wurde. Wie auch immer: Trotz dieser Mängel ist der Gesamteindruck von AMADEUS überwältigend. Eine Schande und nicht nachvollziehbar, dass das kein Mega-Seller geworden ist. Egal, was man vom Hörplaneten hält: Wenn da wirklich keine Hörspiele mehr kommen sollten (was ich nicht glaube) hinterlassen sie neben 100 Folgen Lady Bedfort mit AMADEUS auch noch eine der besten (und zudem abgeschlossenen) Mystery-Grusel-Serien überhaupt. Ein durchaus stolzes 'Erbe'.


      So, und jetzt lehne ich mich zurück und warte mit auf @Chris Amadeus-Super-Special...
      Das Leben ist eine wilde Reise! Gefährlich! Unvorhersehbar! Voller Überraschungen - selbst wenn du es damit verbringst, irgendwo auf einem Stuhl an ein und derselben Stelle sitzen zu bleiben. (Walter Moers)
      Tolles Fazit! Danke @Stollentroll. Dies würde ich so unterschreiben und ich gehöre nun wirklich zu denjenigen, die dem Hörplaneten gegenüber nicht positiv eingestellt sind. Amadeus gehört wirklich mit zum Besten, was ich hören durfte. Und das man es abgeschlossen hat, dafür zolle ich höchsten Respekt. Anders als ein gewisser Herr S., der in einem angeblichen Interview sagt, dass es weitergeht.

      Chris schrieb:

      im Laufe des Jahres kommt dann mein Amadeus-Superspecial.
      Ich wusste doch, da war noch was. Allzu lang ist das Jahr ja gar nicht mehr... :)
      Das Leben ist eine wilde Reise! Gefährlich! Unvorhersehbar! Voller Überraschungen - selbst wenn du es damit verbringst, irgendwo auf einem Stuhl an ein und derselben Stelle sitzen zu bleiben. (Walter Moers)

      Stollentroll schrieb:

      Zitat von Chris: „im Laufe des Jahres kommt dann mein Amadeus-Superspecial.“ Ich wusste doch, da war noch was. Allzu lang ist das Jahr ja gar nicht mehr... <img src="http://www.hoerspieltalk.de/wcf/images/smilies/smile.png" alt=":)" />


      Huch, schon wieder fast ein Jahr vorbei und ich hab nix gemacht, kommt man sich ja vor wie Marco G. oder Volker S. 8o

      Und jetzt hänge ich grad wie halb Deutschland bei "Die Hungrigen und die Satten" fest, dazu die ganzen fetten Radiomehrteiler im 2. Halbjahr. Hörtechnisch bin ich bis Weihnachten ausgebucht, aber dann könnte sich eine Lücke auftun.

      Das Superspecial kommt, falls nicht mehr in 2018, dann zumindest vor GGX und der Fortsetzung von Gabriel Burns ;)
      "Ich habe mittlerweile ca. 30000 Hörspiele gehört, bitte, danke."

      Simmering gegen Kapfenberg Greenskull gegen Audionarchie Dreamland gegen Greenskull - das ist Brutalität
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